Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 31 (30.7.1915)
- Date
- 1915-07-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 576 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 31 gerettet geblieben. Hier verteidigten Gerichtsosfizial Ludwig Makuch mit den Dienern Joses Turek, Johann Pawlowski, Laurenz T i r l i t und Josef Schmidt bei Tag und Nacht die ihnen anvertrauten Akten, wurden aber wiederholt mißhandelt, geschlagen und beschimpft, bis unsere einziehenden Truppen die Stadt befreiten." — Die Pflegeschwestern vom Roten Kreuz Hedwig und Milli, die in Tarnow unter dem Namen „Choleraschwestern" bekannt sind, erzählen: „Wir waren gleich nach Knegsbeginn nach Tarnow beordert worden, um dort in der zum Reservespital des Albertiklosters gehörenden Jnfektionsbaracke Dienst zu machen. Als die Russen herannahten, wurde die Sanitätsmannschaft abgezogen und wir blieben mit 86 Cholerakranken zurück. Die Russen haben uns dann noch weitere Kranke geschickt, so daß wir insgesamt 198 zum größten Teil an Cholera, einige an schwarzen Blattern erkrankte in Pflege hatten, für die mir allein sorgen mußten. Wir mußten auch für sie kochen. 33 sind gestorben, die anderen haben wir gerettet. Als die Russen im Dezember Tarnow räumten, haben sie alle Kranken mitgenommen, wir blieben Zurück, um noch weiterhin unserem Pflegedienst zu obliegen. Anfangs hatten wir unsere Verpflegsgebühren auch unter der Russenherrschast bekommen, später. aber nichts mehr. Die Russen haben uns auch bei ihrem Wiederkommen keine Unterstützung gegeben, so daß wir hätten verhungern müssen, wenn sich nicht die jüdische Bevölkerung unser angenommen hätte. Obwohl die Leute selbst nichts hatten, halfen sie uns doch aus, wo sie konnten, ja sie dachten sogar daran, uns, deren die eigenen Glaubensgenossen so vollständig vergessen hatten, das Christfest begehen zu Helsen. Schließlich bekamen wir ein Verpslegsgeld von Kr. 2.— täglich. Aber was bedeutete das, wenn das Kilo Brot Kr. 3.20, der Liter Milch Kr. 1.—, Mehl Kr. 2.80, Zucker Kr. 2.40, Salz Kr. 1.40 per Kilogramm, eine Zitrone Kr. 1.20 kosteten. Am 30. Januar wurden wir als Spione verhaftet und dreizehn Stunden weit auf einem elenden Leiterwagen nach Radomysle gebracht, wo wir spät nachts ankamen, sofort verhört und bis zum Morgen fortwährend einvernommen wurden. Endlich sahen die Russen ein, daß wir keine Ausspäherinnen seien und ließen uns frei. Wir hatten öfters Gelegenheit, uns der Juden anzunehmen, die von den Russen zum härtesten Frondienst mit der Peitsche getrieben wurden, denn die russischen Soldaten respektierten unser Rotes Kreuz." Die Lage der aus Galizien nach Rußland verschleppten Geiseln. „Kijewskaja Mysl" berichtet: Die Mitglieder der in Kiew eingetroffenen Abordnungen des Komitees „Großbritannien, Polen und Galizien" besuchten das vom lokalen jüdischen Komitee sür jüdische Auswanderer aus Galizien hergerichtete Lager, das in dem zu diesem Zwecke eigens gemieteten Hause Nr. 62 auf der Kprilowskaja untergebracht wurde. Die Abordnung besichtigte, nachdem sie sich mit der Hilfeleistung für die Galizianer bekannt gemacht hatte, diesen Punkt zweimal. . Die Oertlichkeit ist normaler Weise für zweihundert Menschen hergerichtet. Gleichwohl wurden dorthin in diesen Tagen über 2400 Expatriierte geschafft. Eine solche ungeheure Masse kann das Gebäude nicht fassen und man hat alle neu Eingetroffenen im Garten des Hauses in Zelten und rasch hergerichteten hölzernen Baracken nntergebracht. Die Abordnung hat dieses Lager besucht und dort über sechstausend Expatriierte getroffen. Unter ihnen sind viele Kinder, Frauen und Greise. Die Abordnung traf einen 83 jährigen Mann, der seit sechs Jahren gelähmt und der Möglichkeit beraubt ist, sich selbst zu bewegen. Auch zwei fast Hundertjährige trafen sie, einen 93 Jahre, den anderen 92. Unter den Expatriierten gibt es einige Geisteskranke, einen von diesen, der Anzeichen von Tollwut zeigte, mußte man int Kyrilowspital isolieren. Unter den Geisteskranken lenkt die Aufmerksamkeit auf sich ein Greis, der erst vor kurzem des Verstandes beraubt wurde, schon nach seinem Eintreffen in Kiew, und zwar aus folgender Ursache: Der Greis kam nach Kiew mit seiner Familie und der Familie seines Sohnes. Auf dem Wege erfuhr er, daß sein in Galizien gebliebener Sohn zufällig durch ein Schrapnell getötet wurde. Die Nachricht traf den Greis tief, gleichwohl aber blieb er mutig und teilte seine mutige Stimmung auch der ganzen Familie mit. In Kiew verrichtete der Greis seiner Religion gemäß eine siebentägige Trauer. Allmählich schien er das Unglück zu vergessen, da kam plötzlich mit einer neuen Partie sein Sohn nach Kiew. Den lebenden Sohn nahm der Greis für ein Gespenst und das erschütterte ihn so, daß er den Verstand verlor und in stillen Irrsinn verfiel. Das jüdische Komitee traf alle Maßnahmetr, unt die Gesunden von den Kranken zu isolieren und die Einschleppung von ansteckenden Krankheiten im Lager zu verhindern. Bei der Ankunft einer neuen Partie untersucht sie aufmerksam das medizinische Personal. Dorthin werden sie nur nach einem Bade in einem besonders eingerichteten Hause gebracht, ihre Sachen werden desinfiziert und allen wird frische Wäsche gegeben. Die neue Partie bringt man sodann im Garten in Zelten unter, und wenn sich im Laufe von einigen Tagen keine Krankheiten zeigen, kommen sie in die hölzernen Baracken oder in die Wohnungen. (Augenscheinlich handelt es sich not Juden, die mit Gewalt aus Galizien fortgeschleppt wurden.) Nachdem die Mitglieder der Delegation dieses Lager aufmerksam besichtigt hatten, begaben sie sich ntit der Präsidentin Fürstin Barjatinskaja-Jaworskaja (eine frühere Petersburger Schauspielerin), um die Wohnungen zu besichtigen, in denen die galizischen Intellektuellen untergebracht wurden. Für die Intelligenz haben die Vertreter des jüdischen Komitees eine spezielle Wohnung beigestellt, in der sich Betten befinden. Unter den Bewohnern derselben befinden sich'unter anderem einige hervorragende österreichische Juden: der Rektor der Lemberger Universität Professor Beck, das Mitglied des österreichischen Reichsrates, der Bürgermeister der Stadt Zloczow, Dr. Gold, der Präsident der jüdischen Kultusgemeinde in Lemberg Dia m a n d, der bekannte Augenarzt Dr. Sion, der Advokat Aberbach und andere. (Alle mit Gewalt fortgeschleppt.) Die Unterbringung der Intelligenz ist sehr eng. In eirtem Zimmer sind fünf bis sechs Mann. Der Rektor der Lemberger Universität Beck wandte sich an die Fürstin Barjatinskaja in frattzösischer Sprache mit der Bitte, wenn möglich der Intelligenz zu helfen, daß ihr erlaubt werde, sich in großen Städten, wo es Bibliotheken gibt, anzusiedeln. Vermischtes. Kranzabköfuugsspendeu zugunsten der Chewra-Kadischa i« Wien I-, Seitenstettengafse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. I. Eisenklamm: Emynuel Eisenklamm Kr. 10.—, Emanuel Eisenklamm für Flüchtlinge 10.—. Zusammen Kr. 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Ernestine Klepner: B. Klepner Kr. 10.—, Herbatschek 5.—, Philipp Kohn 20.—. Zusammen Kr. 35.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Karoline Sachsel: Jenny Mayer Kr. 10.—, Hermann Krön 10.—, Dr. Desider Friedmann 10.—, Dr. Josef Gelber und Frau für Flüchtlinge 10.—, Julius Angel und Frau 20.—. Zusammen Kr. 60.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Friedrich Rajkai: Dr. H. Teleky und Frau 10.—, Dr. I. Eisenschitz für Flüchtlinge 10.—, Dr. I. Eisenschitz 10.—, Rudolf Durst 25.—, Prof. Ä. Löffler für Flüchtlinge 20.—, Leo Kann für Flüchtlinge 20.—. Zusammen Kr. 95.—. Anläßlich des Ablebens der fel. Alice Schwitzer: Rauscher & Co. Kr. 25.—. - Anläßlich des Ablebens der sel. Rosa Kohn: Berta und Olga Seligmann Kr. 10.—> Turnauer 10.—. Zusammen Kr. 20.—. Anläßlich des Ablebens des fel. Wilhelm Goldberg: Julius Silberger Kr. 30.—, Dr. Julius Rubin 20.—, Gustav und Jda Holitscher 10.—. Zusammen Kr. 60.—. Anläßlich des Ablebens des sei. Nathan Vogel: Martha und Franz Schweinburg Kr. 4.—, Emil Brunner 20.—, Gisela Preis 3.—. Zusammen Kr. 27.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Gustav Herrmann: Richard Pick Kr. 10.—, Josef Dreßler 10.—, Sigm. und Helene Kornmehl 10.—. Zusammen Kr. 30.—.