Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 10 (5.3.1915)
- Date
- 1915-03-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 10 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 179 Herstelle a. d. Weser. Ossiziersstellvertreter Ernst Kohlberg, bereits mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Köln. Richard Berg. M.-Gladbach. Mzeseldwebel Richard Kaufmann im Landwehr-Infanterieregiment Nr. 29. * 4- Zum Qffizicr-Stellvcrtreter: Berlin. Dr. Sally Hirsch, Rechtsanwalt, R. d. E. K. * * * Zum Bizefcldwcbcl: Breslau. Georg Blumenfeld, Unteroffizier im 10. Rekrutendepot in Reichenbach in Schlesien. Jekdpostkrief eines Aaters an die Seinen. «Offizierstellvertreter Blumenthal, Posen, im 46. Infanterieregiment.) B. . . . (Westl. Kampfplatz), den 18. 1. 15. Meine liebe Frau, liebe Kinder! Kurz vor dem Abmarsch aus der Stellung ins Quartier empfange ich mit großer Freude Eure langerwartete Nachricht. Freue mich insbesondere, daß Ihr meine plötzl'che Abreise zur Truppe gefaßt ausgenommen habt und daß es Euch gut geht. Wenn man hier draußen vor denn Feinde ist, soll tnan sich freuen, Mitwirken zu können, den Feind vom eigenen Lande zurückzuhalten. Es ist gar zu schrecklich und freue ich mich heute, daß der Krieg nicht in unserem lieben Vaterlande tobt, Städte und Dörfer, Felder und Wälder sind, verwüstet und die armen Einwohner irren obdachlos umher. Sorgt deshalb nicht um mich, sondern freut Euch, daß Euer Mann und Vater mitwirkt, das Vaterland vor dem Einbruch feindl'cher Scharen zu bewahren. Ganz besonders stolz dürft Ihr auf meine kurze Tätigkeit im Felde sein, denn ich bin am 16. Januar zum Eisernen Kreuz eingereicht für Tapferkeit. Der Vorfall trug sich folgendermaßen zu: Am 16. morgens machten die Franzosen einen überraschenden Angriff auf unsere Stellung und nahmen uns zwei Unteroffizierposten weg. Einer dieser Posten war von meinem Zuge besetzt. Ich machte kurzerhand mit gegen 10 Mann einen Gegenangriff gegen den schon verschanzten Feind und habe denselben dabei vollständ'g aufgerieben. Acht Tote, elf Verwundete und sechs unverwundete Gefangene fielen dabei in meine Hände, während ich nur zwei Tote und einen Verwundeten hatte. Der kommandierende General hat sich mir gegenüber sehr lobend ausgesprochen und hat diese Tat als Beispiel für das ganze Korps hingestellt. Freue mich außerordentlich auf das Eiserne Kreuz, welches ich wohl zu Kaisers-Geburtstag bekommen werde. Seid mir alle, meine Lieben, recht viele Male gegrüßt und geküßt von Eurem Euch stets liebhabenden Vater. Kine jüdische Mititäriirztin. Fräulein Dr. med. Käthe Neumark ist als Militärärztin im Reservelazarett Technikum Bingen tätig. Sie trägt natürlich keinerlei Uniform, noch hat sie Offiziersrang. Drei Kanpiteule am Krake der Mutter. Obwohl in Bayern jederzeit jüdische Einjährige auch schon im Frieden zu Reserveoffizieren qualifiziert und befördert wurden, wurde es doch allgemein bemerkt, daß bei der vor kurzem erfolgten Beerdigung der Kaufmannsgattin Johanna L ö w e n s o h n in Fürth die drei Söhne als Hauptleute in Uniform an der Bahre der Mutter standen. Bei dem großen Ansehen, das die Herren Löwensohn als Kaufleute und als Landwehrosfiziere genießen, war es nicht zu verwundern, daß sich auch zahlreiche andere Offiziere unter der Trauerbegleitung auf dem israelitischen Friedhofe einfanden. Verzeichnis der in der Zeit vom 15. bis 28. Februar 1915 auf dem Wiener Zentralsriedhof (isr. Abteilung) bestatteten Offiziere und Mannschaften. Beerdigt 16. Februar Avrabanr Waldmann. Landsturm-Infanterist. „ 17. Februar Dr. Alfred Jungmann, Oberarzt. „ lw. Februar Heinrrch Löwenstein, Rei.-Ge r. des 83 Jnf.Reg. „ 22. Februar Paul Frankl. Einj.-Freiw. Kanonier der Landw. Feld'aand.-Dwision 13. 25. Februar Jakob Rechen, k. k. Milit.-Med.-Akzessist. „ 26. Februar Richard Weiß. Jnfant. des Jns.-Reg. Rr. 49. 11. Ersatz-Kompanie. Kelrachtungerr eines Patrioten. Das publizistische Organ des Kriegs- und Landcsverteidiguugsminiftrriums veröffentlichte in den beiden Personal- Verordnungsblättern der verflossenen Woche eine große Anzahl von Kriegsdekorationcn für Off ziere und Soldaten. Unter diesen befinden sich 36 Offiziere und Fähnriche, sowie 62 Soldaten jüdischen Glaubens, worunter 6 das Militärverdienstkreuz 3. Kl., 1 das Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens, v das Minium lauclis, 2 das goldene und 6 das silberne Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille, ferner 24 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Klaffe, 49 die silberne Tapferkeitsmedaille 2 Kl., und 1 die Belobung des Armee-Oberkommandos erhielten. Es sei bemerkt, daß hier nur jene Offiziere und Soldaten berücksichtigt wurden, deren Zugehörigkeit zum Judentum zweifellos feststeht, wobei. noch manche hinzukommen dürsten, von denen wir nicht wissen, daß sie Juden sind. Wer die Verordnungsblätter seit Kriegsbeginn durchsieht, konnte sich leicht überzeugen, daß auch frühere Wochen in puncto Auszeichnungen jüdischer Krieger ähnliche Ziffern auswicsen. Uns Juden erfüllt es gegenüber den so häufigen Anwürsen und Verdächtigungen unserer alles eher als von Gerechtigkeitsgefühl geleiteten Gegner mit lebhafter Befriedigung, daß die Söhne unseres Volkes nicht nur treu ihre Pflicht gegenüber dem Vaterlande erfüllen, sondern auch darüber hinaus, . den äußeren und inneren Feinden zum Trotz, alltäglich Beweise ihres heldenmütigen Verhaltens liefern. In derselben Woche, da diesen braven Kriegern die ihnen vom allerhöchsten Kriegsherrn verliehenen Auszeichnungen an die Brust geheftet wurden, zur selben Stunde vielleicht, da nnzählige jüdische Krieger auf blutiger Wahlstatt ihr Leben aushauchten, publizierte eine andere Zentralstelle unserer Staawve waltung eine Berordnun i, auf Grund deren die Bezirkshauptmannfchaft in Baden den dort ansüßigen 40 jüdischen Flüchtlingsfamilien ein Schriftstück zugehen ließ, das ein eigentümliches Pendant zu obigen Auszeichnungen bildet. Es fei hier im Wortlaute wiedergegeben. Die Ihnen mit h. a. Dekrete Zl. . . . zuerkannte Unterstützung für Sie und Ihre Familie wird mit 27. Februar 1915 eingestellt. Sie werden aufgefordcrt, sich am 25. II. 1915, um 1/Al Uhr vormittags bei der k. k. Bezirkshauptmannfchaft Baden zu melden, worauf Ihr Abtransport in ein Konzentrations- . lager, welchem Sie Ihrer Nationalität und Konfession nach zugewiesen sind, von der k. k. Bezirkshauptmannfchaft veranlaßt werden. Für den k. k. Bezirkshauptmann. Unterschrift). Wer die schrecklichen Umstände kennt, unter denen diese Unglücklichen, von denen die meisten früher wohlsituierte, reichlich besteuerte Bürger waren, unter Hinterlassung ihres ganzen Hab und Gutes geflüchtet sind, um nur das nackte Leben und die