Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 12 (19.3.1915)
- Date
- 1915-03-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang XXXII Dr. 12 Dr. Bloch’s Zentralorgan kür die gesamten Ilnleressen des Judentums. Wien. 19. März 1915 Lrscbelnr jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie«, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie«. Inhalt: Leitartikel: Zur Frage des zukünftigen Schadenersatzes, in Galizien. — Erlaß der k. k. n.-ö. Statthalterei in Angelegenheit des Militärdienstes der Israel. Religionslkhrer an öffentl. Schulen. — Grausames Martyrium der Juden wegen ihrer treuen Gesinnung zu Österreich und Deutschland. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Für die Kartoffel-Bespeisung und Austeilung an den Pessach-Feiertagen. Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Kriegsauszeichnung des Rittmeisters Baron Rothschild Der Leopoldsorden für den FML. Adolf Kornhaber Ritter von Pilis. Die Söhne des Feldnrarschall-Leutnants Schweitzer. Ter Brief der Obersthvfmeisterin. Oberarzt Dr. Gärtner. Befördert. Prof. Aron Bensdek. Kanonier Kövesdi. Alexander Adler. Belobende Auerkemmng des Erzherzogs. Der gefallene Kantor. Reichsdeutsche jüdische Helden in Budapest. Die Helden von Iglo. Auszeichnung nach dem Tode. Heldentod in Przemysl. Auf dem Felde der Ehre gefallen. Mandel Katz, der Held. Auszeichnungen jüdischer Krieger nnt dem Eisernen Kreuze. Das Eiserne Kreuz für österreichische Krieger. Das Eiserne Kreuz für ungarische Krieger. Österreichischer Orden für einen deutschen Krieger. Sonstige Auszeichnungen. Befördert. Ter Rabbiner als Bürgermeister. Ein Feldpostbrief. Mcmnheimer. — Korrespondenzen: Zuschrift Rosner. Helfet unseren braven Soldaten! »Jodenu lo scfcofchu es badem base«. Aufrufe! Flüchtlingsfürsorge in Ung.-Hradisch, Kunowitz und Altstadt. Pardubitz. Ansspeisung des Fräulein Schlein für Frauenhortkinder. — Vermischtes.—Feuilleton: Die Brauj aus Tarnow. — Lite ratur. —Briefkasten.— Notiz. — Inserate. OG o Do c\ K. k. Postsparkassen« rnt Clearing-Verkebr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien II/i, Praterstraße 9. Telephon 45.859. riP - .. On oo - . - — =0O Vrzugspreis fiir Oesterreich: C Halbjährig 8 Kronen. Einzeleremplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespal- ») tene Petitzeile 48 Heller. OP -On Zur Frage des zukünftige« Schadenersatzes i« Galizien*). ii. Zwei Wochen sind seit dem Erscheinen unseres Artikels über diesen Gegenstand ins Land gegangen, allein schon wieder müssen wir zur Feder greifen, um in dieser hochwichtigen Angelegenheit das bedrohte Interesse vieler Tausender und Abertausender Glaubensgenossen zu betonen. Die Frage, um deren Lösung es sich handelt, ist von eminenter ökonomischer Bedeutung. Nicht unter einem politischen Gesichtswinkel wollen wir sie betrachten. D i e F r a g e derRestiluierung der geflüchteten und tausendfach geschädigten jüdischen Bevölkerung in ihre vorherigen Erwerbsmöglichkeiten undinihrevorherige soziale Stellung darf und muß nur vom rein sachlichen Standpunkte behandelt und einer Lösung zugeführt werden. Wir betonen es nochmals ausdrücklich, daß es uns ferne liegt, für unsere Glaubensgenossen irgend welche besonderen Rechte oder größere Vorteile, etwa mit Rücksicht auf ihre besonderen Leiden und Schäden, erstreiten zu wollen. Einen materiellen Lohn für Vaterlandsliebe und Treue verlangen wir nicht. Was wir wünschen und was wir wollen, was uns am Ende gebührt, das ist die gleiche Wahrung unserer Interessen, das ist die Ueberzeugung, daß wir nicht anders behandelt werden dürfen, als unsere Mitbürger anderer Glaubensbekenntnisse. Wohl wissen wir, daß die entscheidenden und leitenden Stellen im Reiche einer Abweichung von diesem Grundsätze durchaus abhold sind. Allein gerade deswegen, weil wir in unserem Bestreben um die Gleichheit vor dem Gesetze uns des Wohlwollens der entscheidenden Faktoren sicher wissen, sollten wir um so eher auf manche Erscheinungen Hinweisen, welche ins Gebiet des Erwerbes und Besitzes tief einschneiden und geradezu die Lebensfragen sehr vieler oder gar der meisten ungünstig zu beeinflußen geeignet sind. Denn die Entschädigung, ihre Art und ihre Höhe, für die infolge des Krieges erlittenen Schäden — wo es sich doch um viele Millionen handelt — greift weit hinein ins Wohl und Wehe der materiellen *) Vgl. Oesterr. Wochenschrift Nr. 9 d. I. und sozialen Lage der Bewohner Galiziens. Es müssen darum Garantien, ausreichende Bürgschaften vorhanden sein für die Gerechtigkeit, und Unparteilichkeit bei der Beurteilung des Tatbestandes. Unserer tiefinnerern Ueberzeugung nach besitzt diese Eigenschaften nur der Staat, welcher vermöge seiner gleichen Sorge um das Wohl aller seiner Stämme und Bekenntnisse wohl am ehesten im stände wäre, dem Verdachte einer einseitigen, parteimäßigen Handlungsweise, sowie der Verlockung zu derselben, erfolgreichen Widerstand zu leisten. Auch sonst ist der Staat, und zwar einzig und allein der Staat befugt, die ungeheuren Mittel, welche er auswirft, auch im einzelnen nach eigenem Ermessen und nach gleichem Maße flüssig zu machen. Eine Beeinflussung hingegen durch notorisch konfessionell einseitige Körperschaften oder gar eine teilweise Erledigung durch dieselben droht gewiß dieses von den Zentralstellen erstrebte Gleichgewicht zwischen Schaden und Ersatz zu gefährden. Nun sind die groß- und kleinagrarischen Verbände (Kölka rolnieze und Kola ziemian) wegen ihres ausgesprochen konfessionellen Charakters — aus beiden sind Andersgläubige statutenmäßig ausgeschlossen — gewiß nicht dazu berufen, in wirtschaftlichen Angelegenheiten der Juden zu entscheiden. Merkwürdigerweise hat der Vorsitzende der katholischen großagrarischen Verbände (Kola ziemian), Fürst Czartoryski Witold, in seinem ausführlichen, an die Regierung gerichteten Memorandum (vollständig abgedruckt in der Wochenschrift „Polen" Nr. 19 vom 5. März 1915, Seite 255), in seiner für die Abschätzung der erlittenen Schäden, sowie in den für die Bemessung der erforderlichen Vorschüsse vorgeschlagenen Kommissionen, den Vertretern beider obgenannten konfessionell einseitigen Verbände einen breiten Platz gesichert. Der Vorschlag für die Schätzungskommission für die erlittenen Schäden („Polen", Nr. 10, Seite 262), unterzeichnet vom „Präsidenten" Fürsten W. Czartoryski, lautet folgendermaßen : .... Zur Durchführung dieser Aktion im Lande und zur Aufteilung der entfallenden Quoten sowohl in Geld als auch in natura sind zu bestimmen: 1. Eine Oberste L a n d e s k o m m i s s i o n mit dem Sitze in Krakau.