Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-03-05 · 10 (5.3.1915) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
10 (5.3.1915)
Date
1915-03-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022153--23917-3049140
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jahrgang XXXII M. 10 Dr. Bloch’s Zenttalorgan OOr~- -- --ÜO p V. ft. Postspsrftsstrnarnt Q Lleartng-Verkebr Mr. 810.976. RedaMon und Administration: Wien II/I. Praterstraße 9. y Telephon 45.359. n O ■ ■ — O Q für die gesamten Unteressen des Judentums. Wien, 5. März 1915 LrsiDelnr jeden Freirag. Brief-Adresse: Wie», II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch s Wochenschrift, Wie«. OO'" --=00 p Vriussprris für Vefirrrrich: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespal tene Petitzeile 48 Heller. oO ■■ -.. Juyair Leitartikel: Es wiro fortgehetzt. — Ein Mahnwort an die Flüchtlinge. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Kriegs-- dekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Dekorierung zweier Brüder. Das Signum lauclis für Leutnant Adolf Schlesinger. Josef Biel, Feldwebelim 71. Jnst.-Reg. erhielt die Tapferkeitsmedaille 1. und II. Klaffe. Auf dem Felde der Ehre gefallen: Außertourliche Beförderung. Kaiserliche Anerkennung. Oberst Johann Mestitz Alexander Adler. Ludwig Breider. AiEZftchnungen jüdischer / J Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Sonstige Auszeichnungen. Befördert. Feldpostbrief eines Vaters an die Seinen. Eine jüdische Militärärztin. Drei Hauptleute am Grabe der Mutter. — Betrachtungen eines Patrioten. — Audiatur et altera pars. — Korrespondenzen: Pessachaktion der „Weiblichen Fürsorge". Spende eines Artillerie-Korporals in Wien. Spenden für die Juden unter den russischen Gefangenen. Wien. Austus! Tempelverein im IX. Bezirk. Erleichterungen während der diesjährigen Ostern. Jüdisches Kciegsarchiv. Eine Reminiszenz an den Fall Hilsner. Aus dem belagerten Przemysl. — Vermischtes. — Feuilleton: Friedensarbeit im Kriege. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. G« wird fortgehrtzt. ‘ Die „Reichspost" läßt sich nicht beirren und setzt ihre schamlose Judenhetze ungeschwächt fort. Die perfide giftige Lüge: an der juridischen Fakultät der Wiener Hochschule sind „2400 Hörer inskribiert, von diesen sind 500 Christen. . . . Die arischen Hörer stehen fast alle im Felde", hat sie nicht widerrufen, trotzdem wir ihr ziffernmäßig die Verlogenheit dieser Meldung nachgewiesen haben. Dagegen entschädigt sie sich, indem sie zur Sonntagsfeier neue Lügen und Verleumdungen gegen die Judenheit ausstreut. Die Infamie gegen die galizischen Flüchtlinge in dem Sonntagsärtikel „Wucherer" nach Gebühr zu würdigen, müssen wir uns unter den gegenwärtigen Preßverhältnissen versagen. Die Frage drängt sich jedoch jedem auf: Was will die „Reichspost" mit dieser unaufhörlichen Judenhetze während des Weltkrieges eigentlich bezwecken? Die Kriegsberichterstatter, selbst der neutralen Länder, konstatieren mit staunender Verwunderung die entsetzlichen Grausamkeiten, welche die Russen in Galizien und in der Bukowina speziell gegen die jüdische Bevölkerung verüben. Diese jüdische Bevölkerung, verängstigt und verschüchtert, beobachtet ein vollständig passives Verhalten, bietet den Feinden keinerlei Anlaß zu Exzessen. Trotzalledem bildet sie das Ziel aller Ausschreitungen; jüdische Gemeinden müssen die stärksten Kontributionen zahlen, als Geisel werden vornehmlich Juden weggeführt und die Plünderungen finden ebenfalls vornehmlich in jüdischen Wohnungen statt. Das Newyorker Blatt „Die Wahrheit" vom 1. Januar veröffentlicht folgenden Brief: „In einem jüdsichen Städtchen in Galizien hatte das russische Militär zehn der angesehensten Bürger verhaftet. Es verlautete, daß man sie erschießen würde. Aber plötzlich schlugen die russischen Offiziere ein Tauschgeschäft vor: Sie werden die Männer befreien, man soll ihnen Frauen bringen. Die S!adt verhandelte. Fromme galizische Inden brachten Mädchen, welche für Geld zu den Offizieren gehen wollten. Die Offiziere aber fanden, daß sie nicht schön genug waren. und verlangten die wahre jüdische Schönheit. Die „Stadr" verhandelte weiter, und schließlich gingen drei Töchter von, den Verhafteten hin. Die Väter wollten das keinesfalls: sie wollten sich lieber töten lassen, als die Ehre ihrer Töchter opfern. Die Töchterging e n aber doch zu den Militärbefehlshadern. Diese hielten Wort. Die Väter gaben sie frei, aber die drei jungen Mädch e n v e r g i f t e t e n s i ch d a r a u f. Die Leute, die dies dem Schreiber des Brieseserzählten, verschwiegen ihm den Namen der Stadt nicht, baten ihn aber, ihn nicht zu nennen, um die Frauen dieser Stadt vor Schande zu bewahren." Die Listen der zu verfolgenden Juden bringen oie Russen mit, sie besitzen meistens bereits genaue Verzeichnisse der Namen und Adressen der Juden. Dieses Vorgehen der Russen gegen die galizischen Juden hat seinen besonderen Grund. Die Russen verfolgen in dem Juden die notorisch österreichische Gesinnung, die Kaisertreue, die Liebe und Verehrung zu Sr. Majestät Kaiser Franz Josef. Ist das auch in den Augen der „Reichspost" und des Herrn Dr. Funder ein schweres Verbrechen? Das Verhalten der Juden in Russisch-Polen wird von der deutschen Armeeleitung sowie von den Kriegsberichterstattern einstimmig als tadellos anerkannt. Sie leiden unter der härtesten Grausamkeit und tragen ihr Geschick mit heroischer Geduld. Ein Kriegsberichterstatter versichert: „Selbst antisemitisch gesinnte Deutsche sprachen mir ihr Erstaunen über die Kultur unter der schmutzigen Hülle dieser Juden aus." Die Ehrlichkeit der Juden z. B. in Mlawa wurde von diesem Gewährsmann wiederholt auf die Probe gestellt und jedesmal erstaunlich bewährt gefunden. Dagegen weiß die „Reichspost" aus dem Feldpostbrief eines Wiener Armenrates zu melden, daß die Juden „unsere armen Soldaten auf unerhörte Weise bewuchern". Allerdings beruft sich die „Reichspost" hierfür auf „die Familie Wymetal, die gleich ihrem Sohne eine eifrige

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.