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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-08-27 · 35 (27.8.1915) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
35 (27.8.1915)
Date
1915-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 35 Dr. Bloch’s Jahrgang XXXII Zentralorgan kür die gesamten Unteressen des Judentums. - ---OOC- Wien, 27. August 1915 Brscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie», H/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie». A. kr. PostsparKasseNÄMt Cleartng-VerKebr Mr. S10.S76. RedaMon und Administration: wir» ° II/i, Praterstraße 9. Telephon 45.359. OO ■ - -~^=oo Dr;ugspreis für Vesterrrirh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Nusland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petitzeile 48 Heller. oP■ - - Qo Inhalt: Leitartikel: Die jüdische Rettungsaktion in Galizien während der russischen Invasion. — Paul Ehrlich. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Weitere Auszeichnungen. Täpferkeitsmedaille erster Klasse. Goldenes Berdienstkreuz. Tr. Theodor Balassa. Jüdische Familien im Felde. Ans dem Felde der Ehre gefallen. Heldentod eines zwanzigjährigen Kompagnieführers. Die Brüder Saborsky. Das Testament eines jüdischen Soldaten. Feldpostbrief. Die Erfindung des Ingenieurs Friedmann. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Befördert. Polnische Juden. Auszeichnungen russischer Juden. Wie Brest- Litowsk Festung wurde. Russische Anleihebedürfnisse. Leutnant Max Seller. Ungerechte Behandlung der Juden in Italien. Henri Morgenthau I)r. h. c. der Konstantinopeler Universität. Der Chiefrabbi bei Marschall French. Jüdische Franen beim Labedienste. Robert Remak. Die Thewillen (Gebetriemen). — Korrespondenzen: Kaisers Geburtstag. Kaiserfeier im Vereins-Reservespital Nr. 11. Im Kaiser Franz Josefs-Arbeiterinnen-Erholungsheim in Seebenstein. Das neue Regime in Galizien. 'Aufruf! — Vermischtes. — Feuilleton: In Lemberg unter der Russenherrschast. — Literatur: „Sulamith" im Carl-Theater. — Briefkasten. — Inserate. Die jüdische Rettungsaktion in Galizien mährend der russischen Invaston. Ueber dieses Thema veröffentlicht die „Gazeta Wieczorna" in Lemberg in Nr. 2395 vom 14. August 1915 folgenden Bericht: „Unlängst fand in Lemberg eine Sitzung des vollen jüdischen Rettungskomitees unter dem Vorsitze des hiesigen Industriellen Leo Wahl statt. Das jüdische Rettungskomitee, dessen Gründung gleich zu Beginn des Krieges noch vor der russischen Invasion nach Lemberg irritiert wurde, entfaltete eine segensreiche Tätigkeit auch zur Zeit der Invasion zum großen Nutzen der hiesigen Armen, der Flüchtlinge und unserer Reservistenfamilien, die ihre Angehörigen größtenteils ohne jedwede Mittel zurückließen. Seine Tätigkeit dehnte das jüdische Komitee auch auf die Fürsorge für die Heranwachsende weibliche Jugend aus; für diese eröfsnete es Arbeitswerkstätten, um einerseits dieser Jugend Arbeitsgelegenheit zu geben, andererseits wieder um dieselbe den schädlichen Einflüssen der Gasse zu entziehen; für die ärmere schulpflichtige Jugend beiderlei Geschlechtes, welche keinen Schulunterricht genießen konnte, wurden drei Kinderschutzheime ins Leben gerufen. Außerdem unterhielt das jüdische Rettungskomitee auf eigene Kosten eine Küche für Internierte in Lemberg, deren Zahl bis an 2000 heranreichte; die von dem Lemberger Magistrat ins Leben gerufenen jüdischen Küchen wurden von dem Komitee subventioniert. Auf Kosten des Komitees wurden täglich 1000 Kilogramm Brot unentgeltlich verteilt; außerdem wurden während der Zeit der Invasion 10 Waggon Kartoffeln, 700 Paar Schuhe, eine entsprechende Anzahl von Kleidern und Wäschestücken den Flüchtlingen unentgeltlich ausgeteilt. Für die Kranken sorgte eine besondere Sektion des Komitees, deren Aufgabe darin bestand, ärztliche Hilfe und Medikamente umsonst beizustellen. Barunterstützungen wurden sowohl an heimische, wie auch fremde Arme, besonders an Reservistenfamilien monatlich zugewiesen. Eine ganz besondere Sektion leitete die Ilnterstützungsaktion für jene Provinzstädte, welche durch die Kriegsoperationen besonders gelitten haben. Es muß besonders hervorgehoben werden, daß das Komitee seine Hilfsmittel einzig und allein aus privaten Gaben und Spenden seiner Glaubensgenossen schöpfte. Der einzige Betrag, den es von einem öffentlichen Institute bisher erhielt, ist dir Zuwendung des k. k. Regierungskommissärs Grubowski im Betrage von 1000 Kronen. Die Revisionskommission, bestehend aus den Herren Landesadookat Maurycy B r e n d e l, Professor Philipp Schleicher, Lehrer Moses Lamm und Dr. Heinrich S t e r n e r drückte nach der Prüfung der Bücher und Rechnungen sowohl dem gesamten Ausschüsse, als auch den einzelnen Sektionen die wärmste Anerkennung und den Dank für die gewissenhafte Arbeit und die Genauigkeit in der Buch- und der Kassengebarung aus. Das volle Komitee nahm die Anträge der Revisionskommission mit Vergnügen zur Kenntnis und beschloß mit Rücksicht auf die fernerhin herrschenden anormalen ökonomischen Verhältnisse seine humanitär-philanthropische Tätigkeit fortzusetzen, es wendet sich daher an alle großherzigen Spender mit der Bitte, auch fernerhin ihm in der schweren Arbeit beistehen zu wollen. Spenden nimmt entgegen der Kassier des Komitees Lazar G o l d b e r g Lemberg, Jagiellonengasse 18, oder. der Vorsitzende Leon Wahl, Brajerowska 20. Das Eeschästslokal des Komitees befindet sich Bernsteina 12. woselbst alle Agenden des Komitees geführt werden." Soviel die „Gazeta Wieczorna". Der Bericht beschränkt sich nur aus die Angabe trockener Daten, ohne in die Vorgeschichte und in die innere Würdigung des Komitees einzugehen. Es ist aber sicher, daß ohne Existenz des Komitees die Durchhaltung der schweren Zeit der russischen Invasion den zahllosen Flüchtlingen aus den kleinen Städten und Flecken Galiziens, wie den ganz mittel- und ratlos dastehenden Reservistenfamilien bedeutend erschwert worden wäre. Als der verhängnisvolle 3. September 1914 kam, barg Lemberg nicht weniger als 4000 Flüchtlingsfamilien. Ganze Judengemeinden im nächsten Strahle von Lemberg, wie Janow, Mikolajow, Magierow. Szczerzec, Kulikow, Zoltance und Kamionka, und sehr viele Familien ans dem weiteren östlichen und nördlichen Teile Galiziens flüchteten sich nach Lemberg vor dem grausamen Feinde, in der Ueberzeugung, mindestens das nackte Leben hier retten zu können. Mer auch das sollte ihnen nicht gegönnt sein, die Russen kamen ihnen auch hierher nach. Es gab kein Fliehen mehr, sie konnten weder vorwärts in die weite Ferne, noch in ihr Heim zurück, das eigentlich nicht mehr bestand, denn die Moskowiter hatten alles vernichtet und niedergebrannt, was jüdisch war. An Wohnungen für die Flüchtlinge hatte es nicht gefehlt, denn kaum geringer als die Zahl der hier angelangten Flüchtlinge war die jener jüdischen Familien, die aus Lemberg nach dem Westen abzog. Jeder Jude, der ein sehr geringes Vermögen

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