Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 33 (13.8.1915)
- Date
- 1915-08-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 610 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 33 Kap.ssmelster Kranz Zirner. Herr Kultusvorsteher Max Zirner u;:d dessen Gattin Gisela Zirner sind von einem schweren Schicksalsschlage betroffen worden. Ihr Sohn, 5iapellmeister Joses Z i r n e i, Kadett im Dragonerregiment Nr. 3, hat in den letzten Kämpfen am nördlichen Kriegsschauplätze den Heldentod gefunden. Aus Briefen des k. k. Ietdrabviners Ar. Arnold tz-rünfeld. (Siehe unsere Nummer vom 23. Juli 1915.) I m F e l d e, den 1. August 1915. Lieber Herr Grab ex! Vesten Dank für die llebersendung der „Wochenschrift". Allerdings hatte ich schon etwas früher Gelegenheit die .Nummer gu lesen und, angenehm überrascht, wahrzunehmen, ,daß--Sie sich ftenndlichst der Mühe unterzogen haben, meine Briefezu veröffentlichen. Lemberg bildet noch immer den Höhepunkt meiner Erlebnisse im Kriege. Wohl hat es an recht unangenehmen Mühseligkeiten seitdem nicht gefehlt. Der grundlose Sand aus den Landstraßen nicht minder als der unglaublich tiefe Kot an Regentagen sind Eigenheiten dieses Landes, in dem ich bereits mehr als zwei Monate herumgewandert bin. Aber das Gebiet ist fruchtbar und wird viel zur Vereitlung des Aushungerungsplanes beitragen, zumal die Russen so gütig waren, in meisterhafter Weise für den Anbau zu sorgen. Elende Nester, aus denen wie ein vielsagendes Wahrzeichen die griechische (russische) Kirche als stat lihstes Gebäude hervorragt, dann wieder verwahrloste Judenstädtchen, an deren Bevölkerung die abziehenden Russen gewöhnl'ch ihr Mütchen kühlen. Während sich die großen Ereignisse jetzt ganz anderswo abspielen, befinden wir uns in einenb ziemlich wohlhabenden Dorf, nicht unic von der ersten Stellung der Unseren am Flusse. Bei Tag, herrscht meistens eine annehmbare Ruhe; kommt aberdie Dunkelheit, dann versuchen dir Russen häuftg, den Brückenkopf zu stürmen, bis sie durch unsere großartige Artillerie eines Besseren belehrt werden. Da die Zahl der Verwundeten bei uns -jetzt recht nnbedeutend ist, habe .ich mehr Zeit, mich einem anderen Teile meiner Tätigkcit zuzuwenden i Während der abgelaufenen Wochen konnte ich bereits einige Gottesdienste für die Soldaten, zuletzt in dem halbverwüsteten Bethaus unseres derzeitigen Aufenthaltsortes veranstalten. Natürlich bestand meine Zuhörerschaft auch aus einem großen Teil der Zivilbevölkerung. Die Post geht ab, ich muß schließen. Mit bestem Gruß verbleibe ich! > _ Ihr Grünfeld. Aerzte-Krnennnngen bei den Konveds. „Egyenlöseg" meldet: Der König hat im honvedärztlichen Offizierskorps für die Dauer des Krieges unter anderen ernannt: Den außerordentlichen Universitätsprofessor Dr. Heinrich Alapy, Primarius der chirurgischen Abteilung im Spitale der Pester israelitischen Kultusgemeinde, zum Oberstabsarzt zweiter Klasse; den Oberarzt des Adele Brody-Spitales Dr. Michael M o h r, ferner die Privatdozenten Dr. Wilhelm Friedrich, Dr. Eugen R a s ch k a i, Dr. Ludwig V e r m e s, Doktor Julius Bencze zu Stabsärzten. Jüdische Kamikien im Ketde. Adolf Füchse l, ein angesehener Kaufmann in Mezö- Tur, hat sieben Söhne, sämtliche Soldaten. Der jüngste, Alexander Füchsel, ist noch am 10. Dezember vorige;: Jahres im Alter von 23 Jahren infolge der am serbischen Kriegsschauplatz erhaltenen Verletzungen den Heldentod gestorben. Der zweite, Dr..-.Julius Füchsel, MipisterialbeWster, ist bei der allgemeinen Mobilisierung als Korporal eingerückt, hat den serbischen Feldzug zu Ende gekämpft, erhielt für sein heldenmütiges Verhalten die Tapferkeitsmedaille erster Klasse und befindet sich jetzt als OffiziersstelTertrcster aMtzem italienischen Kriegsschauplätze, wo er demnächst zum Leutnant befördert werden wird. Der dritte Bruder, Ernst FereM-zch ist gleichfalls bei, der allgemeinen Mobilisierung eingerückt und hat ebenfalls, den serbischen Feldzug mitgcmacht. Moritz Füchsel ist am 15. Januar eingerückt, hat an den Karpathenschlachten teilgcnommeir und kämfist jetzt auf dem nördlichen Kriegsschauplatz. Ludwig F c r e ne z i ist am 15. Januar eingerückt, Wilhelm Füchsel an: 15. April, während Eugen Ferenczi am 15: August eitlzurücken hat, um seiner Militärdienstpflicht zu genügen. Sechs Söhne des Ignatz Koch in Saltavar im Eisenburger Komitat kämpfen ununterbrochen seit der allgemeinen Mobilisierung auf dem Kriegsschauplatz. Sein siebenter Sohn wurde krankheitshalber bedingungsweise beurlaubt. Als achter in der Familie ist fein Schwiegersohn int Monate Februar in den Krieg gezogen. Der Miskolczer Restaurateur Ludwig Burger hat fünf Söhne, von denen vier, welche den Namen B a l l a angenommen haben, in den Krieg gezogen sind. Der eine Sohn, Julius B a lla, Oberleutnant im 10. Honved- , Infanterieregiment, hat Monate hindurch! auf den: nördlichen Kriegsschauplatz tapfer gekämpft und geriet bei einem Ueberfall in russische Gefangenschaft. - Tf.. - _ („Egyenlöseg".) Sieben Söhne im Uelde. Die Witwe Adolf Drechsler in Uezbeg hat sieben Söhne, die sämtlich Kriegsdienste leisten.: Der älteste Sohn Leopold befindet sich in russischer Gefangenschaft, der zweite Sohn Albert kämpfte an der serbischen Front und hält jetzt am Jsonzo Wacht, von . den weiteren Söhnen der Witwe ist Joseph in einer Schlacht schwer verwundet worden, Ignaz, der unter dem Kommando des Generalobersten Hindenburg kämpfte, ist verschollen, Samuel ist auf dem Felde der Ehre gefallen, Philipp und der jüngste Sohn Jakob dienen an der russischen Front. Noch sei erwähnt, daß auch ein Schwiegersohn der Frau Drechsler im Felde steht. Drei Müder in einer Kompagnie. Mit einer Kompagnie des 76. k. u. k. Infanterieregimentes gingen Ende März auch die drei Brüder Salzer mit, alle drei aus Oedcnburg stammend und im bürgerlichen Leben Beamte in Wien. Einander ermutigend und stützend, kämpften sie gemeinsam in der mächtigen Offensive bei Gorlice, schrieben gemeinsam die lustigsten Feldpostbriefe an ihre Angehörigen, bis vor Lemberg einer der drei Brüder gefallen ist. Den: Jnngsten, Eduard, brachten feindliche Kugeln eine schwere Fußwunde bei und er wird jetzt in einem Lemberger Spitale gepflegt. Tags darauf wurde der Mittlere, Sigmund, der aus Patriotismus und aus seinem jüdischen Gefühle heraus sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hatte, bei einem Sturmangriff von einer feindlichen Kugel ins Herz getroffen, welche seinem jungen Leben — er war erst 22 Jahre alt — ein jähes Ende bereitete. Der dritte Bruder, Bela, bettete seinen jüngeren Bruder auf dem jüdischen Friedhof einer nahe gelegenen Gemeinde eigenhändig in das' allzu frühe Grab. In Oedenburg ist die Teilnahme für die tiefgebeugten Eltern eine allgemeine und aufrichtige. Die Muttex der drei Heldenbrüder ist eine Tochter des ersten gründenden Mitgliedes der Oedenburger Kultusgemeinde Salamon P o l l a k. _7- („Egyenlöseg".)