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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-28 · 22 (28.5.1915) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
22 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang XXXII Ar. 22 uni Bloch’s Lentralorgan kür die gesamten linteressen des Judentums. Wien. 28. Mai 1915 LrscbeLnt jeden Freitag. Brief-Adcesse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie». Qü- =—-t)0 p A. K. Pvfifxarkaffrrramt Q Llearing-Verkebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: w i r n II/i, Praterstraße 9. y Telephon 45.359. <1 oO - Qo O Cr .— ■ =0O Vrxugsprris für Vesterrrirh: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für dss Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petitzeile 48 Heller. oO- - Qo Inhalt: Leitartikel: Roosevelts Organ über den Zaren und dir Inden. — Generalversammlung der „Israelitischen Allianz^' in Wien. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Aus rnffischer Gefangenschaft entkommen. Goldene Tapferkeitsmedaille. ^Reserveleutnant Eduard Friedl. Der erblindete Fähnrich. Heldentod eines jüdischen Bolksschullehrers. Rabbinatskandidat David Schwarz. Kadett Ludwig Steiner. Der jüdische Offizier und der reformierte Feldgeistliche. Indische Zivilbevölkerung zur Deckung der russischen Front. Russische Greuel in Galizien. Die Russenherrschaft in Dukla. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Befördert. Sonstige Auszeichnungen. Die deutsche Heeresleitung gegen den Antisemitismus. Unter deutscher Verwaltung. Ein FeldpoMMf aus dem italienischen'Kriege im Jahre 1848. — Kaddisch int Schützengraben. — Korrespondenzen: Bittgottesdienst fi'w ven Kaiser von Oesterreich und fiir den Steg der österreichischen .Heere. Patriotische Kundgebung und Zeichnung der Kriegsanleihe durch die Wiener israelitische Kultusgemeinde. Das Hilfswerk für Palästina. Spenden Kr Palästina. Spenden für die Notleidenden in Palästina. Spenden für galizische Flüchtlinge, Neunte ordentliche Generalversammlung des „Hietziuger Frauenvereines zum Schutze armer, verlassener Kinder". Berichtigung. Liebesgaben für Verwundete und Kranke im Felde. Die „Agudas Jisroel" im Weltkriege. Krakau. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Juden in Polen während der Kosaken-, Tataren-, Russen-- und Schwedenkriege. — Briefkasten. — Inserate. Roosevelts (Organ «brr de» Darr« und dir I«dr«. Aus Newyork wird geschrieben: Im „Outlook", dem Organe Roosevelts, veröffentlicht George Bennau einen sehr lehrreichen Artikel über den Zaren und die Inden, der um so wertvoller ist, als er seine Behauptungen mit Zitaten aus russischen Zeitungen belegt. Zunächst betont Kenn an die von den Inden gleich Zu Anfang des Krieges bewiesene Treue, die aber dem Zaren kaum mehr als einige nichtssagende Dankesformeln entlockte. Die feindselige Haltung der Regierung Wurde dadurch in keiner Weise beeinflußt. Das zeigte sich vor allem auf dem Gebiete des Erziehüngswesens, wo die Juden bekanntlich am meisten entrechtet sind. Am krassesten beweist dies das folgende Faktum, welches wir aus der Fülle der von Kenn an angeführten Belege hervorheben. Ein jüdischer Arzt sandte aus Smolensk dem Kultusminister folgendes Telegramm: „Mein Sohn und meine Tochter bestanden die Aufnahmeprüfung in die staatlichen Gymnasien. Ich diente während des ganzen russisch-japanischen Krieges als Militärarzt in der Mandschurei und wurde Mit dem Kreuz vom Hl. Stanislaus und dem St. Anna- Kreuz Mit Schwertern ausgezeichnet. Seit drei Jahren bin ich ohne Entgelt Schularzt. in Smolensk. Ich bitte, Meine Kinder ohne Auslosung und ohne Berücksichtigung des Prozentsatzes zuzulassen." Dem Gesuche wurde nicht stattgegeben. Nicht nur werden alle Ausnahmegesetze gegen die Juden im Innern des Landes weiterhin aufs strengste gehandhabt, auch im Kriege selbst werden sie überall hintangesetzt. Jüdische Krankenpflegerinnen werden überall unterdrückt und selbst verwundeten Juden wird der Zutritt zu vielen Lazaretten verweigert. Die Bestimmungen bezüglich der Niederlassung der Juden innerhalb des jüdischen Ansiedlungsgebietes werden gleichfalls ebenso streng durchgeführt wie vor dem Kriege. Vor einigen Wochen bat eine mittellose Jüdin, deren Mann im Felde steht, um die Erlaubnis, >zu ihren außerhalb des Bezirkes lebenden Verwandten. die sie aerne ausgenommen lbätten. ziehen zu dürfen, die Erlaubnis wurde verweigert. Als letztes Beispiel russischer Judenfreundlichkeit in .Kriegszeiten erzählt Kenn an, der sich über diesen Fall besonders gut informierte, die Geschichte eines in der Petersburger „Rjetsch" am 19. Oktober erschienene Todesanzeige, die solgenderinaßen aussieht: „Es ist hier Nachricht eingetroffen, daß der junge (hierhat der Zensor ein Wort gestrichen) Eugen R. Spitzberg auf deM Schlachtfelde fiel. Der Verewigte war 20 Jahre alt. Er war in einer Stadt der baltischen Provinzen geboren und ging nach Absolvierung einerprivilegierten Petersburger Schule nach Frankreich. (Längere Streichung des Zensors.) Ende April dieses Jahres kehrte er nach Petersburg zurück. (Längere Streichung.) Später besuchte er Riga und andere Städte der baltischen Provinzen (der Rest des Satzes gestrichen.) Mitte Juli rüstete er sich zu einer Reise nach den Vereinigten Staaten." (Alles übrige gestrichen.) Was hat es nun damit für eine Bewandtnis? Spitzberg war, wie sein Name sagt, ein Jude. Da chm in der Heimat infolge der strengen Bestimmungen eine höhere Laufbahn verschlossen war, zog er nach Paris, wo er sich bald für Luftschiffahrt interessierte. Vergangenen 'April kehrte er nach Rußland zurück und besuchte feine Geburtsstadt. Sein Verhalten in Petersburg erregte aus unbekannten Gründen den Unwillen des Zensors. Offenbar begegnete chm etwas Ehrenvolles, das man natürlich in der Todesanzeige eines Juden verschweigen mußte. Noch ehe er seinen Plan, nach Amerika auszuwandern, ausführen konnte, brach der Krieg aus und Spitzberg trat in die Armee als Flieger ein. Er wurde während eines Erkundungsfluges nahe der österreichijschen Grenze bei Sandomir getötet. Die näheren Umstände seines Heldentodes fielen ebenfalls dem Stift des Zensors zum Opfer. Kennan schließt seine Ausführungen Mit folgender beredter Anklage: „Was muß das für ein Herz sein, das verwundete jüdische Krieger aus den Spitälern weist, das jüdische Pflegerinnen und Schwestern ablehnt, das invalide Juden, die für Rußland in Frankreich kämpften, in den geschlossenen Bezirk mrückschickt, das den Kindern

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