Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 34 (20.8.1915)
- Date
- 1915-08-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022177--24408-3049655- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 34 Dr. Bloch's Wochenschrift seile 635 „Bei welchem Anlasse bekamen Sie die Tapferkeitsmedaille?" Bescheiden und ausweichend erwiderte er, trotzdem ich ihn nochmals frug: „Es ist nichts Außergewöhnliches, ich habe nur meine Pflicht getan." „Und was ist Ihre Pflicht?" „Wenn es möglich ist, Gottesdienst mit der Mannschaft abzuhalten und auf dem Verbandsplatz tätig zu sein. Beim Regimente ist kein jüdischer Priester, nur bei einzelnen Korps. Wenn aus den Schützengräben ein Regiment aus der Reserve kommt, oder an Feiertagen, wird Gottesdienst abgehalten. Manchmal find es Fünfh u n d e r t, manchmal nur Fünfzig, soviel als entbehrlich sind. Gleich dort bei den Schützengräben oder unter dem Donner der Kanonen. Im Kriege sind die Menschen frommer. Die Predigt halte ich in ungarischer Sprache. Einmal war auch Exzellenz anwesend. Oft kommen auch Andersgläubige. Während zehn Monaten war der Gottesdienst itur einmal in einem Tempel." „Was haben Sie aus den Verbandsplätzen erlebt? Denkt der Sterbende daran, daß er ein Held ist? Spricht er von der Schlacht, von Ruhm?" „Nein, der Sterbende ist gleich, er hat Schmerzen, er jammert, er verlangt Wasser. Selten, wenn er von den Seinen spricht. Eine individuelle Meinung, etwas zu erzählen, hat nur der Leichtverwundete. Diesen schmerzt es, daß er nicht mit den andern gehen kann. Beim Durchbruch von Gorlice haben sie tagelang gejubelt, daß der Russe flüchtet. Die Mannschaft des 10. Honvedinsanterieregiments sagte stolz, als ich sie fragte, ob die Deutschen tapfere Soldaten seien: Die Deutschen und wir passen zusammen!" „Welches ist die ergreifendste und menschlichste Episode während ihrer seldpriesterlichen Tätigkeit?" iDr. Lemberger dachte nach. Die ergreifendste, die menschlichste? „Es war an der galizischen Grenze. . . . Gottesdienst. . . . Gewöhnlich spreche ich das Kuddischgebet, das Gebet für die gefallenen Soldaten. Ich wollte eben beginnen, als ein Soldat Hervortritt und mich bittet, ihm das Gebet verrichten zu lassen. Während er nuf dem Schlachtfelde war, ist sein Vater gestorben. Ihm zum Andenken. . . . Das hat mich am meisten ergriffen." „Und wer waren die größten Helden Ihrer Konfession während der letzten zehn Monate?" „Held? . . . Dieses Wort kann ich so nicht akzeptieren. Unverhofft entstehen Helden. Der Augenblick macht sie. jWir chatten einen jUngovarer Fähnrich namens Deutsch, ein schwacher, ruhiger Junge. Mit seinem Zug wurde er zum Sturm kommandiert. Die Russen empfingen sie mit einer riesigen Uebermacht. Ein großer Teil seiner Mannschaft bleibt stehen. Deutsch schreit: „Mir nach!" Mit zehn Mann hinein in den russischen Schützengraben. Blutiges Handgemenge. Sie werden gefangen. Es genügt, mit Verstärkung neuerdings anzugreifen. Der Graben wird genommen. Kommandant Kishaszy schlägt Deutsch zur Auszeichnung vor. Dann hatten wir einen Oberleutnant oer zehnten Honved, Porges. Mit Stock und Zigarre ging er in die Schwarmlinie. Man sagte, die Kugeln greifen ihn nicht an, Am San hat er im Verein mit einem Oberleutnant und einem Unteroffizier 500 Russen aufgehalten. Jetzt ist er russischer Gefangener." Der Rabbiner setzte das Thema über die Juden nicht fort. Es gibt keinen Glaubensunterschied, es gibt nur Kämpfer. Er ist ein fanatischer und stolzer Ungar. Er war mit nördlich von Krakau, zehn Kilometer voll Ratibor. Sie verteidigten Schlesien. Als sie einwaggonniert und weggeführt wurden, glaubten sie, daß sie in die Karpathen kämen. Sie steigen aus, marschieren über Berg und Tal, mit der berühmten Brigade Molnar. Niemand von ihnen weiß, lvohin es geht. Sie entwickeln sich in Schlachtlinie, sie greifen an und entscheiden die Schlacht von Limanowa. „Die ungarische Honved, keine Klajse, keine Konfesiiou. nur ungarische Honved. Und dort graben sie sich ein. Monatelang halten sie die Nidalinie mit der undurchdringlichen Kraft des ungarischen Körpers und ungarischen Blutes. Deutschland gegenüber halten sie die Russen zurück, bis die Armee Mackensen die Vorbereitungen für den entscheidenden Durchbruch vollendet hat. Und jetzt?" Dr. Lemberger hat einen vierzehntägigen Urlaub zum Besuche seiner Familie und seiner Gemeinde. Vor vierzehn Tagen hat er sich, voll Jaroslau kommend, in Przemysl von seinen Kameraden verabschiedet ulld jetzt will er mit ihnen in Lemberg zusammenkommen. Vierzehn Tage von Jaroslau nach Lemberg. Ein Heldengedicht, nein, mehr als das: Wahrheit. gUerrthtr. Dr. D. Leimdörfer,, Rabbiner und Prediger zu Hamburg. Kriegspredigt 1914. Deutschlands und Israels Lieb. Gehalten am Neujahrsfeste (22. September) 5675. — Ismael. Kriegsbetrachtung 1914. Dem Deutschland und Oesterreich-Ungarn neuverbündeten Türkenreiche für den ,.roten Halbmond" gewidmet. — Biblisches Drama eines Bierverbandes Kriegsbetrachtung Juni 1915 — Unsere Gottesheiligung. (Keduschah) Verlagsbuchhandlung I. K a uffm an n, Frankfurt am Main. Kriefkaste« Bensen. Unsere Mitteilungen sind authentisch und zuverlässigen Zeitungen entnommen. Kurt Blumenfeld. Der Zionismus. Eine Frage der deutschen Orientpolitik. Sonderabdruck aus den Preußischen Jahrbüchern, herausgegeben von Hans Delbrück Band 161 (Heft 1). Berlin 1915. Verlag von Georg S 1 i l k e, Hosbuchhändler Seiner k. u. k. Hoheit des Kronprinzen. Klara Krasnopolsky-Stiftung für Arme. Anzahl der Plätze: Unbestimmt, zusammen Kr. 108.—. Bewerbungsberehtigt sind: Israelitische Arme. Bevorzugt sind: Arme Verwandte der Stisterin. Verleihungslag: 6. Oktober 1915 (28. Tischri). Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. August 1915. Einreichstelle: 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einrcichungsprotokoll). Josef und Eacilie Adler-Stiftung für Wohnungsmietebeiträg?. Anzahl der Plätze: Unbestimmt, in Beträgen von je 40 bis 60 Kronen, zusammen 240 Kronen. Bewerbungsberechtigt s.nd: Arme israelitische Personen. Berücksichtigung finden in erster Linie: Verwandte der Stifterin Cäcilie Adler, sodann Witwen mit unversorgten Kindern, ältere hilflose Frauen oder Mädchen, die sich durch Handarbeit ernähren, endlich dem Lehrfache angehörige Personen. Verleihungstag: 26. Oktober 1915. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, eventuell Totenschein des Gatten. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. August 1915. Einreichstelle: 1. Bezirk, Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). Heinrich St?rusche Ausstattungs Stiftung. Anzahl der Plätze: Einer im Betrage von 265 Kronen. Bewerbungsberechtigt find: Arme, brave, jüdische Mädchen, welche sich im Brautstande befinden. Bevorzugt find: Verwandte des Stifters, Herrn Heinrich Stern, gestorben in Wien am 14. September 1887. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Sittenzeugnis, Verlobungsnachweis, eventuell Verwandtschaftsnachweis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. August 1915. Einreichstelle: 1. Bezirk, Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). Bewerberinnen, welche sich vor der Verleihung der Stiftung verehelichen, werden des Anspruches an dieselbe verlustig.