Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 23 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Se-t 420 Dr. BlotH s Wochenschrift N.' 23 Lst'-'vvn"-'seinen'' Danrergdekimit einem schmucken Denkmal versehen worden. ZM Grab ist vom Vizepräsidenten der isräel. Kulkusgemeinde Moses Verständig gespendet worden. Dr^M. Tun der, dblbrabstiner. Leutnant ßrrrst Äeich^. Der bekannte Wiener Industrielle Herr Ludwig Reich! hßü neuerlich einen schweren Verlust erlitten. Nachdem ihm bereits im August vorigen Jahres sein jüngster ZLhrr, Rudolf Reich l, der als Ulanen-Einjährig-Freiwilliger am nördlichen Kriegsschauplätze gefallen ist, entrissen worden war, hat nun auch sein ältester Sohn, Ernst Reicht, k. u. k. Leutnant d. R. im Ulanenregiment Nr. S, in Ruffsich-Polen am 18. Mai den. Heldentod gefunden. Der Major des Verblichenen hat "an die tiefbetrübten Eltern ein in den herzlichsten Worten gefaßtes Beileidsschreiben" gerichtet, in dem er sich über Ernst Reicht wie folgt äußert: ,,Was ich an ihm verliere, ist unendlich viel. Er war mein Adjm taut, stets unermüdlich, diensteifrig, umsichtig und von einer hervorragenden Tapferkeit und er hat in der kurzen Zeit seit Anfang April alle Herzen der Offiziere wes Regiments gewonnen. Umso schmerzlicher empfinden Änr alle» die Lücke, die sein Tod in unsere Reihen riß. Ich erlaube mir zu bemerken, daß ich Gelegenheit hatte, Ihren Herrn Sohn zweimal zu einer Allerhöchsten Auszeichnung vorzuschlagen, und hoffe, daß ihm dieselbe auch verliehen wird. Leider hat er diese Freude nicht mehr erlebt." . Leittnant Keller. „Ich wills beweisen, eben weil ich '.Jude bin!" Franz. H e l l e r, Reserveleutnant im k. u. k. Infanterieregiment' Nr. -19, fiel am 21. März, als er seine Kompagnie zum Sturme gegen die vordringenden Russen führte und verschied nach einigen Stunden in den Armen seines Dieners an den erlittenen tätlichen Schußverletzungen. Leutnant Heller war seit Kriegsbeginn im Felde, sein Heldenmut und seine Tapferkeit waren grenzenlos, er ist auch mit dem Militärverdienstkreüz mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet worden. Zu Beginn des vom ihm angeführten Sturmes erhielt er einen linksseitigen Armschuß und ungeachtet dessen führte er seine Mannschaft weiter, bis er, von der feindlichen Kugel tätlich getroffen, fiel. Im Zivilleben war er Privatbeamter, sein Vater, Max Heller, ist Oekonomiebeamter in Temesgyarmata. Sein Bataillonskommandant, der tapfere Hauptmann Ladislaus Marton v. Martonfalva, der ihn außerordentlich geliebt hat, bestattete den jungen Helden und verständigte dessen Eltern mit nachfolgendem Kondolenzschreiben: „Sehr geehrter Herr! Tief bewegt, halte jch .es für meine traurige Pflicht, die beigeschlossene Nachricht zu. bekräftigen. Ihr lieber Sohn Feri, unser geliebter Kamerad, ist am 21. März, abends, beim Zurückschlagen eines russischen Ansturmes als Kommandant der 9. Kompagnie heldenmütig, von zwei feindlichen Kugeln getroffen, trotz hütgebender, aufmerksamer Pflege gegen Morgen des 22. still entschlafen. Beweint von uns allen, haben wir ihn am'23. März in der Gemeinde Stupo^ian^^üf eineni'Dügefi getrennt von der Mannschaft,, im eigenen Grabe bestattet. Das Begräbnis habe ich geleitet, den Nachruf und Abschied habe ich mit tränenden Augen, später sogar weinend. gehalten, wie auch das Gebet „Vater unser" verrichtet, nachdem kein Rabbiner anwesend war. Dort beweinte die Kompagnie ihren treuen, tapferen Offizier, meinen heldenmütigen Leutnant. Den Ort, wo Ihr lieber Sohn Feri seine letzten Stunden verlebte, wo er verwundet wüvde, wie auch die Totengräber und den Grabhügel habe ich photographiert und nach dem Kriege, wenn ich am Leben bleibe, will ich die Bilder auf Wunsch den verehrten Eltern zuigehen lassen. Das Leid um unseren unvergeßlichen Kameraden teilen wir alle aufrichtig mit seinen lieben Angehörigen. Das Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration sende ich Ihnen — wenn ich es erlebe —, sobald ich es vom Kriegsministerium erhalte. Empfangen Sie auch noch von sämtlichen Mitgliedern des Offizierkorps das innigste Beileid und verbleibe ich mit besonderer Hochachtung Marton, Hauptmann, Kommandant des III/19. Bataillons." Hauptmann Marton schrieb auch die nachstehenden liebenswürdigen und rührenden Zeilen an den Onkel des gefallenen Leutnants Heller, Herrn Geza S ch ä f ffe r, Budapest: „Standort am 1. Mai 1915. Mein sehr .geehrter Herr Schäffer! Ihren werten Brief in Angelegenheit unseres braven Kameraden Feri habe ich erhalten und trotz meiner vielen Sorgen diene ich Ihnen mit Vergnügen jetzt wie auch später und von wo immer — wenn ich am Leben bin — mit ausführlichen Aufklärungen. Den Leutnant Heller habe ich als ausgezeichneten (leider), überaus waghalsigen Offizier geschätzt und geliebt, als Kamerad war er aufrichtig, bescheiden und seelengut. Er war der Kommandant meiner 9. Kompagnie, gewissenhaft, besorgt um das Wohl und Wehe seiner Mannschaft, und...nie wird sein Andenken in unserer Seele verlöschen — nie. Warnend habe ich ihn immer ermahnt, nicht zu waghalsig zu sein, er lachte zu meinen Ermahnungen und sagte bloß: „H errHauptmann! Eben weil ich Jude bin, will ich der Welt zeigen, wie wir das Vaterland zu vertwidigen wissen!" — Mein armer, braver Leutnant! Er hätte nicht sterben müssen, und dennoch wünschte ich, wir hätten noch viele solche Braven mit einem solchen H ei d e n h e r z e n i n d e r Brust, wie mein Leutnant Heller es hatte." Ich verbleibe hochachtend Ihr getreuer Marton, Hauptmann." Jüdische Jamiliea im Jette. H Groß ist die Zahl der jüdischen Familien, deren mehrere Mitglieder auf einmal im Felde stehen und für die Verteidigung des Vaterlandes ihr Leben einsetzen. Wir zitieren hier auf Grund der authentischen Mitteilungen des „Egyenlöseg" einige' solche Fälle: Alexander Stern, Gastwirt in Nagymalas in Ungarn, hat fünf Söhne und einen Schwiegersohn im Kriege. Einer seiner Söhne ist im, April gefallen. Moritz ist bei der allgemeinen Mobilisierung zur Marine nach Pola eingerückt. Eugen dient in Salzburg, Geza befindet sich., als Arzt seit der Mobilisierung aus dem Kriegsschauplatz, Ludwig war gleichfalls seit Kriegsausbruch auf dem Kriegsschauplatz und hat am 22. April den Heldeptod gefunden. Friedrich ist seht eingerückt. Sein Schwiegersohn, Eugen Klein, dient seit der Mobilisierung. Michael Kaiser, Kaufmann in Tergenye im Honter Kvmitat, hat vier Söhne, alle vier sind Soldaten. Armin