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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-21 · 21 (21.5.1915) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
21 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 21 Jahrgang XXX11 Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. og O DO Q K. k. Poffsxsrkassrnamt Llearing-Verkedr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: w im H/1. Praterstraße 9. _ Telephon 45.869. _ o O" - - - —-Qo Wien. 21. Mai 1915 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. oo— ■■■■■— —' — ==DO Drrugspreis für Orsterrrich: C Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Auslanv: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespal» tene Petitzeile 48 Heller. _ o O— ■■ -Q o Inhalt: Leitartikel: Pfingststimmung. — Rußlands Erfolg in — England. — Jahresversammlung der „Israelitischen Allianz^' in Wien. Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Der Heldenkampf einer Halbkompagnie von Fünstmdfünfzig. Ein Feldpostbrief. Auszeichnung ungarischer Juden. Kriegsfürsorge eines Kultusvorstehers in Galizien während der russischen Invasion. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Befördert. Sonstige Auszeichnungen. Erich Rosenkranz. Der Märtyrertod eines Rabbiners. Rudolf Reich!. — Korrespondenzen: Zeichnet Kriegsanleihe. Wer unterstützt die notleidenden und hungernden Juden in Palästina? Die Notlage der Juden in Palästina. Für die notleidenden galizifchen Juden in Palästina. Generalversammlung des Vereines zur Errichtung von Volksküchen. Verein zur Ausspeisung arnier israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk. Budapest. Preßbnrg. Der Rabbinerverband in Böhmen beim Statthalter. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Juden in Polen während der Kosaken-, Tataren-, Russen- und Schwedenkriege. — Notiz. — Inserate. Ipfingststimmung Von Dr. Heinrich Schreiber. Die Zeit hat über die Seele der Menschheit ihre dunklen Schatten, gebreitet. Das Frühlingsfest läßt diesmal keine Lieblichkeit der Stimmung aufkommen, da die Welt unter dem betäubenden Getöse der Waffen erdröhnt. Freilich pocht die Zuversicht in unseren Adern, daß das Banner der treuverbündeten Zentralmächte unaufhaltsam einem stolzen Siege entgegenflattert, daß die Wucht und die Wut der feindlichen Kräfte, die nur Selbstsucht und Scheelsucht aneinander schweißt, an dieser Einigkeit abprallen, an diesem Felsen sich brechen und zerschellen wird. Doch hat der Krieg, der eine Welt in seinen Taumel gerissen hat, unsägliches Leid über die Menschheit gebracht, hat Leben vernichtet, Wohlstand zerstört, Hoffnungen geknickt und die Früchte ruhiger Arbeit zerstampft! Werden auch alle diese Opfer hingebend und voll glühender Begeisterung für Kaiser und Reich gebracht, so braucht die Klage darob nicht zu verstummen, daß es so gekommen ist; daß es so arg werden mußte, um besser zu werden. Klagen macht nicht kleinmütig und nicht schwachherzig; denn in unsere Klage mischt sich das Vertrauen und der Mut. An die Stelle froher Festesfreude ist der feierliche Ernst getreten. Wir sind ein starkes, ehernes Geschlecht geworden, das sich fremd weiß von jeder falschen Rührseligkeit. Sind die Menschen darum hart geworden? Mit nichten. Schwachherzig und weichherzig ist nicht dasselbe. Weichherzig sind wir geblieben und wollen es sein; denn unser Mitgefühl und unser Mitempfinden ist nötiger als je, da es gilt, unseren unglücklichen Nebenmenschen in ihren Heimsuchungen mitleidsvoll beizustehen, die Heimatlosen und Vertriebenen gastlich aufzunehmen, die Schmerzen und Wunden zu lindern, welche die Kriegsgeißel geschlagen hat, Trost einzuträufeln mit barmherziger Hand und liebevollem Gemüte. Mehr als irgend ein Teil der Bevölkerung haben wir Juden diese Fülle von Empfindungen in uns aufzunehmen und zu betätigen; wir wissen zu kämpfen und wir wissen zu leiden. Wir streiten heldenhaft für die Ideale unseres Vaterlandes und wir fühlen uns eins mit der Masse jener Glaubensbrüder, die, von den feindlichen Horden und ihren Pogroms bedroht, an unsere Kante verschlagen wurden, bei uns Zuflucht und Hilfe heischen, gedrückt und zermürbt von den Greueln dieses wilden, erbarmungslosen Ringens. Wir leiden doppelt und dreifach, für uns und für unsere Brüder. Dafür freuen wir uns doppelt und dreifach, für uns und für unsere Brüder, wenn die verbündeten Heerscharen die wilden Rotten immer weiter zurückdrängen und sie verjagen, wenn der heimatliche Boden von ihnen gesäubert, die verlassenen Wohnstätten zurückgewonnen werden, die Scholle erobert wird, an der das Herz des Flüchtigen hängt. Heiße Dankbarkeit entquillt den gemarterten Seelen, neue, beseligende Hoffnungen sprießen auf, daß der bittere Kelch, den das Schicksal vollgegossen hat, sich zur Neige leert und die dürren Lippen wieder an frischem und stärkendem Labsal sich werden netzen können. Frühlingserwachen geht durch unsere Lande; auf daß es ihren Völkern zum Segen und zum Frieden gereichen möge. Und nun ein anderes Bild. Mitten in diesen Tagen hat von den Vertretern unserer Gemeinde ihr greiser Präsident, ehe er unsere Stadt verließ, um sich einer von der Last der Jahre aufgenötigten Erholung vorzeitig hinzugeben, wehmütig Zlbschied genommen. Gewiß nur einen Abschied über den Sommer, aber doch einen Abschied, der traurig stimmte. Dieser starke, unbeugsame Sinn, der so viele Proben seines eisernen Willens abgelegt hat, schlug Akzente ergreifender Wärme an, die ein Echo von teilnahmsvoller Rührung weckten, als der alte Mann der Versammlung seine Grüße entbot und ihr seinen heißen Wunsch ans Herz legte, nicht zu erlahmen in der Arbeit zum Wohle der Gemeinde, nicht abzuweichen von dem Panier, das er stets hochgehalten, nicht abzulassen von der gesunden Plattform jener konservativen Richtung, welche in Wien, dem Treffpunkte verschiedener Kulturen und Schattierungen, einzuhalten ist, um die Gegensätze auszugleichen, die Klüfte zu überbrücken, das Trennende zu einigen und durch diese Verschmelzung Geltung und Wertung der großen Glaubensgemeinschaft nach innen und nach außen zu tragen, sie zu festigen und zu heben. Diese wuchtigen, eindrucks-

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