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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-06-25 · 26 (25.6.1915) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
26 (25.6.1915)
Date
1915-06-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Bloch’s Jahrgang XXXII Zentralortjan für die gesamten Interessen des Judentums. Wien, 25. Jum 1915 LrscbeLnr jeden Zfretrag. Brief-Adresse: Wie«, II/i, Praterstraße 9. Telegrammadresse: Bloch s Wochenschrift, Wien. OG — — =—0O p L. ft. Postsx»rknffenamt Q Cleartng-Verkebr Mr. 810.976. Redaktion um» Administration: Wien '' II/i, Praterstraße 9. 5 Telephon 45.359 nP -—Qo o O O DO DrZugspreis für Sestrrrrirk;: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzeleremplare .D Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig ‘20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petilzeile 48 Heller. _ o O.. — - Q o Inhalt: Leitartikel: Das befreite Land. — xHus der Geschichte der Juden in Pczemysl. — Kriegsdekvratioüeii jüdischer Offiziere und Soldaten. Opfer des Krieges. Feldmarfchall-Leutnant Kornhaber v. Pilis. Ein Kriegssreiwili'.gir aus Palästina. Tetvrie^nngsieier. Sechs Rabbinersöhne beim Militär. Indische Familien im Felde. Feldpostbrief des Feldrabbiueis Tr ^udn ig^Gvliuski. Tie «zahlte der Marschkompagnie. Feldpostbrief an Herrn Leop. Bedach in Wien. Vor dem Feinde gciallei'. Tapfere Lauitäkewldalen. Tie Drangsalierung der In"en und Rumänen in der Bukowina. Wahrend der Russen,reit in Przemnsl. Eine interessante Kziegsmetallsammlung. Patriotischer Opfermut eines jüdischen Mädchens. Unter der Rnssenberrichasr in Horrdenla. Ruszetchunngen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Befördert. Sonstige Auszeichnungen. Entsetzliche Proarems in ganz Rnstlaud. — Korrespondenzen: Huldigungstelegramm der israel. Knllusgenieinde in Lemberg. Tanksehreiben des Ministers des Innern au das Armenambulatvrinm des zionistischen Zentralkomitees in Wien. Zu Herzls Todestag. Wien. Ter Verein . Franeuhvrt". Ausruf zur Lebensmettelveneiluilg für Kriegserholungsstätten an die Wiener Schuljugend. Max Szabolczi s. A. Eine Freudenkundgebung galizilcher -Ki.chlliuge in Asch. Ein neuerlicher Flüchtlingsstrom in Budapest. Aus dem wicdercroberten Strnj. Reue russische 'Zeiiungen in Russisch-Pvlcn. - Vermischtes. — Feuilleton: An jenen Pessach-Abend. — Literatur. —Rotiz. — Briefkasten. — Juferale. Das defreite Kand Von Koheleth. Und wieder ist Galizien österreichisch. Gebrochen ist das Joch des Drängers, verwundet und zerschlagelr, ohne Zähne und mit verwundeten Tatzen liegt der russische Bär. Befreit ist das Land und befreit ist auch das galizische Judentum! Frei atmet nun der galizische Jude auf, er gleicht seinen gekrümmten Rücken aus, hebt seinen gebeugten Kopf aufrecht enrpor und mit gegen Himmel gerichteten Augen und erhobenen Händen lobpreiset er den Gott seiner Väter, Abraham, Isaak und Jakob, für die neuerliche Erlösung. Vor zehn Jahren, als die Greuel der Judenpogrome in Rußland wüteten und Ströme jüdischen Blutes die Gemeinden in Kischenew, Homel, Kiew, Odessa und in vielen anderen überfluteten, flüchteten Zehntausende jüdischer Familien nach Galizien vor der Wut der wilden russischen Bestie und tiefes Weh und Mitleid empfand der galizische Jude beim Anblick des Elends seines russischen Bruders; er knirschte mit den Zähnen, ballte feine Faust und ein Fluch des Zornes und des Abscheus entriß sich seinen Lippen. Seitdem sind zehn Jahre verflossen und der galizische Jude wurde Leidensgenosse seines russischen Bruders. Das Schicksal hat es gewollt, daß der galizische Jude für kurze Zeit die Pein, und Qual des russischen Joches am eigenen Leibe empfinden sollte. Und er empfand es. Schwer, sehr schwer lastete die russische Hand auf dem jüdischen Haupte. Was hatten nicht alles die Juden Galiziens bei der russischen Invasion auszustehen? Sie wurden geschlagen, gefoltert, grausam gepeinigt, ihre Frauen und Töchter unmenschlich geschändet, ihres Vermögens wurden sie beraubt, ihr Tempel in einen Pferdestall verwandelt, die heiligen Bücher zerrissen. Lebendig begraben, verbrannt, gewürgt, gehängt, aus der Heimat verjagt werden usw. usw., das wurde das Los dieser Juden. Das Judentum Lembergs hat den „Kelch des Leides" bis zur Neige geteert, nun reicht ihm die gütige Vorsehung den „Kelch des Heiles". Zehn Monate den russischen - Martern preisgegebeu, allen erdenklichen Schrecken, und Grausamkeiten, aller nur möglichen Not, das ist ein hartes Schicksal, das kaum noch eine Stadt ertragen mußte, ihre Befreiung aber ein Triumph, wie er strahlender nicht gedacht kverden kann. In den ersten Schauern des Glückes über unseren Sieg denken wir au jene tragischen Septembertage, in denen unsere Armee einer furchtbaren llebermachr lveichen und Lemberg, die schöne Hauptstadt unserer größten Provinz, preisgegeben werden mußte. Die Hoffnung, sie wiederzugeivinnen, erlosch niemals, auch nicht in den ernstesten Wendungen dieses wechselreichen Krieges. Von Zeit zu Zeit drang dunkle Kunde aus der von einem erbarmungslosen Feinde okkupierten Stadt: wir hörten von einem Pogrom, dem zahlreiche jüdische Einwohner zum Opfer fielen, hörten von Raub und Mord, von der Verschleppung von Geiseln nach dem sibirischen Rußland, von Hunger und Verzweiflung, von der Devastierung der Gärten und Wälder, die einst den rvundersamsten Schmuck der Stadt und ihrer Umgebung bildeten. Lemberg, das wurde zu einem Klang von Leid und Empörung. In seinem Wahn, niemals mehr den Raub aus seinen Fängen lassen zu müssen, kam der Zar in die Stadt, die sich ihm mit dem Herzen niemals ergeben hat. Er fand hier nur feindliche Gefühle, erzwungene oder bezahlte Huldigungen von Fremdlingen. Die Anwesenheit des Zaren war eine düstere Episode, an die die Einwohner Lembergs nur mit Tränen zurückdenken werden. Nun ist die Gefahr vorüber und wie ein mächtiger Fels nach einer Brandung steht wiederum das galizische Judentum fest und sicher. Galizien ist von den Russen zum größten Teil gesäubert; wollen wir mit Bestimmtheit hoffen, daß in den nächsten Tagen auch der restliche Teil Galiziens befreit sein wird! Der russische Stier ist stark, solange er sich auf den Füßen halten kann, hat man ihn niedergestürzt, so wird er auch unterliegen!

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