Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 26 (25.6.1915)
- Date
- 1915-06-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 480 Dr. Moch's Wochenschrift Nr 26 Ich nehme dies zum Anlasse, um dem Armenambulatorium sowohl für die bisher im Einvernehmen mit der Zentralstelle für die Fürsorge sür die Flüchtlinge entfaltete ersprießliche Tätigkeit, als auch für deren Erstreckung auf die Kriegsflüchtlinge aus den südlichen Ländern der Monarchie meinen wärmsten Dank auszusprechen. Der k. k. Minister des Innern: H e i n o l d. An das Präsidium des Armenambulatorium des Zionistischen Zentralkomitees fürKricgsflüchtlinge in Wien. Zu Herzls Todestag. Am 20. T a m u s (2. Jul i) fährt sich zum elflenma! der Tag, an welchem Theodor Herzl unserem Volke entrissen wurde. Dieser nationale Gedenktag kann auch im Toben des Weltkrieges nicht vorübergehen, ohne daß die Judenschaft der ganzen Welt dessen eingedenk ist, was fte an jenem Manne besessen, was sie an ihm verloren hat. Hat uns doch gerade der Weltkrieg gelehrt, welche Lebens- und Willenskraft Herzl den» jüdischen Volke eingehaucht hat. Tausende und aber Tausende junger Juden, feurige Gesinnungsgenossen, bluten und fallen auf den Schlachtfeldern Europas, doch den Ueberlebenden im Felde und daheim schwebt Herzls Zwl „Zion" unverrückbar vor Augen, ein Ziel, dem fortab unsere vervielfachte Anstrengung zu gelten hat. Deshalb fühlt sich am 20. Tamus.jeder Jude gedrängt, das Andenken unseres großen Führers durch eine entsprechende Opfergabe für die Aktion der „K r i e g slandspende" zumindest von der Höhe einer Baumspende zu feiern. Hohe Freude wird, alle volkstreuen Spender beseelen, wenn sich nach glücklicher Stillung des Weltbrandes am Saume, des Herzlwaldcs die Felder und Siedlungen breiten werden, welche der Jüdische Nationalfonds aus den Mitteln der ..Kriegslandspende" den flüchtigen Brüdern aus dem Osten zu sichern beschlossen hat. Am 20. Tamus tue jeder seine Pflicht! Verein „Keren Kajemeth Lejisroel", Wien, 2. Bez., Zirkusgasse 33. Postsparkassenkonto 100.208. Wien. Auch in der Zeit des Weltkrieges ist der Ehrentag der Frau Käroline v. Gompertz-Bettelheim nicht unbeachtet geblieben. Der 70. Geburtstag dieser Persöiüichkeit, die durch ihre selten hohen geistigen und seelischen Vorzüge die allgemeinste Liebe und Verehrung genießt, gab ihren zahlreichen Freunden in Wien und Brünn die hochwillkommene Gelegenheit, der großen edlen Frau ehrend zu gedenken. Die Jubilarin, eine der Höchstgeborenen im Reiche der Kunst, hat vor einem halben Jahrhundert nicht nur in ihrem Vaterlande Oesterreich, sondern weit über dessen Grenzen hinaus die allgemeinste Aufmerksamkeit der musikalischen Welt als Pianistin und Gesangskünstlerin erregt, und insbesondre hat die gesamte Judenheit mit Stolz auf sie geblickt. Geboren am 1. Juni 1845 zu Pest, bekundete sie schon frühzeitig eine ungewöhnlich hohe musikalische Begabung. Karl Goldmark in Wien, wohin die Familie übergesiedelt war, bildete die begeisterte Kunstjüngerin zu einer trefflichen Pianistin heran, während der Gesangsmeister Läufer" ihre herrliche Altstimme sorgfältig pflegte. Noch in kindlichem Alter errang sie in einem Konzert ihren ersten künstlerischen Ruhm als Pianistin, und kaum fünfzehnjährig, erschien sic auf der Bühne der k. u. k. Hofoper. Ihre wunderbare Stimme, ihr bedeutendes Darstellungstalent, ihr rastloser Fleiß, ihre-Vielseitigkeit, ihr reiches Wissen und ihr tiefes Gemüt ließen sie stets vorzügliche Leistungen darbieten und. schufen ihr in den Jahren 1860—1867 eine hochgefeierte Stellung an der Wiener Oper. Ihre Selika in der „Afrikanerin", ihre Fides im „Prophet", ihre Ajucena im „Troubadour" leben noch unvergessen in aller Zeitgenossen Erinnerung fort. Aber auch als vorzügliche Lieder- und Oratoriensängerin errang sie reiche Erfolge, nicht nur in Wien, sondern auch in Deutschland und England. Ein Liebling der Wiener, insbesondere der geistvollen Erzherzogin Sophie, der Mutter Kaiser Franz Josefs I., wurde sie oft zu Hofkonzerten befohlen, und der Kaiser verlieh ihr bald die hohe Auszeichnung der Ernennung zur k. u. k. Kammersängerin. Konzertreisen und Gastspiele führten sie nach deutschen und österreichischen Musikstädten; ihre Mitwirkung verlieh den Musikfesten in Aachen und Hamburg erhöhten Glanz, und an der großen italienischen Oper in London rief sie mehrfach begeisterten Enthusiasmus hervor. Ihr Ruf und Ruhm als außerordentliche Sängerin stand fest, als 1867 ihre Vermählung mit dem Präsidenten der Brünner Handelskammer und. Reichsratsabgeordneten Julius Gompertz, dem später für seine großen Verdienste um den.Handelsstand der Adel verliehen wurde, nur allzufrüh ihre künstlerische Wirksamkeit beendete. Ihr Haus in Brünn wurde ein geistiger Mittelpunkt, eine Stätte edelster Geselligkeit. Ihre Kunst wurde der Schmuck ihres Hauses und stand fortan nur noch im Dienste der Wohltätigkeit in Brümt und Wien. Fürsorglich, treu und aufopfernd für ihren engeren Familien- und Freundeskreis, hat sie ihre bevorzugte Lebensstellung jederzeit zum Wohle und zum Segen der Gesamtheit geltend gemacht. Ihr liederreicher Mund ist seit dem vor wenigen Jahren erfolgten Heimgang ihres Gatten verstummt, aber an allen Ereignissen des Lebens nimmt sie unentwegt den lebhaftesten Auteck. Der Verein ,Frauenhort". IX.. Müllnergasse 21, versendet soeben seinen Jahresbericht, der mit der vorzüglichen Reproduktion eines Adjukewitzschen Porträts des im Berichtsjahre verstorbenen Begründers des Vereines, des unvergessenen Herrn Gottlieb Bettelheim, geschmückt ist. Trotz der Ungunst der Kriegsverhältnisse konnte der „Frauenhort" 25.000 Kronen Kriegsanleihe 1914 zeichnen, 3000 Kronen zur Sammlung , der „Weiblichen Fürsorge" für die Notstandsaktion beitragen, 500 Kronen der „Flüchtlingsfürsorge", 3000 Kronen einem eigenen Kriegshilfssönds widmen, außerdem seine Layettes- und Kleiderbcfiände vollkommen der Flüchtlingsaktion zur Verfügung stellen, wobei seine eigentlichen Agenden — Os'erverteilung, Greisinnenpensionen, Kohlenversorgung, Wöchnerinnenversorgung im 9. Bezirk und Kinderbekleidung daselbst — nicht litten, da er insgesamt 69.724 Kronen verausgabte. Sein Kaiser Franz Josefs-Arbeiterinnenerholungsheim in Seebenstein, das 1914 vorzeitig geschlossen werden mußte, hat der „Frauenhort" in diesem Jahre als Rekonvaleszentenheim für am Kriegsschauplatz erkrankte Aerztinn-en und Pflegerinnen dem Roten Kreuz und den: Kriegsministerium gemeinsam zur Verfügung gestellt und dafür die höchste Anerkennung beider Faktoren gefunden, weil es das einzige derartige Anbot in der Monarchie war und die betreffenden Behörden von Lage und Einrichtung des Heims entzückt waren. Die Adaptierung war natürlich mit großen Kosten verbunden. Trotzdem hat sich der „Frauenbort", an dessen Spitze die Damen Regine Kopstein, Olga von Doctor und Regine Bettelheim als Präsidium, Frau kais. Rat Hirsch und Minna B r u k n e r als Kassierinnen, Frau