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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-06-04 · 23 (4.6.1915) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
23 (4.6.1915)
Date
1915-06-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 23 Settel Dr. Älöch' Mrinz Juad üöer dieottomanijchen Iudett und Jalästma. Prinz H'uad ist der!, Flügelädjutant des türkischen Sultans.- Bis zum Ausbruche der Feindseligkeiten mit E'-gland hatte er eine hohe Stelle in Aegypten inne. Mit, Ausbruch-des Krieges verließ er Kairo,,, um nach Stambul zu reisen und seine Dienste dem Khalisen zur Verfügung zu stellen. Vor einigen Tagen begab er sich in Begleitung einiger türkischer Herren nach Berlin, uüi dann ins Hauptquartier zu gehen. Auf seiner Durchreise hielt er sich in Budapest Ms, wo ein Mitarbeiter des „Egyenlöseg", welcher dem Prinzen noch' von Kairo her bekannt war, Gelegenheit hatte, mit triefem hohen Funktionär des türkischen Reiches über türkische Angelegenheiten Zu sprechen. Im Verlaufe der Unterredung machte Prinz Fuad auch Aeußerungen über Palästina, welche für die Juden von historischer Bedeutung sind. „Die Türkei" — sagte der Prinz — „anerkennt es dankbarwelchen Dienst die Juden ihr geleistet haben. Jetzt, da das Bombardement der Dardanellen versucht wird und die Türkei mit der äußersten Kraftanstrengung für ihre Interessen kämpft, haben die Juden wieder bewiesen, welcher Kraftleistungen sie fähig sinLü Sie zogen mit der größten Begeisterung in den Krieg und gehören zu unseren tapfersten Soldaten. Die vielgenannte jüdische Legion arbeitet jetzt an der Dardanellenfront und ich kann sagen, daß alles Don ihrer Arbeit und ihren Leistungen entzückt ist. Ihr Kommandant Said Halim Bey, ein türkischer Jude, hat den Hauptmannsrang und erhielt gerade vor wenigen Tagen eine Auszeichnung. In den übrigen Heereskörpern sind die Juden natürlich wahllos verteilt, und auch' diese erfüllen freudig ihre Pflicht auf dem Kriegsschauplätze. Auf solche Weise ist in unserem Heere auch nicht die Spur des Antisemitismus zu finden. Die Juden sind die wahren Kameraden des türkischen Soldaten und deshalb macht auch die Heeresleitung keinen Unterschied mit den jüdischen Helden, welche ebenso emporsteigen, wie die Soldaten irgendeiner änderen Konfession oder Nationalität. Wir besitzen auch schon, einige jüdische Stabsoffiziere. Diejenigen Juden, welche nicht Soldaten sind, sind gleichfalls mit der größten Aufopferung eifrig tätig, um sich auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und anderen Gebieten auszuzeichnen. Seine Majestät der Sultan war. von diesem edlen Streben so sehr gerührt, daß er eine vom Chacham Baschi geführte Abordnung der Juden empfing und ihnen im Namen der türkischen Nation den Dank aussprach. Die Festlichkeiten, welche damals stattfanden, haben auf uns alle den größten und tiefsten Eindruck gemacht. Die jüdischen Bestrebungen kenne ich zur Genüge, wie sie überhaupt jeder in der Türkei genau kennt. Niemand zweifelt an dem Patriotismus der türkischen Jüden und wir prüfen ihre Bestrebungen auch von diesem Gesichtspunkte aus. Ich muß gestehen, daß bezüglich Palästina zu einer Zeit kein voller Einklang bestanden hat und'die Tendenz unserer Regierung konnte wegen der kontroversen Haltung gewisser arabischer Stammes ckeine feste sein. Jetzt liegt dem Ministerium des Innern hinsichtlich Palästinas ein Memorandum vor, welches ihm von gewissen jüdischen. Kreisen unterbreitet wurde. Auch ich erhielt ein Exemplar dieses Memorandums zum Studium Lugewiesen. Es wäre gegenwärtig hoch verfrüht, sich hierüber in längere Auseinander Setzungen einzulassen, denn eine Entscheidung ist ja bis jetzt noch nach, keiner-WchtMg hin gefallen.. Wir werden zweifellos Wohlwollen Sekunden, und das kann die jüdische öffentliche Meinung beruhigen. Die türkische Regierung betrachtet die unerhörten Leiden der russischen Wochenschrift Juden'mit derselben Entsetzen, wie etwa Oesterreich- Ungarn. Uno die Türkei, welche zu alten feiten 'die klassische Heimat des verständnisvollen Lioeralisrnus war, wird auch jetzt'gerne ihre Hand dazu bieten, mir den unter dem entsetzlichen russischen Barbqrrsmus seufzenden Unterdrückten zu helfen. ir Die Modalitäten hiefür können abweichend sein, daß aber über das Endziel jedermann im klaren ist, ist setvsrverftändlich. Auch ich habe von der Not in Palästina gehört. Ich bin wohl in der letzten Zeit nicht dort gewesen, aber ich kenne die Verhältnisse und weiß, daß die größte Opferwilligkeit nottut und am Platze ist. Auch unsere Regierung wird diese Angelegenheit rn die Hand nehmen und, so weit es ihr möglich ist, Verfügungen treffen. Ich bin der Ansicht, daß mit energischem Vorgehen geholfen werden kann, und das ist jetzt unser Hauptvestreben. Die Hilfsaktion der ausländischen Juden wird von Komitees, und zwar gut und mit Energie geleitet. Die Juden in der Türkei können mit Vertrauen in ihre Zukunft blicken. Ihr Vertrauen, ihre Ausdauer und ihr Heldenmut werden ihre Früchte tragen." : __ L. M. Die Sleü'rmg der italienischen Juden zu dem Hrenöruch Italiens. Daß ein großer Teil des italienischen Volkes die Kriegserklärung Italiens an die früheren Verbündeten in tiefster Seele mißbilligt, das unterliegt heute keinem Zweifel. Zu diesem Teil des italienischen Volkes gehören unzweifelhaftdie italienischen Juden. Ein Vorgang schon beweist das klar: In Mailand fand erst vor kurzem eine große jüdische V e r s a m m l u n g statt,. an welcher Zahlreiche, hervorragende Persönlichkeiten der italienischen Judenschaft, unter ihnen auch die gewesenen Minister Luzza t t i und Ottolenghi, teilnähmen und Reden hielten. Die Versammlung faßte eine Resolution, wonach die Juden Italiens sich den Aktionen der großen jüdischen Körperschaften der übrigen Länder; zur Erlangung der Gleichberechtigung für die Juden einzelner Länder, in denen ihnen die Gleichberechtigung bisher versagt blieb, anschließen. Die Versammlung sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, daß es nach diesem Weltkriege, in welchem die Juden aller Länder den opfermutigsten Patriotismus für ihre Heimatländer an den Tag legen, Kisten einzigen Staat mehr geben werde, iw welchem die Juden nicht die gleichen Rechte wie ihre anderen Mitbürger besitzen würden. Dieser Beschluß richtet sich klar und deutlich ge g e n Rußland und seine judenfeindliche Pogrompolitik. Es ist undenkbar, daß dieselben Männer, welche unlängst sich aus den Boden dieser Resolution gestellt haben, heute zu Anhängern des Ministeriums Salandra' geworden sein sollten/ das die Waffenmacht Italiens in den Dienst des judenfeindlichen Rußlands gegen die judenfreundlichen Zentralmächte stellt. Das Wesen des Judentums steht ja auch in unlösbarem Widerspruch zu dem Prinzip des „sacro egoismo“, des „heiligen Egoismus", das der treulose Salandra aus (seine Fahnen geschrieben hat.; i? . J -,f| Ire Mge von der jüdischen Abstammung d'Annunzios. In antisemitischen Blättern Oesterreichs und Deutschlands UM dieser Tage die Mär zu lesen, daß der vor kurzem noch von seinen eigenen Landsleuten gründlich mißachtete,, jetzt aber als nationaler Barde (verhimmelte Kriegshetzer Gabriele d'A n n u n z i o jüdisch-polnischer Ab-

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