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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-23 · 17 (23.4.1915) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
17 (23.4.1915)
Date
1915-04-23
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seile 324 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 17 Aehren auf dem Felde in Boas sterblich ve* liebt und in sinnloser Leidenschaft jedes Schamgefühl verliert. Ganz weggeiasstn halte die Vorleserin die genaue Erzählung der Bibel, wie Noomi ihre Schwiegertochter bittet, sich zu Boas zu begeben, der der nächste Verwandte der Familie ist und die gesetzliche Pflicht hat, in erster Reihe sich der Verlassenen als „Erlöser*- ar zunehmen; ferner, daß Boas se bst die Keuschheit und den wackern Sinn der Ruth hervorhebt und ihr mitteilt, daß ein noch näherer Verwandter in erster Reihe nach dem Gesetze für die Erhaltung des Andenkens ihres verstorbenen Gattens zu sorgen verpflichtet ist, wenn aber dieser sich weigern sollte, so v erde er selbst sich seiner Pflicht nicht entziehen. In diesem ganzen schon von Goethe so sehr bewunderten Epos spielt nicht die Liebe, sondern TreueundDemut die Hauptrolle und macht Ruth zu einer der rührendsten Gestalten der Bibel. — Auf eine kleine technische Einzelheit wäre Frau Triesch noch aufmerksam zu machen. Beim Vortrag* des Psalm 94, der so zeitgemäß die göttliche Vergeltung gegen die Massenmörder anruft, sucht sie nach den Worten „verni hten wird sie der Herr unser Gott“ vergebens einen wirkungsvollen und versöhnenden Schluß. Dieser ist aber ganz natürlich in den ersten Sätzen des folgenden Psalms gegeben, die auch in der jüdischen Liturgie angereiht wer len: „Auf, laßt uns jubeln, frohlocken über den Hort unseres Heiles, denn ein großer Gott ist der Herr, ein König, der größer ist als alle Gewaltigen der Welt.“ Dr. Friedrich Hertz „Rasse und Kultur". Die Untersuchungen zur Erklärung der ausfallenden Differenzen in somatischer, charakterologischer und ökonomischer Beziehung bei den verschiedenen Völkergruppen haben, wie allgemein bekannt, wissenschaftliche Kämpfe heraufbeschworen, welche durch die Art der Rüstung, die gewisse Rassentheoretiker anzulegen für gut befanden, namentlich jedoch durch die Verwendung vergifteter Waffen aus dem Arsenal H. <2. Chamberlains, auch im Schrifttum ungeahnt bedauerliche Formen annahmen. Den „Grundlagen" des letztgenannten Autors insbesondere ist es gelungen, einerseits das Selbstbewutztsein, die Eitelkeit und lleberhebung des Ariers zu kitzeln und andererseits die semitischen Volksgruppen — lies den jüdischen Volksstamm — freventlich herabzusetzen und zu verunglimpfen und dadurch die nicht selbständig denkenden Schichten der Halbgebildeten mit antisemitischem Geiste zu durchsetzen. Der Schaden, den durch diese Literatur das Judentum erlitten, ist nicht zu ermessen, zumal die Autoren nicht nur dessen Ansehen in der nichtjüdischen Welt herabzusetzen sich bemühten, sondern in gewissen dafür prädisponierten jüdischen Kreisen das Bewußtsein des eigenen Rassen- und Kulturwertes schwächten und untergruben. Es war also aufs freudigste zu begrüßen, als vor etwa zehn Jahren Dr. Friedrich Hertz in seinem bekannten Buche „Moderne Rassentheorien" die Hypothesen dieser Autoren einer wissenschaftlichen Wertung und Prüfung unterzog und in überzeugender Weise dartat, daß dieselben einer solchen nicht standzubalten vermögen, sondern, daß die Unterschiede innerhalb der Rasse.n und Völker meist auf Milieuumständeu und aus der Verschiedenheit der Entwicklungswege beruhen. Dieses Buch, das sich zufolge der Stoßkraft seiner strengsachlichen Gegenbeweisführung sofort berechtigter günstiger Aufnahme erfreute, ist nun in einer wesentlich vermehrten Neubearbeitung unter dem Titel „Rasse und Kultur" als Band XXXIV der philosophisch-soziologischen Bücherei bei Alfted Kroener in Leipzig erschienen und sollte nicht nur in keiner Bibliothek des sich mit rassentheoretischen Fragen befassenden Fachmannes fehlen, sondern auch von jedem Gebildeten, namentlich von jedem gebildeten Juden gelesen werden. Aus der überreichen Fülle des interessanten Inhalts sei insbesondere auf die Kapitel: Das religiöse Leben bei Ariern und Semiten, Rassenmischung und Völkertod, Zivilisation bei Ariern und Semiten hingewiesen. Dieses von einer imponierenden Vertrautheit mit der gesamten Materie zeugenden, der jüdischen Rasse gegenüber unberechtigten und lewissenlosen Anwürfen, chren berechtigten Rang wahrende und formvollendet geschriebene Buch ist Freunden objektiver Forschung wärmstens zu empfehlen. „Das ne« Europa." Die Aprilnummer dieser von ersten Publizisten geschriebenen und von dem bekannten Schriftsteller Dr. Paul Lohn redigierten politisch-literarischen Revue reiht sich den vorausgegangenen Ausgaben würdig an. Besonderes Interesse kann man den Ausführungen Karl Bleibtreu's entgegenbringen, dessen Aufsätze „Italien am Scheidewege" und „England und die Vereinigtet Staaten" voll Geist und Temperament sind. Bleibtreu zeigt sich hier wieder als literarischer Charakterkopf. Sehr interessant ist der Artikel „Englische Schiffahrtspolitik" von Alfred Hagen. Der trefflich orientierende maritime Beitrag von M. Schloß „Können die Dardanellen forciert werden?" bietet besonderes aktuelles Interesse. Weitere Artikel stammen von Oskar Geller, Paul Altherr, Felir Beran und Alice Reichert. Kriefkasteu. I« Lodz erscheint seit dem 19. März unter djem Titel „Lodzer Volksblatt" eine neue Zeitung in jiddischer Sprache, als deren Herausgeber L. Kahan in Lodz zeichnet. In einer der Nummern wird mit großer Wärme der Verleihung des Eisernen Kreuzes an den Feldrabbiner Dr. Arthur L e v y gedacht, weil er, wie das Blatt schreibt, sich in der Fürsorge um die Notleidenden in'Lodz und um das große Elend im jüdischen Polen so [besonders verdient gemacht hat. V. L. Die Oper „Rahab" ist vom Münchener Generalintendanten der Schauspiele Freiherrn von Franckenstein und wurde dieser Tage erst zum ersten Male ausgesührt. Der 'Stoff, von Oskar F. Mayer bearbeitet, ist dem Buch Josua entnommen; jene Geschichte aus der Belagerung Jerichos, bei der Hiram, der israelitische Kundschafter, von der Dirne Rahab gerettet wird. Die Aufführung war hervorragend. — Im Charlottenburger deutschen Opernhause ist die Oper „Joseph" von Mshul in inner neuen Tertbearbeitung des Direktors Hartmann aufgeführt worden. Der Komponist versucht bekanntlich darin, die biblische Josephsgeschichte musikalisch zu verwerten. Ludwig Breiter, Wien IX. Die gewünschte Adresse ist: Frau Dr. Ludwig Rieß, 9. Bezirk, Alserstraße 50. Betrübt. Am besten durch Vermittlung einer Persönlichkeit in Stockholm oder Kopenhagen. Notizen. Jüdische Bühne. Dir. M. Siegler. Regie S. Le res tu. Hotel Stefanie, 2. Bez, Taborstraße 12. Nur vier Gastspiele des in Lemberg sehr beliebten Schauspielers R e 11 e s. — Freitag, den 22. April: „D er Vizeköni g", Operette in vier Aufzügen von S. Feinmann. — Samstag, den 23. April: „Der Korben", Lebensbild in vier Aufzügen von Zalatorowsky. — Sonntag, den 24. April: „D er rumänische Iüd e", Operette in vier Aufzügen von Lataiter. — Sonntag, nachmittags halb 4 Uhr: „D i e jüdische Neschont e", Lebensbild in vier Aufzügen von I. Gordin. — Montag, den 25. April: „Die erste Liebe". — Dienstag, den 26. April, Wohltätigkeitsvorstellung: „Schir Haschirem". — Mittwoch, den 28. April: Großer I. L. P e r e z-A b e n d. Unter anderem Aufführung des Dramas „K1 e sm er", von I. L. Perez. — Donnerstag, den 29. April: „Die erste Lieb e". Soeben erschienen: III |i I Iw » I ■ I ■ ■ ■ ■ 2. Heft" Soeben erschienen: . [40 Seiten Quartformat auf Kunstdruckpapi c r gedruckt, mit [Titelbild „Ruhm und Ehre“ (Freskogemälde von Rahl). Inhalt des 2. Hckt s: Gedenkblättec mit 20 Porträts [gefallener Offiziere — flus jüdischen Federn (mit einem [Porträt) — Gedichte. Es sind Zeitdokumente im wahrsten Sinne des Wortes [und bilden ein bleibendes Denkmal an dem Anteil der für ] Kaiser und Vaterland gefallenen, in diesem Heft gewürdigten [jüdischen Offiziere. I prejs 2 - z“sc“ite?°iievromM. Frühling, Wien, II., Tahirstr. 8, 15 Grosses, helles, schön eingerichtetes Gassenzimmer mit Telephon und Klavierbenützung, sowie separiertem Eingang, an Kreuzungsstelle der Stras'senbahn, an eine oder zwei Personen mit oder ohne Pension zu vermieten. Zuschriften an F. L., IX., Währingerstrasse 50, I. Stiege, III. Stock, Tür 18. Zu besichtigen von 9 bis 4 Uhr. Zkllftn dtttt 30 Jahre alt, militärfrei, bewandert in der y Holz- und Rohproduktenbranche, sucht jedweden Posten im Bureau oder alsMagazineur u. dgl. Kleine Gehaltsansprüche. Anträge unter »Samstag frei« an die Expedition des Blattes. Tiiohtitrar IfintAT* mR schöner Stimme, S’c hoch et, 1 ULlillgCI lvd.ilIUI Ba u d e k und K o hr e, sucht Posten. Eventuell provisorisch. Offerte unter »Tüchtig« an d. Exp. d. Bl. Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, N. 24, Artilleriestrasse 14. Das Sommer-Semester 1915 beginnt am 26. April. Die Anmeldungen sind an das Lehrerkollegium zu richten. Hciau-geder und verantwortlicher R>dt.!i,ur: Dr Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck L Sohn, Wien, VII. 68 31037

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