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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-19 · 12 (19.3.1915) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
12 (19.3.1915)
Date
1915-03-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 219 Are Helden von Iglo. Die Israelitische Kultusgemeinde von Iglo in Ungarn besteht aus 120 Familien, von denen bis jetzt 64 Mitglieder als Soldaten im' Felde stehen. Gefallen ist: Nikolaus Popper, Einjahrig-Freiwilliger im 9. Honv.- Jnfanterieregiment. Verwundet wurden: Julius Blockner, Leutnant i. d. Reserve, Franz Elfenbein, Res.- Leutnant (sein Arm war durchschossen, er ist bereits genesen und kämpft jetzt wieder in Galizien): Ludwig und Armin Schwarz sind Geschwister und kämpfen jetzt in den Schützengräben: Hilfsarzt Dr. Desider Korn h a u s e r, unter dem das Pferd weggeschossen wurde. Am tragischesten gestaltete sich das Schicksal des Advokaturskandidaten Dr. Eugen F r i e d m a n n, der als Kadett in Serbien gekämpft hat. Bei einem Bajonettangriff erhielt er eine Stichwunde im Fuße. Während der Arzt ihn verband, traf ihn ein Schrapnell am Kopfe. Er lag zwei Monate, wurde gesund und ging abermals nach Serbien, wo er am 23. Januar wieder verwundet wurde und per Bahn forttransportiert werden mußte. Der Zug, der ihn in ein Spital bringen sollte, stieß jedoch vor der Station Dees mit einem anderen Zug zusammen und der unglückliche Held büßte hierbei feilt Leben ein. Er wurde in Dees mit großem militärischen Pomp zu Grabe getragen. Vermißt werden: Ludwig Singer und Bela Litt mann. Auszeichnung nach dem Tode. Ersatz-Reservist Richard Stößler, der am 30. August am russischen Kriegsschauplatz den Heldentod gesunden, wurde diese Woche für seine heldenmütige Haltung mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet, welche seinem Vater, Herrn Gustav S t ö ß l e r, vom k. k. Ergänzungs-Bezirkskommando in Brünn zugestellt wurde. Heldentod in Wrzernysl. Aus Orsova wird uns berichtet: Se. Ehrwürden unser Rabbiner Herr Jakob Prerau und seine hoch!- geachtete Familie wurden von einem Schicksalsschlage getroffen: Sein Sohn, Alexander Prerau, Oberleutnant im 8. Honved-Jnfanterieregiment, hat im Alter von 22 Jahren in Przemysl den Heldentod gefunden. Der Verblichene hat sich durch Tapferkeit und Unerschrockenheit wiederholt ausgezeichnet. Der tiefgebeugten Familie wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. Auf dem Ielde der Ehre gefallen. Der Sektionsleiter der Ganzschen Elektrizitätsgesellschaft, Arthur Takacs, Kadettfeldwebel im 15. Honv- Jnfanterieregiment, hat ant 30. Januar nach mehrtägigen heldenmütigen Kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplätze den Heldentod gefunden. Er war ein belvußter Jude, der alle jüdischen Bewegungen mit Interesse verfolgte und auch gerne unterstützte. Mandl Aah, der Held. In der großen Komödie des Lebens sah ich heute ein überraschendes farbiges Bild. Vor seinem General stand ein anspruchsloser, nichtssagender Zugsführer. Das glänzende Cafe war überfüllt von Offizieren und Freiwilligen, die erwartungsvoll umherstanden. Der General lobte den Zugsführer, klopfte auf seine Schulter und drückte seine Hand. Ich war aufs höchste gespannt und wollte das Vorspiel dieses merkwürdigen Falles erfahren. Mandl Katz, Kaufmann aus Käsmark, der berühmte Zugsführer, dient in dem in Marmaros-Sziget stationierten 85. gemeinsamen Infanterieregiment. Er ist ein langbärtiger, schwächlicher Mensch, der Typus eines Juden aus der oberungarischen Gegend. Müde und leise berichtet er bescheiden die Geschichte seiner Heldentat. Mit nur 43 Mann mußte er die vom Feinde besetzten Höhen nehmen. Katz kannte die Bedeutung des Befehls und wußte, daß die besagte Höhe in offener Schlacht nicht einzunehmen sei. Katz schleppte sich trotz schwerer Ermattung weiter. aber es galt, vorwärts zu dringen. Bor ihm winkte der Hügel als Zielpunkt, mit keuchender Brust wankte er diesem zu. Sein praktischer wiitit gab es ihm ein, es sei unmöglich, den vom Feinde besetzten Hügel zu erklettern, noch unmöglicher, diesen mit der geringen Anzahl seiner Leute einzuschließen. Wohl wußte er, wo sich der Stab des Feindes befand, dahin ging er mit seinem kleinen Trupp, gerade ins Herz des Feindes, als ob er sich diesem ergeben wollte. Katz erklärte dem Hornisten, wenn er pfeife, dann müßte er Alarmsignale blasen. Katz übersah die Situation, wissend, daß'cs kein Rückwärts mehr gäbe, und müsse er sterben, so sei es zum Heile des Vaterlandes. Im nächtlichen Dunkel gelang es ihm, sich dem Feinde zu nähern, er keilte sich in des Feindes Mitte ein, so daß dieser, ohne es zu gewahren, umschlossen wurde. Die rumänischen Jungen, entsetzt über das Vorhaben ihres Führers, folgten ihm schweißtriefend mit wankenden Schritten. . Katz legte sich platt auf die Schneefläche und sah freudig sein Ziel erreicht. Es galt ihm weder Leben noch Mühe, ihn erfüllte das eine Bewußtsein, daß er nicht umsonst gelebt, daß auch sein Sterben teuer zu stehen kommen sollte. Der kleine, aus rumänischen Soldaten bestehende Trupp, warf sich neben ihm wie totgehetztes Wild hin, doch ihr Adlerblick bemerkte, worum es sich handle, und sie griffen leuchtenden Auges zur Waffe. Die kleine Schar war kaum 200 Schritte vom Feinde entfernt, als auf ein gegebenes Zeichen die Waffen ihre tätlichen Kugeln auf ihn richteten. Es entstand eine furchtbare Verwirrung, ein entsetzliches Schreien. Ein Oberst, ein Hauptmann, ein Leutnant, ein Adjutant und mehrere Unteroffiziere blieben tot am Matze. Ueberdies fielen zwölf russische Soldaten und zehn Mann wurden gefangen. Da aefchah das Unglaubliche, daß, als das aus viertausend Mann bestehende russische Regiment den Tod seiner höheren Offiziere gewahrte, es vor den tapferen dreiundvierzig Mann feige die Tlucht ergriff. Als das Hornsignal verstummte, zählte Mandl K a tz nur zwei Verwundete unter seinen Leuten. Eine Ruhmestat des Katz, des nichtssagenden kleinen Zugsführers! Der General schlug ihn zur Verleihung der aoldenen Tapferkeitsmedaille vor, und wie ich höre, soll K a tz zum Leutnantsrang befördert werden. Noch eine Heldentat wurde von Mandl Katz vollzoaen. In meiner GegerNvart übergab er die ihm vom General cingehändigte Geldsumme mit befriedigtem Lächeln den Zwecken des Roten Kreuzes. Jetzt arbeitet der schwächliche Mensch in der Kanzlei, denn wenige Tage nach seiner heldenhaften Tat wurde er von fünf Kugeln getroffen. Eine solche verletzte seinen Kovf so schwer, daß er vierzig Tage lang der Sprache beraubt war. Nun befindet sich Katz in der Rekonvaleszenz und wünscht, wieder an die Front zurückzukehren, denn er meint, „jetzt werde sich erst schön arbeiten lassen".

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