Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 22 (28.5.1915)
- Date
- 1915-05-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 22 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 411 Friedek-Mistek. (83. Geburtstag.) In vollster körperlicher Regsamkeit und geistiger Frische feierte dieser Tage Herr Julius W u l k a n seinen 83. Geburtstag. Der Jubilar, der an allen Institutionen der Kullusgemeinde lebhaften Anteil nimmt, die ihm übertragenen Ehrenämter mit vollem Erfolg selbstlos versieht und in der „Chewra Kadischa" eine lebhafte Tätigkeit im Ausschüsse entfaltet, wurde vielfach beglückwünscht und geehrt. Möge er noch viele Jahre uns erhalten bleiben. Kaiser Franz Josef-Frauen-Wohltätigkeitsvereit». In der dieser Tage abgehaltenen Genssralversamlung dieses Vereines wurde die Gemahlin des Erotzkaufmannes Herrn Leopold M ü n st e r-Mistek, Frau Wally M ü n st e r, zur Präsidentin und die Damen Linna Kuffler, Marianne Landsberger Edle von F r e i d e ck, Sali L e s ch n e r, Mizzi L 5 w und Regina Trammer in den Ausschuß gewählt. Gaya. (Todesfall.) Am 13. d. M. wurde Herr kais. Rat Dr. Emanuel Mandel s. A., dessen Leichnam aus seinem Wunsch von Wien der heimatlichen Erde zugeführt wurde, unter imposanter Beteiligung zu Grabe getragen. In der Zeremonienhalle trug Herr Oberkantor Israel Steiner die Trauergesänge in bekannt würdiger und exakter Weise vor, worauf Herr Rabbiner Dr. Joses Kofs in wirkungsvoller Grabrede und in zi^ Herzen gehenden Worten die Tugenden und guten Herzenseigenschaften des Verstorbenen schilderte. Sodann ergriff als Freund des Verklärten Herr,k. u. k. Major Karl H n i l i c a das Wort, indem er in ergreifender Weise von seinem Freunde Abschied nahm, ihm dankend für seine Treue. Diese Rede übte auf alle Anwesenden leinen solch tiefen und nachhaltigen Eindruck, daß kein Auge tränenleer blieb. Nach Absingung des „Schiwisfi" seitens des Herrn Oberkantors wurde der Sarg der Erde übergeben. Friede seiner Asche! Wer weiß? Jakob Richter (Mendel Grubers Schwiegersohn) aus Rawaruska wird pon seiner Mutter gesucht. Adresse Rabbiner M. Rottenberg für Sima Richter, Frankfurt a. M.» Holderlingstratze 1. Moses Aron Sandmann sucht seine zwei Töchter: Sabine Sandmann, 20 Jahre alt, welche nach Ungvar in Ungarn flüchtete And von dort weiter (wohin unbekannt); Scheint»! Sandmann, 17 Jahre alt, die in Rawaruska bei Josue März, Gutsbesitzer, diente und mit demselben und seiner Familie flüchtete. Beide Töchter stammen aus Turka (Galizien). Nachricht erbittet Moses Aron Sandmann, Erotz-Lovcitz bei Steinitz (Mähren). Eisig Lauser, 35 Jahre alt, verehelicht, zuständig Bezirk Stryj bei Hinski in Galizien, Gefreiter im Infanterieregiment Nr. 9, 4. Erf.-Kompagnie, 1. Zug, in Körmend (Ungarn), sucht seine Familie. Herr Lasar Gestetner, Vorsteher der orth. Kultusgemeinde Pretzburg, sucht den Vater von den Kindern Abraham, Joseph und Hancsi Freund» Moses Freund aus Makovice (bei Przemysl), dessen Frau Henni, geb. Sternbach, mit den Kindern hierher gekommen war, jedoch leider hier ihrer Krankheit erlegen ist. Der Vater war bei Dobromil Wache. Für Rosa Löffler» ein lljähriges Mädchen, werden die Ellern gesucht. Der Vater, Wirtshäuser Berl Löffler aus Tonsovich (bei Dobromil) und dessen Frau Blume, geb. Sternbach. Herr Vorsteher Lasar Gestetner hat sich um die allein bagebliebenen Kinder große Mühe gegeben. Feuilleton. Me Jude« in Polen vahrend der Kosaken-, Tataren-, Unssennnd Kchvedenkriege (1648—1660). Vortrag, gehalten am 11. Februar 1915 im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines in Wien über Einladung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Von Prof. Dr. Majer Balabau. (5. Fortsetzung.) IV. Zwei Jahre hausten die Schweden im Lande, alles hatte sich ihnen ergeben und nur die kleine Festilng C z e*it st o ch owa leistete ihnen kräftigen Widerstand. Die Paulaner des Klosters unter Führung des Superiors, Vater Kordecki, verteidigten die Festung und zwangen den Feind zum Abzug. Dies gab Anlaß zur Sammlung der polnischen Kräfte. Der königstreue Mel sammelte sich in T y sz o w c e und an die Spitze dieser Scharen stellte sich Stefan Czarnecki. König Johann Kafimir kam ans Schlesien über Ungarn und die Karpathen nach Lemberg und hier in der Kathedrale gelobte er feierlich, sein Königreich — wenn es ihm Gott wiedergäbe — der Mutter Gottes, als der Königin von Polen, zu Füßen zu legen. Frommer Geist zog in die Herzen der Streiter fürs Vaterland: der Schwedenkönig, dem bis nun alles zujubelte, wurde zum Teufel, zunl Protestanten und Antichristus gestempelt, Parer Kordecki und das Muttergottesbild von Czenstochowa wurden zum Panier der Königsscharen. Es war ein neuer Kreuzzug, ein Religionskrieg, bei dem die sogen. Arianer — eine Abart polnischer Protestanten — und die „ungläubigen Juden", — die ganz gewiß zu dem Feinde hielten, — erbarmungslos hingestreckt wurden. Die Leiden der Juden waren furchtbar, die Zeit Chmielnickis begann nunmehr von neuem für den Westen des Staates. In Kowal (bei Lenczyca) ermordeten die Soldaten Czarneckis am 15. Llpril 1656 hundert jüdische Familien, dasselbe Los ereilte die Juden in Jnowrazilaw (Hohensalza). Gegen den 20. Zlpril war Czarnecki in Lopi^enno und Rogozno (Rogasen), hier fielen 40 Familien mit ihrem Rabbiner Isaak. Am 24. und 25. April wurde P i l a (Schneidemühl) überfallen, Hab' und Gut der Juden vernichtet, die Thorarollen zerrissen und 33 Leute ermordet. Ein Teil der Gemeinde rettete sich über die märkische Grenze, am Wege starb der Rabbiner Meir b. Eliakim Götz. In Flatow fiel unter anderen Märtyrern der Rabbiner Isaak Halevy und in Wrzesnia (Wreszen) 100 Familien mit ihrem Rabbiner Efraim. So erging es den Juden in ganz Groß^- polen: in Pakosch, Exin, Labischyn, Lobsenz usw. Auch die Posen er Juden sollten für ihre sogen. Schwedenfreundschaft bestraft werden. Ihre Synagoge hatte der König in eine Kirche verwandelt und nur dank einem hohen Lösegelde blieb das altehrwürdige Gotteshaus den Juden erhalten. In Krakau hausten die Schweden volle zwei Jahre. Bürger und Adel buhlten um die Gunst der Generale: Wittenberg und Wirz und auch der Klerus lebte mit den schwedischen Offizieren im besten Einvernehmen. Als aber Krakau mit Hilfe der österreichischen Truppen, unter Führung Hatzfelds, von den Polen wiedererobert wurde, vergaß man und verzieh allen, und nur an den Juden blieb der Schandfleck des Verrats kleben. Johann Kasimir verschenkte sie — als Hochverräter — mit Weib und Kind, mit Hab' und Gut seinen Feldherren: Lubomirski und Korycinski (Lancut, 21. April 1656), und die Juden mußten tief in die Tasche greifen, um die Vollstreckung dieses Dekrets zu vereiteln. Bald ersann man neue Quälereien. Die Synagoge Reb Eisik Reb Jekeles wurde der Kirche zu St. Hedwig am Stradom verschenkt und für die Schuld einiger jüdischer Goldarbeiter, die von den Schweden einen silbernen Altar gekauft hatten, mußte die ganze Gemeinde büßen. 30.000 Gulden bezahlten die Juden als Sühngeld den Domherren am Wawel und soviel erhielt der österreichische General Hatzfeld als donum charitativum. Die zweitgroße Judengemeinde in Kleinpolen — Lublin — hatte nicht weniger als ihre Schwestergemeinden au^ustehen. Das Theatrum Europeum (VII) weiß darüber folgendes zu berichten: „Am 15. Oktober 1655 fiel ein Teil der Feinde — meistens Kosaken — in die krakovische Vorstadt, sonderlich in die Judenstadt, und plünderte alles aus. Der Kosakengeneral Peter Jvanowitz ließ etliche Wagen voll köstlicher jüdischer Waren mitführen und forderte