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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-04-02 · 14 (2.4.1915) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
14 (2.4.1915)
Date
1915-04-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Bloch's Wochenschrift „Geehrte Frau Haminerstein! Am 15. d. Mts.', nachmittags gegen 3 Uhr, starb unser lieber Leutnant der Reserve Hammer st ein den Heldentod sür das Vaterland. Er war uns allen einsehr gütiger Vorgesetzter. Die Kompagnie beklagt mit Ihnen diesen herben Verlust auf das tiefste. Ergebenst gez. Freese, Unteroffizier und Feldwebeldiensttuer." „Sehr geehrte gnädige Frau! Das Regiment Nr. . . . wird Ihnen wohl schon die erschütternde Mitteilung von dem Soldatentode Ihres tapferen rvackern Sohnes gemacht haben. Ich selber bin aufs schmerzlichste ergriffen, und doch möchte ich Ihnen Mitteilen: Wenn Sie der würdigen Leichenfeier beigewohnt, wenn Sie das Lob vernommen hätten, das die Offiziere ihrem gefallenen Kameraden spendeten, dann würde ein Gefühl des Stolzes und der Freude den ganzen Schmerz Lbertönen. Ich war telegraphisch von dem Tode Ihres Sohnes in Kenntnis gesetzt und habe als jüdischer Feldprediger der zweiten Armee natürlich sofort zugesagt, die Beerdigung zu übernehmen. Als ich im Kraftwagen in ... . ankam, war der Sarg, grün umkränzt, bereits in der feierlich hergerichteten Ortskirche aufgebahrt. Um 4 Uhr nachmittags (am 16. Februar) fand die Beerdigung mit allen militär.schen Ehren statt. Infolge eines um diese Ze'.t einsetzenden heftigen Angriffes der Franzosen war der kommandierende General am Erscheinen verhindert; er ließ sich durch seinen Adjutanten, Hauptmann von Kleist, vertreten. Der Regimentskommandeur und die Herren Offiziere waren, soweit sie in Ruhestellung lagen, alle anwesend, natürlich auch die Truppen, welche zurzeit vor der Kirche und auf dem Wege zum Friedhof als Ehreneskorte aufgestellt waren. Ich hielt im Ornat die Leichenrede und sprach hebräisch und deutsch das oorgeschriebene Totengebet. Dann setzte sich der Zug zum Friedhof in Bewegung, die Truppen präsentierten, die Musik intonierte: „Ich halt' einen Kameraden" — es war ein gewaltiges Gefolge, war doch Ihr Herr Sohn der erste Offizier seines Regiments, der den Heldentod für's Daterland starb. Am Grabe rühmte noch der Regimentskommandeur Major Goltz die menschlichen und soldatischen Eigenschaften des Verstorbenen, der allen Kameraden unvergeßlich bleiben würde. Ich sprach sür mich leise das Kaddischgebet, habe auch die Absicht, anläßlich des nächsten bei der Reservedivision stattfindenden Gottesdienstes die jüdischen Soldaten am Grabe zu sammeln, um Kaddisch mit Minjan zu beten. Es ist selbstverständlich, daß ich dann auch für eine Ausstattung und Kenntlichmachung des Grabes im jüdischen Sinne Sorge tragen werde. Das Vaterland und das Judentum werden in gleichem Matze auf den Gefallenen stolz sein dürfen; sein Andenken bleibt. Ich würde mich freuen, sehr geehrte Frau, von Ihnen näheres über Ihren Sohn zu vernehmen. Hat er sich nicht um die jüdische Turnbewegung zu Stettin Verdienste erworben? Möge Gott Sie trösten. Ihr Sohn wird nicht ihm und den Menschen verloren sein. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. Feldprediger Dr. Emil L e v y, A.-O.-K. 2." Kin Aeldpostöries an den Uräses der „Makkabäer" in Ureßßurg. ., am 12. Februar 1915, dem 25jährigen Hochzeitstage meiner Eltern. Meine lieben „Makkabäer"! Die schwerste Zeit des Kriegskapitels scheint vorüber zu sein. Die große winterliche Kälte läßt nach, hie und da lächelt schon die Sonne vom Himmelszelt herab, — der Schnee fängt zu schmelzen an — und der Mensch, im Angesichte der sich zum Vorteile wendenden Natur, er beginnt zu hoffen. Er hofft aus baldige Siege, auf entscheidende Kämpfe und datz er dann bald die liebe Heimat sehen dürfte. Das ist unser Sehnen und die Daheimgebliebenen fühlen mit uns. Wenn man einen kleinen Rückblick auf die Tätigkeit unserer Glaubensbrüder in diesem Kriege wirft, so kann man mit Bestimmtheit behaupten, datz die Juden immer die ersten in der Front und auch immer diejenigen waren, die lindernd und tröstend die arme jüdische Landesbevölkerung im Bereiche des Schlachtfeldes unterstützt haben. Sei es in Russisch-Polen oder in den Karpathen oder Deutschland gewesen — der Jude wutz-te immer seine Pflicht,^ und ich habe auch dort viel auf die ideale Tätigkeit unseres Sportklubs „Makkabäer" und auf die feste Zusammengehörigkeit hingewiesen und habe auch plausibel gemacht, wie notwendig es ist, Äenn sich jüdische Jugend schon im Frieden mit jeglichem Sport befaßt, denn wir sind dann widerstandsfähiger als jedweder Stubenhocker, der bald draufgeht. Mir geht es gut und ich wünsche recht vom Herzen, datz es auch meinen im Felde stehenden Sportbrüdern so geht! — Seite 255 Lieber Herr Präsident! Einer, dem es immer daran gelegen war, den Namen „Makkabäer" an erster Stelle zu sehen, übersendet allen die herzlichsten Grütze aus tiefstem Herzen und tiefsten Schnee, und ich rufe Euch allen zu: „Haltet auch weiterhin fest und treu zusammen — denn Einigkeit macht Kraft". Der Euere A l b i n K a n d l,- k. u.!. Rechnungsunterosf. 1. Kl., im Felde. Per Tod des österreichischen Megers Wosenlyät. Die unter russischer Zensur erscheinenden Lemberger Zeitungen brachten über den Tod des Fliegers Rosent h a l folgende Darstellung: Rosenrhal kam während eines Erkundungsfluges nach Zolkiew und bemerkte, daß in einem Hanse ein russischer Flieger einquartiert war. Er begann das Haus mit Bomben zu belegen, die aber keinen Schaden anrichteten. Als der russische Flieger den Gegner erkannte, stieg er auf, und nun entwickelte sich in den Lüften zwischen den beiden Fliegern ein Revolverzweikampf von großer Erbitterung. Das Ergebnis dieses eigenartigen Duells war, daß der russische Flieger, törlich getroffen, mit seinem Älpparat zu Boden stürzte und im Abstürze das Flugzeug Rosenchals mit sich riß. Das russische Flugzeug, das französisches Fabrikat war, gelangte fast unversehrt zu Boden, das österreichische bildete dagegen einen wahren Trümmerhaufen, unter dem man den Flieger noch lebend, aber schwerverletzt hervorzog. Rosenthal hatte einen Bruch der Wirbelsäule erlitten und verschied nach wenigen Minuten. In den Berichten über das tragische Ende des österreichischen Piloten hoben die russischen Zeitungen dessen Kühnheit und Heldenmut anerkennend hervor. Mief eines russisch-jüdischen Soldaten. Der „Vorwärts" in Newyork veröffentlicht folgenden Brief eines russisch-jüdischen Soldaten an seinen Bruder in Philadelphia mit Angabe des Namens, von dessen Nennung wir absehen: „Teirer Bruder, ich gefin sich jetzt in der Armee in Kremenitz. Chotsch (obwohl) ich allein bin in Feier noch nit gewehn, von deßtwegen halt ich schon in ein Schilten (Schelten, Fluchen) den Tog, wos ich bin geboiren geworn. Du kennst sich.gor nit vorstelln, wos ich leb iber! Wie mir senen nor arüber über die Grenez, hoben mir bald dersehn wiste, zutrotene Felder, obgebrennte Haiser und pußte Kretschmes (leere Schenken» mit oisgeklappte Schauben (eingeschlagene Scheiben). Alle Städtlech und Derflech seinen chorew wenechref (zerstört und verwüstet». Zurissene Siffre Toros (Thora-Rollen) walgern sich zusammen mit Federn, zubrochene Spiegeln, Seid, Lammet un Schmält^ (Lumpen). Lieber Bruder! Das Harz wert mir of Sticker zurissen, wenn ich seh mit meine Oigen dem Churban (Zerstörung), wos die Soldaten hoben ongemacht in di jidische Städtlech. Ich kenn nit zusehn, wie die Soldaten sennen sich noirem (sich rächen) on meine Beider. Ich hob alein gesehn, wie a Soldat Hot geschleppt a jiddische Frau un der Mann is gestannen bei Seit un ihrgornit gekonnt helfen. Ich hob gefihlt, wi meine Gedanken werden zumischl (verwirrt), hob ich ausgedreht den Kop un ongehoiben weinen! In ein Stodt ho. dich gesehn^ wie die Soldaten hoben ongezunden die Schul (Synagoge), un wenn si Hot stark ongehoiben brennen, hoben sei, die Soldaten gehalten in ein Schreien: „Zsidi proklati!" (Verfluchte Juden!) „ Wos weißtu, lieber Bruder, wos a jiddischer Soldat darf (muß) ausstohen in der russischen Armee, un men kenn sich nit helfen."

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