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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-05 · 10 (5.3.1915) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
10 (5.3.1915)
Date
1915-03-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 10 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 177 Hauptkommando oder in die Schwarmlinie die Befehle beförderten. In der benachbarten Scheune placierten sich die Husaren mit ihren Pferden wie auch die Regimentsadjutanten, die die Instruktionen, Gefechts- und Situationsberichte hin- und herübermittelten. Im Zimmer läutete fortwährend das Feldtelephon, draußen wogte die mörderische Schlacht, seelentöterwer Donner von Granaten, Schrapnells, Geknatter von Maschinengewehren. Fast alle Häuser wurden in der Nähe weggesegt, das Dorf Lassy, etwa tausend Schritte weit, stano in Flammen, fortwährend explodierten die Geschosse; als von Kanitz in die Scheune ging, den Husaren einen Befehl zu erteilen, wurde er von dem Luftdrucke eines Schrapnellgeschofies an die Wand geschleudert. Ja, sogar das Dach des Häuschens wuroe durch die feindlichen Geschosse zerstört. Es war höchste Zeit, einen anderen Ort zu wählen, aber wohin? Wäre er nach rückwärts gegangen, so hätte er den Standort verlassen, wohin er vom Hauptkommando beordert wurde. Trotz der großen Lebensgefahr blieb er, wie es einem heldenmütigen Soldaten geziemt, auf den ihm zugeteilten Platze. Nicht besser erging es ihm tagsdarauf in Bodolsky, wo in einer Stube der Brigadier chm einige Befehle diktierte. Der Brigadier stand auf, ging der Türe zu, um eine Zigarette zu drehen, als plötzlich durchs Fenster ein Schrapnellgeschoß über den Sessel dahinflog, wo der Brigadier vor einer Minute gesessen, die dünne Mauer des Hauses durchbohrte und auf einen Strohhaufen fiel und dadurch nicht explodierte. In diesen und vielen anderen ,ähnlichen Gefahren bekundete unser Held Mut, Standhaftigkeit, Ausdauer, heldenmütiges Pflichtbewußtsein. Diesen erfolgreichen Verdiensten verdankt von Kanitz seine außertourliche Beförderung zum Husarenoberleutnant, wie di^s auch der zur Beförderung vorschlagende Akt betont: „Gesteigertes Pflichtbewußtjein in kritischen Lagen und besondere Tapferkeit in den schwierigsten Augenblicken". Ladislaus von Kanitz ist im bürgerlichen Leben Oberbeamter der Ungarischen Bank und Handels-A>G. Früher war er in derselben Eigenschaft tätig in London im Bankhause Rothschild, wie auch mehrere Jahre in Paris bei der Credit Lionnais. Er hat sich durch seine schriftstellerischen Arbeiten auf kommerziellem Gebiete einen Namen erworben. Auch jetzt schreibt er in seinen Mußestunden Kriegs- und Situationsberichte für die Budapefter Tagesjournale. Unser junger Held ist der Sohn des verdienstvollen, weithin bekannten Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde zu Eger (Erlau in Ungarn), Herrn Desider von Kanitz, dem Generaldirektor der Erlauer Agrarsparkasse A.-G. Kaiserliche Anerkennung. Edmund Wolf, der einzige Sohn des Kultuspräsidenten von Mohacs Sigmund Wolf, dient seit Ausbruch des Krieges bei dem 38. Feldartillerieregiment, zu dem er als Fähnrich eingerückt ist. Nach kurzer Zeit wurde er zum Leutnant befördert und erhielt jetzt für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde die kaiserliche Anerkennung. Er erhielt Befehl, eventuell selbst unter Zurücklassung seiner Batterie sich zurückzuziehen. Leutnant Wolf hat jedoch unter Bekundung persönlichen Mutes - mit großen Schwierigkeiten die Batterie mitsamt seiner u Truppe gerettet. Kßerst Johann Mestih. Einer der heldenmütigsten Offiziere des berühmten Kaschauer Honved-Jnfanterieregimentes, Oberst Johann Mestitz, wurde vom Kaiser für seine Tapferkeit und seinen Heldenmut mit dem Eisernen Kronen-Orden 'dritter Klasse ausgezeichnet. Der tapfere Offizier, auf welchen auch das Judentum als auf einen seinen tapfersten Söhne mit Stolz blickt, kämpft jetzt in den Karpathen. Ludwig Filleky, Beamter der Kaschauer königl. Besserun^-- anstalt, der als Hmved unter dem Kommando von Mestitz kämpft, erzählt, daß Oberst Mestitz sowohl von seinen Untergebenen, als auch von seinen Kollegen und Vorgesetzten geradezu angebetet wird. Er befindet sich immer dort, wo die Gefahr am größten, und wenn seine Kameraden ihn anflehen, sich doch nicht solchen Gefahren auszusetzen, antwortet er fest und ruhig, t der Fichrer hat seinen Platz voran. Diese seine Haltung hat seine Armee geradezu fanatisiert für den väterlichen Führer und sie hat seine. Befehle stets blindlings ausgeführt. Die hünenhafte Heldengestalt des Obersten Johann Mestitz erschien, wie „Egyenlösseg" aus Kaschau berichtet wird, wiederholt in der dortigen Synagoge, so zum letztenmale anläßlich des letzten Pessachfestes vor dem Kriege, um für seine verstorbenen Angehörigen die Maskir-Andacht zu verrichten. Aterander Adler. Der Budapefter Mediziner Alexander Adler war 19 Jahre alt, als der Krieg ausbrach. Er trat freiwillig in die polnische Legion ein und kämpft seitdem als Einjahrig-Freiwilliger bei dieser mit dem Range eines Zugsführers gegen die Russen. Im September erhielt er drei Tage Urlaub, um an der Universität zu inskribieren und eilte dann zurück an die Front. Am 7. Februar war es in den Karpathen, so berichtet „Egyenlösseg", daß der Oberst des 5. Feldschützenregimentes an sein Regiment die Frage richtete, wer es wagen würde, in den ersten Morgenstunden die jenseits des Flusses gut verschanzten Batterien des Feindes zu erkunden. Legionär Adler meldete sich sofort zu diesem Unternehmen und schwamm 3 Uhr morgens als polnischer Jude über den Fluß. Vorsichtig kundschaftete er die Positionen der russischen Artillerie aus, und nachdem er genaue topographische Aufzeichnungen gemacht hatte, schwamm er nach anderthalb Stunden wieder zurück zu den Unsrigen. Die Russen hatten den Kundschafter zu spät bemerkt, überhäuften ihn mit einem wahren Kugeleregen, doch blieb A d l e r glücklicherweise unverletzt. So gegen 8 Uhr begann unsere Artillerie das Bombardement und brachte eine russische Batterie nach der anderen zum Schweigen. Der Erfolg blieb auch nicht aus, denn an demselben Tage gerieten infolge dieser Aktion sieben feindliche Geschütze in unsere Hände. Der Oberst befahl nach dem Siege den heldenmütigen Legionär zu sich und küßte ihn vor Freude ab. Zwei Tage später erhielt Adler die goldene Tapferkeitsmedaille, welche Se. Exzellenz der Divisionär ihn in Begleitung einer begeisterten Rede an die Brust heftete, und ihn zum Kadettfeldwebel beförderte. Hierauf defilierte die ganze Kompagnie vor dem Hungen Helden. Ludwig Areider. Der Einjährig-Freiwillige des Großwardeiner Honved-Jnfanterieregimentes Ludwig Breider hat eine herrliche Waffentat vollbracht. Es war 6 Kilometer von Jaslo am 24. Dezember, als 130 Großwardeiner Honveds von einer 500 fachen russischen Uebermacht umzingelt wurden. Die unter der Führung von fünf Leutnants und einen Kadetten stehenden 130 Honveds wollten sich nicht ergeben. Die Situation wurde jedoch schon sehr kritisch, als Ludwig Breider, der mit einigen ausgewählten Honveds in den letzten fünf Tagen sehr häufig Vorpostendienste machte und die Gegend ausgezeichnet kannte, sich erbötig machte, die 130 Mann und die Offiziere auf den

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