Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 7 (12.2.1915)
- Date
- 1915-02-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 7 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 129 Bremer, Virovitica 1.—, Milan Prpic, Virovilica 1.—, zusammen Kr. 36.—; dazu die früher ausgerviesenen Kr. 245.30, insgesamt Kr. 281.30. — Außerdem übermittelte ich selbst dem speziellen Opfer russischer Barbarei von Fräulein N. B. Kr. 10.—, Rittmeistersgattin Frau v. Berzsenyi 4.—, Dr. K. 1.—, zusammen Kr. 15.-. Jüdisches Theater im Linzer Russenlager. Einem in der „Linzer Tagespost" erschienenen Feuilleton, „Die Russen in Linz", entnimmt man die interessante Tatsache, daß in dem dortigen Lager der kriegsgefangenen Russen mit Erlaubnis des Lagerkommandanten in einer Der Speisehallen Theater gespielt wurde. Die milwir'kenden jüdischen Künstler, die im Jargon sprachen, werden als recht gute Schauspieler bezeichnet. Es heißt in dem betreffenden Feuilleton u. a.: „Das Stück war nichtssagend, aber es wickelte sich vor einer Art von moralischem Hintergründe ab. Die Spieler waren brav, einige recht gut." — In dem Gefangenenlager werden die religiösen Einrichtungen der verschiedenen Bekenntnisse geachtet und esgibt auch israelitischen Gottesdienst. Die Juden lassen sich bei der Arbeitseinteilung als Partieführer verwenden und leisten als Professionisten zumeist Zufriedenstellendes. zfeuAeton. Aktuelle Kriegsreminivzenzen. Bon Oberrabbiner SB. Reich in Baden bei Wien. Der abgelaufenen Woche gab die deutsche Bekanntmachung der Blockade Großbritanniens und Irlands ihr Gepräge — ein Ereignis, bem an Gewicht kein zweites im bisherigen Verlaufe des Völkerkrieges gleichtommt. Wie der „Gazetta del Popolo" aus London gemeldet wird, ist die Phantasie des Publikums in gespanntester Erregung. Die „Schandtaten der deutschen Unterseeboote", die Anwesenheit des deutschen Kaisers in Wilhelmshaven und nicht zum mindesten die „mit Verzweiflung in die Welt hinausposaunten Vorsätze der deutschen Ptarine" haben nicht verfehlt, Besorgnis zu erwecken. Nun tauchen allerlei Vorschläge auf, wie dieser neuen deutschen Gefahr zu begegnen sei. Einer der interessantesten ist jedenfalls der, jedem englischen Handelsdampfer eine größere Anzahl kriegsgefangener deutscher Offiziere beizugeben, so daß die deutschen Unterseeboote schon aus Rücksicht auf die gefährdeten Deutschen die englischen Schiffe werden schonen müssen. Auch nach den der Zeppelingefahr ausgesetzten Küstenplätzen sollen zu gleichem Zwecke internierte und kriegsgesangene Deutsche gebracht werden. Welche schauderhaften Opfer solche barbarische Kriegführung in alter Zeit forderte, dafür hat die jüdische Geschichte so manche erschütternde Beispiele, die das Herz im Leibe erzittern machen. Aus der Makkabäerzeit erzählt Josefus Flavius in seinem Bellum judaicum: „Simon selbst regierte (143—135 v. d. b. Z.) trefflich. Seinen Tod fand er durch Verrat, den sein eigener Schwiegersohn, Ptolemaios, bei einem Gastmahl an ihm beging. Zugleich hatte dieser feine Frau und seine zwei Söhne eingekerkert und sandte Wegen den dritten, Johannes, genannt H yr k a n o s, Meuchler. aus. Der Jüngling erhielt aber hon dem beabsichtigten Angriff Kunde und eilte in die Hauptstadt. Ptolemaios zog sich alsbald, nach Dagon" — im Buche der Makkabäer heißt diese Festung D ö I „einer der Festungen, zurück, die Jericho überragen." „Bei dem Angriffe" — des I o h a nnes H Y r k a it — „auf die Festung war er sonst im Vorteil, aber gerechter Schmerz machte ihn schwach. Ptolemaios nämlich ließ, so oft er bedrängt wurde, H y rka n's Mutter und Brüder" — nach der Erzählung im Buche der Makkabäer waren die zwei Brüder des H y r k a n bei demselben Ueberfall, der Simon, ihrem Vater, das Leben kostete, mit umgekommen — „auf die Mauer führen, vor feinen Augen peitschen und drohte, wenn er nicht alsbald abstünde, sie hinabzustürzen. Da wurde Hyrkan jedesmal von Mitleiden und Furcht ergriffen, die seinen Zorn überwog; die Mutier aber, weder durch die Schläge, noch durch den ihr gedrohteil Tod eingeschüchtert, reckte die Hände aus und flehte den Sohn an, doch nicht aus Mitleid mit ihren Mißhandlungen des Frevlers zu schonen, denn sie selbst ziehe den Tod durch Ptolemaios Hand dem Leben vor, wenn nur dieser für das, was er an ihrer Familie gefrevelt, gestraft würde." „Wenn nun Johannes die Gelassenheit seiner Mutter bedachte, und ihre flehentlichen Bitten vernahm, ließ er mit Ungestüm den Angriff erneuern; sah er aber wiederum, wie man sie schlug und zerfleischte, so wurde er iveich und voll Mitleids. Wie hiedurch die Belagerung sich in die Länge zog, rückte daS Ruhejahr heran, welches bei den Juden nach je sieben Jahren, wie der Sabbat je am siebenten Tage, gefeiert wird. Ptolemaios, dadurch von der Belagerung befreit, brachte die Brüder des Johannes samt seiner Mutter ums Leben und floh zu Zenon, dem Tyrannen von Philadelphia." Es ist dies das alte Rabbath Ammon, dessen Ruinen noch heutzutage Amman heißen, die frühere Hauptstadt der Ammonit er im Oftjordanland. Ein in der Geschichte minder bekanntes Beispiel von solch schrecklicher Kriegstaktik bietet uns ein ereignisreicher Vorgang in dem einstigen M au r i t an ien, welches voraussichtlich bald ein neuer Schauplatz des sich immer mehr ausdehnenden Weltkrieges werden dürfte. Unter dem Begriffe Manritanien ist die alte römische Provinz zu verstehen, die die Ländar Algier, -t u n i s>, Tripolis, Fez und Marokko in sich schloß; also ganz Nordafrika, mit Ausnahme von Aegypten, welches unter Rom eine besondere Provinz bildete; die Einwohner dieses großen LänderkomplexeS sind als Mauren bekannt, umer deren Herrschaft dann im Laufe eines Jahrtausends die ganze pyrenäische Halbinsel kam, in welcher sich das Judentum bis zum Jahre 1492 großartig zu entwickeln vermochte. Ihrem Volksftamme nach heißen die Nordafrikaner noch gegenwärtig Berbern, ein Name, aus dem seinerzeit der Ausdruck Barbarei sich in die lateinische Sprache eingebürgert hat, mit dem Beigeschmäcke der Wildheit und Unkultur. In Wirklichkeit haben die Römer barbarisch unter ihnen bewirtschaftet, und als die Mauren es unter dem tyrannischen römischen Szepter nicht mehr aushalten konnten, riefen sie die in Italien eingebrochenen Vandalen zu Hilfe, sie von dem Joche der Römer zu befreien. Im Jahre 405 n. d. b. Z. kam nun G e n s e r i ch der König der Vandalen, ihm schlossen sich die Mauren und die zahlreich in festen Burgen von den Römerzeiten her angesiedellen kriegerisch geschulten Juden an und vertrieben die Römer. Aber nur 90 Jahre dauerte die Herrschaft der Vandalen über M a u r i t a n i e n. Unter Kaiser Justinian wurde sie wieder von dem Feldherrn Belisar für das römische Reich zurückerobert. Aber Rom war dem Untergange geweiht. Es kamen die Gothen im Jahre 554 über Spanien nach Afrika und vertrieben die Römer. Jedoch auch ihnen sollte die Herrschaft dort nicht lange bleiben. Im Jahre