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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-30 · 31 (30.7.1915) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
31 (30.7.1915)
Date
1915-07-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 570 Nr. Bl 'j&r. Bloch's ' Die gesamte Judenschast der Monarchie habe sich an einer Aktion zu beteiligen, die darin bestehen soll, einen großen. Geldbetrag zu sammeln und aufzubringen, um ein israelitisches Jnv alidenheim oder aber, nach dem Muster des deutschen Jnvalidendank, eine Institution für jüdische Invalide zu begründen. Diese Institution hätte sich erst in zweiter Reihe mit der Geldunterstützung Invalider, hauptsächlich damit zu befassen, daß Invaliden nach Maßgabe ihrer Arbeitsfähigkeit erwerbsfähig gemacht werden. Um die erforderlichen Mittel für dieses Monument der Dankbarkeit Herbe'izuschaffen, wäre es wohl eine der erhabensten Aufgaben der Seelsorger unserer Konfession, daß dieselben gelegentlich in Kanzelreden den zur Andacht Versammelten nahelcgen, welchen großen Dank wir denen schulden, die für uns Daheimgebliebene so bedeutende Opfer gebracht haben. Wir sind geradezu verpflichtet, diesen Heldenmütigen wieder Gegenopfer zu bringen, indem wir für jeden freiwillig uns aüberlegten Genuß und für jedes auf erlegte Vergnügen, dem wir entsagen wollen, den entfallenden Wertbetrag diesem hochherzigen Zwecke zuführen. — Dieses Opfer der Selbstbesteuerung steht in gar keinem Verhältnisse zu denjenigen Opfern, die diese Braven und Helden für uns gebracht haben. Es naht der große Jomkippur (Versöhnungstag). Dieser soll diesmal uns auf den richtigen Platz finden. Er soll der würdigste aller bisher gefeierten werden dadurch, daß jeder Einzelne den durch Kasteiung an diesem Tage ersparten Geldwert und der sonst an diesem Feste der Sühne für wohltätige Zwecke zu spendende Betrag auf den Mar dieser zu aktivierenden Institution lege. — ' ’ i i So denkwürdrg wie der bisher unerhört groge Krieg, so denkwürdig für ewige Zeiten würde das von der Gesamtheit gebrachte Doppelopfer werden. — Zeigen wir uns groß und erhaben durch einträchtiges Zusammenwirken, durch willige Opferbereitschaft einen Monumentalbau zu errichten, der den Invaliden zum Heil, dem Judentum zum Ruhme gereiche! Zur Paliistirrafrage. Der Mitarbeiter des „Egyenlöseg", L. M., dessen ausgezeichnete Beziehungen zu hohen türkischen amtlichen Kreisen bekannt sind, und dem wir schon eine Anzahl wichtiger Informationen über das Heilige Land verdanken, schreibt in der letzten Nummer des erwähnten Blattes folgende neue Einzelheiten zur Palästinafragc: „Wir hatten schon einmal Gelegenheit, an dieser Stelle darüber zu berichten, daß dem türkischen Minister des Innern Talaat Bey ein Memorandum vorliegt, welches sich mit der Judenfrage befaßt. Anläßlich meines letzten Aufenthaltes in Konstantinopel.hatte ich Gelegenheit zu beobachten, mit welch anerkennenswertem Eifer und Wohlwollen die .jüdischen Angelegenheiten dort behandelt werden. Jetzt stehen mir abermals interessante Informationen über die Judenfrage in der Türkei zur Verfügung. Es handelt sich zunächst um Palästina. Bekannt ist, daß sich dort eine große Zahl mitteleuropäischer Inden — besonders Oesterreicher und Ungarn — angesiedelt haben, ferner daß diese infolge des Krieges in die größte Notlage gerieten, da die Liebesgaben naturgemäß ansgeblicben sind. Es war nichts anderes zu tun, als sich an unseren Botschafter zu wenden, und das war umso eher notwendig, als anfangs die arabische Bevölkerung gegen die Juden eine gewisse Animosität bekundete und da und dort auch feindselig auftrat. Diese Ruhestörungen wurden mit der größten Energie bestraft und der Militärgouverneur von Jerusalem verfügte das Standrecht und verhängte über die Stadt den Belagerungszustand. Jedem wurde die Sicherheit der Person garantiert. Die Regierung entsendete eine Kommission nach Palästina, deren Mitglieder wären: Hakki Pascha, in Vertretung des Kriegsministeriums, Ahmed Nourry Bey in Vertretung des Ministeriums des Innern und von unserer Botschaft Dr. Gottein. Außerdem der Oberrabbiner von Nimiruz und vom Mutasserisat Arrahul Pascha. Diese Kommission hielt eine genaue Untersuchung, hörte die vorgebrachten Kragen an und jetzt ist in Konstantinopel eine Kanzlei für jüdische Angelegenheiten ins Leben gerufen worden. An. diese Kanzlei wenden sich jetzt die Beschwerdeführer und von ihr 'werden auch die Hilfsaktionen in erster Reihe geleitet. Auf diese Weise hat sich die Lage einigermaßen gebessert, aber normale Verhältnisse sind noch immer nicht eingetreten. Es handelt sich um die Versorgung von mehreren Tausend Meuschen, die ganz unbeholfen auf die Pflege und Versorgung in weitgehendem Maße angewiesen sind. ^Die in Palästina angesiedelten Juden sind zum größten Teile türkische Staatsbürger geworden, und bei diesem Anlasse zeigte sich am besten der Liberalismus der Türkei. Nicht nur daß der Einbürgerung alle -möglichen Erleichterungen zugestanden wurden, ist die Jugend nicht einmal gezwungen worden, in das türkische Heer einzutreten, da man von dem Grundsätze ausging, daß diesen jungen Leuten nicht zugemutet werden könne, gegen ihr früheres Vaterland zu kämpfen. Diesem Prinzipe wurde auch entsprechend Rechnung getragen, hatte jedoch die unerwartete Wirkung, daß sich aus den jüdischen Kolonien jeder wehrfähige Mann meldete, um freiwillig an dem Kriege teilzunehmen, unter besonderer Betonung, daß sie gegen die Russen kämpfen wollen, um die Unterdrückung ihrer Brüder zu ahnden. Das ist auch der Grund, weshalb der größte Teil der jüdischen Legionäre tatsächlich auf dem kaukasischen Kriegsschauplatz kämpft. In den Kolonien arbeiten die Frauen, und es ist bezeichnend für ihren Fleiß, daß sie sehr schöne Resultate zu erzielen vermochten, und es ist zu erwarten, daß es .zum Beispiel einen Orangenmangel überhaupt nicht geben wird, und sowohl in Palästina als auch in ganz Syrien Aussicht auf eine sehr reiche Ernte vorhanden ist. Was mit Palästina geschehen wird, ist noch sehr fraglich. Jedenfalls wird die Frage als ein innerpolitisches Problem behandelt werden, und es ist vorauszusehen, daß es nicht geduldet werden wird, daß wer immer unter welchem Titel immer sich in die Lösung dieser Frage hineinmengt. Nach meinen Informationen steht der Großvezier auf dem Standpunkte, daß von diesem Grundsätze selbst aus philanthropischen Rücksichten nicht abgewichen werden könnte. Das schließt jedoch nicht aus, daß man Ratschläge gerne entgegennimmt, welche dann studiert werden. Jedenfalls kann auf Grund der augenblicklichen Lage über die Frage nicht entschieden werden. ' ' Erwähnenswert ist noch, daß man in der Türkei sich mit dem Gedanken beschäftigt, daß im Falle des Friedensschlusses die russische Judenfrage auf die Tagesordnung kommen werde. Diese Frage ist für die Türkei von außerordentlichem Interesse, da nach Friedensschluß mit der Auswanderung der russischen Juden wird gerechnet werden müssen. Die Regelung dieser Frage wird unbedingt aufs Tapet kommen. Ich muß bemerken, daß die Pforte eventuell geneigt sein wird, über gewisse konzessionelle Rechte in Beratungen einzugehen. Bestimmtes hierüber läßt sich natürlich nicht sagen, da die Lage noch sehr unsicher ist, und es sehr unwahrscheinlich ist, "daß diese Fragen vor Beendigung des Krieges zur meritorischen Behandlung gelangen.

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