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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-21 · 21 (21.5.1915) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
21 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 384 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 21 mußten. Am 5. September erhielten wir von Sr. Exzcl-" lenz dem Statthalter Freiherrn v. Bleyleben in Brünn, folgendes Telegramm: „Werde in den allernächsten Tagen über 6000 arme jüdische Flüchtlinge aus Rußland und Galizien in der Jsraelitengemeinde R i t o 1 s b u r g provisorisch und sehr notdürftig unterbringen müssen, zu welchem Zwecke ich zunächst die Erbauung heizbarer Baracken angeordnet habe. Da die staatlichen Mittel zu deren menschenwürdigen Bequartierung und Beköstigung keineswegs ausreichen, wende ich mich in dantoarer Erinnerung an die tatkräftige Unterstützung meiner seinerzeitigen Hilfsaktion zum Schutze der rumänischen Juden in der Bukowina, an die geehrte Allianz mit der Bitte, um rasche und ausgiebige Hilfe für die armen Flüchtlinge. Hoffe zuversichtlich, daß dre geehrte Allianz ihre so oft bewährte Humanität in den Dienst dieser aus humanitären Gründen eingeleiteten patriotischen Aktion stellen wird. Bleyleben, Statthalter." Einige Tage darauf trafen auch schon die ersten Scharen der Flüchtlinge in Nikolsburg ein und wurden provisorisch in einer Notbaracke untergebracht. Der Bürgermeister der Jsraelitengemeinde richtete an uns den dringenden Appell, dem lokalen Hilfskomitee durch Beschaffung von Decken, .Strohsäcken, Pölstern, Eßgeschirr für die erwarteten Flüchtlingsmasfen beizustehen. In einer Besprechung, welche unsere Delegierten mit Sr. Exzellenz dem Statthalter in Brünn über unsere Teilnahme an der Fürsorgeaktion abhielten, erklärte sich die Allianz bereit, die gesamte Einrichtung der Baracken in Nikolsburg, ohne Rücksicht auf die hohen Kosten, beizustellen. Um die Mittel hiesür aufzubringen, mußten wir an die bewährte Hochherzigkeit der Freunde und Gönner unseres Vereines appellieren. Nachdem jedoch in einer Konferenz, welche unter Vorsitz Seiner Exzellenz des Ministers des Innern in Wien im September v. I. stattfand und an welcher auch Delegierte, unseres Vereines teilnahmen, von mancher Seite hervorgehoben wurde, daß öffentliche konfessionelle Sammlungen unter den obwaltenden Umständen nicht im Interesse des allen Kreisen des Bürgertums in gleicher Weise am Herzen gelegenen patriotischen Hilfswerkes wären (es waren tatsächlich damals noch von keiner konfessionellen Seite Sammlungen begonnen worden-, mußten wir uns darauf beschränken, uns in einem Zirkularschreiben an einen Kreis von Wohltätern zu wenden. Wir hoben in diesem Schreiben hervor, daß nicht abzusehen sei, welche großen Dimensionen das Hilfswerk annehmen werde und daß wir daher bitten, dasselbe mit besonderer 'Freigebigkeit zu fördern. Es sind uns infolge dieses Ausrufes direkte Spenden im Gesamtbeträge von mehr als 100.000 Kronen zugegangen. Eine zweite Spendensammlung wurde anläßlich . unseres Neujahrsfestes von Herrn Landesgerichtsrat Dr. Julius K o h n in Neutitschein in der „Neuen Freien Presse" zugunsten der jüdischen Flüchtlinge angeregt.' Nachdem das Ergebnis eine gewisse Höhe erreicht hatte, erklärte sich der Initiator in entgegenkommender Weise damit einverstanden, daß diese Spenden unserer Fürsorgeaktion zugeführt werden. Die Sammlung wurde dann in der „Neuen Freien Presse" durch mehrere Monate ohne Nennung des Namens unseres Vereines fortgesührt und wird erst seit kurzem — nachdem das außerordentliche Anwachsen der Zahl spezieller Sammlungen jeder Art behufs Orientierung des Publikums eine nähere Angabe unvermeidlich machte — mit Hinzusügung des Namens unseres Vereines ausgewiesen. Auf diesem Wege haben wir weitere Beiträge in der Höhe von rund 110:000 Kronen erhalten, wofür wir dem Urheber des Aufrufes, Herrn Landesgcrichtsrat Dr. Julius Ko hu, und der alle unsere Hilfsaktionen mit dem größten Wohlwollen fördernden Administration der „Neuen Freien Presse" zu besonderem Dank verpflichtet sind. Von größeren Zuwendungen einzelner Wohltäter, denen wir anch an dieser Stelle unseren wärmsten Dank ausdrücken urschten, feien erwähnt: Bankhaus S. M. v. Rothschild 10.000 Kronen, Familie Ritter v. Gutrnann 10.000 Kronen^ Erben nach Herrn Leopold v. Lieben 6000 Kronen, Salo Cohn 5000 Kronen öftere. Rente, Theodor Edler v. Redlich 2000 Kronen, Ferdinand Bloch 2000 Kronen und Wiener Börsekammer 2000 Kronen. Es haben uns ferner galizisch-jüdische Vereine in Nordamerika, unabhängig von der großen Hilfsaktion unserer amerikanischen Glaubensgenosse^ welche uns später in außerordentlich hochherziger Weise eine wesentliche Erweiterung unserer Fürsorge ermöglichte, die Ergebnisse verschiedener landsmannschaftlicher Speudensammlungen (die in unserem Gesamtausweise spezifiziert sind) in der Höhe von zirka 26.000 Kronen zukommen lassen. Infolge einer am 16. Oktober mit Herrn Gemeinderat Dr. Schwarz - Hiller als Leiter der Zentralstelle der Wiener Flüchtlingssürsorge abgehaltenen Beratung übernahm unser Verein die Zahlung des Schulgeldes für die vielen Hunderte armer jüdischer Schüler der in Wien provisorisch errichteten polnischen Mittelschulen und Unterrichtskurse, sowie die Leistung von Beiträgen zur Anschaffung von Schulbüchern. Es waren dem dringenden Bedürfnisse der zahlreichen galizischen Familien entsprechend, deren Söhne und Töchter in der Heimat Schulen mit polnischer Unterrichtssprache besucht hatten, in Wien mit Genehmigung der Behörden drei , polnische Gymnasien entstanden (Wien, 2. Bezirk, Vereinsgasse und Josef Gallgasse; Wien, '20. Bezirk, Unterbergergasse), welche .zwar vom galizischen Landesschulrat als solche anerkannt wurden, aber doch als Privatanstalten den armen Schülern das Schulgeld nicht erlassen konnten. Auch zahlreiche jüdische Mädchen aus Galizien, welche in ihrer Heimat polnische Lyzeen besucht hatten, traten in eigens hiesür eröffnete ähnliche Unterrichtsanstalten in Wien ein, wahrend viele andere sich für den kaufmännischen Dienst und Bureauarbeiten in verschiedenen Handelsschulen auszubilden trachteten. Auch für diese übernahmen wir die Zahlung des Schulgeldes. Infolgedessen zahlten wir sür 273 Schüler des poln. Gymn., II., Vereinsgasse K. 4095.— für 149 Schüler des poln. Gymn., II., -Joses Gallgasse „ 2235.— für 190 Schüler des poln. Gymn., XX., Unterbergergasse „ 2850.— zusammen für 612 Gymnasiasten W. 9180.— und für Schulgeld in sonstigen Anstalten in 191 Fällen „ 7278.— so daß die Beiträge für jüdische Schüler und Schülerinnen zusammen K. 16.458.— ausmachten. Wir bewilligten bis jetzt etwa 90 Rabbinern und Rabbinats-Assessoren direkte monatliche Zuschüsse zur staatlichen Subvention. Diese Zuschüsse betragen gegenwärtig außer den Fällen einmaliger Aushilfe ca. 2200 Kronen monatlich. Wir haben ferner einer Gruppe hebräischer Lehrer aus Galizien ausnahmsweise zur staatlichen Unterstützung direkte monatliche Zuschüsse bewilligt. Im Hinblick auf die ärztliche Behandlung der armen kranken Flüchtlinge, haben wir demZionistischenArmen- Ambulatorium einen Beitrag gewährt, ebenso dem Frauen-Wohltätigkeitsverein „Providentia", der eine Anzahl von Flüchtlingskindern in seine Anstalt aufnahm. Bis zur Abfassung dieses Berichtes erforderte unsere Flüchtlingsfürsorge in Wien als Ergänzung der staatlichen Aktion und der überaus zahlreichen durch bestehende Vereine und spezielle Komitees geschaffenen Wohlfahrtseinrichtungen folgende Beträge: .

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