Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-28 · 22 (28.5.1915) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
22 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022165--24154-3049389
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 398 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 22 dekorierter Militärärzte den Schulbesuch verweigert und schließlich einem jüdischen Flieger nicht einmal den mageren Trost einer freundlichen Todesanzeige gemährt in der Presse des Landes, für das er gefallen? Es ist des Zaren Herz, das sichl da in dem Gehirn törichter, aber serviler Untergebener widerspiegelt. Die Oligarchie, die Rußland regiert, möchte die Welt glauben machen, daß die schlechte Behandlung der Juden einem unüberwindlichen Vorurteil und Hasse im Volke selbst zuzuschreiben ist. Aber nicht das Volk trifft die Schuld. Die wirklichen Judenverfolger find der Zar, die antisemitischen Würdenträger der einflußreichen „Sphären" und die Kohorten der „Schwarzen Hundert", welche sie in der Organisation von Pogromen verwenden. Der Zar hat sicherlich! seit Kriegsausbruch von den Juden so loyale und treue Dienste empfangen, wie nur irgendein Herrscher sie verlangen kann. Indem er sie so behandelt und bchandeln läßt, wie es tatsächlich geschieht, hat er offensichtlich den schwärzesten Undank gezeigt, dessen ein Autokrat sichschuldig machen kann. Generalversammlung der »Israelitische« Allianz" £« Wie«. Die 42. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" zu Wien fand Montag, den 17. Mai l. I., um 6 Uhr abends, im Saale der israelitischen Kultusgemeinde statt. Den Vorsitz führte, da der Präsident Herr Dr. Alfred Stern von Wien abwesend war, der Vizepräsident Ministerialrat Kamill Kur an da. Unter den Anwesenden bemerkte man die Vorstandsmitglieder Dr. Katzau Pappenheim, Dr. Nierenstein, Dr. Breuer, Prof. Dr. Ehrmann, Professor Dr. Josef Pollak, Generalrat Klein, Hofrat Doktor Löwner, kais. Rat L. Sachs v. Sachsen hall, Sekretär Dr. Kaminka; ferner als Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde die Herren: Vizepräsident Hofral Dr. Rappaport, Em. Grünwald, Dr. Schreiber und Sekretär Dr. Adler sowie zahlreiche angesehene Mitglieder, darunter die Gemeinderabbiner Doktor Grunwald und Dr. Rosenmann, Regierungsrat Dr. Frankfurter, die Schriftsteller Dr. I. S. Bloch und Dr. M.' L ö w Y, Inspektor Prof. K a n i tz, Handelskammerpräsident Lazar Bloch aus Brody, den Rabbiner aus Sanrbor kaif. Rat Aron Lew in, den Rabbiner aus Drohobycz Dr. B. Margulies, Pros A n s ch e r l, Bernhard H o f b a u e r, Hugo Kadis ch, Dr. A. Kapralik, Dr. Sch ne pp, M. Baum, Josef Beer, Karl Flandrak u. a. Der Vorsitzende begrüßte die Anwesenden, unter welchen sich die Rabbiner der soeben durch das siegreiche Fortschreiten unserer Truppen befreiten Städte Sambor und Drohobycz befanden, und wies in seiner Ansprache darauf hin, daß der Verein im verflossenen Jahre, über seine normale Tätigkeit hinausgehend, eine umfassende Aktion zur Linderung der Not der durch den Krieg mit schwersten betroffenen galizischen Juden eingeleitet hat, welche im vorliegenden Berichte eingehend geschildert ist. Dr. Kapralik beantragte, daß von einer Verlesung des umfangreichen, sich bereits seit mehreren Tagen in den Händen der Mitglieder befindenden Berichtes M stand genommen werde. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden. Hofrat Dr. Rappaport begrüßte die Versammlung im Namen der israelitischen Kultusgemeinde, welche sich an den Hilfswerken der „Mianz" immer beteiligt habe und auf dem Gebiete der Flüchtlingsfürsorge die Aktion der „Allianz" zu ergänzen bestrebt war. Dr. Margulies drückte im Namen der galizischen Juden in einer warmen Ansprache seine Dankbarkeit aus für die in Zeiten größter Not von der „Israelitischen Allianz" gewährte brüderliche Hilfe. Die Flüchtlingsfürsorge bilde keine Verschiebung der Tätigkeit der „Allianz", sondern gehöre in ihren normalen Wirkungskreis. So wären z. B. Hunderte armer Schüler von den provisorischen Beschäftigungskursen ausgeschlossen worden, wenn nicht die „Allianz" die Zahlung des Schulgeldes übernommen hätte. Der Bericht enthalte zu wenig von der vielseitigen rühmlichen Tätigkeit des Vorstandes und insbesondere des Sekretärs im Interesse der zahlreichen Flüchtlingsgruppen. Er habe oft Gelegenheit gehabt, zu bewundern, mit welcher Geduld und Hilfsbereitschaft Herr Sekretär Dr. Kaminka sich den notleidenden Glaubensgenossen widme. Es sei zu bedauern, daß die galizischen Juden in früheren Zeiten nicht die Vorteile einer die gesamte Judenheit Oesterreichs umfassenden Organisation genügend gewürdigt haben. Den zahlreichen in Wien anwesenden galizischen Kultusvorstehern und Rabbinern müßte, wie dies bereits durch die dankenswerte Initiative des Präsidenten Dr. Mfred Stern teilweise bereits, geschehen ist, Gelegenheit gegeben werden, sich zu versammeln, um gemeinsam mit der Leitung der „Israelitischen Allianz" über die nach dem Kriege bevorstehenden großen Aufgaben zu beraten. Kais. Rat Rabbiner Lew in aus Sambor schloß sich dem Danke für die Tätigkeit der „Allianz" an, welche alle Erwartungen übertroffen habe. JnsbesMdere sei die so zahlreichen Rabbinern und Rabbinatsastessoren aus Galizien und der Bukowina zur Ergänzung der staatlichen Hilfe gewährte monatliche Stütze der höchsten Anerkennung wert. Dr. Bloch, der sich ebenfalls dem Dankesvotum an den Vorstand und den Sekretär anschloß, hob hervor, daß die Tätigkeit der „Israelitischen Allianz" zur Linderung der Not unserer Glaubensgenossen einen der Lichtblicke in den Ereignissen dieses Jahres bilden wird. Er regte an, daß Lesesäle für die jüdischen Flüchtlinge eingerichtet werden, wodurch auch Gelegenheit gegeben würde, auf die nach jüdischen und allgemeinen Wissen strebenden Juden kulturell einzuwirken. Herr M. Baum fragte an, warum die statutarisch vorgeschriebenen 20 Beiräte nicht gewählt wurden, ob da nicht eine Unterlassung seitens des Sekretariats vorläge. Der Vorsitzende Ministerialrat Kuranda bemerkte mit Bezug stuf die gegebenen Anregungen, daß eine Organisation der galizischen Judenheit nicht von außen in dieselbe hineingetragen werden könnte; sie müßte sich von innen heraus bilden. Die Idee der Schaffung von Lesesälen sei bereits im Vorstande erwogen worden, er würde sich mit derselben noch befassen und sei bereit, die Idee zu fördern. Die Wahl der Beiräte, welche allerdings nach statutarischer Vorschrift hätte stattfinden sollen, falle in die Kompetenz des Vorstandes. Bon einer Unterlassung seitens des Sekretärs könne umsoweniger hiebei die Rede sein, als gerade Herr Dr. Kaminka seit Jahren die Ergänzung des Beirates urgiere. Durch die außerordentlichen Verhältnisse sei es im verflossenen Jahre nicht dazu gekommen. Der Jahresbericht und die Bilanz pro 1914 wurden hierauf einstimmig genehmigt. Aus dem Berichte ergibt sich, daß der Verein, was die Kriegshilssaktion betrifft, für die Repatriierung russischer Glaubensgenossen, für zurückgebliebene jüdische Emigranten und zahlreiche andere Hilfszwecke größere Beträge verwendet hat.' Die Fürsorge für die^ galizischen Flüchtlinge als Ergänzung der staatlichen Fürsorge und der durch zahlreiche Vereine und spezielle Komitees in Wien und in allen jüdischen Genwinden gebotenen Hilfe erforderte bis zur Abfassung des Berichtes bereits über 300.000 Kronen. Eine über-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.