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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-05 · 10 (5.3.1915) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
10 (5.3.1915)
Date
1915-03-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Rr. 10 Dr. Bloch's Wochenschrift Tette 189 Hott; sodann kam Aron und Moses wiederholte ihm das vernommene Gesetz; hierauf setzte sich Aron zu Seiten .seines Bruders und es kamen die Söhne Arons an die Reihe, denen Moses wieder das Gesetz lehrte; diese setzten sich dann zu beiden Seiten von Moses und Aron. Nun erschienen die Aeltesten und horchten aus das Gesetz, von Moses vorgetragen, um sich dann neben den anderen zu postieren; schließlich kam dann das ganze Volk an die Reihe, dem das Gesetz 'verkündet wurde; so kam es, daß Moses jedes Gesetz viermal vorzutragen Gelegenheit hatte, und der ganze Vorgang wiederholte sich dann in umgekehrter Reihenfolge, so daß es alle Beteiligten viermal zu hören und viermal vorzutragen Gelegenheit hatten. (Er. 54, 9.) Das ist eine außerordentliche Erscheinung des Judentums, daß nicht nur die Bibel, sondern alle unsere Religionsbücher unter Kämpfen und Kriegen von äußeren Feindseligkeiten entstanden sind. Es war so mit dem Talmud, ein Produkt der gefahrvollen kriegerischen Zeiten von Babylon und Rom; mit dem Schulchan Aruch, dem traditionellen Abschluß, welcher seine Vollendung m den kriegerischen, mittelalterlichen Zeiten erhalten hat. Während draußen an den Ghettomauern wilde Horden ihr kriegerisches Unwesen trieben und gar oft in die schwachen Tore derselben eindrangen, während ringsum der Waffenlärm erdröhnte, spielte sich in den kleinen Räumen der Studierstuben jüdischer Gelehrten ein Geisteskamps ab, der wie eine fremde Welt sich abhob von den blutigen Szenen barbarischer Tragödien. Solche Geisteskämpfe, die im Innern der Judenheit wie in einem Turnier von Rede und Widerrede aufgeführt wurden, zeichneten sich besonders in ihrer Eigenart aus; es sind nicht solche der Rechthaberei, der Zanksucht, sondern sie verfolgen höhere Ziele, erhabene Avecke; die Klärung religiöser Ideen, die Erkenntnisse religiöser Anschauungsweise, das Bestreben, die Wahrheit zu finden, im Sinne der wahren Religion leben und wirken zu können. Es waren Geisteskämpfe, die der Gelehrte R. Chia bar Abba so schön schildert: Selbst Vater und Sohn, Lehrer und Schüler, die mit der Thora sich beschäftigen, können feindlich gegeneinander auftreten; in dem Streite der Meinungen, der Debatte, des sogenannten „Pilpul", hält jeder fest an seine Anschauungen und verteidigt sie mit allen Waffen des Geistes, kämpft und streitet für dieselben; sie verlassen jedoch einander nicht, bis sie sich wieder freundschaftlich geeinigt haben über ihre Meinungsverschiedenheit. Denn so heißt es lu ser Bibel, bei der Schilderung des Buches der Kriege Gottes: „Wahew in Susa", dies bedeutet in hebräischer Uebertragung: Liebe bildet ihren Schluß; oder wie der große Kommentator es erklärt, der Kampf, der wegen des Buches entsteht, der Streit der Meinungen auf dem Gebiete des Geistes, bringt als Erfolg die Liebe zueinander. Solche Geistestourniere hat es in Israel viele gegeben, sie haben aber immer wieder zur Liebe gefügt, zur Liebe der Wahrheit, zur Liebe für Gott, zur Liebe wahrhafter, unverfälschter Religion. Von der Ausmerzung des Heidenkultus durch Esra und Nehemias bis zu den hitzigen Parteistreitigkeiten der Pharisäer und Saduzäer; von der Zeit der Minim?bis zur vollständigen Loslösung von ihrer Mutterreligion; von den Karäern bis zu den Rabbaniten der Geonimperiode; von Maimonides, dem Rationalisten, bis zu den Kabbalisten und den ihnen nachfolgenden Chassidäern; von den Freunden der Tradition, Poskim; der Forscher, Mechakrim; der Aufgeklärten, Maskilim, bis in die Gegenwart Mit ihren verschiedenen Licht- und Schattenbildern, die alle aus dem Schoße des Judentumes hervorgegangen sind; Vater und Sohn, Meister und Jünger, Lehrer und Schüler standen da als Kämpfer einander gegenüber; jedoch die Geschichte hat e3‘ gezeigt, im Laufe der Zeit trat die richtige Klärung ein, 'und aus den Kämpfen reisten die herrlichsten Früchte himmlischer Friedensarbeit. In den schwersten Zeiten der Kämpfe, die von außen Israel umtobten, hat die Friedensarbeit des Geistes in der Judenheit nicht geruht, nicht ausgesetzt. Prachtvoll klingt es, wenn hierüber Don I s a k A b a r b a n e l, der frühere Finanzminister in Spanien, unter dem herzlosen Königspaare, welches im Jahre 1492 alle Juden aus dem Lande vertrieb, seinem Freunde R. Saul As chk enafi das Bekenntnis ablegt, er habe dreizehn Bücher verfaßt, '„aber alle dreizehn Werke habe er in der Zeit seiner Verbannung geschrieben, nicht aber in der Zeit seines Glückes, als er am königlichen Hofe weilte!" Nicht minder interessant äußert sich R. Abraham Saba, der Verfasser des „Zeror hamor", einer agadischen Pharaphrase zur Bibel. „Es sind nun fünfzehnhundert Jahre, daß Israel hin- und herwandert — er schrieb dies nach seiner Auswanderung aus Spanien — jedoch immer haben sich in den Wanderungen die Tage Israels verjüngt." Dies schrieb er, nachdem ihn: zwei Söhne entrissen worden waren, nachdem er selbst nach schwerer Krankheit von Spanien nach Fez gekommen war und dort, in der Erde vergraben, seine Bücher, die er verfaßte, zurücklassen, mußte mnd erst acht Jahre später diese in der Verbannung aus seinem Gedächtnisse wieder niedergeschrieben hatte. Welche Widerstandsfähigkeit des Geistes, gegen unsagbare Widerwärtigkeiten des Lebens offenbaren sich uns da! Es ist F r i e d e n s a r b e i t, geleistet i m Kriege, im schwersten Kampfe des Daseins. Sie wiederholt sich vor.unseren Augen in diesem Weltkriege. Die lebendigen Zeugen hiefür sind uns die galizischen Flüchtlinge, die von, ihrem heimatlichen Boden entwurzelt, jetzt erst recht „Luftmenschen" geworden sind, denn ihre ganze Existenz, ihre ganze Hoffnung, ihre ganze Zukunft hängt in der Lust und man sehe, wie sie und wo sie in den Gemeinden zu finden sind, in denen sie Unterkunft erlangt haben - sie sind glück- . lich, wenn sie in solchen Gemeinden ihr Obdach aufschlagen können, in denen jüdisches Leben Pulsiert, in denen Schul- und Lehrhäuser vorhanden sind. Umringt vorn Waffenlärm der Zeit, verschließen sie ihr Ohr, sitzen gebeugt über die Folianten, lernen aus den bestaubten Büchern der Vorzeit, grübeln über Probleme der Religionsgefetze, begrüßen in ihren altertümlichen Kaftankleidern die Prinzessin Sabbat, singen sich ihre heimischen Melodien und fühlen sich hiebei überglücklich in ihrem unsagbaren Unglücke, das nicht auszudenken, nicht zu fassen ist; wie in einer anderen, uns fremden Welt, leben sie ein anderes Leben, und verrichten — wie unsere Altvordern im Galuth — Friedensarbeit in den Zeiten des Krieges! giitwter. Wiener Almanach Herausgeber Jacques Jäger. XXIV. Jahrgang. 1915. Wien und Leipzig. Moritz Perl es. Seinen Vorgängern würdig sich anreihend, bringt auch dieser Band des Fesselnden die Fülle. Inhalt und Illustration wetteifern um die Gunst des Lesers. Unter den Mitarbeitern steht obenan Erzherzog Ludwig Salvator mit einem tief dichterisch empfundenen Aufsatz über die „Lieder der Bäume". Fällt einem schon bei dem Titel das „Flüstern der Dattelpalmen" (Talmud Sukka 28: ein, so steigt die Ueberraschung noch, wenn man an erster Stelle gerade die Dattelpalme behandelt findet, die „die süßesten Melodien flüstert." Sehr gelungen ist Seite 161 der nachempfundene Dialog zwischen Rothschild und Saphir, für die Leser' dieses Blattes noch besonders beachtenswert Sette 47 das Bild: „Der Rabbi" von Danhauser

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