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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-05-07 · 19 (7.5.1915) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
19 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 348 Nr. 19 Dr. Bloches Wochenschrift Wien", so einteilt, daß wenigstens 45 Prozent den österreichischen galizischen Armen gesichert bleiven. Allein es ist sehr fraglich, ob es den Intentionen der Geber entspricht, daß 45 Prozent der Spenden den hungernden, notleidenden galizischen Oesterreichern entzogen und den Ungarn zugewendet werden, denen ohnehin alle ungarischen Spenden allein zu fallen. Das arme Galizien hat bis nun nahezu an eine Million Kronen an Spenden jährlich (die zionistischen eingeschlossen) nach Palästina geschickt. Diese Eingänge fallen leider weg. Die galizischen Gemeinden in Palästina sind dadurch in traurigster Notlage und noch immer nimmt man ihnen 45 Prozent von den österreichischen Spenden weg, um sie den Ungarn zuzuweisen. Uns interessiert nicht, wie sich dieser Usus oder Abusus entwickelt hat, sondern ob er auch jetzt noch gerechtfertigt ist. Nach Schluß der Redaktion erhalten wir noch folgende Zuschrift: Löbliche Redaktion! Gestatten Sie mir, an Ihre erprobte Objektivität zu appellieren, um einen krassen Irrtum in Ihren Bemerkungen zu dein Artikel des Herrn Rabbiner Horovicz richtigzustellen. Die von den Herren S ch i f f, kais. Rat ch r a m e k und Professor Dr. Kohn gesammelten Gelder werden von j e h e r z u gleichen Teilen dem galizischen und dem ungarischen Kolel Angewiesen. Daß speziell der größte Teil der bei Herrn Lchiff einlaufenden Gelder von beit ungarischen Juden herstammt, ist ja sicher. Ebenso sicher ist es aber auch!, daß die von unseren galizischen Brüdern in Wien gesammelten Gelder zur Gänze dem galizischen. Kolel zugute kommen. Zudem gibt es in Jerusalem eine Anzahl Familien, deren Ähnelt aus Westösterreich einwanderten und die vom sogenannten ungarischen Kolel beteilt werden. Es sind demnach alle Folgerungen aus den irrtümlich erwähnten Umständen unrichtig. Schließlich sei noch erwähnt, daß die Adaß Jisroel, in der leider nicht zwei Prozent galizische Mitglieder sind, in einem 'Auftuse lan die Gemeinden ausdrücklich! erwähnte, daß die entlaufenden Gelder zur Hälfte der galizischen, zur anderen Hälfte der österr.-ung. Gemeinde zufallen. Mein engerer Kreis hält fest an .dem Burgfrieden, wozu gar oft in den jüngsten Monaten große Selbstv Überwindung gehörte, und so sei denn auch! auf Herrn Grobtuchs angekündigte Diskussion über das Verhältnis zwischen ungarischen und galizischen Juden derzeit nicht weiter reagiert. Nur eines möchte ich. noch erzählen. Als mir mit Bezug auf die erwcchnten Ausführungen der geschätzten Redaktion ein hochzivilisierter Galizianer sagte: „Ihr Ungarn habt uns doch Feind," erwiderte ich. ihm: „Wir Nichtpolen haben Einheit, Krankenverein, Tomech. Ewjonim rc. gegründet, sorgen für Erhaltung und Verwaltung derselben, die Benesiziaten sind zu 95 Prozent Gälizianer, unsere unentgeltlichen Religionsschulen besuchen 60 Prozent Polen, wir erhalten seit neun Monaten eine G r a t i s - Teestube für zirka 1000 Portionen Tee und Brot täglich für Flüchtlinge, Rabbiner Fürst hat an Flüchtlinge zirka 10.000 Kronen verteilt (allerdings viel reichsdeutsches Geld), die private Tätigkeit unseres Kreises für Flüchtlinge ist bekannt, — und dennoch haben wir „die Galizianer Feind"! Und wissen Sie, geehrter Herr Redakteur, welche Antwort mir mein hochkultivierter Freund gab: „Mboh! Ihr Ungarische habt das Bedürfnis, Gutes zu tun!" Fapienti sat! Hochachtungsvoll Wolf Pappenheim. Aöraham Berliner s. A. Von k. u. k. Feldrcibbiner Dr. Joscf Mieses. Ein arbeitsreiches und wissenschaftlich fruchtbares Leben liegt nun abgeschlossen vor uns. Professor Doktor Abraham Berliner, Ehrendoktor der Universität Berlin, hat am 22. April d. I. „all und satt an Tagen" im dreiundachtzigsten Lebensjahre das Zeitliche gesegnet. Aus dem Posenschen gebürtig, wo in seiner Jugendzeit noch schr viel jüdisches Wissen ^heimisch war, hat sich Professor Berliner schon in früher Jugend jene wissenschaftliche Grundlage angeeignet, aus welcher er dann seine ganze Wirksamkeit aufbauen sollte. Aus einer ganzen Menge sehr nützlicher Schriften, vorwiegend kulturhistorischen Inhaltes, seien hier drei Werke genannt, welche seinem gelehrten Rufe weit über das Grad hinaus die ungeschwächte Dauer versprechen. An ihnen hastet das Merkmal einer auf gründlicher handschriftlicher und archivalischer Forschung beruhenden Gelchrsamkeic, gepaart iuii deutscher Methode. Die Raschi- und die Targum-Onkelos- Ausgaben werden lange Zeit für jedermann unenrbehrlich sein, wer sich mit diesen für die Geschichte der jüdischen Exegese maßgebenden Werken wird befreundeil wollen. Die Geschichte der Juden in Rom ist vermöge der Länge des behandelten zweitausendjährigen Zeitraumes, gleichsam ein besonders genau und anschaulich, auf dem Grunde eines quellenmäßig treu zur Darstellung gelangeuden Tatsachenmateriales durchgeführter Querschnitt durch die Geschichte der Diaspora. Seiner Arbeiten im „Magazin" sei hier noch besonders gedacht. Allein neben seiner produktiven Tätigkeit auf dem Gebiete der Literatur verdient seine vierzigjähscijge Wirksamkeit an der Hildesheimerschen Rabbinerschule in Berlin ebenfalls hervorgehoben zu werden. ,Ein tragisches Geschick wollte es, daß geradevor kurzem auch ein zweiter Lehrer dieser Anstalt ihm mit dem Tode vorangegangen ist. Geheimrat Jakob Barth, a. o. Professor der Universität Berlin, der Schwiegersohn R. Esriel Hildesheimers, hatte ebenfalls einen berühmten Namen und eine anerkannte Autorität weit hinaus über den Kreis der jüdischeil Gelehrten. Durch den Tod beider — Professor Wilhelm Bacher (Budapest) ist vor ungefähr einem Jahre gestorben — verliert die Wissenschaft des Judentums ihre namhaftesten Vertreter. Denn auch dies sei noch bemerkt, Abraham Berliner hat sich, trotz seines hohen Alters, nicht überlebt. „Die Gelehrten erreichen mit dem Alter zumeist einen hohen Grad geistiger Frische und Regsamkeit." Diese Ansicht kann man mit dem Talmud mit allem Fug aussprechen vom verstorbenen Nestor der jüdischen Wissenschaft. Der Name Abraham Berliners wird ungeschwächt sortlcbetl in seinen Werken und in seiner Wirksamkeit.*) Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und' Sotdaten. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Offizierskreuz des Franz Josef-Ordens in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung dem Oberstabsarzt 2. Klasse Dr. Isaak Tritsch, Sanitätschef des Militärkommandos in Zagreb; das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes dem Stabsarzt Dr. Bertold *) Anmerkung: Eine biographische Skizze. „Professor Dr. Abraham Berlins r", nach verschiedenen Quellen und persönlichen Mitteilungen ist von Samuel .Grünb erg, 1912, im. Verlag der Buchhandlung „Kadimah" A. M. Eonzer in Berlin erschienen.

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