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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-16 · 29 (16.7.1915) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
29 (16.7.1915)
Date
1915-07-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr 29 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 541 so verdienstlich wirkenden Vereinigung der jüdischen Gemeinden in Deutschland in hohen Ehren gehakten.. Ist es nicht für uns österreichische Juden beschämend, daß wir eine solche Kraft zu einer derartigen Gründung an Deutschland abgegeben haben, ohne bis heute aus eine Schöpfung von so unausweichlicher Notwendigkeit Hinweisen zu können, wie sie ein Gemeindebnnd darstellt? Ein Zusammenschluß aller Kultusgemeinden, die, a's Gesamtvertretung der österreichischen Judenheit vor der Regierung, den Gerichten, der ganzen Oeffentlichkeit, jedem einzelnen unter uns ein ganz anderes Rückgrat geben müßte? Allerdings ist der Wirkungs- und Rechtsbereich eines Gemeindebundes, denn deutschen Neuster entsprechend, unbedingt so abzustecken, daß kein einziges spruchberechtigtes und zur Erhaltung und Pflege jüdischen Geistes und. des Friedens in der Gemeinde berufenes Element beeinträchtigt und zu seiner Wirkfam/- keil beengt oder gar vollständig behindert wird. Ist nicht das Gebiet der politischen nicht innerpolitischen'. - und wirtschaftlichen Aufgaben, die wir Juden in Oesterreich und gnn.ä besonders jetzt zu lösen haben, ausgiebig genug, um die Kräfte aller, in gemeinsame Richtung gelenkt, in Anspruch zu nehmen? Wozu die Verquickung mit religiösen Fragen, die nie zu gedeihlichem Zusammenarbeiten führen kann, zumal, wo, wie bei uns in Oester reich, religiöse Gegensätze aufeinanderprallen müssen, nie sie schärfer die gesamte Judenheit nicht aufweist? Nie hat sich das Bedauern über das Fehlen eines Gemeindebundes lebhafter und lauter geäußert, als gerade jetzt anläßlich der Invasion unserer Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina. Und keineswegs etwa nur aus deren Kreisen kommt jetzt der Ruf nach Abhilfe des gegenwärtigen kläglichen Zustandes unseliger Eigeubrödelei der Gemeinden und eines erschreckenden Wangels an innerlicher Anteilnahme der einzelnen jüdischen Volksgruppen an- und untereinander. Muß nicht auch uns Westjuden die Schamröte ins Gesicht steigen, wenn wir bedenken, wie ganz anders sich das Geschick dieser Flüchtlinge Hütte gestalten können und müssen, wenn eine starke jüdische Gesamtvertretung echt brüderlich sich ihres Loses vorn ersten Augenblick an als eigener Sache angenommen, offen und vor aller Welt sich zu ihnen bekannt haben würde? Wäre der Zustrom dieser Einwanderer schon im Anfangsstadium, wo mangels jeder, Organisation der Ausbeutung ihrer Not und Ratlosigkeit Tor und Tür geöffnet war, sofort von teilnehmender Bruderhand in ein sicheres Bett geleitet worden, es hätten sich manche Rcibungsflächen mit der städtischen Bevölkerung vermeiden lassen, die unfreundliche Gesinnung, Bitterkeit, wenn nicht Äergeres erzeugend, sich in ihren Nachf wirkungen vielleicht noch lange fühlbar machen werden. Hatten wir uns dieser um ihrer Kaisertreue willen von Haus und Hof Vertriebenen zu schämen? Wann bot sich jemals bisher eine Gelegenheit, auf den Patriotismus gerade dieser so arg und schwer verkannten und so tief gedrückten Bevölkerungsschicht des Ostens unserer Monarchie mit. Genugtuung hinzuweisen und ihr gutes Recht mit Aussicht auf durchschlagenden Erfolg geltend zu machen? Aber wo war die Stelle, wo die Körperlschaft, wo der Mann, diese heilige Pflicht zu erfüllen, in der Sache der leidenden Brüder die eigene durchzup fechten? Wer hatte das Herz dazu, wer den inneren Beruf, wenn schon die äußere Zuständigkeit fehlte? War nicht unter denen, die man gern in solcher Auf waltschaft gesehen hätte, mancher, der in eamera earituti8 in seines Busens geheimsten Tiefen selbst hinneigte zu den Vorurteilen, unter denen diese Judenheit des Ostens in ihrer Heimat bisher so schwer zu leiden hatte? Gewiß, es ist von der Regierung vor allem und in erster Reihe, es ist von Vereinen und Privaten aus h n m ani - täre n Motiven viel zur Linderung der Flüchtlingsnot geschehen. Wie oft aber der Empfänger an der Gabe die Wärme brüderlichen jüdischen Mitempfindens, die Selbstverständlichkeit des Mitteilens zu vermissen hatte, davon weiß so mancher ein bitteres Lied zu singen, auch wenn er nicht auf die Gloriole des Maritpriums aspirierte, mit der z. B. in Deutschland die Kriegsflüchtlinge aus Ostpreußen umgeben erschienen. Umso dringender wird jetzt das Verlangen nach einem Zusammenschluß in der Form eines Gemeindebundes für ganz Oe stetreich rege. Provinzialve-.- bünde sind Bruchstück und höchstens zur Regelung innerer Gemeindeangelegenheiten nach allgemeinen Grundsätzen von Nutzen. Der Gesamtheit dienen sie n i ch t. Noch nie war in jedem Belange für d i e G r ü n d u n g e i n e s ö ste r r e i ch i s chi s r a e l i t i s ch e n G e - meindebundes die Zeit so günstig wie die Gegenwart. Wollen luir auch diesmal damit brillieren, die Gelegenheit verpaßt zu haben? Wien. (Die Erklärung der gal izischeu Juden zur Polenfrage.) Das Zentralkomitee der galizischen Zionisten ersucht uns unter Bezugnahme auf die in der Zeitschrift „Polen" enthaltene Erklärung hervorragender Vertreter der Juden Galiziens zur Polenfrage um die Feststellung, „daß, wie ja selbstverständlich, kein Vertreter der zionistischen Partei diese Erklärung gefertigt hat". Die jüdische Auswanderung nach dem Weltkrieg. Die „Frankfurter Zei.ung" meldet aus Amsterdam: Die im Haag erscheinende „Jüdische Arbeüerkorrespondenz" teilt mit, daß vor kurzem im Haag eine vertrauliche Konferenz von angesehenen Per öntichkeiten des holländisch e n I u d e n r u m s gehalten worden sei, bei der die Frage der j ü d. A u s w a n d e r tl u g nach bcnt Weltkriege verhandelt wurde. Mit Ausbruch des Krieges sei die jüdische Massenauswanderung unterbrochen worden. Nach dem Kriege drohe aber eine umso stärkere Auswanderung wieder einzusetzen, da die Juden in Russich-Polen und in einem großen Teil von Litauen und Galizien durch den Krieg und durch den militärischen Antisemitismus schwer betroffen und wohl kaum imstande sein werden, das durch den Krieg ruinierte Gebiet wiederzubekommen, beziehungsweise dort ihr Brot zu verdienen. In der Konferenz wurde beschlossen, die Behandlung der Frage jetzt bereits in Angriff zu nehmen, um später bei Zeiten die nötige Aktion einleiten zu können. Es wurde ein Ausschuß gebildet, dem die an aesehensten niederländischen jüdischen Persönlichkeiten beieerreten sind. Jüdische Aarlamenlsmilgtieder in Griechenland. Aus Saloniki wird berichtet: Anläßlich der jüngsten Parlamentswahlen ln Griechenland wurden im Wahlkreise Saloniki 32 Deputierte gewählt. Unter den Ge wählten find 20 Griechen, 7 Türken und 5 Inden. Tie jüdischen Deputierten sind die Herren David Mattal o n, Peppo N. M a l l a h. Albert C o u r i e l, Haimaki Cohen (aus Trikala) und Moise C o f f i n a s (aus Volo >. In Saloniki hat die Regierungsliste gegen die Venozelisten den Sieg davongetragen, was jedoch nur im Wege eines Kompromisses mir den Türken und Juden möglich geworden ist.

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