Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-08-13 · 33 (13.8.1915) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
33 (13.8.1915)
Date
1915-08-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022176--24376-3049622
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

m Seite 606 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 33 gegengetzsten wäre. Es gab also gar keinen Grund für dieses grausame Gehaben. Da liegt ein Bruch der geschriebenen und nichtgeschriebenen Völker- und Menschenrechte vor. Ihrem grausamen Verfahren setzten sie durch ihre neueste drakonische, verdammenswerte — alte Menschenrechte spottende — Maßregel die Krone ans, indem sie ganze Judengemeinden, einschließlich Frauen, Kinder, Sch,werkranke, aus ihren Wohnstätten vertrieben. Die Kranken müssen Hunderte Kilometer zu Fuß ein- - hertrabcn. Wer nicht mirhält, wird von den eskortierenden Kosaken durch Nagaikahiebe angetrieben. Zahlreiche blieben tot auf der Straße liegen; es dürften selten mehr als zwei Drittel der Gejagten ihren Bestimmungsort erreichen, es ist ein Jammer, dieses viele Unheil nur 'durchzudenken/geschweige denn mitzuerleben. Dürfen die Völker diesen Verbrechen ruhig zuschauen? Wir wenden uns an unsere amerikanischen Brüder, stehet auf, fraget, was mit den verschleppten Zehntausenoen galizischen und bukowinaischen; Juden geschehen! Wecket das Gewissen der zivilisierten Menschheit, daß sie gemeinsam mit euch in der gerechten Entrüstung sieh gegen den Mördern empöre. Die glaubhafteschnchZeugen der Greuel der russischen Soldateska sind die Tausenden Gräber der ermordeten und der vor der „Schande" in den Tod geflüchteten Mädchen und Frauen, die eingeascherten jüdischen Häuser und die entweihten Gotteshäuser und beschmutzten und zerfetzten „Thorarollen". Wollten wir alles vorhandene einwandfreie Greuelmateriale aufzeichnen, so könnten wir damit Bände füllen. Nur eine Keine Auslese von Greueln wollen wir skizzieren: Herr Katz berichtet,aus ,Tlumacz: Nach dem üblichen Plündern, Morden , stnü ^Schänden verschleppten die Russen die ganze jüdische Bevölkerung, bestehend aus 720 Personen; während der Eskorte starben viele. Aus Kossow berichtet Herr B. Kwetscher, daß dort die Russen vandalisch hausten, plünderten, raubten utld mordeten. Frauen und Mädchen wurden in Gegenwart ihrer Angehörigen geschändet. In Salosch bei Sanok wurden die Juden blutig geschlagen und der 70 jährige Jude Mechel Specher grundlos lebendig begraben, während sein Schwiegersohn gehängt wurde. In einem Dorfe bei Sanok wurde der 84 jährige Osias Lustig von den Russen erschossen, seine greise Frau verstümmelten sie, indem sie ihr ein Ohr und eine Wange abschnitten. Sie erlag ihren Schmerzen. Elieser Simon, Eierhändler aus Mielitz, berichtet unter anderen: eine angesehene jüdische Frau rettete sich vor der „Schande", indem sie vom ersten Stockwerk hinuntersprang, wobei sie Hände und Füße zerbrach. In der Stadt Komarno packten die Kosaken einen auf der Straße ergriffenen Juden und wollten ihre töten. Um das Furchtbare zu verhindern, gab die Frau des Unglücklichen alles, was sie hatte, her: 4000 Kronen und ihren Schmuck. Die Kosaken nahmen es — und erschossen den Mann. Einem Juden mit Namen B. Milner zerstachen sie eine Hand und banden die Hand an das Maul eines Pferdes, das sie sodann wild maMen. Der Mann wurde zu Tode geschleift. Ein anderes Mal ergriffen die Bestien 25 jüdische Knaben im Alter von 16 und 17 Jahren — und erschossen sie, nachdem sie in Reih und Glied aufgestellt waren. Aus Bohordoczanie bei (Stab schreibt Herr Jsak Schreier: Nach unerhörten Erpressungen, Plünderungen und Züchtigungen, verlegten sich die Russen aufs Morden und Frauenschänden, auf jede jüdische Wohnung warfen fick) mehrere Soldaten, schändeten zu vier ober fünf je eine Frau, dabei .mußten Männer, resp. Väter ruhig Zusehen.^Der Jammer war ungeheuer. Viele Mädchen stürzten sich in die Brunnen, um der Schande, zu entgehen; andere, die sich auf. dem Friedhof versteckten, wurden ausfindig gemacht und furchtbar zugerichtet; viele Mädchen mußten tags darauf nach Stanislau ins Spital -überführt werden, alle, darunter auch zwei junge Kinder, welche ihre Mutter beschützen wollten, wurden in dieser kritischen Nacht vom 27. Oktober ermordet. In Sieniava sind die Kosaken am Neujahrstage in die Synagoge eingedrungen und in Gegenwart der Männer wurden Frauen geschändet, wobei sie sich, der Thorarollen als Unterlage bedienten. Eine alte kranke zurückgebliebene jüdische Frau schleppten die Kosaken mit dem Bette auf den Ringplatz, wo sie sie steinigten. Sämtliche jüdischen Häuser wurden von den Russen eingeäschert. Herr Esriel Soffer berichtet aus Horodenka: Acht Juden wurden hingerichtet (angeblich haben sie die Oesterreicher freundlich begrüßt), dabei mußten aber deren Gattinnen in Habtacht-Stellung mit Zusehen. Bei der mindesten Bewegung wurden sie mit Nagaitahieben traktiert. Einen Zugereisten Juden aus Jaslowitz stießen sie in ein brennendes Haus, schleppten ihn sodann aus dem Feuer und weideten sich an dem Schauspiel einer lebenden Feuersäule, bis der Arme verkohlte. Den Bürger Josel Laster^ Mtreidehändler, schlugen sie blutig und hängten ihn dann im Zustande der Agonie. Am Ring- Platze hatten sie einen Tisch aufgestellt, aus welchem sie drei Tage ununterbrochen die Juden mit Nagaikahieben traktierten. - In Sadagora haben die Russen alle jüdischen Häuser ohne Ausnahme geplündert, viele Juden ermordet, darunter den vielverdienten Kultuspräsident Kalman Leib Retter .uyd. dessen Frap,., Die Greuel in Sadagora.kön-, nen kaum beschrieben werden. Wochen hindurch wagte kein Jude sich aus dem Versteck hervor, denn jeder wurde, wenn nicht ermordet, jedenfalls blutig geschlagen und bis zum nackten Leib beraubt. Eine Beschwerde bei den Offizieren blieb fruchtlos, da dieselben auch ihren Teil an dem geraubten Gut hatten. Ein angesehener Insasse von Doholopole sagt aus, daß die Russen am 8. Dezember den Juden Abraham Kahan erschaffen und den Osias Pötzel an zwei zusammengewachsene Fichten gekreuzigt haben. Der Gekreuzigte wurde bewacht, bis er trach dreitägigem qualvollen Leiden verschied. In der Gegend von Kotzmann trieben die Russen sämtliche Inden mit ihren Frauen und Kindern vor die österreichische Front einher, mit der Absicht, sie sollten als Kugelfang dienen. Die Japaner haben oftmals gegen die russische Feldarmee Viehherden vorgetrieben, die das heftigste Feuer auffingen und unter deren Deckung die Soldaten heranmarschieren konnten. Die Russen haben in Galizien aufs neue den Brauch eingeführt, Menschen, wehrlose Menschen, zu diesem Zwecke zu gebrauchen. Diese Menschen waren allerdings nur Juden. Nicht etwa Gefangene, sondern Nichtkämpfer, Greise, Frauen und Kinder. Diese Grausamkeit wurde auch in Nadworna und in zahlreichen anderen Städten verübt. Am 12. Juni verließen die Russen Sniatyn. Vor dem Verlassen der Stadt versammelten sie auf dem Ringplatze 4352 Juden, von denen sie 19, wie man in der Stadt erzählt, unterwegs äufgehängt haben sollen. Die ganze jüdische Bevölkerung wurde hierauf aus der Stadt hinausgeführt und über die Grenze in der Richtung nach Befsarabien getrieben. Die Szenen, die sich damals auf dem Ringplatze abspielten, spotteten jeder Be-, schreibung; es wäre schwer, das Weinen der Greise, das Jammern der Frauen und das Geschrei der Kinder in entsprechender Form zu schildern.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.