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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-16 · 16 (16.4.1915) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
16 (16.4.1915)
Date
1915-04-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Är. 16 Dr. Bloch's BZochenfchrist Seite 393 nisch-serbischen Grenze in den unwegsamen Schluchten anl Osmanje brdo am 25. August 1914 gefallen. Nachdem er mit 18 Jahren am Franz Josef-Gymnasium in Wien maturiert hatte, trat er sofort sein Freiwilligenjahr beim Infanterieregiment Nr. 99, König der Hellenen, an, welches er mit der Charge eines Refervekadetten beendet hatte. Nun ging er an hie Universität, woselbst er, da ihn das anfänglich betriebene Studium der Chemie nicht befriedigte, sich dem der Rechte zuwandte. Da fand er sein Genügen und in den Bergen die Freuden der Erholung und seiner Muße. Groß und schlank, aber von seltener Muskelkraft und Schmiegsamkeit seines Körpers, war er ein Hochtourist voll Kichwheit und Wagemut, so daß seine Freunde und Weggenossen seine Gefahren schließlich nicht mehr niit ihm teilen wollten — und so ging er allein. Zweimal ward er vermißt und kam unversehrt wieder nach Hause. Wegen dieser Liebe zu den Bergen ließ er sich auch von seinem Regimente zu dem bosnisch-herzegowinischen Infanterieregiment transferieren, damit er, wie er wußte, bei der nächsten Waffenübung im Mai 1914 Gelegenheit habe, auch die Berge in Bosnien und die Romantik dieses Landes mir seinen Wildnissen kennen zu lernen. Diese vierwöchige Waffenübung hat er, uw sich ein wirkliches Kriegsbild vor Augen führen zu können, um zwei Wochen freiwillig verlängert, damit er auch beit damals in Bosnien stattgchabten, an die Waffenübung sich anschließenden Manövern unter der Leitung des verewigten Erzherzog-Thronfolgers teilnehmen könne. Im Offiziersfechtklub, dem er als Mitglied angehörte, war er einer der ausgezeichnetsten Fechter, so daß er in einem Fechttournier den ersten Preis errang. Er ließ sich auch die Gelegenheit nicht entgehen, als treuer Jude das Wardhofner Prinzip zuschanden zu schlagen. Als der Krieg im Juli 1914 ausgebrochen und sein Korps nicht k. der ersten Teilmobilisierung einberufen war, da meldete er sich freiwillig zur sofortigen Einrückung zu seinem Regimente, voll Feuer und Begeisterung, und schon am nächsten Tage rückte er nach Banjaluka ab. Dem „Jüd. KriegsgedenMatt" Nr. 1 entnehmen wir außer den vorstehenden biographischen Daten auch nachstehenden Feldpostbrief vom Fähnrich Kurt Hoffman n: 22. August 1914. Lieber Papa! Ich habe jetzt endlich wieder zwei Karten und einen Brief bekommen. Nach den größten Strapazen geht es mir jetzt wieder glänzend, wirklich glänzend. Ich bin seit gestern in einem netten, kleinen Ort, wo wir aus taktischen Gründen einige Tage bleiben werden. Nachdem ich in den letzten Tagen nur von Kukuruz, Zwetschken und Ratki , Schnaps zur Regulierung dieser fragwürdigen Kost) gelebt habe, vertilg'e ich jetzt kolossale Mengen von Speisen. Habe bereits zehn Stunden in einem Zuge geschlafen und das mit ausgezogenen Schuhen auf einem tadellosen Heulager, habe mich gewaschen, mir die Zähne geputzt usw., kurz ich habe mich tadellos wieder hergerichtet und erholt. Aber trotzdem schaue ich noch immer ganz anders aus, als wie ich Tuch in Wien verlassen habe. Ich bin braun wie ein Zigeuner, mager wie ein Windhund, habe Kommißuniform an. schaue aber eher aus wie ein bewaffneter Tourist, als wie ein Soldat. Ich trage nämlich einen Rustsack und meine Bergschuhe, die aber ihrer Auflösung entgegensehen, und um den Leib an einem Riemen den Feldstecher, der aber" nichts wert ist (ich werde aber bald einen Trieder von einem Serben kriegen). An dem Riemen trage ich auch meine automatische Browningpistole, mit der ich sehr zufrieden bin. Ferner habe ich mir einen vorzüglichen, präzise schießenden Repetierkarabiner angeschasft (sowie ihn der Buffalo-Bill hat), den ich quer über dem Rucksack trage. Den Säbel habe ich längst weggeworfen, denn er hindert mich nur hier, im Gebirgskriege. Dafür trage ich in der Gamasche ein Bajonett. — So streifen wir hier herum und kämpfen Tag und Nacht mit den verfluchten Komitatschis (Banden). Was man so sagt: „im feindlichen Kugelregen" — an das gewöhnt man sich bald, man schießt halt zurück und trifft gewöhnlich besser. Aber verflucht peinlich ist nur, wenn man irgendwo sitzt und über einem in der Luft die Schrapnells krepieren und man nicht weiß, woher diese Dinger kommen. Das ist mir schon «zweimal passiert, aber mein Glück hat sich noch immer bewährt, und Gott wird auch weiter helfen. — Zeitungen habe ich noch immer nicht, mir kommt es auf ein paar Kriegserklärungen mehr oder weniger nicht mehr an, jedoch bin ich der Meinung, daß ich vor Weihnachten nicht zuhause sein werde. Für heute schließe ich aber, denn mir fallen schon die Augen zu. Ich sitze hier in der Schule am Katheder, und jetzt steige ich hinunter, wo zwischen den Bänken mein Heu liegt. Ich küsse Euch Euer Kurt. Humorvolle Todesverachtung und Gottvertrauen Tapferkeit vor dem Feinde und Sehnsucht nach den Büchern — Krieger und Student! Kirr Sederabend im Jelde. (Feldpostbrief an die „Oesterreichische Wochenschrift.) ., den 7. 'April 1915. Der Sederabend der k. u. k. Jnfanterie-Divisions- Sanitätsanstalt Nr. 43 wird als eine der schönsten und ergreifendsten Erscheinungen den Teilnehmern gewiß lange in angenehmster Erinnerung bleiben. In einem hoch in den Karpathen gelegenen elenden Neste versammelten sich zirka 50 Offiziere und Offiziersaspiranten sowie einige Hundert Mannschaflsperfonen, von denen viele auf der Straße stehen mußten, da sie in den beiden aneinanderstoßenden Räumlichkeiten keinen Platz hatten und trotz der bestehenden Kälte bis zu Ende ausharrten. Ueber die Schwierigkeiten, die sich, diesem Unternehmen entgegenstellten, kann man sich im Hinterlande kaum einen Begriff machen; es ist um so lobenswerter, daß trotzdem der Sederabend in imposanter und würdiger Weise gefeiert wurde. Um das Zustandekommen machte sich Ehrwürden Feldrabbiner Dr. Albert Schweiger, im Frieden Rabbiner in Kremfier, besonders verdient, indem er mit Einwilligung des Anstaltskommandos an die israelitischen Krieger rechtzeitig Einladungen ergehen ließ, um ihnen die Möglichkeit zu bieten, nach Tunlichkeit die Gesetze des Pessachfestes beobachten zu können. In jeder Weise ließ ihm der Kom-!mandant der Anstalt, Stabsarzt Dr. Felix Hahn, seine Unterstützung angedeihen, indem er chm nicht nur die schwierige Herbeischaffung der notwendigen Lebensmittel ermöglichte, sondern auch sorgte, daß für die Gäste genügend Vorräte beschafft wurden. Nach dem Abendgebete begannen die Feierlichkeiten des Sederabends. So manches Auge füllte sich mit Tränen bei der Erinnerung an die im Familienkreise verbrachten Sederabende vergangener Jahre, da sich gerade bei diesem Hausfeste das Heimweh besonders fühlbar machte. Nach dem Kidduschgebet hielt Feldrabbiner Dr. Schweiger in schwungvollen Worten eine Ansprache, Ine auf die Versammelten einen tiefen Eindruck machte. Er erklärte die Bedeutung des Festes und gab dem Wunsche Ausdruck, daß der Allmächtige unser Vaterland von dem jetzigen Feinde, in dessen Land unsere Glaubensgenossen gepeinigt und unterdrückt werden, so sicher erlösen möge, wie er unsere Vorfahren vom Sklavenjoche der Aegypter befreit hat. Mit einem dreimaligen Hoch auf unseren Kaiser, in das die Anwesenden begeistert einstimmten, schloß er seine patriotische Ansprache. Hierauf richtete ein junger, erst beförderter Leutnant die „vier Fragen" (Manischtanoh) an Se. Ehrwürden, der dieselben beantwortete, dann die gesamte Hagadah vorlas und mit treffenden Erläuterungen versah. Die anfangs trübe Stimmung wurde immer freudiger und zuversichtlicher und zum Schlüsse sangen die Soldaten die üblichen Pessachlieder mit. In früher Stimmung entfernten sich alle nach Beendigung

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