Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 7 (12.2.1915)
- Date
- 1915-02-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 7 Dr. Bloch s Jahrgang XXXII Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. OG p --^)Q A. ft. Postsxarftastensmt Q OG =ÖO Siearing-Verkebr Mr. 810.976. RedaMon und Administration: wir« IT/i, Praterstraße 9. Jj Telephon 45.359. . Wien, 12. Februar 1915 Lrscbelnr jeden Freitag. oOi ■Do Brief-Adresse: Wie«, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch s Wochenschrift, Wien. p Br;ugspreis für Vrsterrrirh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespal tene Petitzeile 48 Heller. £ Q P- ~ ■ Q O Inhalt. Leitartikel: Inneres und Aeußeres. — Unsere Advokatenkammer. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Kriegsdekoratronen jüdischer Offiziere und Soldaten. Ein Feldpostbrief. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Eisernes Kreuz für einen österreichischen Arzt. Zum preußischen Reserveoffizier befördert. Sonstige Auszeichnungen. Ein gemeinsames Grab. Siegwart Wertheimer aus Ludwigsburg. Walther Heymann. Zweiter Offener Brief an »Ido American Hebrew«. Ter russische Ministerpräsident Goremikin dementiert. Wie die Russen in Dukla hausen. — Korrespondenzen: Pessachaktion der „Weiblichen Fürsorge". Aufruf! Die jüdische Volksküche. Verzeichnis der in der Zeit vom 15. bis 31. Januar 1915 bestatteten Offiziere und Mannschaften. Bielitz-Bialaer Israel. Handwerkerverein. Justus Brinckmann. Trenesin-Teplitz. Der Lazarettzug der deutschen >Bne Briss«- Logen. — Vermischtes. — Feuilleton: Aktuelle Kriegsreminiszenzen. — Theater und Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Unneres und Neusseres. Zum Kapitel: „Galizianer" und „Polische". „Kultur und Zivilisation find zwei grundverschiedene Dinge". So etwa hat der deutsche Kaiser dieser Tage zutreffend geurteilt. Wer diesen Gegensatz nach beiden Seiten hin richtig beleuchten will, braucht nur dem fashionablen Engländer gegenüberzustellen den armseligen — polnischen Juden. Die Veräußerlichung unserer Weltauffassung und Lebenshaltung gab sich am krassesten in der Nachäffung des englischen Snobismus kund. Innen, in der Gesinnung so schmutzig, wie nur möglich, wenn auch außen: subtilste Sauberkeit! Das war das Bildungsideal. In deutschen Konzentrationslagern wird den Gentlemen, die um Sold und Lohn ihre Haut zu Markte tragen, jener Bezirk angewiesen, der nicht zu. den bestriechenden gehört. Damit will man nicht sowohl dem Haß gegen das perfide Albion Ausdruck verleihen, als weit mehr der Rücksicht auf die anderen Geangenen, die, selbst Soldaten eines Volksheeres, aus jene um Geld feile Soldateska mit Verachtung herabblicken. Bei ihnen standen jene Zivililisationsfexe ohnehin in — üblem Geruch. Gewohnt, den Menschen nach dem Aeußern zu bewerten, erleben nun unsere und die deutschen Krieger in Polen und Galizien eine Ueberraschung, die sie im Verein mit den Erfahrungen. wie wir sie jetzt mit höchstzivilisierten Nationen machen müssen, zu einer gründlichen „Umgruppierung" ihrer Lebensanschauung und einer eingehenden Korrektur ihrer ethnographischen Urteile führt. Welcher Wert ist dem jüdisch-galizischen Menschenmaterial in der Schlacht, vor der Front zuzuerkennen? Eine Anzahl Kriegskorrespondenten, welche verschiedene Armeeteile auf dem Kriegsschauplätze besuchten, wurden auch vom Divisionskommandanten EWerzog Peter Ferdinand empfangen und ein Redakteur der Budapester Tageszeitung „A Nap", Geza Herczeg, berichtet über den Besuch. Seine Mitteilungen sind insbesondere von hohem Werte für die Beurteilung des moralischen Wertes des jüdischen Soldatenmateriales aus Galizien. Erzherzog Peter Ferdinand lud die Berichterstatter zu Tisch und wies seinen Gästen rechts und links neben sich chre Plätze an. Während des einfachen, feldmäßigen Mahles erzählte er seinen Gästen von seinen bisherigen Kriegserfahrungen. Er sprach voll Bewunderung von der Willigkeit, Tapferkeit und Aufopferungsfähigkeit der ihm unterstellten Mannschaften. Besonders gerührt erzählte er von einem ^jährigen Mann, der eines Tages bei der Division erschienen sei und sich freiwillig gemeldet habe mit der Begründung, daß seine drei Söhne, sein einziges Vermögen, in dieser Division dienen, und daß er als alter Soldat es nicht übers Herz bringen könne, untätig zu Hause zu bleiben. Nun dient „der alte Hüttler mit seinen drei Löhnen" unter einer gemeinsamen Fahne. „Leider habe ich den Vornamen des alten Hüttler vergessen", schloß Feldmarschalleutnant Peter Ferdinand seine Erzählung: „aber das werden wir gleich wissen", setzte er sofort hinzu, als ein bärtiger Unteroffizier die Offiziersmesse betrat, dem der Erzherzog auftrug, den Vornamen des Hüttler zu ermitteln. Der Unteroffizier verschwand und der -Erzherzog sagte: „Ein wackerer, verläßlicher Mensch, dieser Unteroffizier; er ist ein galizischer Jude und wie Sie an seinem Barte erkennen konnten, gesetzestreu." Der Unteroffizier kam bald mit der Auskunft zurück, daß der „alte Hüttler" Moritz heiße. Der Divisionär dankte für die Auskunft und sagte: „Sie sind ein braver Baal- Milchome." Die Anwesenden lächelten darüber, daß der Erzherzog einen hebräischen Ausdruck gebraucht hatte. Peter Ferdinand erklärte die Bedeutung des Wortes und es entspann sich ein allgemeines Gespräch über die Juden als Soldaten. Ein Hauptmann erzählte von den vielen jüdischen Landsturmmännern, welche in traditioneller Barttracht ihren Militärdienst versehen und äußerst zuverlässig und eifrig sind. Der Erzherzog meinte darauf: „Meine Herren, es freut mich, daß sich Gelegenheit bietet, darüber zu sprechen. Wollen Sie also zur Kenntnis nehmen, was für Erfahrungen ich mit meinen jüdischen Soldaten gemacht habe. Sie sind alle außerordentlichverwendbar und sehr tapfer. Die Juden haben sich in meiner Division heldenhaft geschlagen und ich bin mit ihnen sehr zufrieden." Dieses Urteil des Erzherzogs Peter Ferdinand stimmt genau mit den Aeußerungen des Erzherzogs Josef über seine jüdischen Krieger überein. (Nr. 5 der „Oesterreichischen Wochenschrift".)