Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 12 (19.3.1915)
- Date
- 1915-03-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nk. 12 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 221 Feinde erhalten: Julius Berlin und Julius Bern - stiel, Mitglieder des Kgl. Bayrischen Automobilklubs, die bereits das Eiserne Kreuz besitzen. Stadthagen (Schaumburg-Lippe). Kaufmann Moritz Trautmann, Feldwebel im Landsturmbataillon Minden, erhielt das Schaumburg-Lippesche Verdienstkreuz für treue Dienste am Bande. Trautmann ist im August als Gefreiter eingetreten und nunmehr etatsmätziger Kompagnie-Feldwebel geworden. Würzburg. Das Militärverdienstkreuz zweiter Klasse mit der Krone erhielt Dr. Martin Marx. * * * gefördert. Zn preußischen Reserveoffizieren: Bromberg. Vizeseldwebel Kaufmann Albert Knopf im Reserve-Fußartillerieregiment Nr. 15. Crefeld. Der Offiziersdiensttuer in der Fernsprechabteilung Karl Cohn. Lippstadt. Vizefeldwebel Walter Ganz vom Infanterieregiment Nr. 67. Mühlhausen i. E. Rechtsanwalt Dr. Ed. Dreyfuß, bisher Offiziers-Stellvertreter. Er ist zurzeit Adjutant beim Artilleriekommando der 56. gem. Landwehrbrigade. Mannheim. Offiziers-Stellvertreter Rechtsanwalt Dr. I e f e ls o h n, in einem Landsturmbataillon. * * * Berlin. Leutnant Gottfried Sender von der Lehrer- Bildungsanstalt der Berliner Jüdischen Gemeinde, Inhaber des Eisernen Kreuzes erster und zweiter Klaffe, ist zum Bataillonsadjutanten ernannt worden. Zum bayerischen Reserveoffizier: Essen. Alfred Romberg im 3. bayrischen Infanterieregiment, der auch Inhaber des Eisernen Kreuzes ist, trat bei Kriegsbeginn als Gefreiter ein. Ker Flavbiner aks Bürgermeister. Die in Wladislaw einnicfcnben Deutschen veranlaßten den Zivilrabbiner R o n i n, die Bürgermeisterstelle zu übernehmen und Lebensmittel zu requirieren. Nachdein die Russen eingezogen waren, denunzierten ihn die Polen; aberjdie Bewohner bezeugten, daß der Rabbiner sich nur der Brachialgewalt gefügt hatte — Die Deutschen hatten auch den greisen Gemeinderabbiner Willenski geheißen, die Garantie für die Sicherheit zu übernehmen, er aber sagte fest und bestimmt, daß er sich nur um religiöse und wissenschaftliche Dinge küminere. Er habe übrigens den Amtseid für die russische Regierung abgelegt und könne denselben nicht brechen. Da auch eine Drohung nicht nützte, entließ ihn der deutsche Offizier mit achtungsvoller Haltung. Ein Keldpostöries. Einer unserer äfteften Leser harte die Freundlichkeit, ulls nachstehenden Brief seines Sohnes, den derselbe an seinen jüngeren Bruder richtete, zur Benützung zur Verfügung zu stellen. Der Schreiber desselben ist Fähnrich in. einem angesehenen deutfchböhmischen Infanterieregiment, das ruhmvoll seit Beginn des Krieges zuerst in Serbien und nun in den Karpathen für das Vaterland kämpft. Ileberprüst. Oberl. Pohlmann. Feldpostbrief, 6. März, abends, 1915. Mein lieber Robert! Nachdem wir zufällig Kerzen ausgefaßt haben, will ich den heutigen Abend dazu benützen, um Dir in Kürze eine im Kriege erst gewonnene Erkenntnis einzuprägen. Es find jetzt bald sieben Monate her, daß ich dem Daterlande meine Dienste widme und schätze mich glücklich, daß ich bisher unberufen von allem Ungemach verschont geblieben bin, denn das, was ich schon einmal erlitten, ist halt schon einmal ausnahmsloses Leid jedes Feldsoldaten. Du weißt, daß ich niemals Gottesfurcht kannte und durch die Lektüre unserer bedeutenden Naturforscher (Hackel, Nietzsche usw.) die Eristenz eines höheren Wesens negiert und einzig und allein die schaffende Natur als Leiterin des Weltenganges empfand. Der Krieg hat mich eines Besseren belehrt, und sehr viele, die inie ihre Hände zum Beten gefaltet hatten, gelangten in den vielen Stunden der Not und Gefahr, die wir mitzumachen hatten, zur Ueberzeugung, daß es einen allmächtigen Gott gibt. Ich halte an diesen Glauben fest, denn mich hat der Schöpfer noch nicht im Stiche gelassen und stets mein Flehen erhört, — hoffentlich wird mich der Herr auch fürderhin treu beschützen, ich werde von jetzt an stets ein frommer Jude bleiben. Auch eine andere Weisheit hat uns der Krieg gelehrt. Man soll mit^ seinem bescheidenen Lose zufrieden sein. Es wird nach dem Feldzuge kaum jemanden unter uns gebrn^ der mit dem ihm beschiedenen Schicksal unzufrieden sein wird, selbst wenn sein Dasein ein noch so armseliges wäre. Auch der Familiensinn wird eine niegeahnte Stärkung erfahren und die Liebe zu seiner Heimat erhöhen. Noch nie haben die Sprichworts: „Wenn die Not am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten" und: „Wer auf Gott vertraut, hat auf festen Grund gebau 1," eine solch außerordentliche Bedeutung erlangt, wie in den jetzigen schweren Zeiten. Als ich mit meinen Lieben in Iljvedek beisammen war und mich dieselben aufforderten, mit ihnen den Tempel zu besuchen, war es mir wirklich Bedürfnis, den Schöpfer für die mir bis dahin in so hohem Maße erwiesenen Wohltaten und seinen gnädigen Schutz zu danken. Es würde mich freuen, wenn meine heutigen Zeilen ihre Wirkung auf Dich, mein lieber Robert, nicht verfehlen würden und Dich eines Sinnes mit mir finden oder bekehren würden. Du wirst vielleicht früher oder später selbst einmal in die Lage kommen, persönlich die Wahrheit, welche ich Dir heute mitteile, anzuerkennen; lieber wäre es mir, wenn es Dir erspart bliebe, den Gottesglauben erst unter dem Zwange der Verhältnisse zu erringen, sondern eher dem guten Rat Deines Dir aufrichtigen, wohlwollenden Bruders folgen würdest. Leb' also recht wohl, mein lieber Robert, vertrage Dich recht gut mit der lieben Gretel, sei ein braver, dankbarer Sohn Deinen lieben Eltern gegenüber und sei für heute vielmals herzlichst gegrüßt und geküßt von Deinem Dich liebenden, stets treuen Bruder Viktor. Mannheimer. Federzeichnung von einem seiner Jünger. Vor 60 Jahren, den philosophischen Studien an der Wiener Universitär obliegend, hatte ich das Glück, den Worten des großen Meisters der Rede sowohl im Tempel, als in feiner Wohnung „belehrungsdurstig" zu lauschen. Sie waren für mich ungemein anregend, richtunggebend und ließen unvergängliche Eindrücke in mir zurück/ die mir über manche Misere des Lebens hinweghalfen. Er war damals schon ein Sechziger. Große, dunkle, tiefgründige, fernblickende Augen, aus denen reiche Lebenserfahrung und die Begeisterung eines Sehers leuchlecen, gaben seinem hageren, edelgeschuittenen Antlitz einen chrsurchtgebietenden Ausdruck und begleiteten mit geistfprühendem Glanze den fesselnden Eindruck seiner modulationsfähigen, die ganze Tonleiter beherrschenden Stimme. Nie hörte ich ihn lachen. Nur ein Lächeln, in das sich Wehmut und Ironie teilten. Pflegte um seinen energischen Mund vielsagend zu zucken. Meinen Kollegen — ich weiß nicht, ob noch einer davon lebt, — und mir sagte er einmal in seiner entschiedenen Weise: „Mein Vater war ein MusikuS. Beim Antritt meines Berufes gab er mir das Geleitwort mit: „Du und ich haben das Gleiche vonnöten. Der Prediger braucht wie der Musikus l. Takt, 2. Takt, 3. Takt!" lieber seine edle, gottinnige, von heiligem Eifer für Judentum und Menschlichkeit erglühte Seele glitt nie der leiseste Hauch der Selbstsucht und Ehrbegier, kein gleißnerisches Schmeichelwort, keine konventionelle Lüge kamen über seine Lippen, die dem ernsten Kampfe um die Wahrheit sich geweiht. Sechs Jahre später, im Oktober 1863, überbrachte ich ihm den Festesgruß der Brünner Kultusgemeinde, alo deren Rabbiner mitten unter zahlreichen Gratulanten zu seinem 70. GeburtSta g e. In der Ansprach e, die ich, zum Auditorium gewendet, hielt, faßte 'ch, was ich von seinem Wesen und Wirken vorzubringen hatte, in der Deutung deS PfalmverseS 47, 25 zu-