Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 34 (20.8.1915)
- Date
- 1915-08-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 34 Seite 626 er im Militärdienste vollbracht und als Unteroffizier des 56. Infanterieregiments nahm er an den italienischen Feldzug teil. Herr L ö w y hat sechs Söhne, die alle zum Kriegsdienste herangezogen sind und bei verschiedenen Waffengattungen dienen. Möge es dem wackeren Veteranen vergönnt sein, alle seine Söhne nach dem Kriege heil und gesund begrüßen zu können. Ignatz Krausz aus Baya hat sechs Söhne und einen Schwiegersohn beim Militär. Alle sechs Brüder sowie deren Schwager, Samuel Fenyö, befinden sich seit der ersten Mobilisierung teils auf dem nördlichen, teils aus dem südlichen Kriegsschauplatz. Der siebente Sohn des Ignatz Krausz kommt jetzt zur Musterung. Jakob Stern, Fruchthändler in Neutra, hat fünf Söhne und zwei Schwiegersöhne als Soldaten. Sein ältester Sohn, Emil Stern, Kaufmann in Wien, geriet in russische Gefangenschaft. Sein Sohn Julius, Großkausmann in Wien, hat an den Kämpfen um die Befreiung von Lemberg teilgenommen. Wilhelm Abraham S o n, Oberkantor in Nagytapolcsany, hat drei Söhne als Soldaten. Der eine, Desider, kam vor sechs Wochen schwervcrwundet vom galizischen Kriegsschauplatz zurück und wird in einem Budapester Spital gepflegt. Sein zweiter Sohn, Emanuel, Oberkantor der Kaschauer israelitischen Kultusgemeinde, ist gleichfalls seit mehreren Monaten auf dem galizischen 5t riegsschauplatze. Der dritte Sohn, Julius, ist jetzt als Einjahrig-Freiwilliger in Ausbildung. Sießen Söhne im Ielde. Schaje C h a i m, Lakierer in Brody, hat sieben Söhne im Felde: Hermanir, Gefreiter beim Regiment Nr. 80, verwundet, geht der Genesung entgegen; Bernard, Adolf, verwundet; Jakob, Salomon, Wolf und Josef. Alle stehen seit Kriegsbeginn im Felde. Irei jüdische Kekdengräver im Karlen des Iesmtenklosters. Aus Chyrow wird dem „Egyenlöseg" geschrieben: Sehr geehrter Herr Redakteur! Wollen Sie gütigst in Ihrem gesch. Blatte dem Andenken dieser drei jüdischen Helden ein Plätzchen widmen, welche unter Przemysl den Heldentod starben und im Garten des Chyrower Jesuitenklosters bestattet wurden. Es sind dies: Emmerich Schateles, Feldwebel des 34. Infanterieregiments, starb am 20. Juni 1915; Infanterist Moritz Adler, 70. Infanterieregiment, wahrscheinlich Preßüurger, gestorben am 26. Juni 1915; Julius Schwarz, Honved, Honvedregiment, 302/14 Kompagnie, gestorben am 25. Mai 1915. Ich verbleibe hochachtungsvoll Gefreiter Moritz Schwarz, 66. Infanterieregiment, 4. Komp., Feldpost. Brüder Meck. Die Witwe B e ck in Szabadka hatte zwei Söhne im Felde und beide sind, wie bereits berichtet, in einem und demselben Regimente auf dem Felde der Ehre gefallen. Die gebeugte Witwe erhielt zu dem Verluste ihrer beiden Söhne von dem Regimentsadjutanten das nachfolgende herzzerreißende und das Andenken der beiden Heldenbrüder für alle Zeiten ehrende Beileidsschreiben, welches wir dem „Egyenlöseg" entnehmen: Lager, 14. Juli 1915. Sehr geehrte gnädige Frau! Im Aufträge des Regimentskommandanten gebe ich meiner wahren und aufrichtigen Anteilnahme Ausdruck, an dem schweren Schlage, welcher Sie durch den. Verlust Ihrer beiden Söhne getroffen hat. Ls wird mir schwer Trostworte zu finden, denn der Verlust dieser zwei Kinder ist ein so großer Schlag für eine Wilw-, da er niemals ersetzt werden kann. Ihr Sohn Emmerich war vom Scheitel bis zur Sohle Soldat und Held, wie man ihn nur selten finden kann. Mit heldenmütiger Haltung führte er jede ihm anoertraute Ausgabe aus, blieb selbst in den fürchterlichsten Kugelregen ruhig und bewahrte auch in den gefahrvollsten Situationen seine Kaltblütigkeit. Er war der Liebling unseres Herrn Regimenkskommandanten, den er hingebungsvoll unterstützte und übernahm auch die schwersten Ausgaben freiwillig. Und wie Ihr Sohn Emmerich gelebt hat, so ging er auch in den Tod. Er verhielt sich heldenmütig im Leben und fiel heldenmütig auf dein Felde der Ehre. Ihr lieber Sohn Tibor kam mit tapferer Haltung entschlossen auf den Kampfplatz, begegnete tapfer und ruhig dem Feind, führte seine Abteilung im größten feindlichen Feuer mit besonderer Geschicklichkeit und Ausdauer bis auch ihn das Schicksal erreichte. Er war wirklich ein hervorragender Offiziers-Aspirant, dem seine Untergebenen selbst in den Tod mit Begeisterung folgten. Schon als Ihr Sohn Emmerich fiel, ist die Trauer in unsere Reihen gezogen. Als aber auch der Heldentod Ihres zweiten Sohnes zur Gewißheit wurde, konnten selbst viele tapfere Kämpfer, welche die Leiden und Schrecknisse des Krieges bereits gestählt hatten, ihre Tränen nicht zurüähalten. Groß war die Te'lnahme und schreckliche Niedergeschlagenheit, welche beim Einlangen der Trauerbinde in den Schützengräben sich fühlbar machten. Die allgemeine Teilnahme wendete sich der armen Witwe zu, welche lange Jahre hindurch für die Erziehung ihrer zwei Söhne kämpfte, und sie jetzt im schönsten Alter verlieren mußte. Gnädige Frau! Ihre zwei Söhne sind für das teure Vaterland verblutet, sie starben auf dem heiligen Felde der^Ehre. Sind auch die irdischen Ueberreste der teuren zwei Kinder der Mutter Erde übergeben worden, ihre Seelen flogen in den Himmel und hallen dort treue Wacht, um ihre unglückliche Mutter und die geliebten Geschwister vor jedem Leid zu bewahren. Sie haben noch zwei Söhne zuhause. Ueber diese wird Gott wachen, auf daß sdas Herz der järimen Mutter'nicht >vor Schmerz 'breche. Indem ich Ihnen wiederholt mein tiefstes Beileid ausdrücke, bin ich in ausgezeichneter Hochachtung Stefan D r o l l m. p. Hauptmann, Regimentsadjutant. Km letzter Aienst. Alltäglich, wenn ich die Offiziersmenage in di: Schwarmlinie brachte, setzte ich mich zu ihm, um über allerlei Dinge mit ihm zu sprechen. Kam ich einmal etwas später, wartete er schon recht ungeduldig am Rande seiner Deckung. Im Felde sind wir erst gute Freunde geworden und erzählten uns täglich ein Stück ausunserer Vergangenheit. War's nach einem Gefecht, so mußte er mir genau über den Verlauf berichten und ich freute mich, ihm heil angetroffen zu haben. Er erzählte mir von seiner Frau und seinen vier Kindern, die er in Krakau zurückgelassen hatte. Lauter. Buben pflegte er mit Stolz zu betonen. Kadischsorgen meinte er seufzend. Ja, das waren glückliche Zeiten bis der Krieg kam. Doppelt schwer fiel es ihm, wenn der Schabbes oder ein Feiertag seinen Einzug hielt. Mit allen vier Kindern zog ich in die Schule, währenddem die Frau zuhause die Kerze zündete und den Tisch deckte, pflegte er immer zu sagen. Ich war glücklich und dachte an keine andere Zeit und verstohlen wischte er sich eine Träne weg. Aber der Krieg. Gar oft sagte er zu mir: „Wenn es schon Gottes Rat ist, daß ich in jungen -Jahren sterben soll,-, dann soll er mich zuerst nachhause fahren, damit wenigstens die Kinder wissen, wo ihr Vater liegt. Viele- Gefechte hat er mitgemacht und blieb heil. Die in seinem Rucksacke befindlichen Twillen legte er täglich an und verrichtete auch sonst die vorgeschriebenen Gebete. Und an einem Freitag war's, fast zur gleichen Stunde, als er daheim mit seinen vier Kindern in die Schule ging, daß ihm die tödliche Kugel traf. Schon die ganze Woche fanden heftige Kämpfe statt. Es war dies gleich nach dem Ueberschreiten des Dnjester bei Halicz. Tag und Nacht dauerte der Kampf; denn die Russen versuchten mit allen Mitteln den Vormarsch auszuhallen. An manchem Tage war der Kamps derart heftig, daß es uns unmöglich war, die Menage zuzustellen. Sturmangriff auf Sturmangriff folgte. Und er bli?b heil. Gottlob! Da kam der Freitag,, 5 Uhr nachmittags. Es herrschte Ruhe auf dem Kampfplätze. Da kroch «f"aus der Deckung, um unter einen Zaun sich auszustrecken. Sinnend und an die Buben denkend lag er da. Sii si — pfiff es durch den Acker und er war getroffen. Ein Bauchschuß, sagte der Arzt und legte ihm den ersten Verband an. Einen Sanitätssoldaten holte ich über seinen Wunsch, doch als ich kam, war es schon zu spät. Wir brachten ihn ins Dorf, das menschenleer war. Da kein jüdischer Friedhof vorhanden war, entschlossen wir uns, ihn im Grabe eines Juden zu bestatten. Das Grab wurde aufgeworfen, im Grunde legten wir