Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 12 (19.3.1915)
- Date
- 1915-03-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 323 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 12 summen: 713p? Di YP7T Er kann wie wenige von sich sagen: „Als ich jung war, besaß ich auch schon das ausgereiste Denken und Sinnen des Alters, und jung bin ich darum geblieben, auch nachdem ich alt geworden." Einsmarkanter Zug in seinem Charakter- und Lebensbilde würde fehlen, wollte ich einen ganz unbekannten Vorgang verschweigen, eine Reminiszenz, welche auf die Frage Bescheid geben kann: wie kam es, daß der Reform- Prediger Mannheimer bei streng orthodoxen Talmudgelehrten in hohen Ehren gestanden, beispielsweise mit den Landesrabbinern Samson Raphael Hirsch s. A. und mit meinem verewigten Vater, Abraham Placzek, innig befreundet war? In der Sephira d. I. 1864 (5624) sollte die Trauung des Brautpaares, Herrn v. W o r m s aus London, der eine hohe Stellung im brit. Ministerium des Aeußern einnahm, und der Tochter des Freiherrn H. Todesco, in Wien, stattfinden. Gewichtige Gründe waren vorhanden, welche eine solche Ausnahme rituell ganz zulässig erscheinen ließen. Mannheimer weigerte sich dennoch-, dieselbe in der von der Familie bestimmten Zeit vorzunehmen und erklärte sich nur unter der Bedingung dazu bereit, wenn Herr Landesrabbiner A. Placzek in Boskowitz die ritualmäßig begründete zustimmende Entscheidung hiefür erteile. Die Großmutter der Braut, die Mutter der Baronin Todesco, Frau Henriette Gomperz in Brünn, welche den Mittelpunkt der Verehrung für den ganzen illustren Familienkreis gebildet, eine vornehme, ungewöhnlich seelenvolle, lebenskluge Frau, ersuchte mich, als den hiesigen Seelsorger und den Sohn des Genannten — ich war damals schon sein Stellvertreter im Landesrabbinate — um die Vermittlung. Es wurde hier ein Familienrat gehalten, an dem die beiden erwähnten Damen und das Brautpaar teilnahmen — es mochte anfangs April gewesen sein. Ich überreichte ihnen die auf Grund des Schulchan Aruch, der Responsen usw. erteilte, an Mannheimer gerichtete Lizenz. Das Brautpaar hatte sich indischen entfernt. Ich wußte indes, daß der exzeptionelle Vollzug der Trauung gerade in einer der ersten angesehensten Familien meinem Vater und Mannheimer nicht sonderlich angenehm wäre. Etwas ähnliches mochten die beiden Damen in meinen Gesichtszüaen gelesen haben. Sie fraaten mich mit liebenswürdigem Lächeln: „Nun, was ist Ihre persönliche Ansicht?" Einiae scheinbar gleichgiltige Worte unter Hinweis auf die Stellung, welche die betreffenden Familien in dem gesamten Judentum einnehmen, genügten, um einen sofortigen Umschwung in ihrem Entschlüsse herbeizufübren. Nach rasch, gewechselten Blicken des Einverständnisses zwischen beiden Damen, das mir nicht entging, erklärten sie, für den Brief herzlich dankend : „Wir werden doch die Trauung aufschieben," und so geschah es auch. Das Verhalten der beiden Frauen erweiterte mein Verständnis für das Talmudwort (Niddah 45 h): „Einen höheren Grad von Vernunft und Einsicht hat Gott dem Weibe gegeben, mehr als dem Manne." — Es ist der feine weibliche Takt. — Einiae Monate später erhob sich Mannheimer vom Krankenlager und ließ sich hinunter in den Tempel führen, um die Trauuna des Brautpaares Worms- Todesco vorzunehmen. — Ungefähr neun Monate nachher „kehrte seine Seele zu Gott zurück, der sie gegeben". . . . Am offenen Grabe flüsterte ich ihm tiefergriffen nach (Psalm 421, 8): „Gott behüte dein Gehen und Kommen von der Zeitlichkeit in die Ewigkeit?" Brünn, 14. Marz 1915. Korrespondenzen. Dessach-Meteitung der „Weißlichen Umsorge". Die löbliche Wiener Kultusgemeinde und deren Armenanstalt haben sich mit der „Weiblichen Fürsorge" in dieser überaus wohltätigen Aktion vereinigt und der „Fürsorge" 9000 Kronen überwiesen, wofür die „Fürsorge" die weit kostspieligere und sehr mühevolle Arbeit der Verteilung an Wiener Armen des Bezirkes I—VIII, X und XX übernommen hat; ebenso hat die Währinger Armenanstalt 416 Kronen gespendet, damit die „Fürsorge" die Beteilung aller Währinger Armen übernimmt. Folgende Spenden, für die wir herzlich danken, sind uns außerdem zugekommen: Bankhaus S. M. von Rothschild 1000 Kr.-< 100 Kr.: Verein „Tomech Ewjonim", Frau Heddy v. Gutmann, Frau Generalgouverneur Sidonie von Taussig, Ehepaar Emil und Auguste Lederer, Gebrüder Heinrich und Fritz M e n d l, Herr Theodor Reitl i n g e r, Frau Clotilde Reitlinger, Dr. Tobias Aschkenase, Firma Adolf Stern u. Sohn, Tischgesellschaft „Fürths im Reichenberger Beisel zu Händen des Herrn Rabbiner De. G r u n w a l d, Rabbiner Dr. C h a j o f aus Triest durch Herrn Komm.-Rat R o s e n - zweig 100 Kr.; 70 Kr.: Verein Jsr. Kiuderbeivahranstalt (Präsidentin Sarah von Stern); 50 Kr.: Mariahilfer Frauenverein (Präsidentin Frau Frida Strauß), die Frauen Jeanette Bauer, Regine Benies, Dr. K r e i s b e r g (Dro'hobpcz), Sarah von Stern, die Herren Präsident Dr. Alfred Stern, Ferdinand B l o ch, Direktor Sigmund Ichen h ä user, Hofrat S. von H a h n, Bernhard Kohn, Lajos Kris er, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Wilhelm Pappenheim, Leon Parnas; 40 Kr.: Frau Rosa Freyberg, Hosrätin Sofie von B r o cke n a u, Herr Dr. Felix K a tz a u, Ehepaar Direktor I. Brichta; 35 Kr.: Fraternitas-Loge in Dresden; 32.20 Kr.: Julius Plotke - Loge in Kaiserslautern; 30 Kr.: Verein Greisinnenfürsorge (Präsidentin Frau Helene Deutsch), Frau Hofrat Os er, Frau Hermine Wolf, Wiener Kreditgesellschaft für Industrie und Handel, die Herren Kommerzialrat Ernst Kling er, Rudolf Kohn, Dr. Ernst Lemberger; 25 Kr.: die Herren Stadtrabbiner Dr. Appel, Karlsruhe, Alexander Landau, Simon Manheit, Reichsratsabgeordneter Dr. Steinhaus aus Jaslo; 20 Kr.: die Frauen Elsa B i r n b a u m, Berta F r i e d, Dr. H e r s ch, Meran> Rosa H o l l i t sch e r, Johanna Mauthner, Regine May, Dr. OlgaMünch, Rosa Moser, Marie Oberländer (Eippel), Hermine Sokal (Lemberg), Ernestine Sqarenina, I. Thenen, die Herren Leopold Blum, Dr. Oscar B o n d y, Eduard Czechowitzka, kais. Rat Hermann D a t t n e r (Lemberg), Ernst Hirsch, Max L a w e tz k Y, Alois Lemberger, Josef Krüger, Adolf Mandl junior, Heinrich Mandl, Dr. Rob. M a n th n e r, Alex. Nierenstein, kais. Rat Gustav S ch w e i n b u r g, kais. Rat Leopold S a b o r s k y, Eduard E. Sch w a r z durch Herrn Dr. Langstein, Jacob Weinberger; 15 Kr.: die Herren kais. Rat Jakob Beiser (Lemberg), Herr Heinrich Deutsch, Sammlung Albert Löw- Dr. Tag licht; 12.80 Kr.: Herr Rudolph Levy (Hamburg); 11.25 Kr.: Herr Louis Fried enhe int (Wiesbaden); E. B. Placzek.