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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-16 · 16 (16.4.1915) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
16 (16.4.1915)
Date
1915-04-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 396 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 16 An -Le MßSinate der isr. Kuttusgemeinden in AöHmen. Nach Tunlichkeit sollen für die Kinder der in Böhmen weilenden jüdischen Flüchtlinge Volks- und Religionsschulen errichtet werden. Wir bitten darum uni eheste Angabe von Zahl und Alter der im Bereiche der einzelnen Kultusgemeinden wohnhaften Kinder, die für den Besuch dieser Schulen in Betracht kommen. — Geeignete L^rkräfte mit Lehrbefähigung, bezw. mit Lehrpraxis, welche zur Organisation und Mitarbeit an diesen Schulen vereit sind, werden um Angabe ihrer Adresse und Referettzen gebeten. Mitteilungen werden erbeten an die Schulkanzlei, Prag V-, Jüd. Rathaus, T. 32. Eine jüdische Deputation aus Nußland in London. „Dos Jiddische Folk" meldet: In London ist eine jüdische Deputation aus Petersburg angekommen. Der Zweck der Deputation ist, die englische Judenheit mit der traurigen Lage ihrer Brüder in Rußland bekannt zu machen und sie zu einer Hilfstätigkeit aufzumuntern. Die Deputation wird auch mit den leitenden Personen Fühlung nehmen, um die englische Regierung zu veranlassen, ihren Einfluß auf Rußland zugunsten der russischen Juden auszuüben. Das Hilfsrverk der M'nai M'rith in Palästina. Die „Aurore" meldet aus Ghikago, daß das Exekutivkomitee des B'nai-B'rith-Ordens in Chikago zu Pessach 50.000 Franks an die Juden Palästinas gesandt hat. Weit bedeutendere Summen sollen an die durch den Krieg schwer .betroffenen. Juden Gchliziens, Polens, Serbiens usw. abgegangen sein. chffizieüe Zurückweisung judeuheherischer Verleumdungen in der Türkei. Der in Konstantinopel erscheinenden „Aurore" wird aus Beirut gemeldet: Das arabische Journal „El- Jttihad-el-Osmani" veröffentlicht in seiner Nummer vom 23. Februar ein offizielles Communique des Armeekommandanten mit folgendem Wortlaut: „Es ist uns zur Kenntnis gelangt, daß über die auf dem Gebiete von Palästina lebenden ottomanischen Juden Gerüchte in Umlauf gebracht wurden, wonach diese Juden ihre patriotische Pflicht nicht erfüllen würden, und ihnen eine Haltung zugeschrieben wird, welche mit dem Ottomanismus unvereinbar ist. Diese kindischen Erfindungen sind gefährlich und widersprechen vollständig der Wahrheit. Wir sehen uns gezwungen, diese Gerüchte zu widerlegen und in entschiedener endgiltiger Weise die unseren ottomanisch-jüdischen Kompatrioten angedichteten Verleumdungen zu zerstören, da diese perversen Gerüchte die Gefühle und die Herzen eines Teiles der Ottomanen, unserer jüdischen .Mitbürger verletzen, welche Beweise ihres ottomanischen Patriotismus in gleichem Maße geliefert haben, wie alle-anderen ottomanischen Elemente des Reiches. Wir machen nachdrücklichst darauf aufmerksam, daß die Verbreiter solcher Gerüchte die strengsten Strafen zu gewärtigen haben." Bezeichnet ist, daß das genannte arabische Blatt dieses energische offizielle Dementi mit folgenden Zeilen begleitet: „Wir sind glücklich, diese Depesche, welche ein Echo der Gefühle aller guten Ottomanen darstellt, in unserem Blatte zu veröffentlichen. Niemals hat ein wahrer Patriot an den Juden gezweifelt, welche sowohl während des gegenwärtigen Krieges, als auch anläßlich der vorangegangenen Kriege deutliche Beweise ihres Patriotismus und ihrer Anhänglichkeit an den kaiserlichen Thron geliefert haben. Wir hoffen, daß diese klare und präzise Depesche Seiner Exzellenz des Militärkommandanten von Syrien, welcher sich der Hochachtung und Bewunderung der gesamten Bevölkerung erfreut, seine gesunde Wirkung aus^alle Bevölkerungsschichten nicht verfehlen wird." Km tapferer Seelsorger. In der Zeitschrift „Coenobium" wird der Heldentod des Oberrabbiners von Lyon berichtet, der bis in die ersten Reihen der Kämpfer vordrang, um die Gläubigen seiner Religion, die die Kugel des Feindes getroffen hatte, in ihren letzten Augenblicken zu trösten. Bei diesem frommen Werk traf er auf einen katholischen Soldaten, der die tötliche Wunde empfangen hatte und sein Ende nahen fühlte. Der Sterbende glaubte einen katholischen Priester vor sich zu haben und bat ihn, ihm ein Kruzifix auf die Lippen zu drücken und ihm seine Sünden zu vergeben. Inzwischen wurde der Kampf immer erbitterter, das feindliche Feuer vernichtete jedes lebende Wesen, das sich von der Erde abhob, und man rief dem Rabbiner zu, sich schnell in Sicherheit zu bringen. Dieser konnte sich jedoch nicht entschließen, sich zu entfernen, und nach kurzem inneren Kampfe in dem Gewissenskonflikt, daß er dem sterbenden katholischen Soldaten den erflehten letzten Trost spenoen sollte, beugte er sich über ihn, zeigte ihm ein Kreuz, das von einem Degengefäß gebildet wurde, und sprach ihm Worte des Trostes und der Hoffnung zu. Erst als das Leben völlig aus dem verstümmelten Körper entflohen war, wendete sich der Rabbiner ab, um seine ftommc Arbeit fortzusetzen; aber nun traf auch ihm die tödtliche Kugel, und er sank neben dem Soldaten zu Boden. Die „lieöen Inden" des Zaren. Berlin. Der „Lokalanzeiger" meldet: Nach' hier eingegangenen Meldungen hat der Festungskommandant des Festungskommandos des Gouvernements Petersburg und Wiborg den Befehl erteilt, daß allen Juden der Aufenthalt in den zu seinem Festungsgebicte gehörigen Sommerftischen zu verbieten ist. Von den Leiden der Inden in Sadagora meldet das „Berliner Tageblatt" vvm 12. April: „Auf der Strecke Kolomea — Czernowitz sind die meisten staatlichen Bahnhöfe und Magazine, aber auch die Privatwohnungen der Bahnbeamten in Brand gesteckt worden. In den umliegenden Dörfern ragen aus den Brandtrümmern nur die Kamine empor. Besonders arg wüteten die Russen in Sadagora, wo sie es namentlich auf das berühmte Schloß des Wunderrabbi abgesehen hatten und die kostbare Inneneinrichtung vollständig verwüsteten. In das alte Bethaus, wo sonst die berühmte, aus dem vierzehnten Jahrhundert stammende,, edelsteinbesetzte Decke des Thoraschreines von Tausenden Gläubigen bewundert wird, stellten die Russen ihre Pferde ein. Erst als der orthodoxe Ortspriester Vorstellungen erhob, suchten sie für die Pferde passendere Unterkünfte. In der Stadt, die sie sieben Monate hindurch besetzt hielten, plünderten sie alle Geschäfte, zündeten die Häuser an, erpreßten Gell und Schmuckgegenstände und scheuten nicht vor Schändungen zurück. Die Juden Berisch Herman, Meier Liquornik und Kalman Leib Retter, die ihre Frauen vor den Kosaken schützen wollten, wurden niedergemacht. Der Kaufmann Wolf Grauer wurde so lange gemartert, bis er irrsinnig wurde. Die genaue Liste der Schandtaten könnte einen Folianten füllen."

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