Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 31 (30.7.1915)
- Date
- 1915-07-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang XXX11 Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. ---OOC- Wien. 30. Juli 1915 LrscbeLnr jeden Freitag.:—— Brief-Adresse: Wien, Hl. Praterstraße 9. Telegranim-Adresse: Bloches Wocheuschrist, Wien. OO- - -=do p K. k. Pofisxsrkafferramt Sleartng-Verkebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien II/i, Praterstraße 9. j Xeleplion 45.859nO ■ —-Do Oo . - - =Oö Bezugspreis für Vestrrrrich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig i0 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. * Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petitzeile 48 Heller. oO .- -oö Inhalt: Leitartikel: Wie können wir Juden nnseren Invaliden unfern Tank für ihren Opfermut und für das Einsetzen ihres Lebens und ihrer Gesundheit abstatten? — Zur Palästinafrage. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Kriegsauszeichnung eines Feldrabbiners. Beförderungen. Dekorierungen bei einer Kompagnie. Weitere Auszeichnungen. Auszeichnung eines Rabbiners. Aus der ungarischen Reichshälfte. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Eisernes Kreuz für einen Oesterreicher. Befördert. Paritätische Behandlung der Inden in der neuen städtischen Selbstverwaltung Russisch-Polens. Amerikanische Juden lehnen die Lieferung von Munition an die Entente ab. Jüdische Erzieherinnen in der holländischen Königsfamilie.^ — Korr espondenzen: Begrüßung des neuen Statthalters von Galizien Exzellenz von Eolard durch das Exekutivkomitee der österr. Zionisten. Eingesendet. Die „Befreiung" von Rotrußland. Die Lage der aus Galizien nach Rußland verschleppten Geiseln. — Vermischtes. — Feuilleton: Ins jüdische Barackenlager von Bruck a. L. — Literatur: — Briefkasten. — Inserate. Wie können mir Inden unseren Invaliden «nsern Jank fnr ihren Opfermut «nd für das Einsetzen ihres Kedens und ihrer Gesundheit akstatten? Mit dieser großen Frage befassen sich bereits viele edeldenkende, philanthropisch gesinnte Männer aller Nationen und Konfessionen, und angeregt durch einen Artikel im „Prager Abendblatt", der wirklich für diese Angelegenheit das richtige Wort findet, bringt Herr Friedrich Pollak in Prag, ein feinfühliger, edelgesinnter Mann, diese aktuelle Frage in einem Anträge der großen Oeffentlichkeit zur Diskussion und Ausführung, die der vollsten Beherzigung unserer Glaubensgenossen wert ist. Herr Pollak begründet seinen Antrag wie folgt: Das „Prager Abendblatt" schreibt in seiner Nummer vom 10. Juni 1915 folgenden bemerkenswerten Artikel: „Wenn wir dem russischen Feinde verfielen, würden wir, ob mit ihm stammverwandt oder nicht, ausgelöscht werden voll der Tafel der Zeiten. Unsere nationale Eigenart, unsere Treue zu mrs selbst, zu der Erde, die wir pflügen, zu dem Rechte, das wir gerade uud ohne Scheu ausüben, so wie es die Väter taten, den Glauben an Gott — das alles müßten wir aus uns herausreißen und dafür das Dumpfe und Schwere der Knechtschaft und der Verarmung auf uns nehmen." Diese Ausführungen enthalten goldene Wahrheiten, wenn wir die in diesem gewaltigen Kriege zutage getretenen Grausamkeiten und Bestialitäten, welche das russische Reich, namentlich an unseren Glaubensbrüdern, verübt hat, uns vergegenwärtigen. Wie blutgierige Tiger sind die entmenschten Horden Rußlands über unser Vaterland, über die Juden insbesonders, hergefallen, mm sie in ungezählten Mengen mit tierischer Wut zu schlachten, zu erwürgen und unter entsetzlichen Qualen zu Tode zu martern. Männer, Frauen und Säuglinge, die sich nichts zuschulden kommen ließen, wurden wahllos hingemordet und die Erde kann ihren Schoß nicht weit genug öffnen, um das vergossene Blut einzusaugen. Wie ein roter Faden ziehen sich durch die Geschichte der Menschheit die Schilderungen der zahllosen Verfolgungen und Hinrichtungen, die die Juden im Laufe von 2000 Jahren zu erdulden hatten: die Greueltaten, die aber in Rußland begangen wurden, stellen alles Erlebte noch tief in den Schatten. Täglich, ja stündlich werden Infamien zutage gefördert,, welche die menschliche Phantasie kaum zu fassen vermag. Rühmend müssen wir angesichts dieser Tatsachen des Mutes und der Standhaftigkeit unserer russischen und galizischen Glaubensbrüder gedenken, die das ihnen auserlegte Martyrium erduldeten, ohne dem Glauben ihrer Väter untreu zu werden. So werden die Festigkeit und die unerschütterliche Glaubenslreue dieser Märtyrer des 20. Jahrhunderts in der Geschichte der Menschheit ewig leuchten. Diesem Feinde wären wir total und ganz verfallen, wenn unsere tapfere, vortreffliche Kriegsmacht, unter der viele Tausende unserer Glaubensgenossen für. uns mitstreiten, nicht so standhaft und mutig kämpfen würde. Unsere Glaubensgenossen und mit ihnen die anderen Völker unseres Vaterlandes, haben nicht nur heldenhaft gekämpft und so die große Gefahr unter Aufopferung ihres Lebens und ihrer Gesundheit von unserem Vaterlande abgewendet, sondern haben auch mitgeholfen, damit uns allen eine frohere, hoffnungsreichere Zukunft beschieden werde. Diese besonders heldenmütigen Söhne unseres Volkes haben uns Juden insbesonders einen unermeßlichen Dienst dadurch geleistet, daß sie durch ihren Heldenmut jene Vorurteile beseitigt haben, die leider so gerne den Juden zum feigen Egoisten stempeln möchten, der nur au sich und sein eigenes Wohl und nicht an das der Allgemeinheit, pes BaterlandeÄ und das per Menschheit 'denkt. Diesen Tapferen und Aufopferungsfähigen wollen wir dafür unseren großen Dank durch Schaffung einer Wohlfahrtsinstitution zum Ausdruck bringen, die für ewige Zeiten von unserer Dankbarkeit und Aufopferungsfähigkeit zeugen soll, daß wir kein kleines Geschlecht gewesen sind in dieser heroischen Zeit und daß auch wir sie voll und ganz verstanden haben.