Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 31 (30.7.1915)
- Date
- 1915-07-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 31 Seite 575 Dr. Bloch's Wochenschrift Uaritälische Behandlung der Juden in der neuen städtischen Ketöstnerwattung Musfisch-Bolens. Wie bekannt, werden jetzt nach der neuen „Stäoteordnung" für die unter deutscher Verwaltung stehenden Gebietsteile Russisch>-Polens die Mitglieder des Magistrats (Schöffen) und des Stadtverordnetenfollegiums bei der erstmaligen Bildung ernannt. In Lodz, Pabianice, Wielun und vielen anderen Städten haben die Ernennungen schon stattgefunden. Wir hören aus bester Quelle, daß die jüdische Bevölkerung ihrer Stärke gemäß neben den anderen Nationalitäten bei der Bildung der städtischen Selbstverwaltungskörperschaften voll und ganz berücksichtigt wird. So sind in Lodz unter den 10 Schöffen drei Juden vertreten, nämlich die Herren Bankier Stanislaus Jarocinki, Fabrikbesitzer Bielszowski und Kaufmann Sergius Hoffmann. Unter den 36 Stadtverordneten befinden sich 12 Juden. In Pabianice wurden zu Schöffen drei Deutsche, zwei Polen und ein Jude ernannt. Die 23 Stadtverordneten sind, wie wir hören, durch 12 Deutsche, 7 Polen und 4 Juden vertreten. In Wielun befinden sich unter den Schöffen 4 Deutsche, 4 Juden und 4 Polen. Die erste Sitzung der neugewählten Stadtverordnetenversammlung von Lodz hat kürzlich stattgefunden. U. a. wurde eine Schuldeputation, bestehend aus drei Magistratsmitgliedern und neun Stadtverordneten mtb Bürgern gebildet, sowie eine Armendeputation, der je ein Vertreter der evangelischen und katholischen Geistlichkeit und des Rabbinats, zwei Mitglieder des christlichen Wohltätigkeitsvereines und ein Mitglied des jüdischen Wohltätigkeitsvereines anaehören. Amerikanische Juden lehnen die Lieferung von Munition an die Entente aß. Aus St. Louis meldet „The Hebrew": George W. Heller, der Besitzer eines hiesigen Stahlwerkes, hat Anfang Juni einen unbegrenzten Auftrag der französischen Regierung auf Schrapnells äbgelehnt. Die Bestellung hätte wöchentlich auf 90.000 Dollar gelautet. Mr. Heller lehnte den Auftrag aus Opposition gegen ben Krieg ab. Einige Tage früher hat ein anderer amerikanischer Jude aus derselben Stadt, Theodore Phillips eine Bestellung im Werte von . 900.000 Dollar auf Maschinen zur Herstellung von Kartätschen abgelehnt. Indische Erzieherinnen in der holländischen Königssamilie. (Zur Erzieherin der sechsjährigen Kronprinzessin wurde Fräulein Bertha Cohen-Stuart bestellt. Auch die Königin Wilhelmine selbst hatte jahrelang eine jüdische Erzieherin, Frau Winter. Korrespondenzen. Begrüßung des neuen Statthalters von Galizien Exzellenz von Colard durch das Exekutivkomitee der österreichischen Zionisten. Das Exekutivkomitee der westosterreichifchen, galizischen und Bukowinaer Zionisten hat an den neuen Statthalter von Galizien, General der Infanterie von Colard, folgendes Begrüßungsschreiben abgesendet: „Euere Exzellenz! Die gefertigte Vertretung der Zionisten Westösterreichs, Galiziens und der Bukowina erlaubt sich Euere Exzellenz aus Anlaß der Ernennung zum Statthalter von Galizien aufs ehrerbietigste zu begrüßen und Euerer Exzellenz den glücklichsten Erfolg bei der Ausübung des überaus wichtigen und schweren Amtes herzlichst zu wünschen. Die von unserem gerechten und gütigen Monarchen getroffene Wahl erfüllt die gefertigte Repräsentanz der nationalen Judenschaft mit dem Vertrauen, daß die Geschicke des vielgeprüften Kronlandes Galizien im Sinne strengster Gerechtigkeit und verständnisvollen Wohlwollens allen Bevölkerungskreisen und auch dem jüdischen Volks stamme gegenüber geleitet werden. Ein glückliches Galizien i m untre n n b a r e n Gefüge eines st a r k e n O e st e r r e i ch ist das Ziel aller wahrhaft patriotischen Hoffnungen, daher auch der Wünsche der national gesinnten Iudensch aft in Galizien. Bei der Arbeit zur Erreichung dieses hehren Zieles werden Euere Exzellenz der willigsten und ^opferfreudigsten Mithilfe der nationalorganisierten Judenschaft Oesterreichs und insbesondere Galiziens sicher sein. Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung ergebenst Ein ge sendet. Löbliche Redaktion der Dr. Block'» „Oesterreichischen Wochellschrift" Wien. Ich würde Sie bitten, auch meiner Srstlung zu dem von Herrn Dr. H. Schreiber veröffentlichten Artikel in Ihrer vielgelcsenen Wochenschrift, „Zur Frage des Gemeindebundes", Raum zu verleihen. Seit Beginn des Krieges ist es des Burgfriedens halber grundsätzlich, daß alle politischen, nationalen, konfessionellen, ja sogar gewerblichen Gegensätze in Wort und Schrift beiseite zu stellen sind. Alles Trennende soll gemieden, alles Einigende gefördert werden, und da sollte gerade das österreichische Judentum jetzt eine so heikle Sache, wie die Frage des Gemeindebundes, zur Diskussion stellen? Ohne mich in der Sache selbst zu äußern, sage ich: „Hand weg, es werden bessere und friedliche Zeiten kommen!" Hochachtungsvoll Bernhard H o f b a u e r. Die „Befreiung'' von Boirußland. Wie die „Befreiung" von Rotrutzland, mit der man den russischen Einbruch nach Galizien vor der Mit- und Nachwelt zu rechtfertigen versucht, in Wirklichkeit ausgesehen hat, das ist aus zahlreichen Schilderungen zu entnehmen, die von Personen herrühren, welche die „Befreiung" mitgemacht haben und sich nun glücklich preisen, von den Befreiern erlöst zu sein. So schreibt ein öffentlicher Beamter aus Horodenka: „Es fehlt mir an Worten, um das Elend der Bevölkerung zu beschreiben. Ungefähr dreihundert Häuser sind niedergebrannt Und dem Erdboden gleichgemacht worden, in den anderen Häusern wurde geplündert und sonstiger Schaden angerichtet. Namentlich das Eigentum der Juden ist vollständig^ zugrunde gegangen. Als die Nüssen zum zweitenmal in die Stadt einzogen, haben sie sechs Juden an den Telegraphenstangen auf dem Ringplatze gehängt, vier erschossen, mehr als vierzig Männer, Frauen und Rinder auf dem Marktplatze entkleidet und der Reihe nach über einen Tisch gelegt, wo die Aermsten so lange mit Rnuten geprügelt wurden, bis von jedem das Blut in Strömen flog. Während dieser grausamen Prozedur spielte daneben die Militärmusik und die Rosaken tanzten umher. Die Gotteshäuser wurden eingeäschert und ein Jude, der die heiligen Gegenstände retten wollte, wurde deshalb gehängt. ..." — Bon einem Priester erhalten wir folgende Zuschrift: „Ungefähr sechs Monate waren die Russen in unserer Stadt Tarnow. Da gab es schwere Zeiten für jene, die in der Stadt bleiben mutzten. Räubereien, Diebstähle, Verdächtigungen wegen Spionage waren das tägliche Brot der zurückgebliebenen Bewohner. Ulle Regierungsgebäude wurden von der Soldateska beschädigt, am meisten haben die Gerichtsgebäude gelitten. Alles, was dort durch Jahrzehnte gesammelt wurde, ist vernichtet und verbrannt worden. Nur ein Gebäude, wo Registratur, Archiv, Bibliothek und Erundbuchaufzeichnungen aufbewahrt wurden, ist