Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 24 (11.6.1915)
- Date
- 1915-06-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 438 Dr. Bloch's Wochenschrift Ar. 24 Auf dem Jetde der Ehre gefallen. In den Kämpfen bei Gorlice hat am 2. Mai der Einjahrig-Freiwillige Zugssührer des 3. Tiroler Kaiserjägerregiments Karl Khuner den Heldentod gefunden. Der junge Krieger, der erst das 22. Lebensjahr erreicht hatte, war der älteste Sohn des im vorigen Jahre verstorbenen Wiener Restaurateurs Ludwig Khuner, der sich in weiten Kreisen einer so großen Beliebtheit zu ersreuen hatte. Nach Vollendung seiner Gymnasiälstudien hatte Zugsführer Khuner die Wiener Handelsakademie absolviert und gedachte sich dem Bankfache zuzuwenden. Ehe er noch eine Stellung antreten konnte, brach der Krieg aus und Khuner meldete sich als Kriegsfreiwilliger, als welcher er seit dem Monate Februar an öcn Kämpfen in den Karpathen teilnahm und bei dem Sturm auf eine von den Russen besetzte Höhe bei Gorlice siel. Er war für eine Auszeichnung vorgeschlagen, die ihm nach dem Tode verliehen wurde. Vor einigen Tagen erhielt seine Mutter, Frau Sophie Khuner, vom Kompagniekommandanten ihres Sohnes die Nachricht, daß Karl Khuner „als der Tapfersten einer" für das Vaterland gefallen und von seinen Kameraden auf dem Friedhofe von Gorlice beerdigt worden fei. Am 25. Mai ist Fähnrich in der Reserve des Infanterieregiments Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 Fritz Schweiger, zugeteilt dem 2. Marschbataillon des Infanterieregiments Nr. 85, auf dem nördlichen Kriegsschauplatz durch einen Kopfschuß getötet worden. In einem Schreiben an den Vater, einem angesehenen Kaufmann im 10. Bezirk, Alfred Schweiger, widmet der Bataillonskommandant dem tapferen, kühnen, unerschrockenen Mitkämpfer einen warmempfundenen Nachruß in dem er auch der tiefen Trauer Ausdruck gibt. Fähnrich Schweiger stand im 22. Lebensjahre und war der einzige Sohn feiner Eltern. Er ist provisorisch auf dem Friedhofe in Bolechow bestattet worden. DerschteppLe Geiseln aus Kokowea. Am 15. Februar d. I., einen Tag vor ihrer Verdrängung aus Kolomea, haben die Russen fünf jüdische Bürger Kolomeas, Advokaten Dr. Moritz H u l l e s, Advokaten Dr. Kehos Schulbau m, Josef Heller, Abraham Neider und Wraham Elo R a m l e r, verhaftet und als Geiseln in der Richtung nach Zaleszczyki-Tarnopol weggeschleppt. Es wurde den Geiseln keine Zeit gelassen, auch nur das geringste für die Reise vorzuüereiten. Ohne Wäsche, ohne Kleider zum Wechseln, ohne Geld, ohne Abschied von den Ihrigen wurden sie weggebracht. Alle Bemühungen ihrer Angehörigen, Verbleib und Schich'al der Geiseln zu erfahren, sind bisher erfolglos geblieben. Es sind beinahe vier Monate, vier grausanr lange Monate verflossen, seitdem die Familien der unglücklichen Märtyrer in qualvoller Angst um das Schich'al ihrer Oberhäupter bangen. Was ist aus den Herren geworden? In welchen Kerkern mögen sie schmachten und sich wk^en dessen, was ihnen bevorsteht, sowie wegen des Befindens ihrer Frauen und Kinder das Gehirn zermartern? Wer versieht sie mit Wäsche? Was bekommen sie zu essen? Die Verzweiflung der Familie ist um so größer, als den Geiseln bei ihrer Gefangennahme verkündet wurde, daß sie für etwaige Maßregeln unserer Armee gegen Russophile sowie für etwaige jüdische Spionage verantwortlich gemacht werden und dafür mit ihrem Leben büßen müßten. Es ergeht daher an alle fühlenden Menschen die dringendste Bitte, sei es im Wege der Verbindung mit Kriegs- und Zivilgefangenen, mit oem neutralen Ausland oder mit Verwandteil in Ostgalizien oder Rußland, sei es auf welchem Wege immer, sich zu bemühen, Verbleib und Befinden obiger Kolomeaer Geiseln zu erfahren und diesbezügliche Mitteilungen an die Adresse: Frau Dr. Schulbaum, Wien, 19. Bezirk, Probusgasse Nr. 13, gütigst zu richten Verschleppte Geiseln aus Iasko. Auch beim Abzug aus der Stadt Jaslo haben die Russen eine Anzahl Juden als Geiseln mitgeschleppt, von welchen bis "heute keine Nachricht an die Angehörigen gelangt ist. Die als Geiseln mitgeschleppten Personen sind: Rabbiner Her sch, Josef Rubin, dann Nealitätenbesitzer Mendel Meller, ferner Joachim Rubel sowie noch sieben Glaubens- und Schicksalsgenossen. Krosnoer Juden als Straßenkehrer. Von einem Bürger der Stadt Krosno erhält die „Nowa Reforma" vom 3. d. M. folgende Informationen: „Unser anmutiges Städtchen hat während der letzten siebenmonatigen Kampagne verhältnismäßig wenig gelitten. Vernichtet wurden nur der Bahnhof und einige Häuser. Ein Haus, wo die Russen beträchtliche Vorräte hatten, ging in Flammen auf. Wie in anderen Städten, so hatten es auch in Krosno die Russen besonders auf die verlassenen Häuser abgesehen. Was nicht fortgeschleppt werden konnte, wurde zerstört und verwüstet. Fensterrahmen und Türen wurden herausgerissen, Parkettböden beschädigt, so daß die zurückkehrenden Eigentümer ihre Wohnungen im schrecklichsten Zustande fanden. Häuser, in denen jemand zurückblieb, wurden verschont. Zur größten Freude der Einwohner blieben sämtliche Fabriken wie auch die Petroleumgruben in der Umgebung unversehrt. Die Ausschreitungen der Russen hingen von dem Gutdünken der einzelnen Stadtkommandanten ab, die oft gewechselt wurden. Im allgemeinen benahmen sie sich der polnischen Bevölkerung gegenüber leidlich gut. Auch war die Lebensmittelteuerung nicht zu drückend. An Stelle des abgereisten Bürgermeisters Dr. Jugendfein trat der Vizebürgermeister KoNjkierek, der sich um die Stadt Krosno und die Bewohner große Verdienste erworben hat. Seine energische Handlungsweise war den Russen ein Dorn im Auge, und so wurde er gleich anderen Bürgern nach Lemberg abgeschoben. Aus der Umgebung wurden vier Priester in das Innere Rußlands sortgeschleppt. Ein Geistlicher in Krosno, der ein Tagebuch führte, wurde zum Tode durch den Strang verurteilt. Man begnadigte ihn schließlich, wobei die Todesstrafe in eine Verbannung nach Kiew verwandelt, wurde. Die russischen Kulturträger hatten besonders an der jüdischen Bevölkerung ihr Mütchen gekühlt. Selbst die angesehensten Juden mußten die Straßen kehren und sogar am Samstag öffentliche Arbeiten verrichten. Bei geringster Fahrlässigkeit wurden sie von den Kosaken mit Peitschenhieben zur Arbeit angetrieben. Auch Jüdinnen wurden zum Straßenkehren herangezogen. Die Russen hatten die Absicht, zahlreiche Juden als Geiseln sortzuschicken. Sie hatten es aber mit dem "Rückzug so eilig, daß sie ihre Absicht aufgeben mußten. Unter solchen Umständen war auch der Enthusiasmus der Bevölkerung unbeschreiblich, als die siegreichen verbündeten Truppen unsere Stadt von dem quälenden Alpdruck befreiten." Ein „Reinfall" der Rassenschnüffler. Unter dem Schlagwort „Der Grubenhund der „Ostdeutschen Rundschau" schreibt ein Genosse der „Arbeiter-Zeitung" vom 5. Juni: Durch einen Zufall lese ich letzter Zeit die „Ostdeutsche Rundschau" und ihren kostbaren Briefkasten. Der Leiter, Herr Grube (Teut), plagt sich nun Tag für Tag, unter fingierten Chiffren zu beweisen, daß alle führenden Ausländer, vom Zaren bis zum d'Annunzio, jüdischer Abkunft sind. Ihm diese Arbeit zu erleichtern und auf seinen Sozialistenhah rechnend, sendete ich ihm unter dem Namen Josef P e r n e g g einen Brief, in dem ich meinen Schwager „Gemeindesekretär von Szombathely" austreten ließ, der versicherte, der französische Minister S e m b a 1 sei von Geburt ein ungarischer Jude. Nun schien