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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-26 · 13 (26.3.1915) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Tit 13 Dr. Bloch'S Wochenschrift Seite 351 hierher wandern, die irdischen Ueberreste des großen Toten in Ehrfurcht aufzusuchen .... Und die »Schneeflocken fielen immer häufiger, die Steine neigten sich sachte, als wären die .stillen Bewohner zufrieden mit dieser Botschaft. Wir schlossen die Pforten des Friedhofes und fuhren heim. So oft ich mich abends zur Ruhe lege, schimmert mir vom Fenster gegenüber das Seelenlichtlein, das für Dr. Hugo Zuckermann glimmt, entgegen, und ich glaube, seine Frage zu vernehmen, die er oft in brennendem Fieber an seine Mutter zu stellen pflegte: „Werdet Ihr Licht nach mir brennen?" . . . Er wartete die Antwort nicht ab und sprach mit bebenden Lippen: „Ihr sollt mir leinen Juden verleumden, Jungens, ein Jude stiehlt nicht! Was fällt Luch ein?! . . . Mir nach, Kameraden! Nur immer voran! Wir müssen sie erreichen . . . müssen die Russen sangen . . . Hurra, Kameraden, voran und draus! Warum er-, mattet Ihr? Warum folgt Ihr mir so lässig nach? -- Vorwärts! Hört Ihr nicht Sturm blasen? Rur voran, Kameraden! . . . So sprachen und kommandierten die glühenden Lippen stundenlang im Schlafen und im Wachen, bis. Schnitter Tod kam, ihn zu mähen! . . . Sein Bursche, der bei all den 31 mitgemachten Gefechten an seiner Seite war, bat ihn oft flehentlich: „Herr Leutnant! Gönnen Sie sich doch ein wenig Ruhe, Sie sehen doch, daß auch die anderen Herren Offiziere zuweilen ausschnaufen und Sie sind so müde und schwach." Darauf pflegte stets Dr. Z u ck e r m a n n zu bemerken: „Das können wohl alle Herren Offiziere tun. nur ich nicht, weil ich Jude bin und der darf sich der Feigheit nicht zeihen lassen! Ich mutz kämpfen, bis ich völlig zusammenbreche!" Und so war es auch! Von den hervorragenden Tugenden und Eigenschaften Dr. Hugo Zuckermanns zu sprechen, fühle ich mich nicht berufen, zumal es mir bekannt ist, daß ein unter dem Protektorate des k. u. k. Kriegsministeriums bald erscheinendes Werk (Kriegsjahr 1914) erschöpfend sein Wirken als Dichter und Offtzier zu würdigen gedenkt; ich will nur hervorheben, was mich an Dr. Hugo Zuckermann stets verblüffte: Abseits von der Hauptstraße des pulsierenden jüdischen Lebens sich befindend, grotzgezogen in einem Milieu, das die Interessen des Gesamtjudentums mit einem im Westen üblichen Indifferentismus betrachtet (wenn auch seine angesehene Familie in Eger zu den religiösen Mitgliedern nach böhmisch-jüdischen Begriffen zählt), war er ein begeisterter Jude im wahren Sinne des Wortes — nicht nur national-politischer Parteijude —, das hebräische Gebetbuch, in dem er, aus der Schule kommend, kaum regelrecht zu lesen verstand, war ihm bald zu einem vertrauten und lieben Buche geworden! Oft und oft kam er zu mir, uni nach der richtigen Uebersetzung eines Psalmverses zu fragen, und ging, wenn ihm mein Kommentar gefiel, befriedigt und freudig von dannen. Ich konnte ihm oft auch bei jargonischen Uebersetzungen behilflich sein, wofür er mir stets herzlich st Dank wußte. Wie sein Bursche erzählte, konnte er auch polnisch, russisch und Gott weiß, was noch alles sprechen, und lockte, vermöge seiner Sprachkenntnisse, viele Russen an, die sich willig zu Gefangenen von ihm machen ließen. Wo nahm er das alles her? fragen wir uns erstaunt und haben nur eine Antwort:- Dr. Hugo Zuckermann war eig Genie! Ewig schade, daß wir ihn verloren, eine Zierde unseres Volkes! Ein Verräter. Es sei mir gestattet, die Leser der „Wochenschrift" auf die kurze Monographie Tiberius Alexander: „Ein Lebensbild aus der Zeit der Zerstörung Jerusalems", die Prof. Dr. I. Reach im jüngsten Jahresbericht des Prager deutschen (Neustadt-)Gymnasiums veröffentlicht bat, aufmerksam zu machen. Genaue Sachkenntnis, innige Liebe zum Judentum, poetischer Schwung in der Darstellung kennzeichnen diese interessante Arbeit. Dr. Reach entwirft hier ein farbenreiches Bild vom Leben und Streben des großen Verräters Tiberius Alexander. Bon Natur und Schicksal reich begütert, wurde er, der Sohn des reichen Alabarchen Alexander Lysimachus, der die Tore des jerusalemischen Heiligtums mit Gold und Silber aus seinen eigenen Schällen schmücken ließ, und Neffe des alexandrinischen Philosophen Philo, zum Verräter, ja sogar zum erbarmungslosen Verfolger seines Volkes. In Alexandrien läßt er als römischer Statthalter regis loeo 50.090 Juden Don den ihm zu Gebote stehenden Legionen erbarmungslos niedermetzeln. „Tiberius" - erzählt Josephus Flavins — „läßt die von den Griechen provozierten Inden ermahnen, sich ruhig zu verhalten, um die Streitmacht der Römer nicht gegen sich aufzubringen. Da die Juden nicht sofort gehorchen, sieht Alexander ein. daß die Aufrührer mur durch eine 'nachdrückliche Züchtigung zu bändigen seien Er sandte daher die beiden in der Stadt liegenden Legionen, sowie noch weitere 5000 Mann, die zum Verderben der Juden eben ans Lydien angekoinmen waren, gegen sie aus und gestattete ihnen nicht nur die Juden mmzubringen, sondern auch ihre Habe zu rauben und ihre Häuser einzuäschern. Die Truppen drangen in das sogenannte Delta ein, wo di: Judenschaft zusammenwohnte und vollzogen die ihnen erteilten Befehle, erlitten aber auch ihrerseits große Verluste. Die Juden schloffen sich nämlich dicht zusammen, stellten die besser Bewaffneten in das Borderlreffen und hielten mit größter Zähigkeit stand. Endlich jedoch mußten sie der römischen Kriegskunst weichen und wurden nun haufenweise erschlagen. Die Mederlage war eine vollständige. Was nicht im Freien vom Feinde ereilt wurde, drängte sich tu die Häuser zusammen. Diese aber steckten die Römer von unten her in Brand, nachdem sie zuvor das Innere ausgeplündert hatten; die Sieger kannten weder Mitleid mit Kindern, noch Ehrfurcht vor Greisen, alle wurden ohne Unterschied des Alters hingeschlachtet, so daß der ganze Platz mit Blut überschwemnit war und an die 50.000 Leichen im Haufen umherlagen. Nun gab Tiberius Alexander den Römern das Zeichen zum Rückzuge. Die Soldaten stellten denn auch, an Gehorsam gewöhnt, auf den ersten Wink das Morden ein." Und so wollte Tiberius über die Leichen seiner Brüder zu Größe, zu Ansehen hinwegschreiten; er träumte von größter Macht und Weltruhm. Und wie — fragt es sich — endete nun das Leben dieses Verräters, der sich früher zum illustr.s eques Romanus und dann sogar zum römischen Statthalter emporzuschwingen wußte? Die römische Kaiserwürde, von der er geträumt haben soll, hat der Sohn des Alabarchen wohl nicht erreicht. Ueber das Dunkel, in welches die letzten Lebensjahre des Ttberins Alexander gehüllt find, sucht Dr. Reach in seiner eingangsaiigeführten Arbeit Licht zu verbreiten. Nach ihm sind jener Alexander und dessen Gattin Berenice, die von einem aus Jerusalem nach Cyrene entkommenen Zeloten des Hochverrates angeklagt und von Catullus. dem Statthalter der kubischen Pentapolis, zum Tode verurteilt wurden, mit Tiberius Alexander und der Schwester Agrippa II. identisch. Ter ehrgeizige Renegat und Berenice, die im Stillen gewiß davon träumte, an der Seite Titus ein leuchtender Stern im römischen Weltreiche zu werden, von ihm jedoch verlassen wurde — sie beide werden vom Schicksale am Abend ihres Lebens zusammengeführr, um gemeinsam den Weg der Sühne zu gehen. Am afrikanischen Gestade, fern von den goldenen Palästen Roms, werden sie von ihrem Oieschicke ereilt. Jonathan, der Sicarier, verkörpert die Nemesis. Alexander und Berenice fallen (nach der Reach'schen Hypothese) unter Henkersbeil. Jerusalem haben sie treulos verlassen und Rom wurde ihnen znm Unheil. Von ihrem Volke haben sie sich in seinen schweren Schicksalsstlmden abgewendet und von Gott wurden sie für alle Zeit verlassen T r i e st. Tr. I. Zolle r. Eine Flüchtlings-Hagada. Im Verlage von Jos. Schlesinger in Wien, 1. Bezirk, Seitenstettengasse, erschien eine schön gedruckte Hagada mit jüdischdeutschen Kommentaren. Beigefügt ist ein dichterischer F e st g r u ß an die galizischen Flüchtlinge in hebräischer Sprache IE'*?" HDS) von Rabbiner Dr. Armand K a m i n k a, worin den fern von der Heimat, vielfach in traurigen Verhältnissen in Mansarden und Baracken das Befreiungsfest feiernden Glaubensgenossen Mut und Trost zugesprochen wird. Die Hagada ist zum Preis von 14 Heller zu beziehen. Der größte Teil der Auflage wurde sofort nach Erscheinen oergrissen. Vom patriotischen Trostgedichte wurde auch ein Separatdruck veranstaltet. Ehochmoh im Nachloh. Wissen und Tradition. Homiletische und religionsphilosophische Abhandlungen zur heiligen Schrift und zu den Sprüchen der Väter. 1. Teil. Von Oberrabbiner Doktor Hermann Klein. Kismarton (Eisenstadt). Zu beziehen durch den Verfasser oder durch Sänger und Friedberg in Frankfurt a. M. Es ist die reife Frucht eines hervorragenden Kanzelredners, die uns der Verfasser darreicht. Aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der Frankfurter Torah-Lehranstalt ist das Werk dem Meister und Lehrhausvorsteher in Liebe und Verehrung gewidmet und dieser Umstand verleiht dem Werke erhöhten Wert. Der Meister mag sich des Schülers freuen. Ein Schwiegerenkel Samson Rafael Hirsch's spricht zu uns, es ist aber auch Geist von seinem Geiste, den der Verfasser bei der Auslegung von Midrasch- und Talmudaussprüchen geschickt und geistvoll verwendet. Das Werk ist in schönem und sehr fließendem Hebräisch geschrieben und wird sich rasch einen großen Leserkreis erwerben. Es sei allen Kanzelrednern, aber auch allen Freunden eines guten Agadawörtchens bestens empfohlen. Stadt Kanitz. _ F. Rich. H e i n s ch e l. Dr. Ludwig Rosenthal, Rabbiner der Synagogengemeinde Köln. „Die groae Zeit im Spiegel ernster Tage." Ansprachen und Predigten am Ne-jahrsfest und Versöhnungstag, gehalten in der Snnagoge, Glockenga se. Dritte Auflage. Köln 1914. Verlag von I. Kaufsmann, Frankfurt am Main. Jeschurun. Monatsschrift für Lehre und Leben im Iudentum. II. Jahrgang, Heft 3. Herausgeber: Dr. I. Wohlgemut h. Perlag des Ieschurun Berlin R. 24, Krausnickstraße 2.. — Inhalt: Warum hassen uns die Völker? — A. Berliner: Das jüdische Soissons. — D. Hoffmann: Probleme der Pentateucheregese. — I. Heinemann: Tierschutz nach jüdischer und griechischer Anschauung. — L. >D e u 1 s ch l ä n d e r: Biblische Motive in Goethes „Faust". — Bücherbesprechung.

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