Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 10 (5.3.1915)
- Date
- 1915-03-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 10 Seite 183 Bücherspenden für die Juden unter den russ. Gefangenen. Von St. und S. Grill, Wien, Kr. 30.—. Dr. Gru n w a l d, II., Ferdinandsstraße 23. Wien. (Spende.) Für den Verein „Tomech Ewjonirn" sind uns von Ernestine Tauber, Wien, 7. Bezirk, Kr. 4.— zugegangen. Aufruf! Namenloses Unglück hat der Feind über einen großen Teil der galizischen Bevölkerung gebracht. Ein großer Teil der Bevölkerung, ohne Unterschied der Nation und der Konfession, sah sich gezwungen, vor dem unmenschlichen Feind zu flüchten. Die unglücklichen Flüchtlinge suchten Zuflucht auch in der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Die hohe k. k. Regierung und die Stadt Wien haben den Flüchtlingen Hilfe gegen die ärgste Not geboten. An der Hilfeleistung beteiligt sich auch die Wiener Bevölkerung in werktätigster Weise, und der Ruf von den Wiener goldenen Herzen hat sich jetzt in vollstem Sinne des biblischen „Liebe den Fremden" glänzend bewährt. Wollen wir die unglücklichen Flüchtlinge wirklich vor materieller Not schützen, so müssen wir auch auf die religiösen Bedenken derselben Rücksicht nehmen. Es gibt unter den jüdischen Flüchtlingen aus Galizien und der Bukowina eine große Anzahl Strenggläubiger, welche in bezug auf Speisen strengste religiöse Observanz beobachten. Diese Frommen ziehen es vor, eher zu hungern, als Speisen zu genießen, deren Zubereitung nicht vollständig den in ihrer Heimat üblichen religiösen Gebräuchen entspricht. Der in Wien bestehende jüdische orchodoxe Verein „Machsike hadath" ist seit einer Reihe von Jahren bemüht, dieser religiösen Anschauung der aus dem Osten nach Wien kommenden Juden Rechnung zu tragen, und dieser Verein speiste bisher jeden Samstag und jeden jüdischen Feiertag an 100 Personen in seinen Räumen unentgeltlich aus. Dank der energischen Unterstützung des Damenkomitees unseres Vereines, welches seine Dienste auf diesem Humanitären Gebiete zur Verfügung stellte, wie nicht minder einzelner edler Gönner ist es uns gelungen, im Vereinshause „Machsike hadath" außer der täglichen Ausspeisung der Talmud-Thora-Kinder jeden Freitag abend und Samstag vormittag zirka 500 Personen unentgeltlich eine reichliche Mahlzeit zu verabreichen. Es naht jetzt das P e s s a ch f e st heran und daraus erwachsen weitere schwere Pflichten für den Verein „Machsike hadath". Es sind große Opfer erforderlich, um die unglücklichen Flüchtlinge mit ritueller Kost während des Pessachfestes zu versehen, und der Verein „Machsike hadach" ist auf die werktätigste Hilfe edelgesinnter Wohltäter angewiesen. Das Unterzeichnete Komitee erachtete es als eine heilige Pflicht, sich mit dem Vorstand des genannten Vereines ins Einvernehmen zu setzen, um diesem Mittel und Wege zu schaffen, seine Tätigkeit (im Sinne der Vereinsstatuten) erweitern zu können. Um diese; Wohltätigkeitsaktion fortsetzen zu können und eventuell zu erweitern, wendet sich das Unterzeichnete Komitee an edelfühlende Herzen mit der Bitte, Spenden in Barem und Naturalien, die in den Blättern ausgewiesen werden, an den Kassier des Vereines Herrn Simon Sternb erg. 2- Bezirk, Rembrandtstraße 39, oder an den Obmann des Vereines Herrn Jakob März, 1. Bezirk, Augustengasse 1, gütigst überweisen zu wollen. Rabbiner M. M a y e r s o h n Vorsitzender des Komitees. Jsak Friedmann, Großrabbiner, Bojan. Israel Friedmann Großrabbiner, Czortkow. Abraham I. Friedinann. Großrabbiuer, Sadagora. S. Dawid Unger, Großrabbiner Zabno. Usch er, Hör o Witz, Großrabbiner, Krakau. Jsak I. Tu mim, Bankier, Przcmysl. Chaim Mayersohn, Großgrundbesitzer, Stryj. Dr. Rappaport, Schriftsteller und Großgrundbesitzer, Stryj. Dr. Josef Zipser, Hof- und Gerichtsadvokat, Wien. Jakob März, Obmann des Vereines, Wien. Jsak W e i ß m a n n, Privatier. I. Nelken, Schriftführer. Moses B a b a d, Rabbiner, Lemberg. Josef Engel, Rabbiner, Krakau. Mayer Aral, Rabbiner, Buczacz. M. Weidenfeld, Rabbiner, Dombrowa. N u ch e m Gelles. Rabbiner, Slotwina. Pinkas Horowitz, Rabbiner, Bohorodczany. Dr. Baruch Margulies. Rabbiner, Drohobycz. Josef S ch ö n b l u m, Bankier. Lemberg. Jakob D i s ch e, Kultusvorsteher, Lemberg. Adolf Hecht, Bankier, Wien. Dr. S. R. Landau, Hof- und Gerichtsadvokar, Wien. Hermann Sporer, Klassenlotterie-Koll. Tempetverein im 9. Bezirk. Montag, den 22. Februar, 7 Uhr abends, fand im Zeremoniensaale des Tempels, 9. 'Bezirk, Müllnergasse 21, die Generalversammlung des Bethausvereines „Chewra- Beth-Hatesiläh" im 9. Bezirke statt. Der Vorsitzende Obmannstellvertreter Dr. Markus Schnepp begrüßte die erschienenen Gäste, insbesondere den Delegierten des Kultusvorftandes Dr. Heinrich Schreiber, den Vertreter des. Tempelvereines im 13. Bezirke, kais. Nat Salomon Beer, die Vertreter der Presse, Dr. Bloch und Dr. Läw y, und widmete dann, während die Versammlung sich von den Sitzen erhob, Worte pietätvollen Gedenkens dem im abgelaufenen Jahre Heimgegangenen, durch sein verdienstvolles Wirken nnvergeßLichen Obmann Herrn Gottlieb Bettelhei nt Nach Verlesung des Protokolles der letzten Generalversammlung, die sich zum größten Teile mit der Regelung der Rabbinerfrage im Bezirke beschäftigte, wurde der Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr erstattet, dem wir folgendes entnehmen: Nicht lange nach unserer letzten, am 22. Juni abgehallenen Generalversammlung, nach welcher wir einen neuen Aufschwung unseres Vereines erwarteten, brach der furchtbare ftrieg aus, der von böswilligen, von Neid und Haß erfüllten Feinden nuferem teuern Vaterlande aufgezwungen wurde. Uebte schon naturgemäß dieser unheilvolle Krieg auf unser Vereinsleben, sowie auf alle Kreise der Bevölkerung seine nachteilige Wirkung aus, so traf unfern Verein, durch das am 6. August v.' I., unverhofft eingetretene. Ableben unseres oielverdienten, unvergeßlichen Obmannes G. Bettelheim noch ein herber Schlag, den. derselbe nur schwer zu überwinden vermögen wird. Die zur Zeit der hohen Feiertags für die Erhaltung unserer Kultuseinrichtungen alljährlich gemachten Spenden blieben zwar von jenen des Vorjahres nicht zurück, dafür aber hatten wir einen bedeutenden Ausfall bei den Mitgliedsbeiträgen, welche von Kr. 3361.— auf Kr. 2793.— zurückgegangen find. Noch empfindlicher ist der Minderertrag der Trauungslaren, die von Kr. 10.200.— auf Kr. 8490.— gesunken sind, somit ein Fehlbetrag gegen das Vorjahr von Kr. 1710.— sich ergibt. Aus Stiftungen haben wir im abgeschlossenen Jahre überhaupt keine Einnahme zu verzeichnen, was ebenfalls einem Minus der Einnahme von Kr. 1000.— gleichkommt. Dagegen ist unser Budget infolge der friedlichen Erledigung der Rabbiner- und Kantorfrage, trotz der munifizenten Unterstützung des löbl. Kultusvorstandes enorm belastet worden, indem wir für die genannten Funktionäre einen Pensionsbetrag von Kr. 9340.—, und zwar für den Rabbiner Herrn Dr. Gelbhaus Kr. 5500.— und-für den Oberkantor Herrn Kläger Kr. 3840.— als jährliche Pension auszuzahlen habey. Trotz dieser großen Belastung und des Rückganges aus den Mitgliedsbeiträgen und Trauungstaren, war Ihr Vorstand bemüht, über die sich häufenden .Schwierigkeiten hinwegzukommen-, und sowohl die dringend notwendig gewordene Renovierung des Gotteshauses vorzunehmen, als auch die erledigte Stelle eines Vereinsrabbiners mit einem tüchtigen, hochachtbaren! und strebsamen Absolventen des Wiener Seminars zu besetzen, damit den Gläubigen das Wort Gottes wieder verkündet werde. Mit den Leistungen des im vorigen Jahre bestellten Kantors, waren sowohl die unseren Tempel besuchenden Vereinsmitglieder,