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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-06-25 · 26 (25.6.1915) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
26 (25.6.1915)
Date
1915-06-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 482 Dr.Bloch's national-einheitliche - ungarische Vaterland eroberte sich Szabolcsi im Laufe der Jahre eine große Gefolgschaft, welche treu zu ihmhielt bis an sein Lebensende. Sein Einfluß wuchs dermaßen, daß man ruhig sagen kann, daß in der fortschrittlichen Judenschaft Ungarns in den letzten 30 Jahren keine einzige nennenswerte Aktion ins Leben trat, welche nicht von ihm ausgegangen oder durch ihn gefördert worden wäre. Allerdings besaß Szabolcsi ein tiefes hebräisches Wissen und eure genaue Kenntnis der Psyche des ungarischen Volkes und der ungarischen Politik. Sein. Blatt verstand er stets auf einem hohen Niveau zu erhalten, denn er führte auch, literarisch genommen, eine glänzende Feder. Er verstand es, junge Talente heranzuziehen, und gar groß ist die Zahl der bedeutenden ungarischen Schriftsteller und Journalisten, welche sich im ^,Egyenlöseg" ihre ersten Sporen holten und, von Szabolcsi aufgemuntert und geführt, zu bedeutendem Namen gelangten. Szabolcsi hat seine Karriere mit einem Kainpfe gegen die Ritualmordlüge begonnen und es ist eine interessante Laune seines Lebensschicksals, daß er sein Leben auch Mitten im Kampfe gegen die Ritualmordlüge abschloß. Vor kurzem erst strengte er, nach einer heftigen publizistischen Fehde, einen Prozeß gegen den Domherrn und katholischen Theologieprofessor Leopold Huber wegen eines verleumderischen Werkes über den Ritualmord an. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Erregung über diesen neuen Feldzug der Antisemiten gegen die Juden sein Lebensende beschleunigt hat. Sein größtes Verdienst ist die seinerzeitige große Aktion zugunsten der Rezeption der ungarischen Juden, welche bekanntlich nach langen und schweren Kämpfen vom schönsten Erfolge gekrönt war. Gerade durch die Einwirkung seiner Tätigkeit auf die ungarische Landespolitik verschaffte er sich auch großes Ansehen in nichtjüdischen Kreisen, welche, gleich den Juden, ganz besonders aber den neologen Juden, von seinem 'Hinscheiden mit tiefstem Bedauern Kenntnis nahmen. An seiner Bahre trauern nebst seiner zweiten Gattin, welche ihm eine treue, hingebungsvolle Lebensgefährtin war, und ihn während seiner schweren Krankheit liebevoll pflegte, sein Sohn, Dr. Ludwig Szabolcsi. welcher sich als Schriftsteller bereits einen Namen machte und sich durch Vermittlung und Uebersetzung neubebräischer Dichtunaen bedeutende Verdienste erworben hat; ferner ein noch das Gymnasium besuchender Sohn und eine einzige Tochter. Eine Ireudenkundgebung gakzischer Atüchtlinge i» Asch. Aus Anlaß der fortgesetzten Siege der Verbündeten in Galizien, und insbesondere infolge der Wiedereroberung Przemysls, veranstalteten die in den Ascher Baracken untergebrachten galizischen Flüchtlinge eine große Freudenkundgebung. Um 7 Uhr abends marschierten sie in geschlossenem Zuge unter klingendem Spiel vom Barackenlager ab. Sie gingen in Viererreihen geordnet, voran die Greise, dann in Altersabftufungen die Jüngeren, zum Schlüsse die Kinder. Dem Zuge vckcan schritt eine Mordnung der Flüchtlinge mit einer großen schwarzgelben Fahne. In den Straßen, durch die der Zug sich bewegte, hatte sich eine nach vielen Tausenden zählende Menschenmenge angesammelt. Vor dem Amtsgebäudc der Bezirksl^uptmannschaft nahmen die mehrere Hundert Personen zählenden Flüchtlinge in langer Front Aufstellung. Die Kapelle intonierte die Volkshymne, wobei die Teilnehmer der Kundgebung die Häupter entblößten. Hieraus erschien im Portal des Amtsgebäudes Bezirkshauptmann Hirsch, auf den die Mordnung der Flüchtlinge zutrat, deren Führer, Religionslehrer Oswald Wochenschrift Nr. 26 Offenberger aus Stanislau, eine Ansprache hielt, in der er der Freude über die für uns siegreichen kriegerischen Ereignisse in Galizien Ausdruck gab, und den Bezirkshauptmann bat, die Glückwünsche und den Ausdruck unwandelbarer. patriotischer Gesinnung der galizischen Judenschaft an die Stufen des Thrones gelangen zu lassen. Er schloß seine Ansprache mit Vivat-Rufen auf Kaiser Franz Josef und Kaiser Wilhelm, in die die Flüchtlinge begeistert einstimmten. Bezirkshauptmann Hirsch sprach den Dank aus für die patriotische Kundgebung und versprach, ungefäumt darüber an Allerhöchster Stelle zu berichten. Dann folgte eine eigenartige Szene, die auf. alle Augenzeugen von ergreifender Wirkung war. Ein alter Jude im Kaftan trat vor und erbat "sich vom Bezirkshauptmann die Erlaubnis, ein Gebet in hebräischer Sprache singen zu dürfen. Sein Gesang, der an einzelnen Stellen von den Glaubensgenossen mit Murmeln und Summen begleitet wurde, wurde auch von den zu Tausenden angesammelten Nichtjuden mit Bewegung angehört. Nach diesem eindrucksvollen Akte setzte sich der Zug, von den Menschenmassen begleitet, zur Wohnung des Bürgermeisters in Bewegung, woselbst sich die Kundgebung in ähnlicher Art wiederholte. Dann ging es unter Absingung patriotischer Lieder durch verschiedene Straßen, die im Flaggenschmuck prangten, nach dem Barackenlager auf dem Freihandschützenplatz zurück. Aus dem rviedereraöerten Stryj. Der'Kriegsberichterstatter des ^Pesti Hirlap" meldet aus Stryi: Die Stadt hat, obgleich sie.zweimal der Schauplatz harter Kämpfe war, nicht sonderlich gelitten. Im ganzen wurden drei Häuser beschädigt. Desto schwereren Schaden hat die Bevölkerung erlitten, da die Garnison zum größten Teile aus plündernden Don-Kosaken bestand, welche die größten Grausamkeiten vollführten, kein Wunder, wenn man bedenkt, daß der bürgerliche Kommandant der Stadt Andrejo, der berüchtigte Organisator der Kischenewer Pogrome unseligen Angedenkens war. Amtlich wurde nur die Verschleppung von 14 wohlhabenden jüdischen Bürgern und vier angesehener christlicher Bürger nach Rußland anerkannt, es ist jedoch festgestellt, daß außer diesen Geiseln noch mehr als 100 Menschen unter der Anschuldigung angeblicher Spionage ins Innere Rußlands verschleppt wurden. Um das Alkoholverbot haben sich die russischen Offiziere nicht viel gekümmert. Sie veranstalteten Orgien und verübten in ihrem Rausche mannigfache Grausamkeiten. Der Handel war vollständig in den Händen der aus Rußland hereingefluteten Händler. Die Behörden haben viele Geschäfte beschlagnahmt und ausgeplündert, worin ihnen die Unmasse aus Rußland importierter Halbweltdamen behilflich waren. Die Küsakenoffiziere gingen mit ihren Burschen alle besseren Wohnungen ab und plünderten sie aus.

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