Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 20 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 20 Or. Bloch’s Jahrgang XXXII Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. -•--OOC-- Wien. 14. Mai 1915 Brscöetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie», II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift. Wien. OG Q ÖO C\ A. k. Postsxarkastenarnt Llearlng-Verkebr INr. S10.976. Redaktton und Administration: Wien ll/i. Praterstraße 9. Telephon 45.859. _ nO -- - --On Oo - -- - - ==DO Bezugspreis für Vestrrrrirk»: 0* Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für da« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene PetitzeUe 48 Heller. O O - -Q O Inhalt: Leitartikel: Eine zeitgemäße Anregung für israelitische Kultusgemeinden und jüdische Philanthropen. — O, diese galizischen Inden! — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Thronfolger Erzherzog Karl Franz Josef in Kolomea. Generalmajor Karl Schwarz. Goldene Tapferkeitsmedaille. Weitere Kriegsauszeichnungen. Dreizehnmal in russische Gefangenschaft geraten und befreit. Goldene Tapferkeitsmedaille, die er nicht erlebte. In der Schlacht gefallen. Ein interessanter Brief eines kath. Feldgeistlichen. Oberleutnant Josef Schneer. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Das Eiserne Kreuz für österreichische Krieger. Befördert. Sonstige Auszeichnungen. Ein jüdischer General Korpskommandant in Frankreich. Eine treffende Antwort. — Korrespondenzen: Arbeitsbücher für Flüchtlinge. Brot für arme Flüchtlinge. Die Millionenwidmung der Ankerbrotfabrik. „Flüchtlinge" und .Flüchtige". Armen-Ambulatorium. Allg. österr. israel.Taubstummen-Jnstitut in Wien 13. Bezirk. Wien. Nächstenliebe-Verein zur Unterstützung für verschämte israel. Hausarme in Prag. Eingesendet.Borger. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Juden in Polen während der Kosaken-, Tataren-, Russen- und Schwedenkriege. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Eine zeitgemäße Anregung für israelitische Knltusgemeinden und jüdische Philanthropen. „Und Ich werde gnädig sein, wem Ich gnädig sein will (Crod. 33,19)." Gott zeigte nämlich Mose alle Himmelsschätze zur Belohnung der Frommen. Als Mose einen besonders reichen . Schatz erblickte, fragte er, wem dieser zugedacht sei. Und Gott belehrte ihn: „Dieser ist für die D'tt’iJT VTIÜ Erzieher von Waisenkindern bestimmt" (Eroo. rabtza Cap. 45). Durch den gewaltigen Krieg werden Tausende von jüdischen Kindern zu vaterlosen Waisen. Für die wohlhabenden Kinder ist der Tod des Vaters während ihres noch unmündigen Alters ebensosehr ein harter Schlag; doch erscheint das Leid durch den Umstand gemildert, daß doch Mittel zur Deckung der Erziehungskosten -vorhanden sind. Die armen Waisen jedoch, denen der Vater nichts als den Ruhm des Heldentums zurücklassen konnte und die vielleicht auch keine Mütter mehr oder eine mit mehreren kleinen Kindern gesegnete Mutter besitzen, und wo kein begüterter Verwandter da ist, der schweren Not zu steuern, sie haben ein doppeltes Leid zu tragen. Wie wäre es, wenn die Kultusgemeinden und jüdischen Philanthropen der vom Kriege unmittelbar nicht betroffenen Gegenden und Länder eine Aktion einleiten würden, die,, würdig der großen Zeit, ihnen zum Ruhme, dem Judentum zur Ehre und nicht zuletzt auch dem Vaterlande zum Nutzen gereiche. Gewiß, auch zum Nutzen des Vaterlandes; denn unter diesen Waisen sind viele begabte Kinder, die bei entsprechender Erziehung zu tüchtigen Staatsbürgern heranwachsen können. Vor allem sollte etwas für die gänzlich unbemittelten Waisenkinder aus Galizien geschehen. Für sie, deren Väter im harten Kampfe gegen Oesterreichs Feinde gefallen sind und die obendrein die Heimat verlassen mußten, um als Flüchtlinge ein jammervolles Dasein zu führen. Wer kennt nicht das Bild dieser Aermsten, wie sie irrend von Ort zu Ort neben den unglücklichen Müttern nach Ungarn, Böhmen, Mähren, Steiermark oder sonst wohin zogen? Es schnürt das Herz zusammen, wenn man an diese hilflosen Wesen denkt, welche der schweren Prüfung des Wanderelends in so zartem Alter ausgesetzt sind. Werden sie das Elend, ohne körperlichen und seelischen Schaden für Zeit ihres Lebens davonzutragen, überwinden; oder werden sie dahinwelken und zugrundegehen? Trifft doch der strenge Frost die junge Saat am empfindlichsten! Wie wäre es, wenn die Kultusgemeinden, sei es aus Gemeindemitteln, sei es aus privaten Beiträgen, provisorische, für die Dauer von etwa zehn Jahren berechnete Waisenerziehungsanstalten gründen möchten? Man brauchte nicht eigens Häuser für diesen Zweck zu bauen. In den Städten werden infolge des Krieges viele Besitzer ihre Häuser leerstehen haben und wird daher leicht ein Haus zu haben sein, welches, gegen einen mäßigen Mietzins adaptiert, einen passenden Sitz für das gedachte Erziehungsheim abgeben würde. Da nur Kinder von mindestens sechs Jahren aufzunehmen wären, so würde für das Bestehen dieser provisorischen Erziehungsanstalten ein Zeitraum von rund zehn Jahren genügen. In den Städten gibt es genug Schulen, und da entfällt die Sorge für den Unterricht. Höchstens wäre ein etwa täglich zweistündiger, erweiterter Religionsunterricht nötig, der aber bei der Opferwilligkeit der Herren Rabbiner und Religionslehrer sicherlich keine materiellen Schwierigkeiten entgegensetzen würde. Was die Bestreitung der Miete, der Bekleidung, der Schulbücher, der Verköstigung, der Wartung usw. betrifft, so ist es zweifellos, daß in jeder Kultusgemeinde Familien existieren, welche aus freiem Entschlüsse der großen Sache einen permanenten monatlichen oder jährlichen Beitrag zuzuwenden bereit wären. Der Staat wird einem solchen Unternehmen ebenfalls seine Förderung angedeihen lassen. So kann sich jede Gemeinde an dem edlen Werke der Erziehung der Waisen nach den verstorbenen jüdischen Helden beteiligen. Denn jede Gemeinde nimmt soviel Zöglinge, als sie zu erziehen vermag. Besonderes Gewicht ist auf Orte zu legen, wo sich Bürgerschulen befinden. Der Durchschnittsschüler besucht 4—5 Jahre die Volksschule, 3 Jahre die Bürgerschule und wird nach