Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 21 (21.5.1915)
- Date
- 1915-05-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022164--24141-3049375- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 386 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 21 terieregiment Nr. 15; Vormeister Alexander Goldner, schwere Haubitzendivision Nr. 4; Infanterist Simon Hilsenrad, Landsturmbataillon 1/22. In dieser Nummer sind verzeichnet: 2 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 4 Militärverdienstkreuze 3. Kl., 21 Signum landis, 1 goldenes, 1 silbernes Verdienstkreuz mit der Krone, 1 silbernes Verdienstkreuz, 10 silberne Tapserkeitsmedaillen 1. Klasse, 42 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Klasse, 7 bronzene Tapserkeitsmedaillen, zusammen 82 Auszeichnungen; hievon entfallen 32 auf Offiziere und Fähnriche des Soldatenstandes, 7 auf Militärärzte und Militärbeamte, 43 auf Mannschaftspersonen. Se. Majestät der Kaiser hat den israelitischen Seelsorger Desiderius Fisch zum Feldrabbiner ernannt. Die belobende Anerkennung für tapferes Verhalten vor dem Feinde wurde unter anderem auch bekanntgegeben dem Oberleutnant i. d. R. des Dragonerregiments Nr. 6 Eugen Freiherrn v. Rothschild. Dr. Josef Vierer aus Radautz, Sohn des jüdischen Gelehrten und bekannten Journalisten Dr. Rubin Vierer aus Lemberg, wurde zum Oberarzt befördert. Der Leutnant i. d. R. Willi K a p p e r l des..Feldjägerbataillons Nr. 7, Beamter der Prager Filiale der Oesterreichischen Kreditanstalt, ein Sohn des Kaplitzer Advokaten Dr. Siegmund Kapperl, ist, nachdem er bereits dreimal verwundet und mit dem Signum luudis ausgezeichnet worden war, bei seinem vierten Einrücken in die Front auf dem Felde der Ehre am 7. d. M. gefallen. Der 26 jährige Offizier war durch seine Studien auf wirtschaftlichem Gebiete und seine Vorträge, die er in Prag und anderen deutschböhmischen Städten Hielt, sowie durch seine Tätigkeit als Ausschußmitglied der Ortsgruppe Prag der Freien Schule sehr bekannt und ist auch publizistisch wiederholt hervorgetreten. Der vor einigen Tagen mit dem Signum lardis am Kande des Äerdienstkreuzes ausgezeichnete Oberleutnant i. d. R. Hugo Semler des Infanterieregiments Nr. 35, sowie der kürzlich mit dem Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration ausgezeichnete Leutnant i. d. R. Robert Semler sind brave Juden und Söhne des Herrn Simon Semler, Fabrikanten und Holzhändlers, Tempelvorstehers in Pilsen. Auch der vor kurzem ausgezeichnete Oberleutnant i. d. R. des Infanterieregiments Nr. 35 Ludwig E i s n e r, Leutnant R. Weiß Hut, Infanterieregiment Nr. 35, und Paul Arnstein, Infanterieregiment Nr. 35, sind Juden aus Pilsen; weiters ist der Landsturm-Oberleutnant Artur Burger 38. Landsturmbataillon (vorige Woche ausgezeichnet mit Signum laudis) ein Pilsener und Jude. Aer Kkldenkampf einer HalöLompagnie non Iünfrmdfitnfzig. Aus dem Kriegspressequartier wurde gemeldet: In den abwechselnden Kämpfen bei Tyszkowicze trafen stürmende Abteilungen des Infanterieregiments Nr. 55 aus überlegene, in sestungsartig verstärkten Stellungen eingegrabene feindliche Kräfte und mußten zutüä. Zwei Züge der 6. Kompagnie unter Kommando des Leutnants i. d. R. Friedrich Hahn blieben auf ungefähr 40 Schritte vom Gegner liegen und deckten den Rückzug. Das Gelände war flach und bot keinerlei Deckung, so daß die zurückgebliebene Abteilung schutzlos dem mörderischen Feuer der russischen Artillerie und Infanterie preisgegeben war. Aber die Tapferen, deren Reihe immer schütterer wurde, wankten nicht, sie hielten die Stellung und verhinderten durch ihr wohlgezieltes Feuer das Nachdrängen des Feindes. Man grub sich so gut es ging ein, um sich vor dem eisernen Hagel wenigstens einigermaßen zu schützen. Da wird Fähnrich Votruba am Kopse verwundet. Die ihm zunächst befindlichen Leute sehen ihren Vorgesetzten fallen und ihr 'ganzes Sinnen und Trachten ist darauf gerichtet, ihm Hilfe zu bringen. Die sehrdicht einfallenden feindlichen Geschosse nicht achtend, verlassen die Zugsführer T e r l e c k i und G u g a, dann ein Infanterist die Deckung, schleichen sich an den weiter rückwärts liegenden Verwundeten heran, um ihn zum Verbandplatz zu bringen. Doch 'zusm Tode getroffen, sinken sie einer nach dem anderen neben ihren Fähnrich hin, der mittlerweile, zum zweitenmal getroffen, gleichfalls den Heldentod erlitten hatte. Die Lage der später aufgefundenen Leichen zeigte, daß die braven Soldaten in dem Augenblicke getroffen wurden, als sie ihrem Vorgesetzten die erhaltene 'Wunde verbinden wollten. Und weiter währte der ungleiche Kampf der Halbkompagnie gegen die russische Uebermacht. Die primitive Deckung bietete ganz oberflächlichen Schutz. Die feindlichen Kugeln dringen nicht nur in die Leiber derM Helden ein, sie treffen auch ihre Waffen. So wird einM Gewehr nach dem anderen unbrauchbar, auch die Mn- M nition beginnt bereits zu mangeln. Mer eingedenk der Losung, den Posten bis aufs äußerste zu halten, harrt das Häuflein aus. Dreimal sehen diese Braven die Sonne untergehen und noch immer keine Unterstützung. Zwei lange, bange Nächte werden durchgekämpft, ohne Nahrung, ohne Wasser! Nur ein einziges Gewehr ist brauchbar, alle übrigen sind vom Feinde zerschossen. Der Ersatzreservist Powszechnyj sammelt alle übrig gebliebenen Patronen, nimmt sich das einzige, kostbare unbeschädigte Gewehr und erwidert allein, zur Täuschung des Gegners den Platz stets wechselnd, das Feuer. Endlich am dritten Tage kommt die ersehnte Verstärkung unb erlöst. die Halbkompagnie,^.vo^cher..Mr..Iß MM».... unverwundet geblieben waren, aus ihrer Not. Aber die Kraft dieser Leute war noch ungebrochen. Obzwar drei Tage in ununterbrochenem aufreibenden Kampfe stehend, ließen es sich die Tapferen nicht nehmen, mit der eingetroffenen Verstärkung den Sturm mitzumachen und den Feind aus seiner Stellung zu vertreiben. Erst dort konnte sich die Heldenschar der Ruhe hingeben. Dort war es auch, wo der Ersatzreservist Powszechnyj, der Tapfersten einer, in rührender Selbstlosigkeit seine letzte Fleischkonserve, welche er drei Tage lang, allen Versuchungen des Hungers trotzend, ängstlich behütet hatte, seinem Kommandanten anbot. Es 'war kein Schlachten entscheidendes Ereignis, dieser Kampf der Halbkompagnie des Leutnants Hahn gegen vorrückende russische Uebermacht, aber von diesem, bloß durch das Bewußtsein der Pflicht diktierten, treuen Ausharren verblassen so manche der Jugend als klassische Beispiele hohen Opfermutes hingestellte Heldentaten alter Zeiten. Soweit der Bericht des Kriegspressequartiers. Dem fügen wir einige Details bei: Der Genannte, seit dem Mai-Avancement Oberleutnant, ist ein Sohn des Fabrikanten Adolf Hahn senior in Pisek (Böhmen) und derzeit als Rekonvaleszent in Pisek, nachdem er auf eigenen Wunsch wieder zum zweitenmal zur Dienstleistung eingerückt war. Zwei Brüder des Oberleutnants Friedrich Hahn leisten ebenfalls Kriegsdienste, der eine als Reserveleutnant, der andere als Reserveoberleutnant auf dem nördlichen Kriegsschauplatz seit Beginn der Ereignisse. Als Hauptpointe ist noch nachzutragen, daß der damalige Kompagniekommandant Leutnant Hahn die angebotene Konserve des ruthenischen Reservisten Powszechnyj nicht annahm, obwohl dieselbe geöffnet und