Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-30 · 31 (30.7.1915) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
31 (30.7.1915)
Date
1915-07-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022174--24348-3049592
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 580 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 32 und dem Vizepräsidenten kaiserlichen Rat Adolf W e n g e r -m Vestibüle begrüßt, worauf das Mitglied des Wiener Vertreterkollegiums Dr. Marcus Spitzer, als offizieller Vertreter der Wiener Kultusgemeinde, unter Hinweis auf das Haftora-Wort „Kaul aumer kroh — jowesch chozir, nowel ziz" die derzeitige traurige Weltlage berührte und der Erwartung Ausdruck verlieh, daß der ins Amt einzuführende Rabbiner, den er als anerkannt großen Talmudisten und Verkündiger strenggläubiger Lehren herzlich willkommen hieß, in dieser schweren Zeit das Judentum zu beleben, zu heben und zu befeuern in der Lage und befähigt sein wird. Beim Eintritte des Zuges unter Vorantritt des Rabbiners wurde' Se. Ehrwürden mit einem vom ersten Kantor Armin Stift und Chor zum Vortrag gebrachten „Boruch habo" begrüßt und vom Vorstände zu seinem Sitze geleitet, der ebenso wie der Tempel mit prachtvollen Blumengewinden und Gewächsen geschmückt war. Nach Vortrag des Einleitungsgebetes „Ma tauwu" und des Chorales „Hallclujah" hielt Herr- Rabbiner Dr. Funk eine schöngeformte Dankesrede, welche helle Begeisterung wachrief. Sie klang in ein Gebet für unseren hocherhabenen Monarchen, für die ruhmgekrönten Heere und die unserer Verbündeten aus. Nach Verrichtung des Abend- und Nachtgebetes und dem Schlußgesang „Adaun Aulom" war die schöne Feier beendet. — Tags daraus hielt Herr Rabbiner Dr. F u n k vor dem Mussaphgebete die Antrittsrede. Auch hiezu waren viele Abordnungen der Bethaus- und Wohltätigkeitsvereine sowie zahlreiche Mitglieder verschiedener Vereine erschienen, so daß der große Tempel bis über das Vestibül hinaus überfüllt war. Anknüpfend an die überlieferte Lehre „der Männer der großen Versammlung" — jener Führer, die in einer unserer Zeit ähnlichen, sturmbewegten 'Epoche gelebt und das Schiff des Glaubens aus den wildbewegten Wellen des Lebens in den Hafen der Ruhe geleitet haben — an den Spruch: „Seid gelassen im Richtsprüche, stellet viele Schüler aus und machet einen Zaun um die Lehre", entwickelte Herr Rabbiner Dr. Funk sein Programm in großen Zügen. Er betonte, daß der Seelsorger sowohl der neuen Zeit als auch den neuen Verhältnissen, die der Krieg geschaffen, Rechnung zu tragen habe. Einerseits hat er als treuer und gewissenhafter Hüter und Wächter der Religion die durch den Weltkrieg vertieften religiösen Gefühle zu hegen und zu pflegen, durch Lehre und Beispiel zu stärken, andererseits aber wird er, um „viele Schüler auszustellen" und der Lehre Eingang in weite Kreise zu verschaffen, gleiche dem weisen Lehrer Hillel inilde, sanft und tolerant — allen Parteirichtungen gegenüber — und die schöne Lehre beherzigen müssen, die nach einer Talmudstelle König David an jedem Morgen vor Beginn, seines Tagewerkes der über seiner Lagerstätte schwebenden Harfe entnommen hat,- damit nur durch die harharmonische Vereinigung der verschiedensten Töne jener sanftmelodische Klang entsteht, der in die Herzen dringt und die Seelen bezaubert. Vielfaches „Jejascher Kauch" wurde dem Rabbiner entgegengerufen, der mit Rücksicht auf sein allseits anerkanntes Wirken in.seiner bisherigen Gemeinde Boskowitz vollauf befähigt ist, dem vom Vereine „Adas Jisroel" (Schiffsynagoge) brieflich ausgesprochenen Wunsche nachzukommen, den religiösen Sinn in der Großgemeinde zu stärken und den Zusammenschluß aller, die auf dein Boden unseres heiligen, altüberlieferten Judentunis stehen, kräftigst zu fördern. Die ersten Ferienkolonisten. Der Verein „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim", der im heurigen Kriegsjahr sein Heim in Tischnowitz der k. u. k. Heeresverwaltung als Rekonvaleszentenhaus für 130 verwundete Soldaten überlassen hat, hat sich, um .trotzdem seine Schützlinge in Ferienkolonien entsenden zu können, mit den Vereinen „Gute Herzen", „Kaiser Franz Josefs-Kinderhort", Elternverein „Pestalozzi", „Döblinger Frauenverein" vereinigt. In die am 15. Juli entsendete erste Serie gingen von den genannten Vereinen zusammen 80 Kinder ab, welche in den: nenerbauten und zweckdienlichst eingerichteten Heime des Vereines „Gute Herzen" in Neulengbach untergebracht wurden. Vom Verein „Ferienheim" wurden 30 Kinder nach Neustift am Walde in eine Tageserholungsstätte entsendet, zu welch letztere Frau Dr. Else Tischler ihren Garten in der humansten Weise zur Verfügung gestellt hat; zwanzig Kinder der obengenannten Vereine wurden bei verschiedenen Pslegeparteien in Oedenburg, unter gewissenhafter Aufsicht und liebevoller Pflege, versorgt. Alle diese Serien werden in diesem Sommer noch zweimal von derselben Anzahl Kinder abgelöst. Austritte aus dem Judentum vom 18. bis 24. Juli 1915. Berger Henriette, Bedienerin, geb. 22. April 1870 in Sobotist, Ungarn, XX., Klosterneuburger Strasse 102. Breisach Nina, Opernsängerin, geb. 22. Oktober 1885 in Wien, 111., Ungargasse 40. Kürzer Leon, Privatier, geboren 10. Februar 1889 in Lemberg, VIII., Kochgasse 28. Löschner .Gisela, Näherin, geb. 26. Februar 1875 in Laa a. T., N.-Ö., X., Eugengasse 92. Löschner Robert, geb. 30. Jänner 1901 in Wien, X., Eugeng. 92. Mayer Erna, geb. 2. April 1909 in Wien, XIII., Auhofstr. 171. Mayer Paaline geb. Führer, Kaufmannsgattin, .geb. 22. Juli 1884 in Klagenfurt, XIII., Auhofstrasse 171. Nenner Emilie, Klavierlehrerin, geboren am 11: August in Prag, 1., Franz. Josefs-Kai 53. Rosenberg Klara geb. Rimler, Oberstensgattin, geboren am 29. Oktober 18jß5 in Krakau, VIII., Pfeilgasse 35. Schwarz Ida, geb. 7. Oktober 1893 in Wien, IX., Nußdorferstr. 20. Vizepräsident Emil Edler v. Mises s. A. In dieser Zeit des allgemeinen Sterbens pflegt man über einzelne Menschen leichter als sonst hinwegzugehen. Dennoch mag es viele gegeben haben, aus welche die Nachricht von dem am 17. d. M. nach langem Leiden in Franzensbad erfolgten Hinscheiden des hochverehrten Vizepräsidenten der jüd. Kultusgemeinde in Lemberg, Oberstaatsbahnrates Emil von Mises, erschütternd gewirkt hat. Das Gefühl inniger Freundschaft, das mich mit dem Verewigten und dessen Familie seit Jahren verband, macht es mir in diesem Augenblick schwer, mit ruhiger Feder den großen Verdiensten gerecht zu werden, die sich der Verblichene während seiner jahrzehntelangen Wirksamkeit auf vielen jüdisch-öffentlichen Gebieten erworben hat. Emil von Mises entstammt einer der vornehmsten jüdischen Patrizierfamilien Galiziens, er war der Enkel des in hohem Grchsenalter verstorbenen Präsidenten der Gemeinde, Majer Rachmiel Mises, der für seine verdienstvolle Tätigkeit als erster Jude in Lemberg in den Adelsstand erhoben wurde. Nach Absolvierung der technischen Studien trat er in den Dienst der ehemaligen Karl Ludwigsbahn, später in den der k. k. Staatsbahnen, wo er Dank seiner Tüchtigkeit zur Stellung eines Inspektors und stellvertretenden Departementchefs bei der Lemberger Direktion gelangte. Gelegentlich der Uebernahme in den Ruhestand wurde ihm der Titel eines Oberstaatsbahnrates verliehen. — Als langjähriges Mitglied des Disziplinarrates genoß er bei seinen Kollegen den Ruf eines wohlwollenden und überaus gerechten Richters. Ebenso wie sein verewigter Bruder, Oberingenieur und Wiener Kultusvorsteher Artur von Mises, so beschränkte sich auch der sel. Emil von Mises keineswegs auf seinen amtlichen Wirkungskreis, sondern stellte seine freie Zeit in den Dienst der jüdischen Oeffentlichkeit. Er wirkte zunächst mehrere Jahre als Mitglied der Tempelverwaltung, des Spitalsrates, dann als Mitglied des Kultusrates, aus dem er später in das Vorstandskollegium und vor einigen Jahren zum ersten Vizepräsidenten gewählt wurde. Sowohl seine gediegenen Fachkenntnisse, als auch seine Routine auf dem Gebiete der Verwaltung kamen der Gemeinde vielfach zugute. Bis zu seiner Erkrankung wirkte er unermüdlich als Referent in Wohltätigkeits- und Stiftungsangelegenheiten. Daneben fand er noch Zeit, auf dem Gebiete der Vereinswohltätigkeit erfolgreich tätig zu sein, so als Mitbegründer des jüdischen Ferien-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.