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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-16 · 16 (16.4.1915) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
16 (16.4.1915)
Date
1915-04-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 362 Nr. 16 Dr. Blach's hier verlebte Pessach-abeird unvergeßliche bleibeir werde und daß sie die herrlichen Worte in ihren Herzen mittragen wollen bis aus das blutige Feld der Entscheidung. — Feldwebel W. drückte sodann dem eingangs erwähnten Vereine sür die in so reichem Maße bewiesene Gastfreundschaft und Bewirtung den innigen Dank aus, insbesonders aber auch den Frauen Mary und Karoline lZtern, Wally Kopperl sowie Herrn und Frau Merksamer wie überhaupt allen, welche ihre Kräfte dem ntcnschensreundlichen Liebeswerke widmeten. Böswillige Gerüchte. Tie Budweiser. Lokalblätter erhielten von der k. k. Bezirkshauptmannschast in Budweis unterm 2. d. M. folge,tde Zuschrift: „In der letzten Zeit wurde in Budweis vielfach das Gerücht verbreitet, daß in der hiesigen Synagoge große Mdhlvorräte verborgen sind. Diese (Gerüchte sind vollkommen aus der Lust gegriffen und entbehren jeder Grundlage. Es wird vor der Verbreitung dieses Gerüchtes eindringlichst gewarnt, da gegen jedermann wegen Verbreitung von beunruhigenden Gerüchten strafweise vorgegangen werden wird." — Ergänzend sei hiezu bemerkt, daß bei der am 4. April über Wunsch des Vorstehers der isr. Kultusigemeindc in Budweis, Jur.-Dr. I. K o hur, vorgenommenen behördlichen Durchsuchung der israelitischen Synagoge und des israel. Friedhofes keine Vorräte von Mehl oder Getreide gefunden wurden. Sichrem L’dor Dor! Unb es bleibe zur Erinnerung für spätere Geschlechter, wie 600 jüdische Soldaten des i. k. Landwehr-Infanterieregiments Nr. 22 im schweren Kriegsjahr 1915 in der steiermärkischen Stadt Leoben das Osterfest.feierten. Postassistent Wininger, der Herausgeber des „Biographischen Lexikons berühmter Inden", derzeit Rechnungsunteroffizier beim Landsturm-Bezirkskommando Nr. 22 in Leoben, welcher wohl wußte, daß feine heimatlichen Glaubensgenossen der Entfall der gewohnten Osterkost allzu hart treffen würde, faßte den Entschluß, den im fremden Lande weilenden jüdischen Söhnen der Bukowina eine rituelle tzsterkost zu verschaffen. Zu diesem Zwecke berief er schon einige Tage vor Purim einige gleichgesinnte Kameraden zu einer Sitzung, um zu beraten, wie dies fast Unmögliche unter den jetzigen Verhältnissen und in dieser von Glaubensgenossen nur spärlich bewohnten Gegend möglich gemacht werden könne. Bei der großen Zahl der zu gewärtigenden Teilnehmer und dem geringen zur Verfügung stehenden Menagegelde (Kr. 1.— und Kr. 1.28 per Mann und Tag) schien anfänglich das Unternehmen kaum durchführbar. Trotzdem wurde W i n i n g e r mit der Ausgabe betraut, diesbezüglich die ersten Vorkehrungen zu treffen. Vor allem wandte er sich an die Kultusgemeinde Graz mit der Bitte um Unterstützung dieser Aktion. Diese erwirkte bei der Militärbehörde, daß sie der Mannschaft zur Teilnahme am Götter dienste wie an den rituellen Mahlzeiten genügend freie Zeit gewährte. Weiters erklärte sie sich bereit, für den angemeldeten Stand von 300 Mann je ein halbes Kilogramm Mazzes unentgeltlich zu spenden. Ms dann später die Zahl der Anmeldungen um das Doppelte anwuchs, konnte sie bloß ein Viertelkilogramm per Mann verabreichen. Für diese hochherzige Mithilfe sei der sehr geehrten Kultusgemeinde Graz an dieser Stelle der beste Dank gesagt. Die größte Sorge machte uns nun die Beschaffung der vielen Kochgeschirre und des Speiseservices, welches für unseren Bedarf noch unbenutzt sein und deswegen große Kosten verursachen mußte. Auch in diesem Falle wußte der unermüdl che Herr W i n i n g e r Rat. Am 16. März erließ er an die jüdisch: Bürgerschaft Leobens einen Aufruf, welcher seine Wirkung nicht o.rfehlte. Dieser Ausruf hatte folgenden Inhalt: Sehr geehrter Herr! Das heilige Osterfest naht heran; mit ihm die große Sorge, auf welche Weife die hier dienenden 300 Soldaten mosaischen Glaubens rituell zu b speis.n. Diese Soldaten, Söhne orthodoxer Eltern, werden eher hungern als den Pessach durch Chomezessen zu entweihen. Da hierorts keine israelitische Kultusgemeinde besteht, die die rituelle Bespeisung übernehmen soll, obl'egt uns die hohe moralische Pflicht, unseren Brüdern im Kaiserrock einen würdigen Wochenschrift Pessach zu bereiten. Nun reichen aber die hiezu verfügbaren Mittel gar nicht aus. Es ergeht daher an Euer Wohlgeboren die ergebenste Bitte unsere Aktion, welche nur im Falle einer ausgiebigen Unterstützung durchgeführt werden kann, durch eine Subvention zu fördern. Gleichzeitig wolle uns mitgeteilt werden, ob die Damen des Hauses bereit wären, in humaner Weise das Servieren bei Tische sowie das Aushelfen beim Kochen zu besorgen. Indem wir Sie, geehrter Herr, zur Teilnahme an den Sederabenden, welche in der Sängerhalle im Stadlparke abgehalten werden, höflichst einladen, entbieten wir den herzlichsten Dank und zeichnen Im Namen des Komitees: S. Mining er, I. Schächter, L. Lauser rc. Tags darauf ging Wininger in Begleitung des Leobener Kantors und Schächters Herrn I. K o f f l e r, der sich der Aktion sehr warm annahm und dem an dieser Stelle für seine Mitarbeit ebenfalls bestens gedankt wird, von Haus zu Haus und sammelten die von den 27 hierortigen jüdischen Familien sreudigst dargereichten Spenden, die eine Summe von 373 Kronen ausmachten. Dieser Sammlung schloß sich eine solche der Unteroffiziere, sowie der hier in-großer Anzahl weilenden Bukowinaer im Betrage von Kr. 373.50 an. Dazu spendete noch die israelitische Kultusgemeinde Wien in besonders hochherziger Weise den Betrag von 100 Kronen. Allen Spendern wird an dieser Stelle nochmals herzlichst Dank gesagt. Besondere Anerkennung gebührt der Stadtgemeinde-Vorstehung Leoben, welche uns der Sorge um ein entsprechendes Lokal für die Ausspeisung dadurch enthob, daß sie uns in entgegenkommender Weise die im Stadtparke liegende Sängerhalle samt Küche unentgeltlich zur Verfügung stellte. Zwei Tage vor Ostern begann hier schon ein sehr reges Leben. Soldaten lagerten große Kisten mit Mazzes ab. Hier brachte man Kartoffeln in großen Mengen, dort schleppte man Säcke mit Zwiebeln, Kisten mit Speisefett und anderen Viktualien. Auch das obligate Faß Wein für die Arba Coissies fehlte nicht. Währenddem wurden in der Küche die -Tische Bänke, der .Herd einer istreng rituellen Kascherung unterzogen, das Fleisch koscher gemacht und von bärtigen Soldaten Unmengen von Erdäpfel geschält. Auf langen Tischreihen wurden blendend weiße Tischdecken gebreitet und durch flinke Mädchenhände ’ das' neue Speisegeschirr serviert. ' Unterdes nahte der erste Sederabend heran. Langsam füllte sich der Riesenraum der Halle, welcher sonst zur Aufnahme froher Sängerscharen bestimmt war, mit jüdischen Soldaten. — Viele von denen hatten bereits aus dem Felde der Ehre gekämpft und sich Lorbeeren geholt; Verwundete und Kranke kamen; Rekruten, junge Milchgesichter kamen. Sie waren soeben mit einem Transporte aus der Heimat eingelangt. Söhne der Bukowinaer Berge, die die engen Grenzen ihres heimatlichen Bodens noch nie verlassen hatten, kamen daher und waren glücklich in der Mitte so vieler Glaubensgenossen das Osterfest feiern zu dürfen. Die Zahl, für welche das Komitee Vorsorge getrossen hatte, war schon lange überschritten und noch immer wollte der Strom der Kommenden nicht versiegen. Alle wollten am Pessachmahle teilnehmen. Trotzdem nur sür 300 Mann Vorbereitungen getroffen wurden, gelang es durch ökonomische Verteilung der Speisen alle 600 Mann, die erschienen waren, an der Mahlzeit teilnehmen zu lassen. Ein Kantor, der sich unter den Rekonvaleszenten befand, begann um 7 Uhr abends das Maarivgebet zu rezitieren, nach dessen Beendigung man sich zu Tische setzte, in kurzer, aber würdiger Weise die Hagada vortrug und sich hierauf die von unserem Oberkoch Herrn L i n d n e r unter Assistenz . der Damen zubereiteten Knödel gut schmecken ließ. Hierauf gelangten mehrere Tausend von hiesigen jüdischen Bürgern, sowie vom Frl. Kreindler, Wien, gespendeten Zigaretten zur Verteilung. Dieses Bild wiederholte sich auch am zweiten Sederabend. Während aller acht Tage bekamen die Leute Tee, Erdäpfelsuppe oder eingehackte Eier zum Frühstück, Suppe, Fleisch und Erdäpfelpüree zu Mittag, Gulyasch oder Barscht mit Erdäpfel zum Nachtmahl. Außer den von den Unterabteilungen angemeldeten Soldaten, brspeisten wir täglich etwa 100 Arme, die nicht in der Lage waren, sich Essen zu beschaffen. Wenn auch einige Unzufriedene da waren, die sich — da sür das Brot kein Ersatz war — nicht genug satt essen konnten, r^xren sehr viele voll des Dankes und Lobes über diese Einrichtung. Speziell am letzten Osterabend kam dies zum Ausdruck, als Herr Wininger vor die Speisenden trat, sich mit dem Wunsche von ihnen verabschiedete, daß übers Jahr jeder von ihnen im eigenen friedlichen Heini im Kreise der Seinigen das Osterfest feiern m.ge. Die Dankeskundgebungen und die Hochrufe wollten gar kein Ende nehmen.

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