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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-07-02 · 27 (2.7.1915) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
27 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 27 Dr. Bloch's Wochenschrift Le.u 4SI : :)!!> <;; ... werkszweige auszuüben berechtigt sind. D i e serVer t r a g bildete von nun ab die Grundlage der ökon o m i s che n Po s i t i o n d e r Juden bis zum Jahre 1772, d. i. bis zum Uebergang Przemysls unter österreichische.Herrschaft. Die Motive und die allgemeine.-Grundlage der Vereinbarung werden in der Einleitung mit, folgenden Worten, formuliert: .u.',-Nachdem es sich gezeigt hat, daß. die Przemysler Juden seit ihrer ersten . Ansiedlung. in Pvzemysl im Genüsse des. Handels?- .und des Verkaufsrechts. von allerlei Waren und .Gewürzen zugleich mit den Przemysler Kaufleuten verblieben- und: auch jetzt verbleiben, daher, indem beide, Parteien von der gegenseitig eingelegten Berufung zurücktreten.und nach freundschaftlichem Uebereinkommeu und. .Erlaubnis von beiden Seiten^ sich und ihren Nachkomnlen böigen Frieden sichernd, verpflichten sich die Przemysler, Juden, der. Stadt für ihre Bedürfnisse und zum allgemeinen Wohle jährlich gegen Quittung seitens desjeweiligen Stadtkämmerers 3U0 polnische Gulden in Gold und zwei Pfund guten Pulvers für Munition 511 Ostern eines jeden Jahres für ewige Zeiten zu geben, und zwar in 'Rücksicht auf den Handel, Kauf und Verkauf von. allerlei Waren, die zu genießen nwn ihueu ertaubt und für ewige Zeiten sie darin nicht zu stören versprochen Nach pieser vielversprechenden Einleitung folgen dann 18 Paragraphen, in denen vielmehr die Beschränkungen als die Freiheiten der Juden ihren Ausdruck finden. So dürfen z. B. die Krämer nur in der Judengasse verkaufen, die jüdischen Schneider dürfen nur für jüdische Kunden — und auch mit - allerlei Einschränkungen — arbeiten. Den jüdischen Apothekern ist es verboten, Medikamente „Gott bewahre" an Christen zu ' verkaufen, desgleichen jüdischen Aerztegehilfen an- Christen Aderlaß vorzunehmen. Diese und ähnliche Einzelbeflimmungen zeigen, wie illusorisch jenes fundamentale Privileg vom Jahre 1559 geworden ist, kraft dessen sich die Juden all derselben Freiheiten im Handel und Wandel erfreuen sollten wie die christliche Bevölkerung. In Wirklichkeit war ebenso der. jüdische Kaufmann wie der jüdische Handwerker auf Schritt.und Tritt von den christlich organisierten Zünften gehemmt und 'beschränkt und auch diese 'kargen Freiheiten mußten sie sich bei jeder Zunft besonders teuer erkaufen. (Fortsetzung folgt.) Prof. Dr. Moritz Kenedilrt. Ein Festgruh zum achtzigsten Geburtstag. In einem Gespräch über den italienischen Kriegsschauplatz wurde von einem , jungen Schriftsteller meine Auftuerksamkeit auf die hohe Aktualität der bei Konegen erschienenen .Lebenserinnerungen des Professors Benedict gelenkt^ deren Verfasser die beiden Kriege 1859 und .1866 als Freiwilliger mitgemacht und als engerer Landsmann Benedeks und intimer Freund und Arzt Tegetthoffs Gelegenheit hatte, hinter den Kulissen so viel.. Interessantes.zu beobachten... Als ich das Buch zur Hanh, nahm, fand ich nicht nur die Behauptung des jungen. Literaten bestätigt, ich fand, daß der Geburtstag des.Autprs sich in den nächsten Tagen zum achtzigstenmale. fährt-. So-sei dem Gelehrten, der mit so unerschütterlicher Treue.Irotz Liebes- .und.Ehrgeizversuchungen am -Judentum festhielt, diese Buch- und Lebensbesprechüttg als Festgruß zugeeignet. Benedikt ist in- Eisenstadt geboren,- das damals, und .später zu. Hildesheimers Zeit eine Art geistige und gesellschaftliche Metropole des Judentums..bildete, und .zwar als direkter Nachkomme jenes berühmten Kämen, der die Juden nach der Ver- '9 Bgl. a. a. O. Materialien Nr. 74. treibungunter Kaiser Leopold im 17. Jahrhundert von Wien nach Eisenstadt verpstanzte, und besten Grab noch heute frommen Juden als Watlfahrtsziel dient. Bei der Großmutter BenedittS har der Schreiber dieser Zeilen als Knabe manche genußvolle Stunde verlebr, als die Greifin fast hunoert Jahre zählte. Die Schwestern dieser aus dem damals französischen Elsaß stammenden Tarne haben in die höchsten ungarischen Adelsfamilien hineingeheiratet, so daß oie Gatrrn des gegenwärtigen Ministers des Aeußeren aus dieser Familie stammt. Die Judenstadt Eisenstadt ist im letzten Dezennium oft geschildert worden, aber in obigem Buche mit oer vollen Treue und Anschau lichkeit eines Ueberlebenden. Dort hatte der Knabe uicfjt umer dem Judentum zu leiden, wenn er auch nicht ahnte, daß sein Bild im Kleide eines englischen Ehrendoktors einst in der Ruhmeshalle des Museums von Oedenburg neben denen der höchsten Würdenträger zu sehen fein werde. Das Leben führt Autor und Leser mitten in die Wiener Revolution des Jahres 4848, später an die Wiener physikalische Fakultät, uno da damals dem Juden in oiesem Facye jede Anstellung unmöglich war, trotz großer wissenfchastticher Erfolge, zum Brorstudium der Medizin, ait die damals weltberühmte Wiener Schulederen Schilderung auch für den Laien anziehend ist, zumal auch schon die Schüler dieser,Großen im Absterben begrissen sind. Es folgen nun die beiden Kriege, deren Erlebnisse iuit ungeschminkter Wahrheit geschildert sind. Auf Wunsch Oppolzers habilitierte sich der -gewesene Physiker als erster Dozent für Elektrotherapie und wurde 1868 als zweiter Jude in Oesterreich Extraordinarius, was damals viel Aussehen hervorrief. Kurz vorher hatte sich Benedikt vermählt, und die Geschichte dieser Ehe. würde ein Kapitel für sich in der damaligen Drangsalierung des Judentums bilden, da das junge Mädchen, weil es als geborene Katholikin in Oesterreich einen Juden nicht heiraten konnte, Bürgerin der ,reien Reichsstadt Frankfurt am Main werden mußte. Unter vielen Anfechtungen führte der gewesene Physiker wieder den Hypnotismus in die Therapie ein, wandte sich später fast ausschließlich dem Studium der Verbrecherwelt zu, dem er jahrelange Forschungen in Gefängnissen und mit einem großen Teile seines Erwerbes die Konstruktion eines Schädelmeßapparates widmete, der jetzt Eigentunr der französischen Regierung ist, welchem Umstand wohl zuzuschreiben ist, daß Benedikt, fast der einzige Oesterreicher, der Mitglied der französischen Akademie der Medizin ist, nicht vorige Woche aus derselben gestrichen wurde wie deutsche Gelehrte. Benedikts Forschungen fanden im Auslande lebhaften Widerhall, und die ganze Lombrososchule, deren Gründer an der Spitze, bekannte sich immer dankbar als Benedikts Schüler. Auf weiten Reisen in Belgien, Frankreich, Großbritannien und Rußland hatte der Autor Gelegenheit, mit allen Kreisen in Berührung zu kommen, und wir finden fast alle Persönlichkeiten Rußlands und Italiens geschildert, welche jetzt eine führende Rolle zum oder gegen den Krieg gespielt haben. Einige Zeit widmete sich B e n e - di kt der Politik, erlag mit wenigen Stimmen gegen P attai, und gründete mit Fisch h 0 f, K r 0 n a w c t t e r und Lueger die Deutsche Volkspartei, deren Geschichte sein Buch enthält. Obwohl der Autor noch heute seine Nervenabteilung an der Poliklinik leitet, wandte' er sich, zu seiner Jugendliebe zurückkehrend, in den letzten fünfzehn Jahren seines Lebens rein wissenschaftlichen Studie:! zu. Seine chemisch-biologischen Versuche haben ihn auf naturwissenschaftlichem Wege zur Ueb.rzeugung von der Abstammung des Menschengeschlechtes von einem Paare und an einem Orte, getreu der Genesis, geführt. In wenigen Tagen erscheint bei Könegen eine Studie Beil e d i k t s zu den Versuchen des vielverkännten Baron R e i ch e n b a ch, des gewesenen Besitzers des Kobenzl,

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