Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 11 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 208 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 11 Lundenburger WolMtigkeitsakademie. Wie in anderen Städten unserer so schwer geprüften Monarchie, die vom eigentlichen Kriege noch verschont geblieben sind, edle Herzen zusammentraten, um den von Haus, Hof und Herd vertriebenen Flüchtlingen aus Galizien und der Bukowina wenigstens mit etwas beizustehen und ihr trauriges Los zu lindern, so fanden sich auch in Lundenburg edle und hochherzige Männer und Frauen, und veranstaltete« am 27. v. M. im Hotel „Krone" zugunsten der armen Vertriebenen eine Wohltätigkeitsakademie. Dieselbe nahm nicht nur einen wahrhaft erhebenden und sehr würdigen Verlauf, sondern erfüllte auch ihren Zweck, den unschuldig Verbannten zu den diesjährigen Ostern mit etwas beistehen zu können, vollauf. Alle Arrangeure und Mitwirkende wetteiferten ja auch im wahren Sinne des Wortes, um ihr Bestes in den Dienst der guten Sache zu stellen. An der Spitze des rührigen Komitees standen Frau Dr. Regine Bauer, Präsidentin des isr. Frauenhilfsvereines, Kultusvorstand Herr Josef Holländer, Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Schwenger und Ingenieur der k. k. Nordbahn Herr Mar Schwoner, die im Vereine mit den wackeren Mitwirkenden ihr Bestmöglichstes taten, um den erstrebten Zweck zu erreichen. Als Mitwirkende erschienen Frau Mathilde Künstler, die in unermüdlicher Weise alle Vortragsstücke in vollendeter Technik auf dem Klaviere begleitete, Fräulein Jenny Fried, die beiden Herren Kantoren Herr Oberkantor Goldenberg und Herr Unterkantor Hellmann, Herr Julius Goldreich, der Tempelchor unter der Leitung seines Dirigenten Herrn Robert Reich und sonstige Freunde von Musik und Gesang. Rach einer herzlichen die Festgäste und einer dem Zweck des Abends betonenden Ansprache des Herrn Josef Holländer, sang der Tempelchor den 150. Psalm von L. Levandovsky, worauf Fräulein Jenny Fried einen tiefempfundenen, den Abend anweihenden Prolog sprach. Es folgten nun wahrhaft künstlerische und herrliche Piecen und erfreute uns Herr Oberkantor Goldenberg durch den Vortrag von C. E. Reisinger, Op. 206, TVImmarieua, und Karl Löwes Ballade „Das Erkennen", Lieder für Bariton, Herr Kantor A. Hellmann Ferd. Humberts „Mein Kind", Lied für Tenor, Herr Julius Goldreich durch die Wiedergabe der „Faust-Phantasie" von Sarasatc und „Tarantella" von Popper, die er auf seiner Meistergeige herrlich erklingen ließ. Das dilettantierende Männerquartett, das fein abgetonte Lieder von L. S. Engelsberg, .E M. Weber und Hugo Jüngst brachte, und endlich der Tempelchor, der außer dem 150. Psalm und das von S. Sulzer in meisterhafter Weife vortrug. Den Kernpunkt des Abends bildeten die trefflichen und gehaltvollen Ausführungen Sr. Ehrwürden des Rabbiners Herrn Dr. Heinrich Schwenger in seinem Vorträge: „Dkd Lage der Juden im Weltkriege." Ausgehend von den Ursachen, die den dermaligen Weltbund entfesselten, besprach der Vortragende die Lage der Juden in den einzelnen Ländern, speziell der in Rußland, und kam zu.dem Schlüsse, daß die Judenfrage als Problem aller Zeiten hochaktuell geworden sei und daß nicht weniger als 12 Millionen Juden aller Länder den Sieg der österreichisch-ungarischen und deutschen Waffen als Sieg der Kultur über Roheit, als Sieg des Geistes über brutale Unwissenheit, als Sieg der Freiheit über Knechtschaft und Despotie aus vollstem Herzen herbeisehnen. Reicher, nichtendenwollender Beifall lohnte den Redner für seine lehrreichen und spannenden Ausführungen. Den Schluß des Abends bildete die Volkshymne und Heil dir im Siegerkranz, die von allen Anwesenden begeistert und aus vollstem Herzen gesungen wurden. Es erübrigt uns nur noch allen, die um das Gelingen der Akademie sich so herzlich bemühten, im Namen der armen Flüchtlinge, im Namen der Barmherzigkeit und der Menschlichkeit den besten und tiefgefühltesten Dank hiemit öffentlich auszusprechen. S. F. Zinz. (Bischof Hittmayer.) Am 7. März l. I. starb daselbst der in allen Kreisen der Bevölkerung wegen seines äußerst konzilianten Wesens und seiner großen Leutseligkeit beliebte Bischof Herr Dr. Rudolf H i t t m a y e r. Auch die israelitische Bevölkerung betrauert das Hinscheiden dieses edelhcrzigen Kirchenfürsten, der sich von jedem politischen Getriebe fernhielt und -stets darauf bedacht war, den Frieden unter den Konfessionen seiner Diözese auftecht zu erhalten. Seiner Intervention ist cs auch zu verdanken, daß die israelitische Kultusgemeinde bei Erweiterung des israelitischen Friedhofes ein größeres Grundstück erwerben konnte. Auch Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Friedmann in Linz stand mit diesem edlen Menschensteunde in steundschaftlichem Verkehre. Bei der schweren Erkrankung dieses hochwürdigen Bischofes wurden nicht nur in allen Kirchen sondern auch in unserem Gotteshause Gebete für dessen Wiedergenesung verrichtet. Ehre seinem Andenken! Mißlitz. Samstag, den 27. Februar, starb hier die Gattin unseres Rabbiners Dr. Bela Diamant, Frau Ella Diamant geb. Bergental, in ihrem 26. Lebensjahr. Das Leichenbegängnis fand hier am Montag, den 1. März, unter Beteiligung der Vorstände des ist. Frauenvereines, des Eemeinderates und des Kultusausschusses, sowie fast sämtlicher jüdischer und nichtjüdischer Ortsinsaßen statt. Mit dem Hinscheiden der jungen Frau wurde ein Eheglück, das nur 11/i Jahr gedauert und welches die Liebe verbunden, rauh zerstört. Trotz des nur kurzen Weilens der Verblichenen in unserer Mitte, war sie allseits beliebt und verehrt. Sie hat sich diese Verehrung durch ihre vorzüglichen Charaktereigenschaften und Tugenden, sowie durch ihr bescheidenes Wesen erworben, und jung und alt betrauert mit unserem Herrn Rabbiner den schweren herben Verlust, Von der israelitischen Kultusgemeinde in Czernowitz. ""Zur Leitung der israelitischen Kultusgemeinde in Czernowitz wurde ein provisorischer Kultusvorstaud eingesetzt, zu dessen Vorsitzenden der Landtagsabgeordnete 'Oberinspektor v Dr. Neumann-Wender berufen wurde. Nikolsburg. Ueber Anregung des Bürgermeisters juitö Obmannes des Ortsschulrates Herrn .Franz Deutsch wurden in der Schule unserer Stadtgemeinde Nikolsburg II für die im Felde stehenden Krieger ein größeres Quantum Wolle zu Kniewärmern, Wadenstutzen, Schneehauben re. verstrickt und nach Fertigstellung dem Kriegsfürsorgeamte zugeschickt. — Dieser Tage langte mit hohem Erlasse des löbl. k. k. Kriegsministeriums vom 4. März l. I. ein Schreiben an das Bürgermeisteramt ein, in welchem „für die hochpatriotische Aktion" der wärmste Dank ausgedrückt wird. Wer weiß? Prof. Dr. Neuumrk in Cincinnati, O. U. S. A., 2854 Winstow Ave W. Hö, sucht seine Mutter Schiifra Neumark (Rozdol), die sich, einer Nachricht aus Berlin zufolge, Ende September in Skole befand; seine Schwestern: Drezi Sauerberg, mit zwei Kindern, deren Mann, Abraham, am 11. August zum Militär eingerückt ist; Chane Labrit und Sohn, Witwe. Beide Schwestern wohnten in Rozdol und waren wohl bis Ende September mit der Mutter zusammen in Skole, wo sie bei Herrn Moses Seif, wohnten; seinen Bruder: Meschulem Neumark mit Frau und fünf Kindern aus/Zborow, sowie dessen Schwiegereltern Zolles aus Lemberg. Ephraim Geringer und sein verheirateter Sohn Dr. Rubin Geringer, Marcus Jsaac Ostermann aus Tyzmienitz, Nachum und Taube NeuwirH aus Bolechow, Bruche Schwarz aus Brohodczani werden gesucht von der Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift". Juda Schindler aus Starzawa bei Chirow wird gesucht Non der Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift". Frau Mina Jacob geb. Owider, in Franffurt a. M., Elkenbachstraße 31, 1. Stock, sucht ihren Sohn Beruh. Owider recte Jacob, Infanterist beim Landwehr-Infanterieregiment 32, 2. Marschbataillon, 2. Kompagnie, Feldpost 52, von dem sie seit der Mobilisierung keine Nachricht hat. Kampel Baruch, im städtischen Spital in Znaim, sucht seine Frau Chane und seinen Schwiegervater Schwimmer Selig. Braun Samuel aus Krakau-Antwerph teilt seinen Bekannten und Verwandten mit, daß er von der Prager Polizei zwangsweise evakuiert wurde. Er befindet sich nicht in Nikolsburg, sondern im Brünner Landeskrankenhaus.