Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 16 (16.4.1915)
- Date
- 1915-04-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 295 Pforzheim. Mar Lichtenfels, Fabriksdirektor. Posen. Unteroffizier Mar Cohn, im Reseroe-Futzartillerieregiment Nr. 5. Röbel i. M. Kanonier der Landwehr im Feldartillerieregiment Nr. 20 Albert Jacobs. Rohrbach (Oberhessen). Ersatzreservist Adolf Oppenheimer. Scharley (O.-Schles.). Moritz M e tz n e r, Offizier-Stellvertreter. Schollen (Prov. Posen). Kaufmann Julius Fuchs. Segeberg. Ludwig L e v y, unter gleichzeitiger Beförderung zum Gefreiten. * Sontra (Bez. Cassel). Unterarzt Dr. Fritz Loebenstein, Sohn unseres Gemeindeältesten Baruch Loebenstein. Mittlerweile bei Ausübung seines Dienstes auf dem östlichen Kriegsschauplatz durch einen Schrapnellschutz am Knie verwundet. Zwei Brüder zurzeit im Felde. Stargard i. P. Siegfried Blankenfeld, Vizeseldwebel. Stolp. Siegfried F r e y c r, Seminar-Kandidat. Stuttgart. Heinrich Hirsch, Unteroffizier; Dr. med. Mar Salzmann, Leutnant d. R. im Dragonerregimenl 25 (gefallen). Würzburg. Dr. Josef Grünbaum, Leutnant und Bataillons- Adjutant; Dr. Martin Marx, Rechtspraktitant. Zaborze. Friedrich Glaser, Unterarzt in einem Infanterie- Regiment. Zerkow (Pr. Posen). Mar Scheps, Feldwebelleutnant. Die Anden in Vag-Mhelp und die galizischen Ilüchtlinge. Die galizischen Kriegsflüchtlinge in Bag-Ujhely sind jetzt gezwungen, nach irgendeinem ihnen zuzuweisendeu Orte in Oesterreich zu übersiedeln. Bor ihrer Abreise fühlten sie sich veranlaßt, der Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift" nritzuteilen, daß Rabbiner und Gemeinde in Bag-Ujhely sich ifjiten gegenüber während der ganzen Tauer ihres dortigen Berweilens in der liebevollsten, hochherzigsten Weise betätigt haben. In Wort und Tat lvar man bemüht, ihnen das Los, das sie betroffen, zu erleichtern. Die Flüchtlinge erachten sich verpflichtet, der jüdischen Gemeinde Bag-Ujhely den Dank abzustatten. Die Anden in Neutra und die galizischen Ilüchttinge. Das eigenartige Verhalten der Inden in Neutra gegen die galizischen Flüchtlinge, die das Kriegsschicksal dorthin verschlagen hat, verdient für die spätere Geschichtsschreibung festgehalten zu werden. Eine Flüchtlingsfrau, die mit ihren Kindern vier Monate in Neutra gelebt hat, schreibt uns: „Herr Redakteur! Ich bitte Sie, von nachstehenden Tatsachen, die ich in Neutra erlebt habe, Kenntnis zu nehmen. Ich teile Ihnen das mit, nachdem ich jetzt mit meinen Kindern ohnehin Ungarn verlassen muß und irgendwohin ltadj Böhmen oder Mähren dirigiert werde. Es hat also keinen Zweck mehr, mit der Wahrheit hinter dem Berge zu halten. , Ich war vier Monate hindurch mit vielen anderen Leidensgenossen in Neutra. Während dieser ganzen Zeit haben wir von keiner Seite irgendwie die geringste Unterstützung erhalten, auch nicht — und das will ich besonders betonen — von irgend einer jüdischen Seite. Nicht einen Löffel warmes Wasser konnte ein jüdischer Kriegsflüchtling in Neutra von unseren lieben Glaubensgenossen dort erhalten. Ja nicht einmal ein tröstliches Wort, ein freundlicher Zuspruch wurde uns gewährt. Wenn man darüber im Laufe der Monate seine Verwunderung aussprach, so hörte man sofort die Antwort; „Wer hat Euch gerufen, warum seid Ihr zu uns gekommen?" Ich lebte von Unterstützungen, die man mir von auswärts zugesendet hat. Als ein Flüchtlingskind in einem Topf beim Brunnen des benachbarten Juden kaltes Wasser sich holte, kam die jüdische Hausbesitzerin und goß das Wasser aus den Boden, weit - mall das Wasser nicht bezahlt habe. Drei Tage vor dem Osterfeste kaufte ich zwei Hühner, um beide nach Wien meiner alten Mutter, die dort unter den Kriegsflüchtlingen weilt, als Festgabe zuzusenden. Da hätten Sie hören sollen, welchen Skandal und welchen Lärm die Judenweiber von Neutra deswegen veranstaltet haben, weil angeblich die Flüchtlinge ihnen die Lebensmittel dadurch verteuern. In Neutra existiert eine Talmud-Thoraschule und so habe ich denn versucht, meine Kinder auch in oiese Schule zu senden. Von meinen kargen Mitteln kaufte ich die Schulbücher, ich sparte mir das von der Nahrung ab, denn die Kinder sollen ja etwas lernen. Nur wenige Wochen duldete man die Flüchtlingskinder in der Schule und plötzlich fand man, die Klassen wären überfüllt und für Flüchtlingskinder wäre kein Platz. Alle Reklamationen dagegen waren erfolglos und mall sagte mir auf meine Beschwerde, ich verstünde das nicht. Es sei so rocht,' daß die galizischen Flüchtlingskinder ausgeschlossen bleiben. Für die Wertung des Judentums in Neutra soll damit ein kleiner Beitrag geliefert werden. Hochachtungsvoll Rosalie G." Krkevniffe eines Mnchtkings. Ich bin ein Rabbiner aus der Bukowina und ulußte gleich nach Kriegsausbruch Haus und Hof verlassell llnd die Wanderreise antreren. Ich kam damals nach Zablotow in Galizien und beabsichtigte, mich von dort lveiter zu begeben. Plötzlich aber fielen die Russen in das Städtchen ein und ich mußte leider hier verbleiben. Die rvi.lden Horden begannen bald ihre „Herrschaft" und waren besonders gegen die Juden ganz und gar rücksichtslos. Sie setzten die „Nagaika" in Betrieb und statteten den Juden alltäglich „Besuche" ab irnd machten bei ihnen Haus- und Taschendurchsuchungen, die sich oft gar schlimm gestalteten. Ich durchlebte also in solchen unsäglichen Leiden und in Todesangst ungefähr sieben Monate.-Einmal kamen um 4 Uhr morgens, als ich nur das Bett verlassen hatte, mehrere Kosaken in meine Wohnung und fragten mich, wo sich das österreichische Militär befinde, wobei sie die Gewehre gegen mich und meinen Sohn, der neben mir stand, richteten. Ich erschrak natürlich ungewöhnlich und murmelte leise zu meinem Sohne die Worte: sie schießen, blieb aber trotzdem standhaft und obwohl ich die Antwort auf ihre Frage wußte, sagte ich doch, daß ich nichts weiß. Ein Wunder Gottes war es, daß die wie Hunde wütenden Kosaken mir und meinem Sohne nur Seitenhiebe und Schulternschläge mit den Gewehren versetzten, womit wir uns beide noch überaus zufrieden und glücklich gaben. Ich blieb also standhaft im gefährlichsten Momente. Wenn ich all meine Erlebnisse schildern wollte. Müßte ich dicke Bände schreiben, all das findet aber einen umfassenden Ausdruck in dem einen Worte „Flüchtling". Flüchtlinge, richtig aufgefaßt, sind diejenigen, welche die größten Opfer für Kaiser und Reich bringen, diejenigen, welche unter allen Umständen patriotisch bleiben. M. G., Rabbiner aus N.