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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-06-25 · 26 (25.6.1915) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
26 (25.6.1915)
Date
1915-06-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 26 - Dr. Bloch's Kirnberg a. d. Mank. Am 9. b. M. verschied das vieljährige Kultusgemeinde- und Chewra-Kadifchamitglied Herr Dawid Adler nach langem, schweren Leiden im hohen Greisenalter von 82 Jahren. Freitag, den 11. d. M., fand das Leichenbegängnis statt. Vor dem Trauerhause erschienen fast sämtliche Einwohner des Ortes mit dem Bürgermeister an der Spitze, eine Abteilung der Ortsfeuerwehc mit ihrem Hauptmann, um den Verblichenen, der allseits geehrt und geschätzt war, das letzte Ehrengeleite zu geben. Hier hielt der Religionslehrer und Kantor Herr S. Fried aus Purgstall dem Verblichenen einen Nachruf, in welchem er feine innige Frömmigkeit, guten Tugenden und Eigenschaften schilderte und waren die Anwesenden von dieser Ansprache tief ergriffen. Dann wurde der Sarg gehoben und nach Pbbs a. d. D. mittels .'Leichenwagen überführt.. Dort angelangt, wo sich viele Eemeindemiiglieder schon versammelt hatten, hielt neuerdings Herr S. Fried in Verhinderung des Herrn Rabbiners Dr B erlisch aus Amstetten eine kurze Leichenrede und brachte die üblichen Trauergebete in ergreifender Weise zum Vortrage. Mit einem Grab- und Kadischgebete von seinem ihn ehrenden einzigen Sohne, schloß die erhebende Trauerseler. Ehre feinem Andenken! Tyrnau. Kürzlich wurde hier der im 83. Lebensjahre Heimgegangene Herr Moritz Rosenbaum in das kühle Grab gesenkt. Der Heiingegangene, der einst viele Jahre als Präses der hiesigen israelitischen Kullusgemeinde und als Obmann der hir'igen „Chewra-Kadischa" eine segensreiche Tätigkeit entfaltete, war der Sohn des einstigen Bresowaer Rabbiners Rabbi Josef Rosenbau m und Vater des vor mehreren Jahren in frühem Mannesalter Heimgegangenen Herrn Adolf R o s e n b a u m, der als Vorstandsmitglied der Wiener „Chewra-Kadischa" und als Vorsteher des Seitenstettener Tempels eine überaus anerkennende Tätigkeit entfaltete. An der Bahre würdigte Herr Rabbiner Eduard Reich in einer formvollendeten Rede die Verdienste des Verblichenen. Moses Reist s. A. Am 14. Juni l. I. verschied in Wien nach kurzer Krankheit im Alter von 76 Jahren Herr Moses Reiß aus Lemberg. Derselbe war in der Lemberger Gemeinde und außerhalb derselben hochgeachteter Kaufmann, ein rVi** "iüSl D'pD4? in des Wo.tes vollster Bedeutung, und erfreute sich allseits vermöge seines guten und edlen Charakters der größten Wertschätzung. Von der Vorsehung mit den Gaben des Glückes reich beschenkt, übte er Wohltätigkeit im großen Style, und auch in seiner letztwilligen Perfügung finden sich sehr hohe Legate für verschiedene wohltätige Zwecke vor. Auch so oft ihm seine geschäftlichen Beziehungen nach Wien brachten, gab er durch redliche Spenden, die er an verborgene Arme verabreichte, zahlreiche Beweise seines Wohltätigkeilssinnes, der zumal sich in der jüngsten Zeit, als er 'als Flüchtling hier weilte, besonders glänzend bewährte. Nicht weniger als drei Bethäuser hat der Verewigte in seiner Heimatstadt errichtet und aus eigenen Mitteln reichlich bedacht. Durch mehr als 30 Jahren begleitete er das Ehrenamt eines Vorstehers der größten Lemberger Synagoge, in welcher Eigenschaft er größere wie segensreiche Tätigkeit entfaltete. So gestaltete sich dessen Leichenbegängnis, welches Mittwoch, den 16. d. M., stattfand, zu einer imposanten Kundgebung der hohen Wertschätzung, welcher der Verblichene in seiner Heimatstadt sich erfreute. Es waren erschienen der hier weilende Vorstand der israelitischen Gemeinde in Lemberg mit dem Präsidenten Dr. Schaff und sonstigen Notablen, sowie ein großes unübersehbares Publikum. Kaiser!. Rat Oberrabbiner Aron L e w i n aus Sambor hielt in der Zeremonienhalle einen ergreifenden und tiefempfundenen Nachruf, in dem er die Bedeutung d:s Verewigten als Mensch und Kaufmann, seinen bescheidenen, frommen Char. kter sein. W.h tälicl tund sein h ngebu: gsvol e^> Wirken im Dien e feiner Gemeinde besonders hervorhob. Die Beisetzung erfolgte hier provisorisch und dürften die sterblichen Reste _ in gegebener Zeit nach Lemberg überführt werden. Er ruhe sanft! JTOTOB «*M1 plKl Komarom. Zu Ehren des im Dezember v. I. in hohem Alter verstorbenen Präsidenten des ungarischen Landesrabbinervereines Dr. A. Schnitzer fand in Komarom eine erhebende Gedenkfeier statt. In der Synagoge versammelte sich eine große Trauergemeinde. Es erschienen die Spitzen sämtlicher Staats-, Komitats- und Stadtbehörden; die Israelitische Landeskanzlei war durch königl. Rat Dr. F. M e z e y, der reformierte Kirchendistrikt durch Bischof Dr. St. Nemeth vertreten, zahlreiche Rabbiner nahmen an der Feier teil. Gedächtnisreden hielten Dr. E. Neumann namens des Rabbinervereins und Dr. F. Lövy, der Schwiegersohn des Verstorbenen. Wochenschrift . Seite 485 Karlsruhe. Stiftsrabbiner Dr. Kramer in Karlsruhe ist an Stelle des verstorbenen Pfarrers Adolf Sedlaczek in Kürnbach als Uebersetzer von Schriftstücken und als Dolmetscher für mündliche Uebertragungen aus dem Ungarischen und in diese Sprache für die Zwecke der Rechtspflege im Gebiete des Großyerzogtums Baden öffentlich bestallt und durch das Amtsgericht in Karlsruhe im allgemeinen beeidigt morden. Wer weiß? Infanterist Joachim Kowler, Reservespital Olmütz, sucht seine Eltern Moses Leib und Frau Ester Kowler aus Rohatyn bei Lemberg. Abraham Künstler, ebendort, sucht [eine Frau Salomea bei Bleiberg in Drohobycz. Rausch Philipp, ebendort, sucht seine Frau Sarah Feige Rausch und Bruder Mar aus Zolkiew. Gefällige Nachricht an k. u. k. Feldrabbiner Dr. Sicher, Olmütz. Bernfon Bernhard aus Lemberg, Klinik Hochenegg, 9. Bez., Alferstraße 4, Saal Nr. 15, Bett 21, sucht seine Angehörigen aus Lemberg. Jerachmiel Scheinet, zurzeit Cejl bei Jglau, sucht Samuel Reisberg, Alter Sporn und Taube Schriner aus Solotwina. Moses Nagel, zurzeit Cejl bei Jglau, sucht Riwja and Sara Nagel aus Jesninica. Feuilleton. ,.A« jene« PeffachAdrnd" (Historische Untersuchungen). Vortrag, gehalten am 31. März 1915 lam zweiten Pessach-Tage) im Festsaale des „Hotel Post" in Wien, über Einladung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus. Von Prof. Dr. Majer Balaban. V. Der Hostienprozeß in Sochaczew, 1.556—1557. Der vorige Prozeß war in seinen Anfängen ein literarischer Uebcrgrisf eines antisemitischen Historikers, erst in späterer Entivicklung ward er für die Juden verderblich. Nun wollen wir einen Prozeß aus dogmatischen Motiven betrachten, den Hostienprozeß in Sochaczew im Jahre 1556/57. Als Quellen zu deui Prozeß, dienen: 1. Die Akta am Schloßberg zu Posen (Castrensia);. 2. Die Geschichte der Reformation in Polen (latei nisch) von Lubieniecki, Freistadt 1685, die auf zeitgenössischen Berichten basiert; 3. Die Nuntiaturberichte aus Polen an den päpst liehen Kanzler Herzog di Palliano in Rom. Es war während der höchsten Spannung zwischen den Protestanten und Katholiken, im Jahre des Augsburger Religionsfriedens (1555) und während des Konzils zu Trient. Auch in Polen lagen sich die Gegenparteien in den Haaren und im polnischen Klerus waren viele der neuen Lehre hold. Der Polenkönig Sigismund August, ein Mann der Renaissancezeit, stand dem Kampfe "fern und beide Parteien suchten ihn für sich zu gewinnen. Da kam aus Rom der päpstliche Legat A l o y f i o L i p p o m a u i, ein schlauer Benetianer, und verlangte vom König die Auslieferung von wenigstens zehn Protestantenhäuptern, „damit der Bestie der Kops abgerissen werde". Der König wollte davon nichts hören und Lippomani berief eine Synode im Sitze des Bischofs von Warschau, in L o w i c z, ein. Hier wurde viel über das 'Wunder der Transsubstantiation gesprochen, und manche —-- weniger Gläubige — verlangten einen Beweis. Nun gewann der Bischof von Chelm Przerebski für Geld den Starost von Sochaczew, Borek, und dieser setzte einen Hostien-

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