Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 22 (28.5.1915)
- Date
- 1915-05-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 408 Nr. 22 Dr. Blocks Wochenschrift Andere Feldrabbiner wollen zu diesem Zwecke ihre Feldpostadressen der Redaktion unseres Blattes mitteilen. Als Liebesgaben sind vor allem Zigaretten, Schokolade. Kakes, Seife, Hand- und Taschentücher, ferner jüdische Zeitschriften erwünscht. Feldrabbiner Dr. Tauber bestätigt herzlichst dankend den Empfang nachstehender Liebesgaben: Leutnant Dr. Walter Hellmann Geldspende, von 20 Kronen; Karl Fleischer (Raitz b. Brünn) 3 Kronen und jüdische Zeitungen; Postoffizial Jakob B o d e k, Alois Kornfeld (Wien) jüdische Zeitschriften. Die „Agudas Jisroel" im Weltkriege. Der Krieg hat die Agudas Jisroel-Organisation vor große Aufgaben gestellt. Die eherne Notwendigkeit, die einen engen Zusammenschluß aller an den überlieferten Idealen festhaltenden Juden und damit die Gründung dieser Organisation zur gebieterischen Pflicht machte, zwang die Leitung der Aguda und ihre Organe, an die Durchführung größerer philanthropischer Unternehmungen heranzutreten, zu einer Zeit, da sie nach dem normalen Lauf der Dinge sich in der Hauptsache der Ausgestaltung ihres organisatorischen Gerüstes und der Sammlung ihrer inneren Kräfte hätte widmen sollen. Die für den Monat August 1914 geplante „Kenessijoh gedauloh" als Kundgebung der Zusammengehörigkeit der durch die .Thora Geeinten Mußte plötzlich abgesagt jwerden. L>tatt dieser Kundgebung jedoch forderten die Kriegsereignisse von der Organisation Taten, die den Agudagedanken wenigstens teilweise verwirklichen sollten. In: Geiste dieses Agudagedankens bewegte sich denn auch die Tätigkeit der Aguda seit Ausbruch des Krieges. Sie war im besten Sinne des Wortes eine Hilfstätigkeit. Galt es in den ersten Wochen, den zahlreichen in deutschen Kurorten vom Kriege überraschten Glaubensgenossen mit allen verfügbaren Mitteln — durch Unterstützungen oder Darlehen — helfend beizustehen, so nötigte der Verlauf des Krieges die Organisation, außer der Hilfe für die durch den Kriegsarrsbruch in Bedrängnis Geratenen recht bald ein ausgedehntes Hilfswerk einzuleiten für diejenigen, die infolge der Ereignisse auf den Kriegsschauplätzen ihren Erwerb, ihr Hab und Gut verloren und bis zum Wiedereintritt geordneter Verhältnisse auf tatkräftige Unterstützung der Gesamtheit angewiesen find. Diese Hilfsaktion erwies sich um so dringender, als der östliche Kriegsschauplatz sich über ein Gebiet ausdehnt, das von Juden dicht bevölkert ist, wie kein, zweites in Europa. Galizien wurde von den Russen besetzt. Die Juden wußten aus den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, was es für sie bedeutet, unter Russenherrschaft zu leben. Hunderttausende zogen es vor, sich der Not und der Mühsal des Flüchtlingslebens auszusetzen und traten die Wanderschaft an, froh, das nackte Leben vor den Huligans gerettet Zu haben. In dem okkupierten Teile Russisch-Polens fanden die einziehenden deutschen Truppen in hunderten von Gemeinden die jüdische Bevölkerung in großer Not vor. Die vor den siegreich vordringenden deutschen und österreichischen Heeren ausgerückten Kosakenhorden fanden vor ihrem Abzüge noch Zeit genug. um Väterchens „lieben Juden" auf ih re We ise Lebewohl zu sagen. Gemeindeleben und Gemneindeinstitutionen sind zumeist aufgelöst und bedürfen tatkräftiger Förderung von Seiten der Hilfsorganisationen, um wieder' aufzuleben. Auch in: Heiligen Lande trat große Not ein und cs mußte auf Abhilfe gesonnen werden. Die Aguda-Leitung veranlaßt^ die Gruppenverbände von Deutschland und einigen neutralen Staat e n, unter ihren Mitgliedern und Freunden eine Sammlung zu veranstalten, um die erforderlichen Geldinittel zu erlangen. Das bisherige Resultat der Sammlung des Gruppenverbandes in Deutschland und ebenso das des Schweizerischen Landesverbandes kann als durchaus befriedigend bezeichnet werden. Dadurch wurde die Leitung in den Stand gesetzt, den Bedrängten die „erste Hilfe" zu leisten. Die weiteren Ergebnisse der im Gange befindlichen Sammlungen werden hoffentlich der Organisation die Mittel an die Hand geben, das begonnene Hilfswerk gedeihlich fortzusetzen. Ueber das bisher Geleistete sind wir in der Lage, im einzelnen folgendes zu berichten: Galizische Flüchtlinge. Die Aguda begkknn ihre Hilfstätigkeit für die Flüchtlinge vor den: Pessachseste. Nach den Feststellungen des Herrn Fabrikanten Grün bäum-Nürnberg, der im Aufträge der Leitung nach Wien reiste, um gemeinsam mit der gegenwärtig dort domizilierenden galizischen Landeszentrale die erforderlichen Maßnahinen zu treffen, bestand für viele Tausende die Gefahr, während des Pessachfestes ohne Mazzos zu bleiben. Nach unsäglichen Mühen war es in letzter Stunde noch ermöglicht, ein Mindestquantun: der erforderlichen Mazzos herbeizuschaffen. Hierfür allein wurden mehr als 32.000 Kronen verausgabt. Auch wurde durch Subventionierung von Volksküchen und direkte Unterstützung einzelner im tiefsten Elend befindlichen Familien vielfach dazu beigetragen, die Not zu lindern. Hand in Hand mit dieser Aktion wurde von Seiten verschiedener befreundeter Frauenvereine und der Aguda- Mädchengruppen im großen Maßstabe eine Kleider- und Wäschesammlung eingeleitet. Auch diese Sammlung zeitigte ein gutes Ergebnis. Von den einzelnen Sammelstellen Deutschlands und der Schweiz konnten bereits mehrere hundert Kisten mit Kleidungsstücken nach den Flüchtlingszentren abgesandt werden. > Eine besonders schwierige und kostspielige' Ausgabe erwuchs der Aguda aus der geistigen und religiösen Notlage, in die die Flüchtlinge geraten waren. Vor allen Dingen die Jugend. Tausende und aber Tausende von Kindern waren plötzlich ohne jede erzieherische Einwirkung in ein ihnen wesenfremdes Milieu versetzt. Sollten die moralischen Schäden, die infolge monatelangen Müßigganges und Herumlungerns bei diesen Kindern auftraten, nicht zu einem dauernden, unheilbaren Unglück für dieselben werden, mußte unverzüglich auch hierfür Vorsorge getroffen werden. Nach gründlichen Vorarbeiten konnten dieser Tage in den größeren Flüchtlingslagern interimistische Schulen eröffnet werden. Zum Unterricht der Kinder wurden bis jetzt etwa 60 Lehrer angestellt. Für die Maßnahmen der Weiterbildung der schulentwachsenen Jugend sind die Vorarbeiten im Gange. Ebenso wurden Vorerhebungen eingeleitet zur Hilfe für die Kriegswaisen, für deren Erziehung die jüdische Gesamtheit wird Sorge tragen müssen. Die Hilfsaktion für die galizischen Flüchtlinge wird in Vertretung der Gesamtorganisation von dem galizischen Landeskomitee der Agudas Jisroel durchgeführt. Zur Beratung über die einzelnen noch erforderlichem: und nach iden vorhandenen Mitteln möglichen Maßnahmen fand Donnerstag, den 22. April, im Hotel „Continental" in Wien eine Versammlung statt, an der sämtliche in Wien weilenden Führer der galizischen Juden teilnahmen. Es.wgren zugegen außer etwa 50 hervorragenden Persönlichkeiten aus Laienkreisen auch die galizischen Mitglieder des „Rabbinischen Rates" und die bekannten Cbäfsidim-Rabbis von Czortkow, Bojan, Hufiatvn. Otthnia und Sadagora und viele andere Rabbiner. Diese Versammlung erregte sowohl durch ihre Zusammensetzung als auch durch den Beratungsgegenstand in den weitesten Kreisen Aufsehen. Von dem dauernden Zu-