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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-02 · 27 (2.7.1915) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
27 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 27 Seite 494 Dr. BLoch s Augenblicks in freudige Erinnerung an die Frühverstorbenen verwandelt. Und in der Tat mußte sich die allgemeine Teilnahme der fassungslosen jungen Witwe zuwenden, die der trauernde Vater, Herr Jakob Berliner, nur mit sanfter Gewalt von dem Sarge ihres Gatten entfernen konnte. Herr Rabbiner Dr. Täglich t, ein langjähriger Freund der Familie Waller, wies auf die vielhundertjährigen Traditionen der altberühmten jüdischen Gemeinde Hannover Hin, in denen die Familie des Verstorbenen wurzelt, auf das echtjüdische Familienleben feit vielen Generationen, das sich auch auf den Verblichenen übertragen und gerade darum auch das Entzückn aller bildete, die nur einmal mit ihm verkehrten. Und da wurde uns ein Zug bekannt, der mehr als alles andere dies bestätigte: Einfache Landleute, bei denen die Batterie nur einen Tag in Quartier gelegen, hatten sein Grab und das seines mit chm gefallenen Leutnants geschmückt, und als die Exhumierung stattfinden sollte, ein Seelenlicht entzündet und unter Wehklagen die Sterbegebete chres Rituals angestimmt. Herr Doktor Friedeberger sprach als Freund und Verwandter, und dann erschütterte die Luft von der Salve des vom Wiener Scharffchützenkorps beigestellten Kondukts., Der schwere Eichenkranz wurde von acht deutschen Artilleristen, Rekonvaleszenten, gehoben und zur letzten Ruhestätte, zu den Heldengräbern, getragen. Die Mannschaften des Kondukts bildeten ein ambulantes Spalier und sandten am Grabe eine zweite Salve dem deutschen Kameraden nach. Von den in Wien anwesenden deutschen verwundeten Soldaten hatten fast 200 in der Zerenionienhalje zu beiden Seiten der Estrade Aufstellung genommen, sie eröffneten den langen Zug der Leidtragenden. Nach dem Cinsenken des Sarges trat einer von ihnen an das offene Grab und widmete mit wenigen kernigen Worten einen Eichenkranz, mit den deutschen Farben, geschmückt,, worauf alle am Grabe defilierten. —r. Lothar Dutay. Angesichts der gewaltigen Zahl jüdischer Kämpfer, die ihr Leben ruhmvoll auf dem Felde der Ehre beschließen, ist es unter den derzeitigen Verhältnissen naturgemäß ausgeschlossen, die Namen der Helden lückenlos zu verzeichnen, geschweige denn ihre Verdienste eingehend zu würdigen. Die Kunde von ihren Taten und chrem Tode dringt nur in den seltensten Fällen zu unseren Ohren und späteren Tagen bleibt es Vorbehalten, die gefallenen Krieger gebührlich zu ehren. Lothar Pulay, Einjährig-Freiwilliger im 82. Infanterieregiment, eckte am 4. August zu den Fahnen und fiel am 26. des gleichen Monats in den blutigen Kämpfen bei Przemyslany. Obgleich ihn sein Oberleutnant aufforderte, dem Gefechte als Fußmaroder fernzubleiben, nahm er unerschrocken an dem Kampfe — es war die Feuertaufe des Regiments — teil. Als er während des Angriffes an der Seite seiner Kameraden vorwärtsstürmte, traf ihn die feindliche Kugel in die Stirn. Lothar Pulay, der bei den Kameraden und Offizieren überaus beliebt war, hatte sich dem schauspielerischen Berufe zugewendet und trotz seiner Jugend bemerkenswerte Erfolge erzielt. Mit bewundernswerter Geduld nahm er die mühsamen Studien auf sich, die ihn für seine künstlerische Laufbahn vorbereiten sollten. Das Stadttheater in Kattawitz hatte ihn für den 1. September 1914 verpflichtet. Nun hat der Tod alle seine Hoffnungen und die seiner, schwer betroffenen Eltern zerstört. Wochenschrift Jüdische IamMrr im Aekde. Elias Messer, ein jüdischer Kaufmann aus dem Araber Komitate, hat drei Sohne im Kriege. Josef, Feldwebel, 30 Jahre alt, Andor, Korporal, 25 Jahre alt, fand bei Sabacs den Heldentod, Martin, 21 Jahre alt, geriet in russische Gefangenschaft, und Emanuel, 19 Jahre alt, befindet sich noch in Ausbildung. Kontrollor Max K raus hat sechs Söhne, welche sämtlich Militärdienst leisten und zum Teil bereits im Felde sind. Im Zivilleben ist von diesen einer Bürgerschuldirektor in Bistyan, einer Kaufnmnn in Groß- Kanisza, einer Kaufnmnn in Nagy Korpad, einer Bankbuchhalter, der nächste gleichfalls Bankbuchhalter, während der jüngste soeben die achte Gymnasialklasse absolviert. Der pensionierte Talmudthoralehrer Israel Groß in Miskolez hat fünf Söhne und einen Schwiegersohn beim Mllitär, und zwar Samuel, 40 Jahre alt, Kantor in Rakosliget, Landsturmfeldwebel; Heinrich, 33 Jahre alt, Lehrer in Mako, Wachtmeister; Simon, 31 Jahre alt, Privatbeamter, 'Leutnant; Moritz, 25 Jahre alt, Kaufmann, Infanterist. Der Schwiegersohn Max Gero, 30 Jahre alt, Kaufmann, Infanterist, sowie die vorgenannten Brüder dienen sämtlich beim 34. k. u. k. Infanterieregiment. Der Sohn Salamon, 33 Jahre alt, Lehrer, wurde zum Lanösturmdienst ausgemuftert und wird demnächst einrücken. Von den vier Söhnen der Witwe Abraham Weißmann versehen drei bereits ihren Kriegsdienst, und zwar Jakob, 41 Jahre alt, rückte als Feldwebel des 10. Honved-Jnfanterieregimentes ein, wurde zum Stabsfeldwebel befördert, geriet mit der übrigen Besatzung von Przemysl in russische Gefangenschaft und ist gegenwärtig in Samarkand interniert. Moritz, 30 Jahre alte rst' Infanterist im 10. Honved-Jnfanterieregiment, Hermann, 34 Jahre alt, Oberleutnant im 34. k. u. k. Infanterieregiment. Hier seien auch die folgenden Daten über die jüdischen Familien her Kultusgemeinde von Sarvaszi (Ungarn) verzeichnet: 128 Mitglieder dieser Gemeinde sind eingerückt, besonders. hervorzuheben sind die nachbenannten Familien: Philipp Silber stein hat vier Söhne und zwei Schwiegersöhne eingerückt, und zwar Dr. Ladislaus Somlo, Oberarzt, Dr. Desider Silber st ein und Dr. Julius Silberstein, Advokaten, und die Schwiegersöhne Salomon Lukac s, Tierarzt, und Alexander Pollak. De« Sohn, Alexander S i l b e r st e i n, ist ser^ bischer Kriegsgefangener. Josef Weißchat sechs Söhne und zwei Schwiegersöhne auf dem Kriegsschauplatz. Der eine Sohn, Mar Weiß, fand den Heldentod, der andere, Heinrich Weiß, erhielt die. große silberne Tapferkeitsmedaille. Der Oekonom der Chewra-Kadischa dieser Gemeinde Alexander Keszt hat vier Söhne auf dem Kriegsschauplätze. Der eine Sohn, Dr. Armin Keszt, war schon zweimal verwundet in der Armee Hindenburgs und erhielt die große, Tapferkeitsmedaille. Eine arme Oebstlerin aus dieser Gemeinde, Frau Jakob P o l l a k, hat fünf Söhne und zwei Schwiegersöhne auf dem Kriegsschauplätze. Der beliebte Oberrabbiner der Gemeinde, Dr. Ernst Friedmann, ist Feldrabbiner und die zwei jüdischen Lehrer, Elias Ruszniak und Alexander Münz, sind auch in den Krieg gezogen. Lehrer Ruszniak siel bei Przemysl in Gefangenschaft, seit welcher Zeit leider von ihm jede Nachricht fehlt. („Egyenlöseg".)

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