Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 31 (30.7.1915)
- Date
- 1915-07-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 31 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 583 verlieh, gelang, das Mädchen Zu besänftigen, worauf dann auch die Mutter zur Ruhe kam. Man ließ sie frei. Diese Szenen durften und konnten indessen den guten Eindruck des Lagerlebens nicht ernstlich trüben. Es schaltet und waltet dort ein Mann mit menschenfreundlichstem Wesen, der es verdient, daß sein Name im jüdischen Gedächtnisse behalten werde. Der k. k. Barackenverwalter Dr. Jarolimek hört mit Recht sein Lob in allen Tönen preisen. Die Art, wie er mit den Flüchtlingen umgeht, ist überaus bestrickend und warmfühlend. Auf jeden Wunsch geht er ein. Mit tröstendem Zuspruch weiß er die disparaten Elemente zusammenzuhalten, ihrer Eigenart Rechnung zu tragen und ihre Anliegen zu erfüllen. Strenge kennt er nicht, denn er sieht in diesen, seiner Obhut anvertrauten Menschen unglückliche Geschöpfe, welche die Unkultur und die Grausamkeit eines blutrünstigen Feindes von ihrer Scholle vertrieben har, und die dafür in der Kultur fürsorglicher Freunde ein Asyl und das Gastrecht %u finden hofften. Sie haben sich nicht getäuscht. Gewiß gibt es hüben eine Unzulänglichkeit, drüben eine Unzufriedenheit; aber all dies ist einerseits Menschenwerk, flüchtig und provisorischen Charakters, und andererseits ist die hie und da aufflanunende Ungebärdigkeit der Insassen doch nur der Ausfluß gesteigerter Erregtheit und des Schmerzes über alle Mühsal und den unsäglichen Jammer, der über diese Aufgescheuchten jählings hereingebrochen ist. Voll tiefer, ans Herz greifender Eindrücke, die natürlich auch in den bei einem kurzen Imbiß ausgetauschten Wechselreden zum Ausdrucke kamen, schieden wir von diesem Judenlager, dessen Hütten zwar nicht den Zelten Jakobs vergleichbar sind, aber doch Obdach und Schutz den armen Bedrängten gewähren, bis auch für sie die Stunde der Erlösung schlägt und sich auch für sie der Weg zu ihrem heimatlichen Boden öffnet, den die feindlichen Hufe zertreten haben, beu aber unsere siegreichen Waffen großenteils bereits zurückgewonnen und von den Unholden gesäubert haben. Wieder ging es nach Wien zurück und wieder unter Blitz und Regenschauer, aber nicht mehr mit dem Auto, sondern mit der Bahn. Und während die Lokomotive pustete und die Räder stampften und kreischten, tönte mir unablässig der klagende Laut des jüdischen Mädchens im Ohre: „Ich werde es dem Herrn Kaiser klagen." Denn sie weiß es, wie wir es alle wissen, daß es der Wille des „Herrn Kaisers" war, es möge das Geschick seiner jüdischen Landeskinder beschirmt und behütet werden. ... tiievütnr. Kriegsk-riefe deutscher und österreichischer Juden. Herausgegeben von Eugen Tannenbaum. Neuer Be.lag, Berlin. 1915. Oktav. 185 Seiten. In einem handlichen Bande hat hier der Herausgeber einige sechzig Feldpostbriefe jüdischer Felszugsteim hmer vereint. , Maßgebend für dis Aufnahme war das Verhältnis des Schreibers zum Judentum, gleichviel, weicher Richtung er angehört." So finden sich in dem Buche Briefe von Orthodoren und Liberalen, Zionisten und ihren Gegnern; kurz, jede religiöse und politische Richtung der Juden ist in ihr vertreten. Die Anordnung der Briefe ist chronologisch; sie beginnen mit den ersten Berichten der ausrückenden Krieger' und endigen mit Berichten von der Feiler des Seder im Felde. Jedem Briefe hat der Herausgeber eine Uebsrschrift gegeben — und, wie man anerkennen mutz, hat er in der Wahl der Ileberschrift viel Geschick, Empfinden und Verständnis bswiesen. Jm einzelnen sind die Briefe ja durch die jüdischen Zeitungen veröffentlicht worden und daher weiter Kreiser bekannt. Was den Reiz der Sammlung ausmacht, ist, datz man hier die Briese vereint und zu einer Einheit zusammengeschlossen findet. So gewinnt man aus der Lektüre des Buches einen Einblick in das Seelenleben des jüdischen Soldaten, ein Bild von dem Geist, der ihn beherrscht. Man kann ihn kurz charakterisieren mit den Worten eines diese: Briefschreiber: „Ich habe das Gefühl, datz jeder Jude gegenwärtig, in der Stunde, in der das Vaterland in Gefahr ist, über das Matz der Schuldigkeit und des Pflichtgefühls auf seinem Platz ausharren mutz." Pflichteifer und Opferfreudigkeit sprechen aus jedem Bri fe — ui nd ein tiefreligiöser Zug zieht fast durch alle hindurch. Daneben erfreut mancher Brief durch die Aufmerksamkeit, w:lche sein Verfasser den Begebenheiten, dem Lande, in dem er weilt, und seinen Bewohnern widmet; vieles ist sicher uni gut beobachtet und trägt den Stempel der Wirklichkeit. Als ungewolltes Zeitdokunlent wirken die Briefe um so eindrucksvoller. Verlag und Herausgeber haben, insbesondere der jüdischen Jugend, hier ein schlichtes, aoec doch recht lesenswertes Kriegsbuch beschert; es braucht nicht cmp fohlen zu werden, da es seinen Weg selbst finden wird. Druck und Ausstattung seien noch besonders hecvorgehoben Jefchurun. Monatsschrift für Lehre und Leben in Jüoeniun. 2. Jahrgang. Heft 7. Herausgeber Dr. I. Wohlgemut l). Verlag des „Jefchurun" Berlin R 24. Jchalt: S. Earlebach: Das Heerwesen und die jüdische Erziehung — D. Hosfmann: Probleme der Pentateucheregese. — I. Münz: Di: Auslösung der Gefangnen. — A. Neuwirth: Das Kriegsfasten. I. Schiffer: Talmudische Miszellen. — Ein Feldpostbrie. - Der neunte Ab. Fes predigt anlählich der Einweihung der Synagoge im k. u. k. Barackenlager für jüdische Kriegsflüchtlinge aus Galisten und der Bukowina in Bruck a d. Leitha, gehalt.n am 27. Juni 191 i vom kais. Rat Aron L e w i n, Oberrabbinsr in Sambor, Galizien. Der Ertrag ist zu Hilfszwecken für jüdische Flüchtlinge in den k. u. k. Barackenlagern gewidmet. — Verlag Jos. Schlesinger, 1. Be;., Seitenstettengasse 5. Kriefkaften. N. Der 10. September 1820 siel auf Sonntag, den 2. Tischri 5581. K. Während des Weltkrieges ist es vor allem Aufgabe einer jüdischen Zeitung, den Anteil des jüdischen Volkes an diesem Kriege durch Feststellung der einzelsten Tatsachen genau zu registrieren und für die Geschichte festzuhalten. In zweiter Linie sodann die Wunden, welche der Krieg schlägt, heilen zu helfen. Dieser grotzen Ausgabe gegenüber müssen alle anderen Rücksichten zurücktreten. Wer das nicht einsieht, mit dem können wir leider in eine.Diskussion nicht eintreten. Die wichligsten Beiträge müsstn deswegen Zurückbleiben. KONKURS. An der hiesigen, mit dem Oeffentüchkeitsrechte versehenen vierklassigen israelitischen Volksschule für Knaben und Mädchen mit deutscher Unterrichtssprache, gelangt mit Anfang des Schuljahres 1915/16 die Stelle eines Lehrers, eventuell einer Lehrerin, zur Besetzung. Mit dieser Stelle ist ein Jahresbezug für einen Lehrer a) mit Reifeprüfung.K 1400 b) mit Lehrbefähigung.K 1600 für eine Lehrerin a) mit Reifeprüfung.K 1200 b) mit Lehrbefähigung .... K 1400 sowie mit 6 Quinq iennien verbunden. Ausserdem erhalten die Lehrpersonen, welche nachweislich zur Erteilung des Religionsunterrichts und der hebräischen Sprache befähigt sind, eine Qualifikationszulage von K .200 jährlich. Bewerb'r um diese Stelle müssen die österreichische Staatsbürgerschaft und ein Zeugnis der Lehrbefähigung oder der Reife für allgemeine Volksschulen mit deutscher Unterrichtssprache besitzen. Der akzeptierte Bewerber wird unter Anrechnung seiner anderweitig zurückgelegten Dienstjahre für die Berechnung der Pension und der Quinquennien sofort definitiv angestellt. Gehörig belegte Offerte sind bis längsters 10. August 1. J. an den Vorstand der isr. Kultusgemeinde M.-Ostrau zu richten. Der Kultusvorsteher: Dr. Alois Hill; Geschiedene mit großem Vermögen gesucht für Berliner Akademiker, im 40 r Jahr d r geschieden. Offerte unter >Ff. U. 1908« befördert die Expedition des »Berliner Tageblatt«, Berlin, Leipzigerstrasse 103. Langjähriger Schächter, der, in der Gemeinde Sadagora (Bukowina) durch 15 Jahre in definitiver Stellung, sucht provisorischen Posten, derzeit in Wien, II., Herminengasse 16, Tür 6. G.