Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 29 (16.7.1915)
- Date
- 1915-07-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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s ire bSO Dr. Blochj's jüdischen zu erwirken, durchaus nicht präjudiziert werden soll. Mein wir dürfen die augenblichliche Not, bereit Stimme bloß leise und spärlich infolge der gegenwärrig herrschenden Zensurverhältnisse zu uns herüberdringt, nicht außer acht lassen. Den Aermsten muß geholfen werden, und zwar wäre das richtigste, nicht Geld hinunter zu schicken, sondern Lebensmittel ^durch verläßliche Männer in den einzelnen Gemeinden, besonders in den kleinen Städten, zur Verteilung zu bringen. Dabei ist gewiß die freie Beförderung durch die Bahn dieser Liebesgaben ohne weiteres anzunehmen. Es müßte so unverzüglich eine großangelegte Organisation sämtlicher Gemeinden Oesterreich-Ungarns ins Leben gerufen werden. Die Aktion, an deren Spitze zu treten die „Jsr. Allianz" sowie die Israel. Kultusgemeinden Wien urtd Budapest in erster Reihe berufen wären, müßte sämtliche Judengemeinden unseres Doppelstaates umfassen. Andererseits sollte die Aktion auch im zugänglichen Ausland Propaganda machen für die Flüssigmachung der notwendigen Geldmittel. Es müßte jedoch unverzüglich ein Komitee gegründet werden, falls ein solches noch nicht besteht, welches sich mit dieser Aktion befassen würde, und ohne viel Zeit zu verlieren, bis die allgemeine Aktion in Oesterreich-Ungarn Früchte tragen wird, eine gewisse Summe, die etwa 100.009 bis 200.000 Kronen betragen würde, sogleich in Lebensmittel umsetze. Diese Hilfe sollte in erster Reihe die „Alliance Jsraelite" zur -Verfügung stellen. Allein wo immer und wer immer diesen an Hunger und Not zugrunde gehenden Menschen'und Juden die unumgänglich notwendigsten Lebensmittel zur Verfügung stellen wird, es darf kein Augenblick verloren gehen durch Formalitäten. Es ist die höchste Zeit, beit von allen Verlassenen beizuspringen und ihnen unter die Arme zu greifen. Nochmals, kein Geld, keine Almosen, nur Lebensmittel und eventuell auch die notwendigsten Kleidungsstücke, ehe es zu spät wird. Hochachtungsvoll Judäus Austriacus. P. S. Es sei bemerkt, daß das Ergebnis der Sammeltätigkeit des Bischofs von Krakau im In- und Auslande (auch in Amerika) in der ersten Zeit gleich 750.000 Kronen betragen hat. Die polnischen Juden in Galizien. In der jedenfalls nicht besonders judenfreundlichen „Kölnischen Zeitung" vom 10. Juli lesen wir auf der ersten Seite einen Artikel: „Reitertaten in Galizien". In demselben heißt es wörtlich : „Die Russen flüchteten zumeist in der Richtung auf C., ein größeres Dorf mit meist jüdischer Bevölkerung. Sre an einem Festsetzen bei dem Dorfe und in den in der Nähe liegenden großen Steinbrüchen zu verhindern, war unsere Aufgabe. . . . Unseren ersten Siegeszug machten wir auf bas Dorf C., und ich muß sagen, das ging uns an die Nieren, so was vergißt man niemals. Die ganze Bevölkerung, Kind und Kegel, stano auf den Straßen und jubelte uns zu, und wiederum mußten wir höllisch aufpassen, daß unsere Gäule niemand verletzten, denn man riß uns fast von den Pferden. Blumen, Blumen, nichts als Blumen sah man, die Leute plünderten Garten und Feld, um uns damit zu übestschütteu, und noch nie sah ich eine größere und rührendere Begeisterung wie in C. Unseren Leuten, die doch schon viel mitgemacht hatten und wohl schon ziemlich abgestumpft waren, wurden die Augen feucht, und auch ich schäme mich nicht zu sagen, daß ich. tief gerührt war. Zu essen hatten die Einwohner selbst nicht mehr viel, dafür hatten schon die Russen gesorgt, die zudem auf ihrem Rüchzug noch alles, was sie erwischen konnten, mitgeschleppt hatten, doch das Wenige, was die Einwohner noch besaßen, brachten sie uns. Auf unser Vorhalten, sie hätten dann selbst nichts mehr, war die allge- Wochenschrift Nr. 29 , meine Antwort, jetzt sei alle Not zu Ende, und das Vaterland würde schon für seine Kinder sorgen. Einige Russen, die sich in den Kellen: und Scheunen des Dorfes' verborgen hatten, wurden hervorgeholt, und ich muh fassen, die Haltung der Einwohner diesen Gefangenen Zegew über, die ihnen noch' vor wenigen L-tünden den Herrn gezeigt hatten, und die Armen aus alle mögliche 'Art und Weise drangsalierten, war tadellos. Nirgends hörte man ein gehässiges Wort, nirgends wurden die Gefangenen'mit Schadenfreude betrachtet, dazu hatten die Leute gar keine Zeit. Jedes andere Gefühl ging in dem einer großen Freude, eines großen Glückes unter." Aus der Geschichte der Juden su Przrmyst. Eine Skizze von Prof. Dr. Moses Scho>r, Privatdozenten a. d. Universität in Lemberg. (Fortsetzung.) Wie schon oben erwähnt wurde, datiert die Hauprsynagoge in Przemysl aus dem Jahre 1559. Das Grundstück war offenbar ursprünglich kirchliches Eigentum, nachdem im Jahre 1570 die Juden vom damaligen Bischof Valentin Herborth das uneingeschränkte Eigentumsrecht am Grundstücke, auf welchem „die Synagoge bereits errichtet ist," für ewige Zeiten' sich bestätigen ließen gegen eine jährliche Abgabe einer Mark, die jeden 11. November zu entrichten war. Die Synagoge, die ursprünglich ein Holzbau war, wurde im Jahre 1592 in einen Mauerbau umgewandelt, wozu wiederum die Erlaubnis des Domkapitels eingeholt werden mußte — allerdings mit der Einschränkung, daß die Höhe der Mauer nicht 20 Ellen überschreiten, der Jnnenbau die Maximallänge von 30 Ellen und Maximalbreite von höchstens 20 Ellen betragen dürfte. Das alte Synagogentor ist noch heute im Hofe des alten jüdischen Spitals aufgestellt und trägt das jüdische Datum 5394 1594 der bürgerlichen Aera, in welchem Jahre der neue Mauerbau sertiggestellt wurde. Nach einer lokalen Ueberlieferung soll die Synagoge von zwei reichen span i~s ch-t ürkischen Juden, deren Namen aber nicht überliefert sind, errichtet worden sein, die auch ein Legat für die Erhaltung derselben zurückgelassen haben sollen. Aktenmäßig läßt sich diese Ueberlieferung, die sich sicher auf die erwähnte Restaurierung der Synagoge in einen Mauerbau bezieht, nicht bestätigen, auch bieten die am alten Judenfriedhof erhaltenen Grabsteine keinen Anhalt dafür und dennoch ist der Ueberlieferung die Wahrscheinlichkeit nicht abzusprechen. Wir wissen, daß der bekannte jüdische Minister am Hofe des Sultans Selim II. (Mitte des 16. Jahrhunderts), Don Joseph Nasi lebhafte Handelsverbindungen mit Polen unterhalten habe, daß er namentlich in Lemberg und Umgebung große Faktoreien und Weinniederlagen hatte, und daß in Veribindung damit mehrere türkische Juden sich, damals in der genannten Stadt angesiedelt habendi) Es ist also leicht möglich, daß einige reiche türkische Juden damals in Przemysl ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben inögen?^) Die Synagoge, ein schöner romanischer Bau, ist eine Sehenswürdigkeit der Stadt und wurde vor einigen Jahren unter kunstfachmännischer Leitung der historischen Konservierungskommission für alte Denkrnäler aufgefrischt. Sie ist von einem rechteckigen großen Hof umgeben, in welchem in früheren Zeiten das Judengericht seinen Sitz hatte. An der linken Hofseite sind noch zwei 31) . Vgl. Schorr, Zur Geschichte des Don Joseph Nasi (Monatsschrift für die Geschichte»» und Wissenschaft des Judentums 1897), ferner Balaban, Dzieje Zydöw w Lwöwie na przeiomie XI/I. i XVII. wieku CSentberg 1907). 32) Vielleicht geht der Familienname Türk, den einige jüdische Familien in Przemysl führen, auf diese Ansiedlung zurück.